Fachwirt

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Ein Fachwirt ist eine höhere kaufmännische Qualifikation, die durch eine betriebswirtschaftliche berufliche Weiterbildung erworben wird. Er ist wirtschaftszweigbezogen und unterscheidet sich dadurch von den funktionsorientierten Fachkaufleuten und den funktionsübergreifenden Betriebswirten.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem es für Kaufmannsgehilfen lange Zeit keine der Meisterprüfung gleichgestellte Form der Weiterbildung gegeben hatte, schufen zu Beginn der 1970er Jahre Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen verschiedene Konzepte für eine Qualifizierung der mittleren Führungsebene. Unter dem Vorsitz des Deutschen Industrie- und Handelstags wurde die Weiterbildung zum Fachwirt entwickelt. Im Vordergrund stand dabei der Erwerb von spezifischem Fachwissen und organisatorisch-methodischem Know-how.[1][2]

Ausbildungsinhalte[Bearbeiten]

Der Fachwirt der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist eine Aufstiegsfortbildung, die der Meisterprüfung gleichgestellt ist und in der Regel im Anschluss an eine kaufmännische Berufsausbildung mit anschließender umfassender Berufspraxis erfolgt. Die Abschlussprüfungen sind durch einheitliche Rechtsvorschriften des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) geregelt und werden von den Ausschüssen der zuständigen IHK durchgeführt.

Die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag erstellten Rahmenpläne, die die Lernziele definieren, sehen die Aneignung von praktischen und theoretischen Kompetenzen für eine spezielle Branche vor; Ausbildungsinhalte sind hauptsächlich betriebswirtschaftlicher Natur sowie ein – je nach Prüfungsordnung verschieden umfangreicher – branchenspezifischer Fachanteil. Die bundeseinheitliche Prüfung der wirtschaftsbezogenen Qualifikationen (Recht und Steuern, Rechnungswesen, Unternehmensführung, Volks- und Betriebswirtschaft) ist bei Fachwirt-Fortbildungen einiger Fachrichtungen gleich und führt zum Dienstleistungsfachwirt,[3] welcher aber keinen eigenen Qualifikationsabschluss darstellt, sondern als gemeinsame Grundlage für die anschließenden Fachspezialisierungen dient, die handlungsspezifischen Qualifikationen. Diese handlungsspezifischen Qualifikationen beziehen jedoch auch immer betriebswirtschaftliche Anforderungen in Bezug auf Kosten und Leistung eines Unternehmens mit ein.

Vor allem private Bildungsträger bieten Lehrgänge zu den Abschlussprüfungen an. Sie dauern in der Regel zwischen 6 bis 24 Monate (Vollzeit- oder Teilzeitform), für die Zulassung zu den Abschlussprüfungen ist die Teilnahme an einem Lehrgang allerdings nicht verpflichtend.

Seit dem 31. Januar 2012 existiert eine neue Einordnung im Bildungssystem. Beim neugeschaffenen Qualifikationsrahmen – dem DQR/EQR – erzielten Bund, Länder und Sozialpartner Einigkeit, den Fachwirt auf Niveau 6 zu verorten. Damit ist der IHK-Fachwirt zwar nicht gleichartig zu einem Hochschulabschluss, jedoch gleichwertig zu den Abschlüssen Bachelor und Meister.[4]

Fachwirte der Handwerkskammer[Bearbeiten]

Die Abschlussprüfungen der HWK-Fachwirte finden als Teil der Meisterprüfung, sowohl als Kaufmännischer Fachwirt (Technischer Fachwirt: 3. Teil + AEVO: 4. Teil) oder als Technischer Fachwirt (3. Teil), vor einem Ausschuss der Handwerkskammer statt. Der Technische Fachwirt (HWK) wird damit auch als 3. Teil der handwerklichen Meisterprüfung anerkannt und unterscheidet sich im Aufbau wie auch im zeitlichen Ablauf vom Geprüften Technischen Fachwirt der IHK – so auch die Einordnung und deren Wertigkeit bzw. Vergleichbarkeit, wie kein Abschluss auf Meisterebene. Darüber hinaus bieten einzelne Handwerkskammern Fortbildungsprüfungen beispielsweise zum Fachwirt für kaufmännische Betriebsführung im Handwerk,[5] zum Bürofachwirt (HWK) oder zum Fachwirt für Facility-Management (HWK) an.

Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung[Bearbeiten]

Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 erhalten erfolgreiche Absolventen von Fachwirt-Fortbildungen, für die Prüfungsregelungen nach § 53, § 54 BBiG sowie §§ 42, 42a HwO bestehen und die mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen, die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.[6] Zudem erfüllen sie die Voraussetzungen zur Teilnahme an einer IHK-Prüfung zum Geprüften Betriebswirt (ehemals Betriebswirt IHK) oder an einer HWK-Prüfung zum Geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung (ehemals Betriebswirt HWK).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fachwirt/in - Wirtschaft, Unterpunkt Rückblick
  2. 200 Stunden bis zum Fachwirt
  3. WIRTSCHAFTSBEZOGENE QUALIFIKATIONEN (DIENSTLEISTUNGSFACHWIRT-FAMILIE) (PDF; 48 kB)
  4. FAQ DQR
  5. Fachwirtin für kaufmännische Betriebsführung im Handwerk
  6. Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (PDF; 22 kB)

Siehe auch[Bearbeiten]