Focus

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Dieser Artikel beschreibt die Wochenzeitschrift, andere Bedeutungen des Begriffes Focus sind unter Focus (Begriffsklärung) zu finden.
Focus
Logo
Beschreibung Nachrichtenmagazin
Sprache Deutsch
Verlag Hubert Burda Media (Deutschland)
Erstausgabe 18. Januar 1993
Erscheinungsweise wöchentlich/montags
Verkaufte Auflage
(IVW 2/2014)
498.022 Exemplare
Verbreitete Auflage (IVW 2/2014) 504.815 Exemplare
Reichweite (MA 2012 I) 5,09 Mio. Leser
Chefredakteur Jörg Quoos
Herausgeber Helmut Markwort, Uli Baur
Weblink focus.de
Artikelarchiv 1993 ff.
ISSN 0943-7576
Herausgeber H. Markwort (2005)

Der Focus (Eigenschreibweise: FOCUS) ist ein deutsches wöchentlich erscheinendes Nachrichtenmagazin. Es erscheint im Burda-Verlag München unter der Leitung von Hubert Burda als Verleger und Helmut Markwort sowie seit 2013 zusätzlich Uli Baur als Herausgeber. Burda und Markwort gründeten und konzipierten das Magazin als Konkurrenz- bzw. Alternativblatt zu dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Focus erschien erstmals am 18. Januar 1993 und hatte ein angebliches Comeback (entpuppte sich als Ente) des Politikers Hans-Dietrich Genscher als Nachfolger von Richard von Weizsäcker im Amt des Bundespräsidenten als Titelthema.[1]

Zuvor waren bereits mehrere Konkurrenz-Versuche zum bis dahin unangefochtenen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gescheitert. Für viele Medienbeobachter überraschend war der Focus jedoch wirtschaftlich erfolgreich und etablierte sich innerhalb weniger Jahre.[1] Bekannt wurde die Werbung mit dem Slogan „Fakten, Fakten, Fakten“. Für die Werbespots werden Ausschnitte aus einer nachgestellten Redaktionssitzung gezeigt. Die Werbung wurde von 1997 bis 2000 in der Sketch-Comedy Switch parodiert, 55 1,5-4-minütige Folgen sind entstanden. Durch die Parodie wurde auch Bernhard Hoëcker bekannt, weil er bei jedem Spiel ausschied (Hoëcker, Sie sind raus! Wieso das denn?).

Helmut Markwort zog sich im Herbst 2010 als Chefredakteur des Nachrichtenmagazins zurück und machte seinem Nachfolger Wolfram Weimer vom politischen Magazin Cicero am 1. September 2010 Platz. Weimer und der bisherige Chefredakteur Uli Baur agierten als gleichberechtigte Chefredakteure. Markwort blieb aber Herausgeber des Nachrichtenmagazins.[2] Weimer kündigte neben „Fakten, Fakten, Fakten“ vor allem „Relevanz, Relevanz, Relevanz“ an. Zur Debatte standen auch Neustrukturierungen der Ressorts, etwa eine Zusammenlegung von Kultur mit Medien und Modernem Leben oder mehr grenzübergreifende Themen, bei denen die Deutschland- und Ausland-Ressorts zusammenarbeiten. Weimer wollte die Renaissance des Focus weiter durch Allianzen mit internationalen Unternehmen und Seiten-Produkte wie Jahresrückschauen fördern.

Bereits nach einem Jahr verließ Weimer am 26. Juli 2011 den Focus. Alleiniger Chefredakteur wurde Uli Baur.[3] Informationen der Süddeutschen Zeitung zufolge hätten Markwort und Baur Weimers Kurs „abgelehnt und zuletzt immer stärker behindert“. Weimer habe das Magazin „anspruchsvoller und politischer“ positionieren, Markwort und Baur hätten es „wie früher ‚nutzwertiger‘ und volksnäher“ gestalten wollen. Die Einzelverkaufsauflage sei unter der Doppelspitze „immer öfter“ unter die Marke von 100.000 gerutscht.[4]

Am 1. Januar 2013 übernahm Jörg Quoos die Chefredaktion des Focus; die erste Ausgabe unter seiner Leitung erschien am 7. Januar.[5] Anfang 2014 wurden die Produktion und wichtige Ressorts der Redaktion von München nach Berlin verlegt.

