Fachakademie für Sozialpädagogik

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Die Fachakademie für Sozialpädagogik ist eine Ausbildungsstätte für Erzieher/Erzieherinnen in Bayern. Sie ist im Wesentlichen mit den Fachschulen für Sozialpädagogik in anderen deutschen Bundesländern zu vergleichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Vorläufer der heutigen Fachakademien für Sozialpädagogik waren in den Anfängen sog. Kinderbewahrschwesternschulen, Lehrkurse für Kleinkinderlehrerinnen, Lehrkurse für Leiterinnen von Bewahranstalten, Kindergärtnerinnenseminare und andere mehr, wobei die meisten Ausbildungsstätten unter kirchlicher/klösterlicher Trägerschaft standen. Der erste Lehrkurs zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen wurde 1843 in München von den Armen Schulwestern im Angerkloster ins Leben gerufen.[1]

1908 erfolgte in Preußen die erste staatliche Regelung der Ausbildung und damit die Sicherung professioneller Mindeststandards der Berufsausbildung.[2] Diese Ausbildungsregelungen waren Vorbild für die anderen deutschen Staaten. In Bayern erfolgten die ersten staatlichen Verordnungen 1911. Demzufolge wurden die Seminare, auch die privaten, dem Ministerium unterstellt. In Bayern waren die meisten Seminare in klösterlicher Trägerschaft, wobei die seinerzeit (1928) am meist empfohlenen waren:

  1. Das Kindergarten-Hortseminar der Armen Schulschwestern im Angerkloster zu München.
  2. Die Kindergarten- bezw. Hortseminar der Engl. Fräulein zu Haag in Oberbayern, und zu Aschaffenburg in Unterfranken.
  3. Das Kindergärtnerinnenseminar der Sternfrauen zu Nördlingen, und zu Augsburg.
  4. Das Kindergärtnerinnenseminar der armen Franziskanerinnen zu Dillingen.
  5. Das Kindergärtnerinnenseminar in Würzburg-Oberzell.
  6. Das Kindergärtnerinnenseminar der Franziskanerinnen in Mallersdorf.
  7. Das Kindergärtnerinnenseminar des Crescentiaklosters in Kaufbeuren.
  8. Das Kindergärtnerinnenseminar des Klosters Marienberg in Abenberg.

Sämtliche Seminare haben staatliche Abschlussprüfungen.[3]

Durch ministeriellen Erlass erfolgte 1928 eine Änderung der Ausbildungssituation: die Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenausbildung (die bis dahin ein bzw. zwei Jahre dauerte) wurde in einem zweijährigen Lehrgang vereinigt.

Während der Nazi-Diktatur wurden die bestehenden Seminare gleichgeschaltet, viele konfessionell gebundene Ausbildungsstätten aufgelöst oder NSV-Seminare ins Leben gerufen (z. B. in Friedberg bei Augsburg, Schloss Steinenhausen bei Kulmbach). Für die Seminare in kirchlicher Trägerschaft verfügte das Bayer. Staatsministerium für Unterricht und Kultus:

Die konfessionell gebundenen sozialpädagogischen Seminare sind noch im Laufe dieses Jahres in die Hand eines öffentlichen körperschaftlichen Schulträgers überzuleiten … Den Leiterinnen […] ist mitzuteilen, daß mit Beginn des Schuljahres 1941/42 Neuaufnahmen nicht mehr stattfinden dürfen.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden, um den erhöhten Bedarf an ausgebildeten Kindergärtnerinnen/Hortnerinnen zu entsprechen, Schnell- und Sonderkurse errichtet. Der Besuch dieser war an die Bedingung geknüpft, dass die Absolventinnen später sich einer Nachschulung unterziehen. Die wiedereröffneten oder neu entstandenen Schulen nannten sich Seminare für Jugendpflege, Fachschulen für Kindergärtnerinnen, Seminare für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen sowie seit 1968 Fachschulen für Sozialpädagogik. Die Neuordnung über das berufliche Schulwesen in Bayern 1972 führte zu einer weiteren Änderung: Die Fachschulen für Sozialpädagogik wurden umgewandelt in Fachakademien für Sozialpädagogik, die neben der beruflichen Ausbildung der Erzieher/-innen auch den Erwerb der fachgebundenen Fachhochschul- bzw. Hochschulreife ermöglichen.

Zur Zeit (2012) wird heftig darüber diskutiert, ob die Ausbildung um ein Jahr verkürzt werden soll. Diesbezüglich gibt es zum Für und Wider einer Verkürzung die unterschiedlichsten Ansichten. Margret Langenmayr meint unter anderem, dass sich der laute Ruf nach Verkürzung der Ausbildung weniger auf die qualitative Weiterentwicklung der Ausbildung zu beziehen [scheint], wie sie kontinuierlich notwendig ist, sondern auf die Erwartung, dadurch mehr junge Frauen und Männer zu motivieren, den Beruf zu ergreifen.[5]

Aufnahmekriterien[Bearbeiten]

Die Aufnahme an einer Fachakademie für Sozialpädagogik setzt einen mittleren Schul- bzw. Bildungsabschluss und eine abgeschlossene berufliche Erstausbildung, i.d.R. zum/zur Kinderpfleger/-in, voraus. Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss erhalten diese durch das Sozialpädagogische Seminar. Absolventen der Hauptschule erhalten über den Besuch der Berufsfachschule für Kinderpflege bzw. Sozialpflege den Berufsabschluss und bei einer Durchschnittsnote ab 3,0 und mindestens ausreichenden Englischkenntnissen den mittleren Schulabschluss.

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Ausbildung gliedert sich in das Sozialpädagogische Seminar, das Studium und das Berufspraktische Jahr.

Sozialpädagogisches Seminar[Bearbeiten]

Das Sozialpädagogische Seminar (SPS) dauert in der Regel zwei Jahre und ersetzt das früher obligatorische Vorpraktikum. Es dient dem Kennenlernen betrieblicher Abläufe und der Arbeitsfelder des Erziehers, sowie der Vorbildung im sozialpflegerischen Bereich. Das SPS wird mit einer praktischen Prüfung, sowie schriftlichen Prüfungen in Pädagogik/Psychologie und Deutsch zum/zur staatlich geprüften Kinderpfleger/in abgeschlossen.

Studium[Bearbeiten]

Das Studium dauert 2 Jahre zuzüglich dem fachpraktischen Jahr (Berufspraktikum) und einem meist zweijährigen Sozialpädagogischen Seminar als Zugangsvoraussetzung.[6] In Unterrichtsfächern wie Pädagogik, Soziologie, Praxis- und Methodenlehre, Rhythmik oder Rechtskunde erfahren die Studierenden eine für die Arbeit in den verschiedensten sozialpädagogischen Einrichtungen (Kindergarten, Schulhort, Kinderkrippe, Jugendarbeit etc.) qualifizierende Ausbildung. Es wird mit einer mündlichen Prüfung in Praxis- und Methodenlehre und schriftlichen Prüfungen in Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik, sowie Literatur- und Medienpädagogik oder Theologie abgeschlossen. Zusätzlich kann mit einer Ergänzungsprüfung in Englisch die fachgebundene Fachhochschulreife und dem Zusatzfach Mathematik die allgemeine Fachhochschulreife erlangt werden. Beim Erreichen dieses Abschlusses und einem Notendurchschnitt von 1,5 oder besser erreichen die Absolventen zusätzlich die fachgebundene Hochschulreife, die ein Universitätsstudium im pädagogischen Bereich ermöglicht.

Berufspraktikum[Bearbeiten]

Im Berufspraktikum sollen bei tariflicher Bezahlung die bisherigen theoretischen und praktischen Kenntnisse angewandt und weiter vertieft werden. Es schließt ab mit einer mündlichen Prüfung, dem Kolloquium und einer praktischen Prüfung. Zusätzlich muss in diesem Jahr auch eine Facharbeit zu einer pädagogischen Problematik in der Praxisstelle verfasst werden.

Fachakademien in Bayern[Bearbeiten]

Gegenwärtig gibt es in Bayern 48 Fachakademien für Sozialpädagogik.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurze Chronik der ehemaligen und gegenwärtigen Ausbildungsstätten für Kleinkindlehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen … und ErzieherInnen in Bayer, kindergartenpaedagogik.de
  2. Franz-Michael Konrad: Der Kindergarten. Seine Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart, Freiburg/Br. 2004, S. 114
  3. zit. n. Susanne Bolanski: Zur Ausbildungssituation an bayerischen Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminaren in katholischer Trägerschaft – Von den Anfängen bis 1945, München 2006 (unveröffentlichte Diplomarbeit) 2006, S. 45
  4. Manfred Berger: Vorschulerziehung im Nationalsozialismus. Recherchen zur Situation des Kindergartenwesens 1933–1945, Weinheim 1986
  5. Margret Langenmayr: Verkürzung der Erzieherinnenausbildung in Bayern? Ergänzende Anmerkungen zur Stellungnahme der KEG, in: Christ und Bildung 2012/H. 3, S. 9
  6. Ausbildung KinderpflegerIn / Studium ErzieherIn. Fachakademie für Sozialpädagogik der Schulstiftung Seligenthal
  7. http://faks-bayern.de/download/adressen_januar_2011.pdf