Fahrkarte

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Papierne Fahrkarte der Deutschen Bahn für die Fahrten München Hbf ↔ Frankfurt am Main Hbf, 2. Wagenklasse (2003)

Der Begriff Fahrkarte (auch Fahrausweis oder Fahrschein, schweizerdt.: Billett, Anglizismus: Ticket) bezeichnet einen Ausweis, der gegen Entrichtung eines bestimmten Geldbetrages zur Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels berechtigt (Beförderungsentgelt; beispielsweise für die Eisenbahn, Straßenbahnen, Busse oder Verkehrsflugzeuge). Wird die Fahrkarte kostenlos abgegeben, spricht man von einem Freifahrtschein.

Geschichte[Bearbeiten]

Fahrkarte der Deutschen Reichsbahn von 1965
Fahrschein der Wiener Verkehrsbetriebe von 1949
Fahrkartenschalter (innen) mit Fahrkartendruckmaschine (DDR 1985)
Fahrkarte aus einem Automaten der damaligen Deutschen Bundesbahn (1988)

Fahrkarten wurden aus dem ursprünglichen Zettelfahrschein entwickelt und ermöglichten eine einfachere Abrechnung durch fortlaufende Seriennummern. Thomas Edmondson stellte um 1836 die ersten Fahrkarten aus Karton her. Die Entwertung durch eine einfache Lochung oder Stempelung war unauslöschbar. Bei den deutschen Eisenbahnen war früher die Benennung Billett gebräuchlich, in der Schweiz gilt sie noch heute. Klassische edmondsonsche Kartonfahrkarten werden immer seltener verwendet, sie wurden durch Fahrscheine aus Fahrkartendruckern oder Fahrkartenautomaten auf Spezialpapieren mit mehreren Sicherheitsmerkmalen, ähnlich zu Banknoten, ersetzt.

Fahrkarten nach Ländern[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Bei der DB wurden, wenn das Fahrziel über verschiedene Strecken zu erreichen war, Raumbegrenzungen auf den Fahrkarten eingetragen. Eine Fahrkarte von Hamburg nach Basel wurde so ausgestellt: Hamburg – R (Nummer) – Basel. Diese Fahrkarte konnte über Hannover – Kassel – Frankfurt am Main oder über Bremen – Münster – Mönchengladbach – Mainz benutzt werden. Kreuz- und Querfahrten in Richtung auf das Reiseziel waren dabei erlaubt. Raumbegrenzungen gab es auch im Nahverkehr. Teils waren in diese auch Bahnbusstrecken mit einbezogen.

Zu den am einfachsten gestalteten Fahrkarten zählten die Zahlbox-Fahrscheine der DDR. Sie wurden vom Fahrgast von einer Rolle abgerissen und bestanden lediglich aus einigen Betriebszeichen und dem Aufdruck: „Gültig für eine Fahrt ... (laufende Nummer) ... laut Tarif“.[1] Man konnte – sogar ohne Geld in die Box einzuwerfen – in einem Streifen beliebig viele davon abtrennen, allerdings konnte durch ein Sichtfenster überprüft werden, ob Geld und ausreichend, eingeworfen worden ist.

Rechtliches[Bearbeiten]

Rechtlich ist die Fahrkarte ein so genanntes „kleines Inhaberpapier“ nach § 807 BGB. Fahrkartenkontrollen finden entweder regelmäßig beim Einsteigen durch den Fahrer, selten durch Schaffner und sporadisch (bei der Eisenbahn regelmäßig) mit zivilen oder uniformierten Angestellten der Verkehrsgesellschaft statt. Fahrgäste, die das Verkehrsmittel ohne Fahrkarte nutzen, können sich gemäß § 265a StGB des Straftatbestands der Erschleichung von Leistungen schuldig machen; diese sogenannte Beförderungserschleichung gilt als ein kriminologisches Massenphänomen.