Profil[Bearbeiten]

Der Focus positioniert sich selbst als Nachrichtenmagazin in der Nähe des Spiegel, dieser grenzt sich jedoch dezidiert vom Focus ab, den er mitunter als „Münchner Illustrierte“ bezeichnet.[6]

Focus und Der Spiegel unterscheiden sich in ihren redaktionellen Konzepten. Der Spiegel legt den Schwerpunkt auf komplexe politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Analysen, in denen größere Zusammenhänge beleuchtet werden. Demgegenüber bietet Focus alltagsrelevante Ratschläge aus den Bereichen Familie, Gesundheit, Finanzen und Karriere. Lesern wird mit kurzen Texten, zahlreichen Grafiken, Bildern und Rankinglisten Informationen geboten, die schnell zu rezipieren sind.[6] Nach eigenen Angaben will der Focus damit vor allem junge, bildungs- und karrierebewusste Menschen ansprechen. Spiegel und Focus-Leser unterscheiden sich jedoch nicht hinsichtlich soziodemografischer Merkmale, sondern in ihren Neigungen und ihrer politischen Verortung: Focus-Leser interessieren sich stärker für Finanz- und Konsumfragen, jeder dritte gibt seinen politischen Standort als „Rechts“ an. Spiegel-Leser ordnen sich eher dem politisch linken Spektrum zu und sind an philosophischen Fragen, Kunst und Kultur interessiert. Während die Spiegel-Leserschaft der klassischen „Intelligenz“ entstammt, orientieren sich Focus-Leser stärker am Zeitgeist. Bei beiden Magazinen machen Frauen nur ein Drittel der Leserschaft aus.[6]

Kontakte zu Nachrichtendiensten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Journalisten-Skandal

Die Focus-Redaktion rückte bei den Ermittlungen zum Journalisten-Skandal des Bundesnachrichtendienstes in den Blickpunkt (ab 2006). Bei dem Skandal hatten mehrere Journalisten dem Geheimdienst angeboten (unter anderem gegen Geld- und Sachleistungen), Informationen über investigative Journalisten und deren Quellen zu sammeln und weiterzugeben.[7] Dies ergab sich aus den Erkenntnissen des Bundestagskontrollausschusses, der Aussage vom BND-Direktor Volker Foertsch am 12. Februar 2009[8][9] und dem Schäfer-Bericht zur BND-Affäre.[10]

Eine zentrale Spitzelrolle hatten demnach die Focus-Journalisten mit den BND-Decknamen Jerez, Bosch und Dali. Die Notizen vom BND-Direktor Foertsch über weitergegebene Informationen vom Focus-Redakteur Josef Hufelschulte umfassten gar 219 Seiten.[9] Die Focus-Journalisten wurden als Informationsquellen vom BND teils selbst überwacht.

Auflage[Bearbeiten]

Der Focus hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 36,4 Prozent gesunken.[11] Sie beträgt gegenwärtig 498.022 Exemplare.[12] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 35,2 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[13]


Entwicklung der Abonnentenzahlen[14]


Ableger[Bearbeiten]

Print[Bearbeiten]

Das Logo von Focus Money

Unter der Marke Focus Money erscheint seit dem Frühjahr 2000 ein wöchentliches Wirtschaftsmagazin. Focus Money ist derzeit der zweit-auflagenstärkste Wirtschaftstitel mit einer verkauften Auflage von 125.925 Exemplaren.[15] Der erste Chefredakteur musste das Blatt bereits wenige Tage nach dem Start verlassen. Er geriet im Zusammenhang mit seiner Redaktionstätigkeit in den Verdacht des Insiderhandels und machte so bundesweite Schlagzeilen.[16] Ein anderer, bis 2006 für Focus Money tätiger Journalist, der dort auch Aktien empfohlen hatte, saß in Zusammenhang mit Kursmanipulationen kurzzeitig in Untersuchungshaft.[17]

Ab 2004 erschien das Magazin Focus Schule als eigenständige Zeitschrift, im zweimonatlichen Rhythmus. Es richtete sich besonders an Eltern schulpflichtiger Kinder. Nach der Ausgabe 1/2013 wurde es eingestellt.[18]

Seit dem 3. November 2011 ist FOCUS Gesundheit[19] erhältlich und berichtet über Themen, wie Rücken, Herz, Schwangerschaft und Geburt, Psyche oder Zähne.[20]

Am 25. September 2012 startete FOCUS mit einem weiteren neuen Titel: FOCUS-Diabetes.[21] Dabei handelt es sich um einen weiteren wiederkehrenden Titel, welcher auch als Abo angeboten wird. Der Titel erscheint viermal im Jahr und ist unterteilt in vier große Rubriken: Menschen + Geschichten, Medizin + Forschung, Ernährung + Genuss und Fitness + Bewegung.

TV[Bearbeiten]

Die Zeitschrift betreibt seit dem 1. Juni 2005 einen Bezahlfernsehsender namens Focus Gesundheit, der über SKY Deutschland AG ausgestrahlt wird. Darüber werden unter der Marke Focus weitere Produktionen, wie zum Beispiel Focus-TV und Future-Trend hergestellt. Die Magazine aus München präsentieren auf den Sendern ProSieben und RTL dem Zuschauer die Hintergründe aktueller Entwicklungen.

