Fairtrade Labelling Organizations International

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fairtrade Labelling Organizations International
(FLO)
Zweck: Förderung der Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit
Vorsitz: Molly Harriss Olson (2013)
Gründungsdatum: 1997
Mitgliederzahl: 27 Organisationen (2013)
Sitz: Bonn, Deutschland
Website: fairtrade.net

Fairtrade Labelling Organizations International (FLO), in der Außendarstellung Fairtrade International, ist eine 1997 gegründete Dachorganisation für Fairen Handel mit Sitz in Bonn. Sie ist mit anderen international tätigen Dachorganisationen im Netzwerk FINE zusammengeschlossen.

Die Organisation entwickelt eigene Standards für Fairen Handel[1] und vergibt über ihre nationalen Siegelorganisationen das Fairtrade-Siegel für Produkte, die gemäß diesen FLO-Standards zertifiziert wurden.

Organisation[Bearbeiten]

Fairtrade Labelling Organizations International ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein mit Sitz in Bonn.

Mitglieder sind nationale Siegelinitiativen, die für die Vergabe des Fairtrade-Siegels und Öffentlichkeitsarbeit in einzelnen Ländern verantwortlich sind, hierunter aus dem deutschsprachigen Raum TransFair für Deutschland, Max Havelaar für die Schweiz und Fairtrade Österreich. Weitere Vollmitglieder sind Produzentennetzwerke und Marketingorganisationen. Hinzu kommen assoziierte Mitglieder. Im Jahr 2012 waren insgesamt 19 Siegelinitiativen, drei Produzentenorganisationen und fünf Marketingorganisationen Mitglied.[2]

Die Vollmitglieder wählen den Vorstand, wobei eine Quotenregelung gilt: fünf Vorstandsmitglieder werden von den nationalen Siegelinitiativen gewählt, vier von den Produzentenorganisationen. Weitere fünf werden vom Vorstand selbst ernannt. Der Vorstand ernennt Ausschüsse, darunter insbesondere den Ausschuss, der die Fairtrade-Standards weiter entwickelt. FLO hat etwa 70 Mitarbeiter (Stand 2010), die am Vereinssitz in Bonn oder als Verbindungspersonen weltweit tätig sind.[2]

FLO arbeitet eng mit der FLO-CERT GmbH zusammen, die für Zertifizierung von Produzenten und Händlern zuständig ist. FLO-CERT hat sich nach ISO 65 als unabhängige Zertifizierungsorganisation akkreditieren lassen. Dies soll Qualitätsmanagement, Transparenz und unabhängige Zertifizierungsentscheidungen demonstrieren,

Die FLO konzentriert sich auf die Zertifizierung vor allem landwirtschaftlicher Produkte. Unternehmen, die mit der FLO zusammenarbeiten, sind sowohl Alternative Handelsorganisation („Fairhandelsorganisation“), die ausschließlich nach den Prinzipien des Fairen Handels arbeiten, als auch große Einzelhandelsketten, Discounter und Unternehmen der Lebensmittelindustrie, für die Produktion von und Handel mit Fairtrade-Produkten nur eine Nische im Sortiment ist. Der Fokus auf Produktzertifizierung und Lizenzvergabe auch über reine Fairhandelsorganisationen hinaus unterscheidet die FLO vom anderen internationalen Dachverbänden des Fairen Handels, der World Fair Trade Organization.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Gütesiegel für den Fairen Handel wurde 1988 durch Max Havelaar in den Niederlanden eingeführt. Das angestrebte Ziel, mehr fair gehandelten Kaffee zu verkaufen, wurde erreicht: Der Marktanteil stieg von 0,2 % im Jahr 1987 auf 1,7 % im Jahr 1989. Der Erfolg führte dazu, dass vor allem durch Entwicklungshilfeorganisationen Siegelinitiativen in weiteren Ländern gegründet wurden, darunter als erste nationale TransFair-Initiative Transfair-Deutschland.[4]

Die nationalen Siegelinitiativen unterschieden sich in ihrer Organisation und ihren Standards. Manche Vorstände wurden aus Entwicklungshilfeorganisationen besetzt und waren ihnen rechenschaftspflichtig, andere schlugen ihre Nachfolger selbst vor, an wieder anderen waren auch Produzenten und Händler beteiligt. Manche Siegelinitiativen erlaubten die Zertifizierung von Teeplantagen, andere beschränkten sich auf kleinbäuerliche Betriebe. Bemühungen, Standards und Prozesse zu harmonisieren, führten dazu, dass 17 Siegelinitiativen 1997 Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) als gemeinsame Dachorganisation gründeten.[4] Im Jahr 2002 führte FLO das gemeinsame Fairtrade-Siegel ein. Im Jahr 2004 wurde FLO-CERT gegründet, um eine unabhängige Zertifizierung von Produzenten und Händlern zu gewährleisten.[2]

Seit 2011 tritt FLO nach außen unter dem Namen Fairtrade International auf.[5]

Ende 2011 schied die Siegelinitiative Transfair USA, jetzt Fair Trade USA, mit ca. 1 Mrd. Euro Einzelhandlsumsatz 2011 die zweitgrößte, aus der FLO aus. Sie gab ein neues Siegel heraus und zertifiziert seitdem auch große Produzenten, die nicht als Kooperativen organisiert sind.[6]

Standards und Zertifizierung[Bearbeiten]

Standards[Bearbeiten]

FLO definiert Standards, die eine Organisation einhalten muss, damit ihre Produkte zertifiziert werden und das Fairtrade-Siegel erhalten können.

Die Standards umfassen sowohl organisatorische als auch produktbezogene Kriterien, sie definieren sowohl fest einzuhaltende Anforderungen als auch Anforderungen an kontinuierliche Prozessverbesserungen.[4]

Die Preisstandards verlangen die Zahlung eines kostendeckenden Mindestpreises, der von FLO nach einem bestimmten Verfahren für die meisten Produktgruppen festgelegt wird. Liegen die Marktpreise der jeweiligen Handelsstufe über den Mindestpreisen, dann muss mindestens der Marktpreis gezahlt werden. Produzenten und Händlern können auch höhere Preise verhandeln. Hinzu kommt eine sogenannte Fairtrade-Prämie, mit der kommunale Projekte gefördert werden sollen. Die Preise entstehen also durch marktliche Preisbildung, die Produzenten sollen aber durch regulatorische Vorgaben vor ruinös niedrigen Preisen geschützt werden.

Zertifizierung und Monitoring[Bearbeiten]

Die Zertifizierung und Überwachung von Siegelnehmern erfolgt durch eine unabhängige Organisation, die FLO-CERT GmbH.

Markt[Bearbeiten]

Schätzungen der FLO zufolge wurden 2009 mit dem Fairtrade-Siegel versehene Produkte in etwa 70 Ländern mit einem Gesamtvolumen von 3,4 Mrd. Euro verkauft. Die wichtigsten Absatzländer, gemessen am gesamten Umsatz, waren das Vereinigte Königreich, die USA, Frankreich, Deutschland, Kanada und die Schweiz. Im Jahr 2009 gab es Fairtrade-Standards für mehr als 20 Produktgruppen. Die bedeutendsten, gemessen an der Zahl abgesetzter Einheiten, waren Blumen, Früchte, Zucker, Kaffee und Fruchtsäfte.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Darryl Reed: Fairtrade International (FLO). In: D. Reed, P. Utting und A. Mukherjee Reed (Hrsg.): Business Regulation and Non-state Actors: Whose Standards? Whose Development?. Routledge, Oxford 2012, ISBN 9780415593113, 22.

Weblinks[Bearbeiten]

  • fairtrade.net Webseiten der Fairtrade Labelling Organizations International

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Faitrade Standards, fairtrade.net, aufgerufen am 8. Oktober 2013
  2. a b c d  Fairtrade Labelling Organizations International (Hrsg.): Unlocking the Power, Annual Report 2012-13. (PDF, 1,6 MB, abgerufen am 12. Juli 2014).
  3. Reed: Fairtrade International (FLO). 2012, S. 300.
  4. a b c Reed: Fairtrade International (FLO). 2012, S. 301-303.
  5.  Fairtrade Labelling Organizations International (Hrsg.): Fairtrade International, Challenge and Opportunity, Annual Review 2010-11. S. 22 (PDF).
  6. Dave Gram: Fair trade purists cry foul at including big farms. Associated Press, 31. März 2012, abgerufen am 13. Juni 2014.