Fakultätsbilder (Universität Wien)

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Die Hygieia (griechisch „Gesundheit“) aus dem Fakultätsbild Medizin von Klimt in einer Reproduktion des Originals (Ausschnitt)

Fakultätsbilder ist die Bezeichnung für vier Gemälde, die zur Ausschmückung der Decke des Großen Festsaals der Universität Wien an der Wiener Ringstraße gedacht waren. Sie sollten in allegorischer Weise die vier klassischen Fakultäten einer europäischen Universität darstellen.

Mit ihrer Anfertigung wurden im Jahre 1894 die Künstler Gustav Klimt und Franz Matsch beauftragt. Klimt sollte dabei die Bilder für die Philosophie, Medizin und Jurisprudenz übernehmen, Matsch sollte das Bild für die Theologie anfertigen.

Auseinandersetzungen[Bearbeiten]

Bereits bei der ersten Ausstellung des Bildes „Philosophie“ bei der siebten Kunstausstellung der Wiener Secession im Jahr 1900 kam es zu massiver öffentlicher Kritik, vor allem seitens der Professoren der Universität. Klimts Darstellungsweise entsprach überhaupt nicht den Vorgaben der Auftraggeber und auch nicht seinen vorab eingereichten Entwurfsskizzen, sondern zeigte eine zutiefst pessimistische und kritische Perspektive der Wissenschaft. Auch die Ausstellung des Bildes „Medizin“ sorgte für einen ähnlichen Eklat. Es wird angenommen, dass die Auseinandersetzungen um die Bilder Klimt dazu veranlassten, sein Bild „Jurisprudenz“ noch aggressiver zu gestalten. Die Fronten waren dabei so verhärtet, dass eine Einigung nicht mehr möglich schien.

Themen der auch in den Medien geführten Auseinandersetzungen waren nicht nur die Stellung der universitären Wissenschaft in der Gesellschaft, sondern auch der Sinn und Zweck staatlicher Kunstförderung sowie die dadurch mögliche Einflussnahme auf die künstlerische Freiheit.

Um den Auseinandersetzungen zu entgehen, entschloss sich Klimt im Jahre 1905, seine Bilder, für die er bereits staatliche Vorauszahlungen erhalten hatte, mit der Hilfe privater Gönner (vor allem August Lederer) zurück zu kaufen. Die drei Bilder kamen so in Privatbesitz.

Die Auseinandersetzungen um die symbolistischen Bilder hatten Auswirkungen auf das weitere künstlerische Schaffen Klimts. Der Künstler nahm danach keinen Auftrag der öffentlichen Hand mehr an und wandte sich hauptsächlich der Porträt- und Landschaftsmalerei zu. Im Zuge dieser Neuorientierung entstanden bis heute weltbekannte Werke. Das spektakulärste dürfte das Bild Adele Bloch-Bauer I von 1907 sein, das mit einem im Jahre 2006 erzielten Verkaufspreis von 135 Millionen US-Dollar als das zweitteuerste Gemälde der Welt gilt. Das populärste und bis heute meist reproduzierte ist das 1907/1908 entstandene Bild Der Kuß. Klimt wird heute als der bedeutendste österreichische Künstler des Jugendstils bezeichnet.

Verbleib der Bilder[Bearbeiten]

Das Bild „Theologie“ von Franz Matsch ist bis heute im Besitz der Universität Wien und befindet sich in der Katholisch-Theologischen Fakultät.

Die privat aufgekauften Fakultätsbilder von Klimt kamen bei Arisierungsmaßnahmen während der Zeit des Nationalsozialismus wieder in staatlichen Besitz. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie in das Schloss Immendorf in Niederösterreich ausgelagert. Das Schloss wurde gegen Ende des Krieges von abziehenden SS-Truppen in Brand gesteckt und brannte mit den dort gelagerten Kunstschätzen vollkommen aus. Von den drei Fakultätsbildern von Klimt existieren heute noch die Entwürfe und Schwarzweiß-Fotografien der Originale.

Im Rahmen der Ausstellung "Nackte Wahrheit" (2005) wurden vom Wiener Leopold Museum Schwarzweiß-Kopien der Fakultätsbilder von Klimt und Matsch an der Decke des Großen Festsaals der Universität angebracht.

Ansichten der Fakultätsbilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fakultätsbilder (Universität Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien