Fahrradabstellanlage

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Fahrradbügel, Köln, RheinEnergieStadion

Eine Fahrradabstellanlage, Fahrradabstellplatz oder einfach Abstellanlage (umgangssprachlich auch Fahrradständer genannt) ist eine bauliche Einrichtung zum Abstellen von Fahrrädern. An den Orten, an denen üblicherweise Fahrräder oft abgestellt werden, kann man eine Vielzahl von technischen Hilfen zum Fahrradparken finden. Nicht selten sind sie kombiniert mit einer Fixierungsmöglichkeit, so dass man das Fahrrad anschließen kann. Solche öffentliche und private Fahrradständer werden auch als Fahrradabstellanlagen, Fahrradparksystem, Fahrradhalter oder Fahrradstation bezeichnet. Insbesondere an Schulen, vor Schwimmbädern, an Bahnhöfen und Geschäften findet man diese Einrichtungen.

Einige Gemeinden haben Fahrradstellplatzverordnungen erlassen, die Vorgaben für die Kapazität und Ausführung von Abstellanlagen bei Bauprojekten machen. Während dies bei Kraftfahrzeugen selbstverständlich ist, werden derartige Vorgaben für den Fahrradverkehr nach Bedarf der Gemeinden eingeführt. Sichere Fahrradabstellanlagen sind ein gewichtiger Faktor zur Verringerung des Fahrraddiebstahls und stellen ein Element in der Stadtentwicklung und bei der Förderung des Fahrradverkehrs dar.

Aufgaben[Bearbeiten]

Eine Fahrradabstellanlage soll folgende Anforderungen erfüllen:

  • Das Fahrrad soll stabil stehen
  • Die Gefahr einer Beschädigung soll minimiert sein
  • Zumindest der Fahrradrahmen (und wünschenswert: ein Rad) soll mit einem normalen Bügelschloss diebstahlsicher befestigt werden können
  • Beim Beladen von Gepäck und Kindersitzen darf das Fahrrad nicht wegrutschen
  • Es sollen unterschiedlich große Fahrräder und Räder mit unterschiedlich dicken Reifen abgestellt werden können

Konstruktionsarten[Bearbeiten]

Es gibt die verschiedensten Konstruktionen. Nicht jede Ständerkonstruktion ist für jeden Radtyp geeignet.

Ältere Holz- und Metallgeländer und ähnliche moderne Ständerkonstruktionen ermöglichen das schonende seitliche Anlehnen und Absperren von Rädern. Ein Beispiel ist der Kreuzberger Bügel, der in diesem Berliner Stadtteil in den 1980ern eingeführt wurde[1]. Auch gibt es Konstruktionen, bei denen der Rahmen über eine Gummiaufnahme gehalten wird, während eine Stahlöse das das Anschließen desselben erlaubt.

Die an älteren Bahnhöfen zu findenden, sehr aufwändigen Fahrradunterstellgelegenheiten haben eine Überdachung und schräge nach oben ziehende Rinnen, in denen das Fahrrad platzsparend halb horizontal, halb vertikal untergebracht werden kann. An hochausgelasteten Fahrradabstellanlagen werden auch doppeletagige Konstruktionen errichtet.

Vorderradfixierung[Bearbeiten]

Bügelparker
Edelstahlspiralen halten das Rad nur schlecht und lassen das Anschließen des Rahmens nicht zu.

Bei vielen Anlagen lässt sich nur das Vorderrad in einer Halterung fixieren. Diese Bauform ist traditionell sehr weit verbreitet. Mit ihr können platzsparend und sehr günstig viele Fahrräder abgestellt werden. Ein gravierender Nachteil ist die fehlende Möglichkeit den Fahrradrahmen mittels Schloss am Ständer zu sichern, wie es von nahezu allen Versicherungen gefordert wird. In urbanen, öffentlich zugänglichen Bereichen verliert diese Bauform damit häufig ihre Existenzberechtigung. Das Fahrrad kann in diesem Fall leicht weggetragen werden, oder es kann nur das Vorderrad gesichert werden, was das Wegtragen des restlichen Rades ermöglicht.

Vorderradständer existieren in einer Vielzahl weiterer Bauformen, jedoch erweisen sich diese Konstruktion, je nach Ausführung, in der Praxis häufig auch als vollkommen untauglich. Während so genannte Bügelparker, Ständer aus Rundstahl oder dünnen Rohren, häufig gut für die weit verbreiteten Alltags- und Tourenräder ausgelegt sind, passen dicke/breite Vorderräder nicht in jede Halterung und dünne Rennradreifen werden ohnehin nur selten fixiert. Weitere Beispiele sind so genannte Vorderradklemmen oder Clips, die jedoch Fahrräder nicht am Rückwärtsherausrrollen hindern. Viele Konstruktionen besitzen einen hohen Design-, aber geringen Nutzwert. Dazu zählen beispielsweise Betonsteine mit einem eingelassenen runden Schlitz, in dem das Vorderrad fixiert wird oder Metallspiralen, in deren Zwischenräume das Vorderrad gesteckt werden soll. Diese Ständer werden auch im Fachhandel (z. B. Betonpflaster-Industrie) für die Gestaltung von öffentlichen Plätzen angeboten. Die Varianten erstrecken sich bis zu Baumstämmen, in die die entsprechenden Schlitze eingesägt sind. Solche und ähnliche Systeme werden abwertend auch Felgenknicker oder Felgenkiller genannt, da die Räder die Querkräfte weniger stark aufnehmen können und dabei Schaden nehmen können. Auch werden die Fahrräder selten stabil gehalten.

Fahrradboxen[Bearbeiten]

In neuerer Zeit gibt es vereinzelt sogenannten Fahrradboxen, die ähnlich Gepäckschließfächern abschließbar sind und die Platz für ein ganzes Rad bieten. Ein Anwendungsgebiet befindet sich an Umsteigepunkten für Pendler, die dort ihr Rad verstauen können. Sie werden aber auch in Bereichen eingesetzt, in denen Fahrradtouristen eine abschließbare Abstellgegelegenheit für ihre Räder mitsamt Gepäck angeboten werden soll.

Normen und Standards[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fahrradabstellanlagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung & Kommunikation (Hrsg.) 2008: Fahrradparken in Berlin - Leitfaden für die Planung (PDF; 8,1 MB)