Falko Bindrich

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Bindrich falko 20081120 olympiade dresden.jpg
Falko Bindrich bei der
Schacholympiade 2008 in Dresden
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Geboren 17. Oktober 1990
Zittau
Titel FIDE-Meister (2003)
Internationaler Meister (2006)
Großmeister (2007)
Aktuelle Elo-Zahl 2600 (September 2014)
Beste Elo-Zahl 2600 (September 2014)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Falko Bindrich (* 17. Oktober 1990 in Zittau) ist ein deutscher Großmeister im Schach und Schachtrainer.[1]

Leben[Bearbeiten]

Auch sein Vater Oswald (* 1951) ist ein starker Schachspieler mit einer höchsten Elo-Zahl von 2294 im Jahre 2000 und kann Falko auf vielen Turnieren als Spieler begleiten. Schach lernte Falko jedoch zuerst von seinem älteren Bruder.

2004 unterstützte Bindrich bei einer Großveranstaltung die deutsche Krebsliga in Leipzig mit einer Simultanveranstaltung und Moderation. Simultanvorstellungen gab er auch bei der Kinderstiftung Zittau.[2]

Falko Bindrich besuchte das Christian-Weise-Gymnasium in Zittau. Nach seinem Abitur 2009 verpflichtete er sich für zwei Jahre als Sportsoldat in der Sportfördergruppe in Frankenberg, Sachsen. Er studierte Wirtschaftswissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie.[3]

Zu seinen Trainern gehörten unter anderem die Großmeister Jiří Lechtýnský, Zigurds Lanka, Josif Dorfman, Ľubomír Ftáčnik sowie Davit Lobzhanidze und Leonid Rohovoy. Darüber hinaus trainierte Bindrich im Rahmen des Vorbereitungstrainings für die Schacholympiade 2008 in Dresden mehrmals mit Ex-Weltmeister Anatoli Karpow.[4]

In der Amateur Chess Organization (ACO) ist Falko Bindrich seit 2010 Geschäftsführer, gemeinsam mit dem Internationalen Meister Tobias Hirneise.[5]

Seit September 2013 ist er Mitglied der Deutschen Schachstiftung. Dabei setzt er sich für die Aufnahme von Schach als Schulfach in Südafrika ein.[6]

Erfolge[Bearbeiten]

Einzelturniere[Bearbeiten]

2001 wurde er in Willingen (Upland) deutscher U12-Meister, 2002 als Elfjähriger in Winterberg deutscher U14-Meister und 2005 gewann er, wiederum in Willingen (Upland), mit großem Abstand die deutsche U16-Meisterschaft. Bei der Verleihung des FM-Titels im Oktober 2003 war er der jüngste Deutsche, der je diesen Titel erhalten hat. Seit 2006 trägt er den Titel Internationaler Meister, seit 2007 den Titel Großmeister.

Gerade 12 Jahre alt geworden belegte er beim Mountain Open im tschechischen Bedřichov mit einer Elo-Leistung von über 2500 den zweiten Platz.

Im März 2008 gewann er mit 7,5 Punkten aus 9 Partien das 12. Neckar-Open in Deizisau. Im April 2011 gewann er die Großmeistergruppe der First-Saturday-Reihe mit 6,5 Punkten aus 9 Partien und einem Punkt Vorsprung.[7] Wenige Monate später, im Oktober 2011, gewann er, wiederum mit Vorsprung und ungeschlagen, die A-Gruppe des Luzern Opens mit 5,5 Punkten aus 7 Partien.[8]

Vereine und GM-Normen[Bearbeiten]

Sein erster Verein war der SC Oberland. Er wechselte dann zum höherklassig spielenden Dresdner SC. In der Saison 2006/07 hatte er seinen ersten Auftritt in der Schachbundesliga. Mit 11 aus 15 und einer DWZ-Performance von 2670 für den SC Remagen sicherte er sich seine erste Großmeister-Norm. Für die Saison 2007/08 wurde er für Brett 5 vom TSV Bindlach verpflichtet. Nach dem Rückzug von Bindlach aus der Bundesliga wechselte er zum Schachclub Eppingen. Die zweite GM-Norm bekam er bei der Europameisterschaft 2007 in Dresden, und da Normen bei der Europameisterschaft doppelt gezählt werden, erhielt er im September 2007 den Großmeister-Titel, nachdem er vorher die Grenze von 2500 Elo-Punkten überschritten hatte. Damit wurde Bindrich im Alter von 16 Jahren der zu dieser Zeit jüngste Großmeister Deutschlands.[9]

Bindrich spielt, in Zittau, also in der Nähe Tschechiens, wohnend, auch in der tschechischen 1. Liga (Extraliga) für den circa 40 Kilometer entfernt spielenden ŠK Zikuda Turnov. In der Schweiz spielte er für den SK Tribschen und seit der Saison 2011 für den Schachklub Luzern und in der österreichischen 1. Bundesliga seit der Saison 2011/12 für den SK Hohenems. In der Saison 2013/14 wurde er mit dem SK Hohenems österreichischer Staatsmeister und erzielte das beste Einzelergebnis der österreichischen 1. Bundesliga mit 9,5 Punkten aus 11 Partien.[10] In Deutschland spielte Bindrich in der Saison 2013/14 für den SC Turm Lüneburg in der Oberliga Nord und erzielte dort 8 Punkte aus 9 Partien.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Im Juli 2004 wurde er in Belgrad mit der deutschen Jugendnationalmannschaft U18-Europameister. Inzwischen ist er Mitglied des B-Kaders der deutschen Nationalmannschaft. Bei der Schacholympiade 2010 in Chanty-Mansijsk spielte er an Brett 3 der deutschen Mannschaft und erzielte 4,5 Punkte aus 8 Partien.

Streitfall Bundesliga[Bearbeiten]

Im Rahmen des Mannschaftskampfes SC Eppingen gegen die Sportfreunde Katernberg in der Saison 2012/13 kam Falko Bindrich in der Schachbundesligapartie am 21. Oktober 2012 gegen Sebastian Siebrecht der Aufforderung des Schiedsrichters, ihm sein unerlaubt auf die Toilette mitgeführtes Handy zur Kontrolle auszuhändigen, nicht nach, woraufhin seine Partie als verloren gewertet wurde.[11] Der SC Eppingen kündigte daraufhin an, Bindrich bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts nicht mehr in seiner Bundesligamannschaft einzusetzen.[12] Danach verhängte das Präsidium des Deutschen Schachbundes in seiner Sitzung am 19. Januar 2013 gegen Bindrich eine Funktions- und Spielsperre von zwei Jahren.[13] Gegen diese legte Bindrich Einspruch ein und kündigte an, nötigenfalls auch zivile Gerichte anzurufen.[14] Am 2. Mai 2013 wurde die Sperre vom DSB-Schiedsgericht aufgehoben. In der Begründung hieß es, die Sperre sei ohne Rechtsgrundlage verhängt worden, da Bindrich bei dem Vorfall nur dem Sanktionsrecht des Schachbundesliga e.V., nicht aber dem des DSB unterlegen habe. DSB-Präsident Herbert Bastian kündigte daraufhin an, diese Rechtslücke durch entsprechende Satzungsänderungen schließen zu wollen.[15] Im April 2014 wurde bekannt, dass Bindrich den Deutschen Schachbund auf Schadenersatz in Höhe von 68.000 Euro verklagt.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

In den Jahren 2003, 2005, 2007 und 2009 wurde Bindrich zum „Spieler des Jahres“ der Deutschen Schachjugend gewählt. Nach Melanie Ohme ist er damit der am häufigsten gewählte Spieler des Jahres der DSJ.[17] 2007 wurde er mit Erlangung des Großmeistertitels Ehrenbürger Zittaus und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Falko Bindrich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel Jugend-Europameisterschaften in Prag von Bernd Vökler vom 18. August 2012
  2. Archiv vom 21. Mai 2007 der Sächsischen Zeitung
  3. Über Falko Bindrich
  4. Artikel Junioren Länderkampf von Bernd Vökler
  5. Team der ACO
  6. Schulschach in Südafrika. Artikel von Elisabeth Pähtz auf chessbase.com
  7. Artikel über Turniersieg in Budapest 2011 auf fide.com (englisch)
  8. Turniertabelle Luzern Open 2011
  9. Artikel über Falko Bindrich von Frank Hoppe auf schachbund.de
  10. Artikel über die österreichische 1. Bundesliga von Franz Jittenmeier auf chess-international.de
  11. Betrugsfall in der Bundesliga?. Artikel von André Schulz vom 21. Oktober 2012 auf chessbase.de
  12. Stellungnahme des 1. Vorsitzenden des SC Eppingen zu dem Vorfall am 21. Oktober 2012 in Mülheim
  13. Entscheidung des Präsidiums zu den Vorwürfen gegen GM Falko Bindrich
  14. Reaktion Bindrichs auf DSB-Sperre
  15. Gemeinsame Presseerklärung von DSB und Schachbundesliga e.V., 3. Mai 2013
  16. Deutscher Schachbund, Informationen der Spielleitung, Ausgabe 2014/01, Seite 1 (PDF)
  17. Ehrungen Bindrichs als Spieler des Jahres
  18. Frau Dr. Regina Gellrich und Falko Bindrich trugen sich ins Goldene Buch der Stadt Zittau ein. Pressemitteilung vom 25. Oktober 2007 auf der Website der Stadt Zittau