Internet[Bearbeiten]

Seit 2007 bietet Focus ein Internetportal speziell für Studierende, Focus Campus, an, wo ursprünglich ein gleichnamiges, kostenloses PDF-Magazin abonniert werden konnte, das aber im Jahr 2008 eingestellt worden ist.[22][23][24]

Mobile[Bearbeiten]

Im Bereich Mobile gibt es seit 2012 die Möglichkeit, eine digitale Version der Zeitschrift zu erhalten (FOCUS E-Paper[25]). Zudem bietet Focus Apps, wie z. B. die FOCUS App für Abonnenten[26] oder auch die FOCUS Online App[27] an.

Kritik[Bearbeiten]

Focus Money betreibt in Zusammenarbeit mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft das Schulprojekt „Wir erklären die Wirtschaft“. Im Rahmen des Projektes werden Lehrern und Schulen monatlich Lehrmaterialien für den Unterricht zur Verfügung gestellt. Das Medienmagazin Zapp nutzte das Projekt im Oktober 2011 als Beispiel für die einseitige und intransparente Beeinflussung von Schulen und Lehrinhalten durch Unternehmen und Lobbyinggruppen.[28] Eine weitere Kooperation mit der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH („FOCUS macht Schule“) wurde im gleichen Zusammenhang ebenfalls kritisiert.

Vertriebsdaten[Bearbeiten]

Die verkaufte Auflage betrug im letzten Quartal, für das vollständige IVW-Zahlen vorliegen, 498.022 Exemplare.[29] Davon sind etwa 175.000 Abo-Exemplare, 90.000 Exemplare werden über Lesezirkel und knapp 150.000 als Bordexemplare über die Fluggesellschaften vertrieben. Der Einzelverkauf schwankt – je nach Titelthemen – relativ stark und lag im ersten Quartal 2014 laut IVW durchschnittlich bei rund 75.000 Exemplaren. Der Focus stellt nach dem Spiegel und dem Stern das drittgrößte deutsche wöchentlich erscheinende Nachrichtenmagazin dar. Während bei Spiegel und Stern zwei Drittel der Umsätze aus Anzeigenverkäufen stammen, sind es bei Focus fast drei Viertel der Umsätze.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Focus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Umstrittene Fakten – Der Focus und sein Jubiläum. in: NDR, Zapp, 5. März 2008
  2. FAZ.NET Im Gespräch: Helmut Markwort, erschienen am 23. Januar 2010
  3. Wolfram Weimer verlässt Chefredaktion Spiegel online vom 26. Juli 2011
  4. „Focus“: Chefredakteur Weimer gibt auf sueddeutsche.de vom 26. Juli 2011
  5. Jörg Quoos: Eine Reform für den „Focus“, Hamburger Abendblatt 7. Januar 2013.
  6. a b c d Bettina Kaltenhäuser: Abstimmung am Kiosk, Deutscher Universitats-Verlag 2005, ISBN 978-3-8244-4617-9, S.95 f.
  7. Peinliche Details – Journalisten liefern Informationen an BND. in: NDR, 25. Februar 2009.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFoertsch – Journalistenkontakte sollten BND-Lecks aufdecken. In: Bundestag.de. 12. Februar 2009, abgerufen am 6. Sept. 2009.
  9. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDem BND zu Diensten. In: sueddeutsche.de. 12. Februar 2009, abgerufen am 6. Sept. 2009.
  10. Gutachten von Dr. Gerhard Schäfer vom 26. Mai 2006 (PDF; 8,72 MB)
  11. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  12. laut IVW, zweites Quartal 2014 (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  13. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  14. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  15. laut IVW, zweites Quartal 2014 (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  16. Thomas Kaufner: Medien: Schärfere Regeln für Wirtschaftsjournalisten. In: stern.de. 4. März 2001
  17. Alexander Weber: Kursmanipulation: Deutsche Erfolge gegen Börsenbetrug. In: Die Presse. 1. September 2011
  18. Kress Mediendienst 16. Januar 2013
  19. FOCUS Gesundheit
  20. Inhalte FOCUS Gesundheit
  21. FOCUS-Diabetes
  22. Focus – Campus
  23. FOCUS startet interaktive PDF-Zeitschrift FOCUS-CAMPUS für Studenten
  24. Focus Campus: “Whizkid” für mehr als Wunderkinder
  25. FOCUS E-Paper
  26. FOCUS App für Abonnenten
  27. FOCUS Online App
  28. „Lehrmittel – PR in der Schule“, Zapp, 2. November 2011
  29. laut IVW, zweites Quartal 2014 (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)