Fair Value

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Der Fair Value (fairer Wert, deutscher Fachbegriff: beizulegender Zeitwert) ist ein Wertkonzept zur Bewertung von Vermögenswerten oder Schulden im angelsächsischen Rechnungswesen (IFRS und US GAAP). Es handelt sich um den Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögenswert getauscht oder eine Verbindlichkeit beglichen werden könnte. Diese Definition entspricht dem beispielsweise auch aus dem Steuerrecht bekannten Fremdvergleichsgrundsatz („Arm's Length Transaction“).

Zur Bestimmung des Fair Value existiert nach IFRS 13.72 eine Bewertungshierarchie:

  1. Inputfaktoren der Stufe 1 sind in aktiven, für das Unternehmen am Bemessungsstichtag zugänglichen Märkten für identische Vermögenswerte oder Schulden notierte nicht berichtigte Preise (IFRS 13.76).
  2. Inputfaktoren auf Stufe 2 sind andere als die auf Stufe 1 genannten Marktpreisnotierungen, die für den Vermögenswert oder die Schuld entweder unmittelbar oder mittelbar zu beobachten sind (IFRS 13.81).
  3. Inputfaktoren auf Stufe 3 sind Inputfaktoren, die für den Vermögenswert oder die Schuld nicht beobachtbar sind (IFRS 13.86).

Die Inputfaktoren dienen den Bewertungstechniken (wie dem marktbasierten Ansatz, dem kostenbasierten Ansatz und dem einkommensbasierten Ansatz) als Grundlage. Dabei ist die Verwendung beobachtbarer Inputfaktoren möglichst hoch und nicht beobachtbarer Inputfaktoren möglichst gering zu halten.

Aktiver Markt[Bearbeiten]

Nach IFRS 13 ist ein aktiver Markt ein Markt, auf dem Geschäftsvorfälle mit dem Vermögenswert oder der Schuld mit ausreichender Häufigkeit und Volumen auftreten, so dass fortwährend Preisinformationen zur Verfügung stehen.

Marktpreis[Bearbeiten]

Marktpreis ist derjenige Preis, der sich regelmäßig auf Börsen ergibt oder ohne großen Aufwand jederzeit von Händlern, Brokern, Branchengruppen, Preisberechnungsservices sowie Aufsichtsbehörden ermittelt werden kann. Diese sollen sich auf Preise aus aktuellen Transaktionen zwischen unabhängigen Dritten stützen, die jederzeit vorzufinden sind. Im Idealfall liegen öffentlich notierte Marktpreise vor, wie beispielsweise an Wertpapierbörsen, die zweifelsfrei als Indizien für einen aktiven Markt zu bezeichnen sind.

Inaktiver Markt[Bearbeiten]

Ein aktiver Markt liegt nicht mehr vor, wenn aufgrund des vollständigen und längerfristigen Rückzugs von Käufern und/oder Verkäufern aus dem Markt eine Marktliquidität nicht mehr festzustellen ist. Eine derartig nachhaltige Marktveränderung ist beispielsweise eingetreten, wenn der Handel dadurch zum Erliegen kommt, dass ein Market Maker über einen längeren Zeitraum keine verbindlichen Kurse mehr stellt und auch keine Markttransaktionen zu beobachten sind. Falls die Transaktionen nachweislich ausschließlich aus erzwungenen Geschäften, zwangsweisen Liquidationen oder Notverkäufen resultieren, ist dies ein Indiz für einen nicht mehr aktiven Markt für die betreffenden Finanzinstrumente[1].

Werden im Vergleich zur Gesamtanzahl der emittierten Aktien nur eine geringe Menge davon gehandelt oder sind keine Fair Values auf engen Märkten ermittelbar, so muss das Bestehen eines aktiven Markts ebenfalls verneint werden und folglich auf Bewertungsmethoden zur Bestimmung des beizulegenden Zeitwerts zurückgegriffen werden. Finanzinstrumente, deren beizulegender Zeitwert lediglich durch finanzmathematische Bewertungsverfahren ermittelt werden kann, sind, selbst wenn die Bewertungsparameter zugänglich (beobachtbar) sind, nicht mit dem beizulegenden Zeitwert zu bewerten.

Gesetzliche Neuregelung[Bearbeiten]

Die Fair Value-Bewertung kann zu erheblichen Wertschwankungen führen, die prozyklisch sind und sich deshalb krisenverstärkend auswirken können. Bei den gesetzlichen Neuregelungen behält jedoch das Vorsichtsprinzip des HGB weiterhin Vorrang. Dies wird daran deutlich, dass die „Fair Value-Bewertung“ für Nichtbanken weiterhin nicht statthaft ist. Bei Kreditinstituten hingegen gilt die „Fair Value-Bewertung“ nur für Finanzinstrumente des Handelsbuchs. Wegen der internationalen Rechnungslegungsvorschriften war hier ein vollständiger Verzicht auf die „Fair Value-Bewertung“ nicht möglich. Zudem wird – ähnlich wie bei IFRS und IAS – eine Umwidmungsmöglichkeit geschaffen. Die Finanzmarktkrise hat gezeigt, dass in Ausnahmefällen bei Kreditinstituten eine Umwidmung vom Handelsbuch in das Anlagebuch möglich sein muss. Ohne Umwidmungsrechte kann es bei verändernden Marktwerten zu stärkeren Ergebnisschwankungen (Volatilität) kommen und in Krisenzeiten erhöhten Abschreibungsbedarf auslösen, der zu Verlusten bei Banken führt. Diese Umwidmung muss nach § 35 Abs. 1 RechKredV im Anhang angegeben und begründet werden. Durch die seit April 2009 geltende Sondervorschrift des § 340e Abs. 3 HGB fällt das Erfordernis der Existenz eines aktiven Markts weg, sodass der Anwendungsbereich der Zeitwertbilanzierung bei Kreditinstituten auch Finanzinstrumente des Handelsbuches umfasst, die nicht auf einem aktiven Markt gehandelt werden. In solchen Fällen erfolgt die Zeitwertermittlung mit Hilfe finanzmathematischer Bewertungsmodelle nach Mark-to-model. Die Sondervorschrift des § 340e Abs. 3 HGB, die den Anwendungsbereich des § 253 Abs. 1 Satz 3 HGB – also die Zugangsbewertung von Finanzinstrumenten zu Anschaffungskosten und die verpflichtende Folgebewertung zum beizulegenden Zeitwert – betrifft, ist nunmehr für Kreditinstitute erweitert worden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IdW-Positionspapier, a.a.O. S. 3

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg-Markus Hitz: Stichwort Fair Value in der Rechnungslegung. In: Die Betriebswirtschaft. 66. Jahrgang, 2006, S. 109–113.
  • Mary E. Barth, Wayne R. Landsman: Fundamental Issues Relating to Using Fair Value Accounting for Financial Reporting. In: Accounting Horizons. Vol. 9(4), 1995, S. 97–107. ISSN 1558-7975
  • Hartmut Bieg, Reinhard Heyd (Hrsg.): Fair Value. Bewertung in Rechnungswesen, Controlling und Finanzwirtschaft. Vahlen, München 2005, ISBN 3-8006-3088-5.
  • Kadel, Außerplanmäßige Abschreibung und Zeitwert in der deutschen und US-amerikanischen Handels- und Steuerbilanz - Eine rechtsvergleichende Untersuchung zur Berechtigung der Teilwertabschreibung im Steuerrecht

Weblinks[Bearbeiten]