Fahrkartenarten[Bearbeiten]

Personalfahrkarte, DB, 1975

Neben den Einzelfahrkarten, die zu einer Fahrt in einer Richtung berechtigen oder als Rückfahrkarte zu einer einzelnen Hin- und Rückfahrt, gibt es Zeitkarten. Diese ermöglichen in einem bestimmten Zeitraum (ein Tag, eine Woche, ein Monat oder Jahr) beliebig viele Fahrten innerhalb eines räumlichen Geltungsbereiches oder auf einer bestimmten Strecke. Zeitkarten werden gezielt für bestimmte Personengruppen, beispielsweise Schüler, Studenten, Senioren angeboten oder als sogenannte „Jobtickets“ für Berufstätige. Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wurden sie zur dominierenden Form der Fahrkarte. Außerdem gibt es Zusatztickets, beispielsweise als Anschlussfahrkarte in Verbindung mit einer Zeitkarte, als Zuschlag für Fahrten in der 1. Klasse oder für Gepäck (siehe auch Fahrradkarte), Hunde etc.

Im Bahnverkehr verkaufen bestimmte Automaten auch die sogenannte Fahrkarte Anfangsstrecke, in Großbritannien Permit to travel genannt. Diese ist zu kaufen, wenn keine Möglichkeit besteht, eine Fahrkarte zum eigentlichen Ziel zu erwerben, etwa bei DB-Nahverkehrs-Automaten älterer Bauart. Sie muss bei der nächsten Möglichkeit (z. B. Fahrkartenkontrolle oder Reisezentrum), ggf. gegen Zahlung eines Differenzbetrags eingewechselt werden. Auch werden bei Störung von Automaten teilweise Notfahrkarten ausgegeben.

Für den internationalen Eisenbahnverkehr werden Fahrscheine nach TCV-Tarif (Tarif commun international pour le transport des voyageurs) oder auch sogenannte Globalpreis-Fahrscheine ausgegeben.

Im Luft- und Schiffsverkehr wird seit langem vom Ticket gesprochen; diese Benennung wurde in den letzten Jahren auch von manchen Eisenbahngesellschaften und Verkehrsverbünden übernommen.

Personalfahrkarten[Bearbeiten]

Als Personalfahrkarten werden verbilligte Fahrkarten für aktive und ehemalige Beschäftigte der DB AG sowie für deren Familienmitglieder bezeichnet.[2][3]

Zangenabdruck[Bearbeiten]

Zangenabdrücke auf einem Fernverkehrs-Fahrschein der Deutschen Bahn

Im Bahnverkehr werden Fahrkarten oftmals durch einen mit einer Schaffnerzange vorgenommenen Zangenabdruck des Zugbegleiters entwertet. Die Zange versieht dabei die Fahrkarte mit einem kleinen Loch (nur in Fernzügen) und bringt einen Stempelabdruck auf. Diesem können beispielsweise Zugnummer, Datum, Einsatzstelle und Zangennummer entnommen werden. Die Zahlen auf dem Zangenabdruck der Deutschen Bahn bedeuten im Einzelnen: 1. registrierte Nr. der Zange; 2. Datum; 3. Regionalbereich der Einsatzstelle; 4. Zugnummer (die kleineren ersten und dritten Zahlen stehen quer auf dem Zangenabdruck). Mit dem Abdruck kann ein Fahrgast auch den Nachweis erbringen, mit einem bestimmten Zug gefahren zu sein − beispielsweise bei Entschädigungsansprüchen aus Verspätungen.

Im Bereich der Deutschen Bahn AG werden Zeitkarten in der Regel bei der ersten Fahrscheinkontrolle einfach entwertet. Fahrscheine innerhalb von Verkehrsverbünden sind oftmals vom Fahrgast vor Fahrtantritt an Entwertern zu stempeln. Mitunter werden auch derartige Fahrkarten mit einer sehr kurzen zeitlichen Gültigkeit zum sofortigen Fahrtantritt ausgegeben; sie sind also schon beim Kauf aus dem Automaten mit einem Entwertungsmerkmal versehen. Auf diese Vorab-Entwertung, die es auch in fahrenden Straßenbahnen gibt, wird der Fahrgast zur Vermeidung unbeabsichtigter Entwertung i.d.R. am Automaten hingewiesen.

Moderne Fahrkartentypen[Bearbeiten]

Fahrkartenentwerter an Münchner S-Bahnhaltestelle

Beim Kauf eines Online-Tickets druckt der Kunde seinen Fahrschein selbst (siehe Bild). Außerdem muss er beim Kauf angeben, durch welche BahnCard, Bank- oder Kreditkarte er sich während der Fahrt ausweisen will. So können nicht mehrere Personen mit mehreren Ausdrucken desselben Fahrscheins fahren. Der Fahrschein kann in der Regel übers Internet storniert werden; Druck und Lastschrift beweisen also noch nicht den Kauf. Erst ein Zangenabdruck des Zugbegleiters belegt, dass der Fahrschein benutzt wurde. Der Fahrschein enthält neben dem Klartext typischerweise mehrere Codes, mit denen der Zugbegleiter die Gültigkeit der Fahrkarte überprüfen kann. Darunter fallen zum Beispiel:

  • ein Code aus wenigen Buchstaben oder Zahlen für die Fahrkarte als ganze und für jede Zugbindung, der vom Zugbegleiter einzutippen ist, oder
  • ein zweidimensionaler Code (Aztec-Code), der (passende Lesegeräte vorausgesetzt) die manuelle Eingabe erspart.

Bei einer Variante des Online-Tickets erhält der Kunde nur einen Code, der ihn zur Fahrt berechtigt.

Das E-Ticket ist keine Fahrkarte im engeren Sinn. Dabei wird beim Verkauf der Fahrkarte nur die Identität des Kunden registriert. Beim Reiseantritt muss der Kunde dann nur seine Identität nachweisen, z. B. anhand seiner Kreditkarte, und erhält dann den eigentlichen Fahr- oder Flugschein ausgehändigt.

Eine gänzlich papierlose Version des Online-Tickets ist das SMS-Ticket, das per Kurzmitteilung an das Mobiltelefon des Fahrgastes übertragen wird. Die Abrechnung erfolgt entweder über die Telefonrechnung oder nach vorheriger Anmeldung per Rechnungsstellung. SMS-Tickets sind hauptsächlich im öffentlichen Personennahverkehr im Einsatz.

Wochenendfahrkarte der belgischen SNCB
Busfahrkarte Kambodscha (2012)

Estland[Bearbeiten]

In den estnischen Städten Tallinn und Tartu ist es möglich, sich mit dem Personalausweis mit Chip und der zuvor im Internet gekauften Zeitkarte zu bestücken; dies ist billiger als die Papierversion. Vorteil dieser Regelung ist, dass man im Verlustfalle eines normalen Tickets während der Gültigkeit ein neues kaufen müsste. Der alte Personalausweis wird von der Passbehörde als ungültig vermerkt und man kann mit seinem neu ausgestellten Dokument für den Zeitraum der restlichen Gültigkeitsdauer die Fahrkarte weiternutzen. Nach ähnlichem Prinzip werden Smartcards im öffentlichen Nahverkehr vieler Städte eingesetzt (z. B. Oyster in London oder „Octopus“ in Hongkong).

Russland[Bearbeiten]

Russisches kontaktloses Ticket für zehn Reisen mit Straßenbahn, Obus und Bus

In der Sowjetunion und in der Anfangszeit des modernen Russland wurden auf Papier gedruckte Dokumente als Fahrkarten genutzt. Solche Dokumente waren nur von dem ersten bis letzten Tag eines Monats gültig. Als Einzelpassierscheine galten gewöhnliche 5-Kopeken-Münzen, die wegen der ständigen Inflation später durch Jetons ersetzt wurden.

In der modernen Russischen Föderation setzen sich allmählich vorausbezahlte Fahrkarten in Form von elektronischen Plastik- oder kontaktlosen Papierkarten durch.

Moskau[Bearbeiten]

In der Moskauer U-Bahn kommen Papierfahrkarten mit RFID-Chip zum Einsatz.

Sankt-Petersburg[Bearbeiten]

Erste elektronische Plastikfahrkarten hatten einen Magnetstreifen und waren lediglich beim Besteigen des Transportmittels dem Kontrolleur oder Busfahrer vorzuzeigen. Zusätzlich zur Plastikkarte musste man im Besitz einer gültigen Wertmarke aus Papier für den aktuellen Monat sein; die beiden Teile waren nur zusammen gültig. Seit einigen Jahren sind derartige Karten nicht mehr im Einsatz; sie wurden durch Jetons (nur in der U-Bahn) und kontaktlose Karten ersetzt.

Elektronische Fahrkarten für eine begrenzte Zeitperiode bieten einen gewissen Rabatt für jede Einzelfahrt. Findige Jugendliche haben früher daraus ein Geschäft gemacht, indem sie Jetons von Reisenden vor den automatischen Sperren gesammelt und stattdessen die elektronische Fahrkarte verwendet haben. Als Konsequenz haben jetzt alle rabattierten Fahrkarten eine 10-Minuten Sicherheitsperiode, während der die Fahrkarte für eine erneute Verwendung in der U-Bahn blockiert ist. Elektronische Fahrkarten für nichtrabattierte Einzelfahrten haben keine derartige Sicherheitsperiode und können sofort wieder eingelesen werden.

Die elektronischen kontaktlosen Fahrkarten im Scheckkartenformat sind bis jetzt nur im Hinblick auf die Anzahl der U-Bahn-Fahrten limitiert. Mit diesen Karten kann man während ihrer Gültigkeitsdauer beliebig oft reisen. Die Plastikkarten werden an den Kassen der U-Bahn gegen 30 Rubel Pfand ausgegeben. Nach Ablauf der Gültigkeitsperiode bzw. nachdem alle Einzelreisen genutzt wurden, kann diese Karte entweder mit einem anderen oder demselben Tickettyp wiederaufgeladen oder (bei Erstattung des Pfandbetrages) an der Kasse zurückgegeben werden. Die Karte selbst wird 90 Tage nach der letzter Wiederaufladung automatisch ungültig; in diesem Fall geht das Pfand verloren.

Im Jahre 2010 kamen die ersten nicht wiederaufladbaren elektronischen Fahrkarten aus Papier auf den Markt, die für eine begrenzte Anzahl an Straßenbahn-, O-Bus- und Busreisen gültig sind. Diese Karten werden mit einer Schutzmetallfolie verkauft, die vor der ersten Nutzung entfernt werden muss. Diese Fahrkarten sind theoretisch unbegrenzt gültig; in der Praxis laufen sie jedoch 30 Tage nach einem landesweiten Tarifwechsel ab, was üblicherweise alle ein bis zwei Jahre geschieht.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

National Rail verwendet einheitlich scheckkartengroße Fahrscheine mit Magnetstreifen auf der Rückseite, die maschinenlesbar sind, da es auf den britischen Bahnhöfen meist Ticketbarrieren gibt, d. h. man erreicht den Bahnsteig nur mit Fahrkarte.

London[Bearbeiten]

Die Londoner Verkehrsbetriebe (U-Bahn etc.) verwenden dasselbe System wie National Rail, zudem gibt es eine scheckkartengroße, kontaktlos lesbare Karte, die Oyster Card, auf die man Guthaben oder Tickets (Ein- oder Mehrtagestickets, Monatskarten...) aufladen kann.

Zugänglichkeit des Bahnsteiges[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bahnsteigsperre

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist, wie in vielen anderen Ländern, der Bahnsteig i. d. R. direkt und ohne Fahrkarte erreichbar, wohingegen beispielsweise in Großbritannien Bahnsteigsperren existieren, und man zum Betreten des Bahnsteigs eine Bahnsteigkarte oder ein gültiges Zugticket benötigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fahrkarte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Bild eines Zahlboxfahrscheins unter [1]
  2. Fahrvergünstigungen für Beschäftigte/ehemalige Beschäftigte der DB AG, Stand 2004 (PDF) (Version vom 15. Juni 2010 im Internet Archive)
  3. Transnet: Neuregelungen der persönlichen Fahrvergünstigungen und Job-Ticket durch Konzerntarifverträge (PDF), 6. Mai 2004 (Version vom 29. September 2007 im Internet Archive)

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Lohr: Fahrkarten in Deutschland. Barteld, Berga/Elster 2004, ISBN 3-935961-05-7.
  • Gordon Fairchild: Fahrkarten der Welt. Barteld, Berga/Elster 2008, ISBN 978-3-935961-12-7.
  •  Alfons Thoma: Die Fahrkarte. Symbol der Überwindung von Raum und Grenzen. Hestra-Verlag, Darmstadt 1985, ISBN 3-7771-0185-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Public transport tickets – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien