FS E.412

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FS E.412
E.412 bei Mertingen
E.412 bei Mertingen
Nummerierung: E.412.001-020
Anzahl: 28
Hersteller: Bombardier Vado Ligure
Baujahr(e): 1997–1999
Achsformel: Bo'Bo'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 19.400 mm
Höhe: 4.100 mm
Breite: 2.850 mm
Drehzapfenabstand: 11.400 mm
Drehgestellachsstand: 2.650 mm
Dienstmasse: 88 t
Radsatzfahrmasse: 22 t
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h Italien; 140 km/h Deutschland; 120 km/h Österreich
Dauerleistung: 5600 kW (15 kV AC)
5400 kW (3 kV DC)
2700 kW (1,5 kV DC)
Anfahrzugkraft: 280 kN
Stromsystem: 15 kV, 16,7 Hz ~
3 kV =
1,5 kV =
Anzahl der Fahrmotoren: 4x IGA-Drehstrom-
Asynchronmotoren
Bremse: Druckluftbremse,
el. Nutzbremse
Zugsicherung: RS 4 Codici, PZB, LZB

Die Baureihe E.412 ist eine italienische Mehrsystem-Elektrolokomotive.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1993 gab die FS im Zuge der wachsenden internationalen Aktivitäten der europäischen Bahngesellschaften eine Mehrsystemlokomotive in Auftrag, die in der Lage sein sollte, sowohl im italienischen 3-kV-Gleichstromnetz als auch nach Frankreich (1,5 kV =) und insbesondere für den Brennerverkehr auch im österreichischen und deutschen Netz (15 kV 16,7 Hz) einsetzbar zu sein. Lauftechnisch sollte die Lokomotive sowohl für schnelle EuroCity-Züge als auch für den Güterverkehr konstruiert sein. Die vier Prototyp-Loks wurden ab 1996 vom damaligen Hersteller ABB Technomasio (heute Bombardier Transportation) in Vado Ligure, Italien, gebaut. Dieses Werk produziert nahezu ausschließlich für den italienischen Markt. Nach vielen Testfahrten, die die Lokomotive zusammen mit der Baureihe 128 der DB auch in die Schweiz führten, wurde 1997 mit der Serienproduktion von weiteren 16 Maschinen begonnen. Außerdem wurde auch versucht, acht baugleiche Fahrzeuge nach Polen (sollten dort als Baureihe EU43 laufen) zu verkaufen, was aber aus finanziellen Gründen seitens der PKP scheiterte. Die polnischen Loks sind jetzt an die italienische Privatbahngesellschaft RTC (Rail Traction Company) verkauft. Ende 1999/2000 wurden erstmals Testfahrten über die Pustertalstrecke bis nach (Lienz in Osttirol) Österreich unternommen. An manchen Tagen kamen diese Mehrsystem-Fahrzeuge sogar bis nach Spittal-Millstättersee.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Lokomotiven sind konstruktiv und technisch dem Prototyp der AEG 12X sehr ähnlich, welche für eine ganze Gruppe von modernen Elektrolokomotiven Pate stand. Die geschweißte Stahl-Leichtbau-Konstruktion des Lokkastens stützt sich über Flexicoil-Schraubenfedern auf die Drehgestelle. Die Seitenwände aus Aluminium sind zur Erhöhung der Steifigkeit gesickt. Der estergekühlte Transformator ist, wie bei Neubaulokomotiven üblich, unterflur angebracht. Sie besitzen zwei Drehgestelle mit je zwei durch Drehstrom-Asynchronmotoren angetriebenen Achsen. Jedes Drehgestell bildet eine gemeinsame Antriebseinheit. Außerdem verfügen die Lokomotiven über eine elektrische Rekuperationsbremse (der in den Fahrmotoren beim Bremsen erzeugte Strom wird zurück in die Fahrleitung gespeist, auch Nutzbremse genannt). Es wurden zwei Dachstromabnehmer der Bauart WBL 85 montiert, je einer für Gleichstrom (Führerstand A, italienische Wippe) und Wechselstrom (Führerstand B, deutsch-österreichische Wippe). Unter Wechselstromsystemen wird die sekundärseitige Spannung des Haupttransformators in einem Vierquadrantensteller (4QS) in eine Gleichspannung umgewandelt, welche in einen Gleichstromzwischenkreis eingespeist wird. Unter den Gleichstromsystemen erfolgt die Speisung des Zwischenkreises direkt aus der Fahrleitung. In je einem Pulswechselrichter pro Antriebseinheit wird dieser Gleichstrom dann in einen drei Phasen-Drehstrom zur Speisung der Fahrmotoren umgewandelt. Die Steuerung der Antriebe erfolgt durch ein rechnerunterstütztes Betriebssystem. Außerdem besitzen die Lokomotiven eine 18polige IS-Leitung (UIC-Kabel), Doppeltraktionssteuerung und Energieversorgung über Zugsammelschiene für Reisezüge. Lauftechnisch ist Baureihe in der Lage, 220 km/h zu erreichen, jedoch in Italien nur für 200 km/h zugelassen. Ausgerüstet wurden die Lokomotiven mit den gängigen Zugsicherungssystemen RS4 Codici (Italien) und PZB / LZB (DB / ÖBB). Von einem Einsatz in Frankreich wurde abgesehen. Die Lackierung der E 412 entspricht dem derzeit üblichen XMPR-Anstrich der FS.

Einsatz[Bearbeiten]

Zum geplanten Einsatz vor EuroCity-Zügen nach Deutschland bis München kam es nicht, da die ÖBB die Zulassung verweigerten. Dennoch sind sie von Anfang an auf der Brennerstrecke von Verona aus im Einsatz gewesen. Durch die Zuteilung der Baureihe zu Trenitalia Cargo sind die Lokomotiven heute ausschließlich im Güterverkehr im Einsatz. Vor allem die Züge der Rollenden Landstraße und Container-Züge zwischen dem Brenner und Verona obliegen ihrer Bespannung. Nach einer kurzen Testreihe in Polen werden auch die Lokomotiven der RTC heute auf der italienischen Brennerbahn für die Bespannung von Güterzügen eingesetzt. Nach wiederholten Testfahrten im Frühjahr 2006 sind die Lokomotiven seit Mitte Juni 2006 auch in Österreich zugelassen. Seit Sommer / Herbst 2006 werden so planmäßig Züge zwischen Regensburg/Ingolstadt und Italien sowie München und Italien bespannt. Dabei kommen sie ausschließlich durch die Trenitalia-Tochter TX Logistik zum Einsatz. Ende Januar, Anfang Februar 2007 wurden in einem Großversuch durch TXL auch Züge von Verona bis in das Ruhrgebiet durchgehend mit den Lokomotiven bespannt. Ab Anfang April 2007 werden diese Lokomotiven der FS im Übereinkommen mit den ÖBB bis nach Salzburg fahren. Im Gegenzug fahren die ÖBB-1216 bis nach Cervingnano (Italien) ohne Umspannen an der Grenze durch.

Weblinks[Bearbeiten]