Fahrkartenautomat

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Aktuelles Modell der Fahrkartenautomaten. Hier können Fern-/ Regional- und Verbundverkehrsfahrkarten, Reservierungen sowie kostenfreie Fahrplanauskünfte und Reisepläne erworben werden. Außerdem besteht hier die Möglichkeit, die Beförderungsbedingungen und Tarifregelungen der DB sowie des hiesigen Verkehrsverbundes einzusehen.
Mikrorechnergesteuerter Fahrkartenautomat (MFA) der Deutschen Reichsbahn im Leipziger Hauptbahnhof 1993
Verkaufsautomaten der Deutschen Bahn AG
links: Nahverkehr (Hersteller Ascom) mit mechanischen Tasten
rechts: Fernverkehr, (Höft & Wessel) über Touchscreen bedienbar

Fahrkartenautomaten, Fahrscheinautomaten oder schweiz. Billetautomaten sind Selbstbedienungsautomaten und werden sowohl im öffentlichen Personenverkehr, insbesondere bei S-, U- und Stadtbahnen, als auch bei Eisenbahngesellschaften zum Verkauf der Fahrscheine eingesetzt. Moderne Fahrkartenautomaten erlauben im Regelfall die Zahlung mit Münzen oder mit Geldscheinen, mittlerweile auch häufig mit GeldKarte, Kreditkarte oder Debitkarte. Prinzipiell unterscheidet man zwischen stationären Automaten an den Haltestellen und mobilen Automaten in den Fahrzeugen.

Technik[Bearbeiten]

Ältere Automaten werden in der Regel über mechanische Tasten bedient. Dies ist technisch einfacher, macht die Automaten aber unflexibel, und begrenzt die Anzahl der Fahrkartenvarianten, die verkauft werden können (weil nicht beliebig viele Tasten untergebracht werden können).

Anfang der 1980er Jahre wurden die ersten Fahrkartenautomaten durch die Deutsche Reichsbahn in der DDR in Betrieb genommen. Der Mikrorechnergesteuerter Fahrkartenautomat (MFA) wurde wesentlich von der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden entwickelt, und im Reichsbahnausbesserungswerk „Roman Chwalek“ in Berlin Schöneweide produziert. Die Fahrkartenautomaten waren als Ergänzung zu vorhandenen Fahrkartenschaltern entwickelt worden. Die Eingabe erfolgte im Dialogsystem über ein numerisches Sensor-Tastenfeld. Für die Angabe des Zielbahnhofes wurde eine Bahnhofskennziffer eingegeben, welche meist der Postleitzahl des Zielortes entsprach und an einer Wandtafel neben dem Automaten aushing. Der Automat konnte zwischen mehreren Fahrtmöglichkeiten unterscheiden, und erfragte Angaben für etwaige Ermäßigungen. Die Bezahlung erfolgte ausschließlich in Münzen. Viele dieser MFA wurden auch nach der Einführung der D-Mark noch bis 1995 von der Deutschen Bahn betrieben.[1] Es gab eine weitere Variante für den Nahverkehr in Berlin (DDR), die zusätzlich Fahrkarten für die Linien der Berliner Verkehrsbetriebe einschließlich Zeitkarten ausgeben konnte. Zu erkennen war diese an einer Frontplatte in orange.

Fahrkartenautomaten neuerer Bauart (ab Mitte der 1990er Jahre) bestehen meist aus einem Industriecomputer, einer Geldeinzugseinheit, einem TFT-Bildschirm (oft ein Touchscreen) sowie einem Industriemodem zur Kommunikation mit einem Zentralcomputer (zur Verifikation diverser Daten, beispielsweise Kreditkarten-Daten, aber auch für Software-Updates und Betriebsführungsmeldungen). Die Leistungsaufnahme entspricht im Betrieb rund 200 Watt, im Stand-by rund 50 Watt.

Auf den moderneren Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn kommt als Betriebssystem seit 2010 Windows Embedded (ein abgespecktes Windows XP), bei den SBB-Automaten kommt Linux zum Einsatz. Bei den Touchscreenausführungen wird ein Druck auf einen nicht anklickbaren Bereich durch einen roten Punkt an der gedrückten Stelle angezeigt. Die Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn können innen elektrisch beheizt werden und sind somit bis zu -25 Grad Celsius Außentemperatur voll funktionsfähig. Bei zu hohen Außentemperaturen werden sie automatisch heruntergefahren.

Hersteller[Bearbeiten]

Fahrkartenautomaten werden in der ganzen Welt von Verkehrsbetrieben für den unbedienten Verkauf von Fahrkarten eingesetzt. Moderne Systeme verfügen über verschiedene Zahlungsmöglichkeiten, wie der Banknotenverarbeitung oder der elektronischen Zahlung per Der EMV-Standard. Der Hersteller Toyo Network Systems&integration (TNSi ehemals TOYOCOM) und dessen Dienstleister BSC-Europe (Bill Sense & Count) mit Sitz in Köln stellen die meisten der Banknotenverarbeitungen für die im Feld befindlichen Fahrkartenautomaten her. Für die elektronische Kartenzahlung ist dies der Hersteller Hypercom, vormals Thales. Hersteller von Fahrkartenautomaten in Deutschland sind Atron Electronic GmbH aus Markt Schwaben, Elgeba Gerätebau GmbH aus Bad Honnef, Höft & Wessel AG aus Hannover, ICA Traffic GmbH aus Dortmund, Scheidt & Bachmann aus Mönchengladbach, oder Krauth Technology GmbH aus Eberbach.

Benutzeroberfläche/Benutzerführung[Bearbeiten]

Die Benutzeroberfläche ist meist eine „simple“, maskenbasierte Oberfläche. Bei Touchscreens findet die Dateneingabe direkt in die Masken statt, bei normalen Bildschirmen durch Eingabe über entprellte Tasten.

Die Benutzerführung und die Auswahl der angebotenen Fahrkartentypen ist gelegentlich irreführend. Bei einigen Automaten ist eine Nummernkombination (welche man aus einer am Automaten angebrachten Liste ermitteln kann) einzugeben und so kann man die gewünschte Fahrkarte über eine Taste auswählen. Gelegentlich treten Automatenstörungen auf. Mit der Gerätenummer ist dem Zugbegleitpersonal (falls vorhanden, alternativ dem Fahrzeugführer) unaufgefordert die Störung zu melden, damit dieser ohne erhöhtes Beförderungsentgelt einen Ersatzfahrausweis ausstellt.

Probleme[Bearbeiten]

Der Touchscreen ist wegen starker Parallaxe nur aus einer bestimmten Höhe zu bedienen. Bei starkem Sonnenlicht können die Bildschirme kaum gelesen werden, Weiterentwicklungen der Touchscreenhersteller bieten bessere Bildschirme.

Im Ergebnis von Beschwerden sind seit Anfang 2006 in größeren Bahnhöfen der Deutschen Bahn sogenannte „Automatenguides“ anwesend, Angestellte der Deutschen Bahn, die den Kunden beraten.

Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn[Bearbeiten]

Die aktuellen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn AG erlauben neben der Bezahlung mit Bargeld auch die Verwendung unbarer Zahlungsmittel wie Electronic Cash, Kreditkarte oder GeldKarte. Darüber hinaus können Fahrplanauskünfte eingeholt und ausgedruckt werden sowie vorbestellte Fahrscheine (BahnTix) abgeholt werden. In Stuttgart lief 2006 ein erfolgreicher Versuch mit neuen Regionalen Ticket-Automaten, die die Vorteile beider damaliger Automatenvarianten (Fernverkehrs- und Nahverkehrsautomat) vereinen. Seit 2006 bis Ende 2011 wurden die älteren Geräte durch neue Automaten ersetzt.[2]

Die Deutsche Bahn verkaufte 2008 rund 180 Millionen Fahrkarten über Automaten.[2] Bis 2011 hat die innerhalb der Deutschen Bahn AG zuständige DB Vertrieb GmbH insgesamt 150 Millionen Euro in die neue Automatengeneration investiert.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMikrorechnergesteuerter Fahrkartenautomat - MFA. www.robotrontechnik.de, abgerufen am 11. Mai 2009.
  2. a b DB stellt kommendes Jahr 2.000 neue Automaten auf. In: DB Welt, Ausgabe Dezember 2008, S. 7
  3. DB Vertrieb geht in die Qualitätsoffensive. In: DB Welt, Ausgabe März 2008, S. 7

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fahrkartenautomaten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien