Fahrradstadt Münster
Die Stadt Münster in Westfalen gilt als Fahrradstadt. Dies basiert darauf, dass das im Volksmund häufig Leeze (aus der Sondersprache Masematte) genannte Fahrrad das Stadtbild der Westfalenmetropole und das Leben der Münsteraner stark prägt. Aufgrund der vielen Vorteile, die die Radfahrer im Verkehr genießen, gewann die Stadt bereits mehrmals den Fahrradklimatest des ADFC.
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[Bearbeiten] Allgemeines
Von den rund täglich 1,4 Millionen Fahrten in Münster entfallen circa 1,05 Millionen auf die Einwohner der Stadt. Von diesen rund 1,05 Millionen Fahrten werden je nach Quelle etwa 35 % bis 40 % mit dem Fahrrad zurückgelegt. Somit hat die Stadt den höchsten Radverkehrsanteil in ganz Deutschland.[1][2] Nach einer Umfrage im Jahre 2007 wählten die Münsteraner sogar am häufigsten dieses Verkehrsmittel.[3]
Das Radwegenetz innerhalb der Stadt erstreckt sich dabei auf einer gesamten Länge von über 300 km, davon 293 km auf Bordsteinradwegen, 10 km sind Fahrradstraßen und auf einer Länge von insgesamt 3 km dürfen Radfahrer die Busspuren mitnutzen.[4] Zur Orientierung wurden an 172 km Radwegweiser aufgestellt. Auf 142 km verlaufen gekennzeichnete Themenrouten.[5]
Münster ist die Stadt mit den meisten Fahrraddiebstählen im deutschsprachigen Raum.[6]
[Bearbeiten] Gründe für die hohe Radverkehrsquote
Das Radfahren in Münster ist unter anderem deshalb so beliebt, weil es in Münster kaum Steigungen gibt. Die Entfernungen sind in der Stadt selten über 5 km, zahlreiche Ziele finden sich in kürzeren Entfernungen. Nicht zuletzt ist die Sozialstruktur mit einem hohen Anteil an Schülern und Studenten günstig für das Radfahren. Diese Gründe treffen aber auch für zahlreiche Städte zu, in denen in weit geringerem Ausmaß Rad gefahren wird. Von besonderer Bedeutung scheinen daher weitere Gründe zu sein.
Zu diesen Gründen zählt, dass die gesamte Innenstadt zwischen Servatiiplatz über den Prinzipalmarkt bis zum Domplatz für private Pkw gesperrt ist oder aus Einbahnstraßen besteht. Dies macht für Autofahrer ein Umfahren des Innenstadtbereichs nötig, während Radfahrer ihre Leeze fast überall fahren können und auch die Innenstadt durchqueren können, außer in den Fußgängerzonen. Auch die problematische Parkplatzsituation trägt ihren Teil zum status quo bei: Kostenlose Parkplätze sind im Kernbereich, in dem viele der münsterschen Behörden angesiedelt sind, nicht vorhanden. Wer die Innenstadt umrunden will, kann dies auf der 4,5 Kilometer langen Promenade tun. Es handelt sich hier um eine Ringstraße, die in den zur Parkanlage umgewandelten ehemaligen spätmittelalterlichen Befestigungsanlagen angelegt wurde. Die Promenade wird gelegentlich auch als „Autobahn für Radfahrer“ bezeichnet, obwohl bis auf eine Unterführung an jeder kreuzenden Straße entweder Ampelsignale beachtet oder Vorfahrt gewährt werden muss. Für Fußgänger ist parallel dieser Straße ein Gehweg angelegt.
Ein weiterer Grund für die hohe Quote an Radfahrern ist, dass Münster eine Pendlerstadt ist mit insgesamt rund 80.000 Menschen, die täglich zur Arbeit fahren. Durch die Radialstruktur der Stadt mit nur sechs großen Ausfallstraßen ergeben sich im Berufsverkehr häufig Staus.[7] Da die Ausfallstraßen durch Wohngebiete führen, greifen die dort wohnenden Arbeitnehmer häufig zum Fahrrad, um zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen. Im Gegensatz zu anderen Städten vergleichbarer Größe hat Münster im ÖPNV nur Busse anzubieten, die tendenziell unattraktiver sind als schienengebundene Verkehrsmittel.
Die Gründe für die Vorliebe der Münsteraner, Rad zu fahren, liegen unter anderem in den zahlreichen Sonderregeln, die das Radfahren in Münster erleichtern sollen. So gibt es an großen Kreuzungen eigene Fahrstreifen für Radfahrer, oder sie dürfen zwischen den Autos bis direkt vor die Ampel fahren (die sogenannte Fahrradschleuse), damit sie bei Grün immer im Blickfeld der anfahrenden Autos sind. Dies erhöht die Sicherheit der Radfahrer im Straßenverkehr. Außerdem wird so das Warten in den unmittelbaren Abgasen der Autos vermieden. Einige Ampeln gelten durch Sonderzeichen nicht für Radfahrer, zum Beispiel an vielen Fußgängerampeln. Weiterhin wird in Münster häufig eine für Autofahrer vorgeschriebene Fahrtrichtung an Kreuzungen und Einmündungen für Radfahrer aufgehoben. Da in Münster die Straßen der Innenstadt seit dem kriegsbedingten Wiederaufbau nicht verbreitert wurden, sind inzwischen viele davon nur als Einbahnstraßen freigegeben, jedoch gilt auch dies nur selten für Radfahrer, die die Straßen in beide Richtungen befahren dürfen. Inzwischen sind elf Straßen im Stadtgebiet als Fahrradstraße ausgewiesen, das soll den Radfahrern die „Hoheit“ auf diesen Straßen geben.
Nicht zuletzt mag einer der Gründe sein, dass an nahezu allen Hauptverkehrsstraßen Radverkehrsanlagen bestehen, zumeist in Form von Radwegen. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Städten sind diese auch in den Boomjahren des Kfz-Verkehrs während der 1960er und 1970er Jahre weder zurück gebaut, noch zu Kfz-Fahr- oder Parkstreifen umgewandelt worden. Insofern war das Am-Stau-Vorbeifahren mit dem Rad auch in den Zeiten möglich, als die Nebenstraßen durch Schleichverkehre oder Einbahnstraßensysteme für den Radfahrer noch nicht so attraktiv waren wie in heutigen Zeiten mit Verkehrsberuhigung, Tempo-30-Zone und Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr.
[Bearbeiten] Münster-Barometer
Im sogenannten Münster-Barometer, einer regelmäßig von der Westfälischen Wilhelms-Universität durchgeführten Umfrage, gaben in der Umfrage 2/2005 nur 7% der 280.000 Münsteraner an, kein Fahrrad zu besitzen, immerhin knapp 45% besaßen zu diesem Zeitpunkt zwei oder mehr Fahrräder. In offiziellen Schriften gibt die Stadt die Zahl der Fahrräder mit gut 500.000 an.[8]
In einer Stadt mit doppelt so vielen Fahrrädern wie Bewohnern tritt auch das Problem des Fahrraddiebstahls in den Vordergrund: So gaben weniger als die Hälfte der Befragten an, ihnen sei noch nie ein Fahrrad gestohlen worden, 15% beklagten gar drei oder mehr verschwundene Räder.[8] 2008 wurden in Münster bezogen auf 100.000 Einwohner im statistischen Mittel über 2.000 Fahrräder gestohlen.[9] 2009 kamen 1.971 Fahrräder abhanden, 2010 waren es 1.828.[6][10] Abgegebene sowie abgeschleppte Fahrräder können in der Fundfahrradstation der Stadt Münster abgeholt werden.[11] Seit 2009 werden dort Fahrradversteigerungen durchgeführt.[11]
Auswärtige wundern sich über die häufigen Verkehrskontrollen auch für Radfahrer. Die Münsteraner selber aber sagten zu jeweils knapp 40 %, die Kontrollen seien ausreichend beziehungsweise noch zu wenig, nur 11,5 % hielten die Anzahl der Kontrollen für übertrieben.[8] Nach Aussage des Polizeidirektors Udo Weiss ließ sich durch die regelmäßigen Kontrollen die Quote der Radfahrer, die in der Dämmerung und Dunkelheit das Licht am Rad einschalten, zwischen 2006 und 2011 von 50 % auf weit über 90 % steigern.[12]
In der Umfrage 1/2007 gaben 47 % der Befragten an, überwiegend das Fahrrad zu benutzen, Auto und Bus folgten mit 34 beziehungsweise 13,9 %. Zudem nutzen 77 % das Fahrrad täglich oder mehrmals pro Woche.[13]
Die gefühlte Überlegenheit der Radfahrer im Straßenverkehr zeigt sich deutlich daran, dass das Verhalten der Radfahrer im Straßenverkehr als „rüpelhafter“ eingeschätzt wird als das der Autofahrer. Bei den Radfahrern bildete sich für ein Mittelwert von 3,85, bei den Autofahrern von 3,14 („1“ = Verhalten sehr rücksichtsvoll).[8] Seit der ersten Umfrage des Münster-Barometers 2007 hingegen verschlechterte sich das Ansehen der Radfahrer auf einen Mittelwert von 3,99.[13]
Wird ausschließlich die Nutzung des Fahrrads für Alltagswege als Beurteilungsmaßstab zugrunde gelegt, so ist Greifswald noch vor Münster die Fahrradhauptstadt Deutschlands, da 44 % der Bevölkerung das Fahrrad für ihre Alltagswege benutzen.[14]
[Bearbeiten] Auszeichnungen
Regelmäßig wird vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz der so genannte Fahrradklimatest durchgeführt, eine Umfrage, bei der die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands gekürt wird. Nach 1991 gewann Münster auch in den Jahren 2003 und 2005 den Titel, wobei zwischen 1991 und 2003 keine Erhebungen stattfanden. Auch der ADAC hat Münster – als einzige Stadt im Testfeld – 2004 mit der Note sehr gut ausgezeichnet. Während bei den ADFC-Tests dem Ergebnis Umfragen unter den Radfahrern selber zugrunde liegen, hat der ADAC seinen Test in 22 Städten mit Hilfe von Verkehrsexperten durchgeführt, die die Städte bewertet haben.
Aufgrund der Auszeichnungen empfängt Münsters Stadtplanungsamt regelmäßig Verkehrsplaner aus allen Städten der Welt, um in der Praxis zu demonstrieren, wie Radverkehr als funktionierende Alternative zum Auto in einer kleineren Großstadt etabliert werden kann und was dafür getan werden muss. So waren in den letzten Jahren Abordnungen aus dem italienischen Florenz, dem norwegischen Kristiansand und dem US-amerikanischen Richfield in der westfälischen Stadt.
[Bearbeiten] Unfälle und Unfallbrennpunkte
In der Verunglücktenhäufigkeitszahl, das heißt die Anzahl an verletzten Personen pro 100.000 Einwohner, belegt Münster in Nordrhein-Westfalen den letzten Platz,[15] allerdings sind nur in rund neun bis zwölf Prozent aller Unfälle Radfahrer beteiligt.[16] Problematisch hingegen ist, dass Radfahrer und Fußgänger einen hohen Anteil von rund 50 % aller Verletzten stellen.[16][17] Von diesen sind über 80 % leichtverletzt,[16] was für das schlechte Abschneiden Münsters in den Unfallstatistiken verantwortlich ist.[17]
So gab es 2007 in Münster 9.531 Verkehrsunfälle, an 736 von ihnen waren insgesamt 843 Radfahrer beteiligt. Ein Radfahrer starb, 638 wurden verletzt. In 46 % der Fälle verursachte der Radfahrer den Unfall, bei weiteren 11 % war er an der Ursache beteiligt. Im Vergleich zum Jahr davor blieben die Zahlen relativ konstant, so gab es zwar 2006 mit 9.179 insgesamt weniger Verkehrsunfälle, an der Statistik für Radfahrer änderte sich jedoch nicht sehr viel. So ereigneten sich 720 Unfälle mit Beteiligung von 846 Radfahrern im Jahre 2006, wobei 653 von ihnen verletzt und keiner getötet wurde. Insgesamt blieb die Entwicklung seit Anfang des 21. Jahrhunderts relativ konstant, so lag die Unfallzahl mit Radfahrerbeteiligung zwischen 650 und 750 Unfälle und die Anzahl verletzter Radfahrer zwischen 580 und 660.[18]
Als häufigste Gründe für einen Unfall werden die Benutzung der falschen Fahrbahn, die Nichtbeachtung der Vorfahrt und die von Ampeln sowie Alkoholkonsum angegeben.[18] Die Polizei führt eine computergestützte Unfallstreckenkarte. Nach dem diese Karte führenden Hauptkommissar leben Radfahrer an der Hammer Straße und vor den beiden Mensen an Aasee und Coesfelder Kreuz am gefährlichsten.[19] Nach Analyse von Unfallforschern sind Kreuzungen und Straßeneinmündungen häufige Unfallschwerpunkte. Abbiegeunfälle und besonders das Linksabbiegen an Ampelkreuzungen sei ein Problem.[17] Eine stadtweite Ordnungspartnerschaft zur Unfallprävention hat bislang ihr Ziel, die Unfallzahlen jährlich um 10 % zu senken, verfehlt.[1][4] Die Direktion Verkehr der Polizei meint, dass die Minderung des Unfallrisikos nur mit flächendeckenden Überwachungsdruck auf die Verkehrsteilnehmer zu erreichen sei.[20] Hierzu wurde unter anderem seit dem Frühjahr 2008 ein mit dem ProViDa-System ausgerüstetes Polizeifahrrad eingesetzt[21], jedoch Anfang 2010 wieder außer Dienst gestellt.[22]
[Bearbeiten] Promenade
Auf der Promenade kommt es jährlich zu über 50 Zusammenstößen von Radfahrern, bei denen die Unfallteilnehmer Verletzungen davon tragen.[23] Zu weiteren 30 bis 40 Unfällen kommt es an den Stellen, an denen die Promenade von Straßen gequert wird.[23] Im Juli 2011 wurde daher von der Polizei Münsters vorgeschlagen, die Promenade mit einer durchgängigen Mittellinie zu versehen, zumindest aber eine mehrere Meter lange Linie im Kreuzungsbereich der Promenade mit den kreuzenden Straßen aufzutragen, um die Unfallgefahr sowohl für, als auch durch abbiegende Radfahrer zu verringern.[23] Dieses Vorhaben wurde jedoch von der Stadt abgelehnt.[24] An der einzigen Unterführung der Promenade zwischen Salzstraße und Mauritzstraße konnten mit 1.750 Radfahrer pro Stunde eine der größten Verkehrsaufkommen der Promenade gezählt werden, weswegen im Januar 2012 Pläne vorgestellt wurden, den Radweg an dieser Stelle für rund 120.000 Euro von 3,65 m auf 5,00 m Breite auszubauen.[25]
[Bearbeiten] Kreisverkehr auf dem Ludgeriplatz
Außerdem ist der große, zweispurige Kreisverkehr auf dem Ludgeriplatz eine für Radfahrer sehr gefährliche Stelle, an der jährlich bis zu 100 Unfälle zu teilweise schweren oder tödlichen Verletzungen führen. Bis April 2004 gab es an dieser Stelle drei Unfälle mit Todesfolge im Zusammenhang mit Radfahrern. Die Stadt versuchte bis 2005 diese gefährliche Situation zu entschärfen. Dazu wurden die Außenseiten im Bereich der Zufahrtsstraßen des Kreisverkehrs, die nicht befahren werden dürfen, zwischen Hammer Straße, Hafenstraße und Schorlemerstraße mit kleinen Betonschwellen abgesperrt, da dort Radfahrer häufig von Autofahrern übersehen wurden und es bereits mehrmals zu Unfällen mit langen Fahrzeugen wie LKW und Bussen gekommen war. Wegen der Absperrungen waren die Radler gezwungen, auf der Fahrbahn und damit zwischen den Autos zu bleiben. Jedoch wurden die Absperrungen immer wieder vandaliert und von vielen Radfahrern nicht akzeptiert. Weiterhin kam es dadurch zu anderen gefährlichen Situationen, bei denen die Radfahrer durch große Fahrzeuge in die Betonsperren gedrückt werden konnten und keine Ausweichmöglichkeit für diesen Notfall bestand. Der Versuch, dieses System zu etablieren, wurde daraufhin im Frühjahr 2005 aufgegeben und die Betonsperren wieder abgebaut.
