Fadennetz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Fadennetz oder Strichplatte eines Mess- oder anderen Fernrohrs versteht man die auf der inneren Seite des Okulars angebrachte Glasplatte mit feinen Strichen.

Fadennetz eines Nivelliergeräts
Strichplatte zur Entfernungsermittlung in einem militärischen Fernglas. Mit der Strichplatte wird die Strichanzahl einer bekannten Strecke (Höhe, Breite, Seitenabstand) im Gelände gemessen und mit Hilfe einer einfachen Rechenformel die Entfernung zum Objekt ermittelt.

Sie dienen zur Schätzung oder Messung kleiner Winkel und sind entweder zart eingraviert oder fotografisch auf das Glas belichtet.

Der Name kommt von den Spinnfäden, die früher wegen ihrer Feinheit verwendet wurden. Für wichtige Vermessungen wurden bis etwa 1920 sogar spezielle Spinnen in einer Schachtel mitgenommen.

Der einfachste Fall einer Strichplatte ist das Fadenkreuz. Das Mikrometer, eine besonders engmaschige Strichplatte, ermöglicht eine genaue Winkel- bzw. Streckenmessung und wird vor allem in der Astrometrie und Mikroskopie verwendet. Für astronomische Instrumente gab es einfache Ausführungen bereits um 1700, für Mikroskope im 19. Jahrhundert.

Stellt man das Fadenkreuz eines Theodolits auf ein Objekt, können dessen Horizontal- und Höhenwinkel gleichzeitig gemessen werden. Etwas genauer ist allerdings die getrennte Einstellung (bei 30-facher Vergrößerung etwa 1").

Strichplatte[Bearbeiten]

Die Strichplatte befindet sich im inneren (objektseitigen) Brennpunkt des Okulars und erscheint daher dem normalen Auge scharf. Bei Weit- oder Kurzsichtigkeit gibt es einen Dioptrienausgleich.

Bei Fokussierung des Teleskops auf Unendlich (de facto ab einigen Kilometern) ist die Glasplatte auch im Brennpunkt des Objektivs. Ist der betrachtete Gegenstand näher, wird das Fernrohr durch einen ausziehbaren Tubus verlängert, oder eine innere Fokussierlinse verschoben.

Die Strichplatte kann aus wenigen Linien bestehen oder ein ganzes Fadennetz aufweisen. Letzteres ist in der Astronomie und Astrometrie üblich, um bei Positions- oder Zeitmessung eine höhere Genauigkeit zu erreichen.

Theodolit[Bearbeiten]

In der Regel werden in der Geodäsie einfachere Fadennetze verwendet; meist ist der wichtigere Vertikalfaden je zur Hälfte doppelt und einfach. Der Doppelfaden hat etwa 20" Abstand und eignet sich zum Einmessen vieler Ziele:

Militärische Fernrohre[Bearbeiten]

Die sogenannten Absehen haben häufig Striche oder ein Fadennetz in Strichteilung (6400 Striche sind 360°). Die Entfernung berechnet man wie folgt:

Entfernung = 1000 × Größe des Objekts / Anzahl der Striche, die das Objekt im Fernglas ausfüllt.

Beispiel: ein Auto (Länge ca 6 Meter) deckt 12 Striche ab.

1000 × 6 m / 12 = 500 m (Entfernung Beobachter – Auto).

Marinegläser[Bearbeiten]

Einspiegelungen im Marineglas

Diese haben als Strichplatte oft eine senkrechte und eine waagerechte Strichplatte, diese dienen zur Entfernungsbestimmung, senkrechte Strichteilung ergibt: Entfernung = (Objektgröße / Strichzahl) × 100.

Besonderheit der waagerechten Striche: Diese zeigen halbe Schrittweite, da Objekt in die Mitte genommen wird, und an einer Seite die Strichgröße abgelesen wird. Die Stricheinteilung teilt hier in Grade, so dass sich über das Bogenmaß hier die Entfernung = (Objektgröße /Strichzahl) × (360/2π) = (Objektgröße /Strichzahl) × 57,32 errechnet.

In vielen Gläsern ist ein Kompass eingeblendet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fadennetz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien