Fahrenheit 451 (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Fahrenheit 451
Originaltitel Fahrenheit 451
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1966
Länge 109 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie François Truffaut
Drehbuch Jean-Louis Richard
François Truffaut
Produktion Lewis M. Allen
Musik Bernard Herrmann
Kamera Nicolas Roeg
Schnitt Thom Noble
Besetzung

Fahrenheit 451 ist ein britischer dystopischer Science-Fiction-Film des Regisseurs François Truffaut aus dem Jahr 1966. Er entstand nach dem gleichnamigen Roman von Ray Bradbury. Der Titel bezieht sich auf die Temperatur, bei der Bradbury fälschlicherweise annahm, dass Papier sich ohne weitere äußere Einwirkung entzündet, etwa 233 °C.

Handlung[Bearbeiten]

In einer nicht all zu fernen Zukunft lebt eine Gesellschaft nach dem Prinzip des hedonistischen Glücksstrebens. Da Bücher als Medium sich mit Problemen und Konflikten auseinandersetzen, werden diese als unglücksstiftend angesehen und sind gesetzlich verboten. Die Feuerwehr hat die Aufgabe, Bücher aufzuspüren und zu verbrennen, um das gesellschaftliche Glück zu sichern. Brände werden von der Feuerwehr nicht mehr gelöscht, da es aufgrund feuerfester Gebäude in der Regel gar nicht zu diesen kommt. Im Falle eines Brandes wird das Gebäude einfach abgerissen und die Bewohner ziehen in ein neues.

Der Protagonist der Geschichte ist der Feuerwehrmann Guy Montag. Seit fünf Jahren arbeitet er glücklich in seinem Beruf und steht kurz vor einer Beförderung. Montag ist verheiratet mit Linda, einer durch den Konsum von Unterhaltungsmedien und Tabletten glücklichen Frau.

Auf dem Weg nach Hause lernt Montag Clarisse kennen, eine Lehrerin, die nach einer Gesinnungsprüfung nicht mehr unterrichten darf, weil sie leidenschaftlich Bücher liest. Aus Neugierde beginnt Montag heimlich Bücher von den Einsätzen mitzunehmen und nachts in seiner Wohnung zu lesen. Schon bald fängt er an, seine Arbeit und das hedonistische Leben zu hinterfragen, was zu Konflikten mit seiner Frau führt, die nicht bereit ist, ihr glückliches Leben aufzugeben.

Clarisse muss untertauchen, nachdem sie in das Visier der Feuerwehr geraten ist. Sie trifft sich ein weiteres Mal mit Montag und kündigt an, zu den „Buchmenschen“ zu flüchten, die abseits der Gesellschaft in den Wäldern leben und jeweils ein Lieblingsbuch auswendig lernen, damit dieses nicht in Vergessenheit gerät.

Montag entscheidet sich, seinen Beruf zu kündigen. Linda denunziert ihren Mann bei der Feuerwehr, woraufhin Montags letzter Einsatz zu seinem eigenen Haus führt, wo er gezwungen wird, seine Bücher zu verbrennen. Er setzt die Wohnungseinrichtung in Brand, tötet den Captain mit dem Flammenwerfer und flüchtet.

Es gelingt ihm die Buchmenschen aufzuspüren, bei denen auch Clarisse inzwischen untergekommen ist. Beide beginnen nun ihrerseits ein Buch auswendig zu lernen, um es für die Nachwelt zu erhalten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Fahrenheit 451 ist der einzige englischsprachige Kinofilm des französischen Regisseurs François Truffaut; dies liegt unter anderem daran, dass er in Frankreich die Produktion nicht finanzieren konnte und deswegen in den USA nachfragte. Der in den britischen Pinewood Studios gedrehte Film erlebte seine Premiere am 15. September 1966 in der französischen Hauptstadt Paris, bevor das Werk ab dem folgenden Tag in den britischen Kinos zu sehen war. Die synchronisierte französische Fassung wurde von Truffaut wegen der angeblich flüssigeren Dialoge der englischen vorgezogen. Der Kinostart in der Bundesrepublik Deutschland war der 23. Dezember desselben Jahres.

Kritiken[Bearbeiten]

„Truffaut entwickelt die Geschichte eines Außenseiters, der sich aus Anpassung und Lethargie befreit, um abseits einer repressiven Zivilisation seine persönliche Utopie zu leben, zu einer Hommage an die Literatur und an die abendländische Kultur generell.“

Lexikon des internationalen Films[1]

„Truffaut übernimmt von Bradbury nur die Grundidee der ‚bücherlosen Gesellschaft‘ […] Es fehlt der düstere, furchterregende Anstrich zukünftiger Unmenschlichkeit. […] Es dominiert dagegen liebenswert Altmodisches (bretonisches Eßgeschirr, Telefone im Stil Edisons und Fachwerkhäuser), dazu filmhistorisch Bekanntes: Kleider von Carole Lombard und Debbie Reynolds; ein Feuerwehrwagen ähnlich dem in Frank Capras 1936 entstandenen Publikumserfolg Mr. Deeds geht in die Stadt (mit Gary Cooper). Fast liebenswert sind auch die handelnden Personen – behäbige Kleinbürger, die tun, was man von ihnen verlangt. […] Truffauts Film ist ein pessimistischer Film. Die Flucht Montags aus dem utopischen Staat ist sinnlos, sie weist keinen Weg in eine andere Zukunft.“

Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films, S. 272

„Intelligent gemachter, aber thematisch wenig überzeugender Science-Fiction-Film von Truffaut, der jedes politische oder gesellschaftliche Engagement vermissen läßt und dadurch über gehobene Unterhaltung nicht hinauskommt. Für anspruchsvollere Besucher ab 16 sehenswert.“

Evangelischer Film-Beobachter, Kritik Nr. 1/1967

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Kinofilm Fahrenheit 451 erhielt Nominierungen für den britischen British Film Academy Award, für den US-amerikanischen Hugo Award und bei den Filmfestspielen von Venedig.

Sonstiges[Bearbeiten]

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  • Die im Film auftauchende moderne Einschienenbahn war eine 1960 bei Châteauneuf-sur-Loire in der Nähe von Orléans errichtete Teststrecke.
  • Die Einstellung bei Timecode 00:05:35–00:05:47 (Anlegen der Schutzkleidung und Übergabe des Flammenwerfers) ist faktisch dieselbe Einstellung wie bei Timecode 00:06:20–00:06:35 (Ablegen der Schutzkleidung und Rückgabe des Flammenwerfers; jedoch mit Zwischenschnitt). Die spätere Einstellung (Ausziehen der Schutzkleidung) wurde einfach in die frühere (vom Internegativ) rückwärts kopiert und eingeschnitten. Dadurch erscheint das "Anlegen" der Schutzkleidung (= Ausziehen rückwärts) besonders schwungvoll; nur bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Frisur "vor" dem Anlegen der Schutzkleidung scheinbar grundlos zerzaust ist.
  • Oskar Werner synchronisierte die von ihm gespielte Figur Guy Montag für die deutsche Version des Films selbst.
  • Der Film bedeutete das Ende der Freundschaft zwischen Truffaut und Werner. Die beiden hatten ein völlig entgegengesetztes Bild der Rolle. Im Laufe der Dreharbeiten begann Werner zunehmend, Truffauts Entscheidungen zu hinterfragen und seine Anweisungen zu ignorieren. Gegen Ende der Dreharbeiten sabotierte Werner gar einzelne Szenen.

Soundtrack[Bearbeiten]

  • Bernard Herrmann: Fahrenheit 451. Suite, auf ders.: Bernard Herrmann − Great Film Music. London/Decca, London 1996, Tonträger-Nr. 443 899-2 – Einspielung durch das National Philharmonic Orchestra unter der Leitung des Komponisten
  • Bernard Herrmann: Fahrenheit 451. Suite, auf ders.: Fahrenheit 451. Varèse Sarabande, Studio City 1995, Tonträger-Nr. VSD-5551 – digitale Neueinspielung durch das Seattle Symphony Orchestra unter der Leitung von Joel McNeely

Literatur[Bearbeiten]

  • Irene Genhart: "Fahrenheit 451." in Filmstellen VSETH & VSU (Hrsg.): Science Fiction. - Andrzej Wajda. Dokumentation. VSETH / VSUZU, Zürich 1990, ohne ISBN, S. 101 - 106 (mit Filmografie)
  • Thomas Hensel: Bild-Kultur als Schrift-Kultur oder Die Zukunft im Feuerschein einer Medienkritik. Francois Truffauts "FAHRENHEIT 451", in: Frank Hörnlein, Herbert Heinecke (Hrsg.): Zukunft im Film. Sozialwissenschaftliche Studien zu Star Trek und anderer Science Fiction, Scriptum, Magdeburg 2000, S. 31-54. ISBN 3-933046-47-5.
  • Susanne Juretko: Don Quijote im Medienland. Der Mensch als metaphorisches Medium der Medien (Vergleichende Analyse von Buch und Film), Europäischer Universitätsverlag, Bochum 2005, ISBN 3-932329-22-8 (= Film und Fernsehen, Band 1, zugleich Dissertation an der Universität Bochum 2002).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fahrenheit 451 (Film) im Lexikon des Internationalen Films