Stattdessen wurde die Anfahrt zum Kreisverkehr hin verändert: Die Fahrspuren wurden verschmälert und ein Fahrstreifen für Radfahrer durch Straßenmarkierungen abgetrennt. Die Spuren sind nun so breit, dass Autos und Radfahrer gleichzeitig den Kreisverkehr anfahren können, im Falle eines großen Fahrzeugs die Anfahrt jedoch hintereinander erfolgen muss, da die Fahrzeugbreite bei LKW und Bussen die Mitbenutzung des Fahrradstreifens erfordert. So soll die Gefährdung im Toten Winkel der Autofahrer vermieden werden. Allerdings benutzen auch Autofahrer oftmals gebotswidrig den Fahrradstreifen mit, so dass Radfahrer hier nicht an wartenden Autos vorbeifahren können. Außerdem warnen auch Schilder vor dem Toten Winkel und sollen die Radler ermahnen, schon bei der Anfahrt hinter LKW zu bleiben.
[Bearbeiten] Grevener Straße
Ein weiterer gefährlicher Abschnitt für Radfahrer ist das Teilstück der Grevener Straße zwischen der Steinfurter Straße und dem York-Ring. Wegen der engen Bebauung an beiden Seiten der vierspurig ausgebauten Straße gibt es hier keinen ausreichenden Platz mehr für einen begleitenden Radweg, so dass der Radverkehr – wie als Normalfall in der StVO vorgesehen – über die Fahrbahn geführt werden muss. Besondere Gefahren ergeben sich durch die an einigen Stellen halb auf der Fahrbahn geparkten Autos und die zum Teil hohen Geschwindigkeiten, obwohl auf diesem Teilstück die Geschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt ist. Eine Lösung für dieses Problem in diesem Bereich ist mittelfristig jedoch nicht in Sicht.
[Bearbeiten] Fahrradschleuse
Damit Radfahrer eine Kreuzung zügig und sicher passieren können, wurden an vielen Stellen in Münster sogenannte Radfahrschleusen eingerichtet. Es handelt sich um Extra-Haltepunkte für Radfahrer an Ampeln, entweder an einer eigenen Haltlinie direkt vor den Autos oder auch auf einer gesonderten Radfahrerspur neben oder zwischen den wartenden Autofahrern:
[Bearbeiten] Stellplätze für Räder
Münster beherbergt mit der Radstation Münster das größte Fahrradparkhaus Deutschlands. Sie befindet sich direkt vor dem Hauptbahnhof. Während des Baus skeptisch von den Bewohnern der Stadt beäugt, wurde die Radstation schnell zum Erfolg: Die 3.300 Stellplätze sind bei gutem Wetter ausgebucht, circa 2.700 Kunden besitzen eine Dauerkarte. Nötig wurde die Anlage, da auf dem Bahnhofsvorplatz regelmäßig sämtliche Wege von abgestellten Fahrrädern blockiert wurden, so dass Fußgänger auf die Straße ausweichen mussten und Radfahrer, die ihr dort abgestelltes Fahrrad zurückhaben wollten, nicht zu ihrer Leeze kamen. Den Radfahrern standen zum Ende des Jahres 2004 im Stadtgebiet insgesamt 11.857 Stellplätze für ihre Räder zur Verfügung, darunter die schon genannten 3.300 Plätze in der Fahrradstation, 8.000 Fahrradständer sowie 557 Plätze an Umsteigemöglichkeiten, zum Beispiel Park&Ride-Stationen.
Der Wildwuchs geparkter Fahrräder zu beiden Seiten des münsterschen Hauptbahnhofs versperrt manchmal Zugänge und konnte nur bedingt durch die Radstation eingedämmt werden. Ein Teil dieser den Hauptbahnhof „zierenden“ Räder ist zudem herrenlos und muss regelmäßig vom Ordnungsamt der Stadt entfernt werden. Ende 2005 wurde der Bereich hinter dem Hauptbahnhof neu gestaltet und mit 790[26] neuen Fahrradstellplätzen ausgestattet, so dass in diesem Bereich nur noch wenige Fahrräder wild abgestellt werden. Aber auch an anderen Stellen im Stadtgebiet sorgen die abgestellten Räder für Behinderungen. Besonders betroffen davon sind beispielsweise Einrichtungen der münsterschen Universität oder die Rothenburg südlich des Prinzipalmarktes, wo 2007 innerhalb des Einkaufszentrums Münster-Arkaden ein Fahrradparkhaus eröffnet wurde. Auch im neuen innerstädtischen Viertel, im ehemaligen Parkhaus Stubengasse, gibt es mittlerweile ein weiteres Parkhaus für 360 Fahrräder.
[Bearbeiten] Radwanderwege
In Münster treffen darüber hinaus verschiedene Radwanderwege zusammen. Über die Dortmund-Ems-Kanal-Route ist das Ruhrgebiet auch mit dem Fahrrad angenehm zu erreichen. Die Friedensroute führt zur nördlichen Nachbarstadt Osnabrück. Über die Europaradwanderweg R1 ist Münster mit ganz Mitteleuropa verbunden. Für Touristen ist die bundesweit bekannte 100 Schlösser Route besonders interessant. Darüber hinaus streift auch der EmsAuenWeg das Münsteraner Stadtgebiet. Dieser lässt sich mit dem Werse Rad Weg zu einem Rundweg durch das östliche Münsterland verbinden.
[Bearbeiten] Öffentlicher Nahverkehr
Aus der Fokussierung auf das Fahrrad ergibt sich ein Problem bei schlechtem Wetter. Viele Radler steigen dann auf den Bus oder den eigenen PKW um. Da in Münster im ÖPNV ausschließlich Busse zum Einsatz kommen, sind diese dann oftmals überfüllt und der Masse an Fahrgästen nicht gewachsen. Wetterunabhängig fühlen sich andererseits manchmal Radfahrer von den Linienbussen bedrängt.[27]
Am 27. November 2011 ging Münsters erstes Velotaxi, eine dreirädrige Rikscha mit Platz für zwei Fahrgäste, auf ihre Jungfernfahrt.[28] Es hat Platz für zwei Fahrgäste und kann mit zuschaltbarem Elektromotor Spitzengeschwindigkeiten von 20 kmh erreichen.[28]
[Bearbeiten] Zukunft
Die politischen Gremien haben 2004 ein „Radverkehrskonzept 2010“ beschlossen. Demnach sollen unter anderem die Unfallschwerpunkte systematisch untersucht und nach Möglichkeit entschärft werden. Lücken in einem bestehenden sogenannten Radverkehrsnetz sollen geschlossen, Bordsteinradwege saniert und sogenannte Drängelgitter entfernt werden.[29] Das Projekt „Sicher durch Münster“, mit dem die Stadt Münster sowie die Polizei die Anzahl der sich in der Stadt ereigneten Unfälle zu reduzieren versucht, wurde im November 2011 in Düsseldorf mit dem Landespreis für Innere Sicherheit vom Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.[7]
[Bearbeiten] Weblinks
- Informationen über das Thema Fahrradstadt auf muenster.de
- Verkehrskonzept für den Ludgeriplatz des Amtes für Stadtplanung der Stadt Münster
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b Stadt Münster: Garantiert fahrradfreundlich. In: Presse-Info. Stand 6. Februar 2008.
- ↑ Stadt Münster: 2. Nahverkehrsplan, Seite 21
- ↑ Stadt Münster: Ergebnisse einer Haushaltsbefragung im November 2007, Stand 2. November 2008
- ↑ a b Polizei NRW: Fachbericht zur Verkehrsunfallentwicklung in der Stadt Münster … im Jahre 2008
- ↑ Stadt Münster: Jahresstatistik 2005 der Stadt Münster, S. 162
- ↑ a b Westfälische Nachrichten: Studie: Münster ist vor Bern die Fahrradklau-Hochburg schlechthin, Münster, 11. Oktober 2010, abgerufen am 12. Oktober 2010
- ↑ a b Westfälische Nachrichten: Infrastruktur: Wo Münsters Straßenverkehr am meisten nervt, Münster, Meike Lorenzen, 4. Januar 2012
- ↑ a b c d Westfälische Wilhelms-Universität: Politbarometer Münster 3/2005 Häufigkeitsauszählung, Stand 17. Mai 2008
- ↑ Deutschland: Zahl der Fahrraddiebstähle in Deutschland 2008 auf hohem Niveau, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) Bundesverband e. V., Bundeskriminalamt Wiesbaden, 20.Oktober 2009
- ↑ Westfälische Nachrichten: Studie: Münster ist die Stadt der Fahrraddiebe, Münster, 22. November 2011
- ↑ a b Stadt Münster: Fundfahrradstation
- ↑ Westfälische Nachrichten: Positive Bilanz: Hohe Einschaltquote: Radfahrer fahren mit Licht, Münster, Lukas Speckmann 15. Dezember 2011
- ↑ a b Westfälische Wilhelms-Universität: Häufigkeitsauszählung des Münster-Barometers 1/2007
- ↑ Greifswald: Pressemitteilung: Greifswald ist Fahrradhauptstadt Deutschlands, 20. Oktober 2009
- ↑ Polizei NRW: Vorstellung der Verkehrsunfallzahlen 2007 für das Stadtgebiet Münster
- ↑ a b c Polizei Münster: Verkehrsunfallstatistiken
- ↑ a b c Presse- und Informationsamt, Stadt Münster: Über die Hälfte der Verunglückten sind Fußgänger und Radfahrer. In: Presse Info. Stand 26. Februar 2008.
- ↑ a b Polizei NRW: Fachbericht zur Verkehrsunfallentwicklung in der Stadt Münster im Jahre 2007, Seite 9
- ↑ Westfälische Nachrichten: Schwarz ist der Tod – Risikogebiete für Radler, Lukas Speckmann. Stand 6. Februar 2008
- ↑ Westfälische Nachrichten: Polizei fischt Rowdy-Radler ab, Stand 23. Februar 2008
- ↑ Westfälische Nachrichten: Videokontrolle per Rad, Münster, Günter Benning, 11. April 2008
- ↑ Unsanft ausgebremst: Polizei stellt Video-Räder außer Dienst, Jens Könning
- ↑ a b c Westfälische Nachrichten: Unfallschwerpunkt: Mittellinie für die ganze Promenade?, Münster, Martin Kalitschke, 2. Juli 2011
- ↑ Münstersche Zeitung: Promenade: Keine durchgehende weiße Linie, Münster, Stefan Bergmann, 3. Juli 2011
- ↑ Westfälische Nachrichten: Mehr Platz für Radler: An der Mauritzstraßen-Unterführung soll der Radweg verbreitert werden, Münster, Martin Kalitschke, 19. Januar 2012
- ↑ Stadt Münster: Beiträge zur Statistik Nr. 99, S. 14 – Neues aus der Statistik 2006 der Stadt Münster
- ↑ Westfälische Nachrichten: Harmonie auf der Busspur: Radler und Busse fahren sich aus dem Weg, Lukas Speckmann, 26. Oktober 2007
- ↑ a b Westfälische Nachrichten: Neue Geschäftsidee: Erstes Fahrradtaxi düst durch Münster, Münster, Daniela Elsner, 27. November 2011
- ↑ Stadt Münster, Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung: Radverkehrskonzept 2010, Stand 1. März 2008
| Dieser Artikel wurde am 30. Januar 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |