Fall Achse

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Fall Achse war der Deckname einer Operation des Oberkommandos der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Er sah die Besetzung Italiens für den Fall vor, dass der Verbündete kapitulierte bzw. aus dem Krieg ausschied. Die Operation trug zunächst den Namen Unternehmen Alarich (nach Alarich I.), wurde dann aber nach der Verhaftung Mussolinis in Fall Achse umbenannt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Am 10. Juli 1943 landeten die Alliierten auf Sizilien (→ Operation Husky) und drängten die deutsch-italienischen Verbände innerhalb der nächsten zwei Wochen auf einen immer kleiner werdenden Brückenkopf am Ätna zurück. Die sich seit der Niederlage in Nordafrika formierende Fronde gegen Mussolini strebte nun nach seiner Absetzung. Auf einer am 24./25. Juli stattfindenden Sitzung des Großen Faschistischen Rates wurde Mussolini entmachtet und anschließend auf Befehl von König Viktor Emanuel III. verhaftet. Als neuer Ministerpräsident wurde Pietro Badoglio eingesetzt.

Den Versicherungen der Regierung Badoglio, dem Achsenbündnis treu bleiben zu wollen, schenkte man im deutschen Hauptquartier nur noch wenig Glauben. Die bereits zu einem früheren Zeitpunkt erarbeiteten Planungen und Vorbereitungen zur Übernahme der italienischen Besatzungsgebiete auf dem Balkan und in Frankreich (Deckname: Konstantin) und zur Besetzung Italiens selbst (Deckname: Alarich) wurden nun reaktiviert und zum Fall Achse zusammengefasst. Zusätzlich zu den bereits in Italien befindlichen deutschen Verbänden wurden Truppen der reaktivierten Heeresgruppe B an der Alpengrenze zusammengezogen.

Hauptziele der Operation waren:

  • die Entwaffnung der italienischen Truppen
  • die Festsetzung der italienischen Flotte
  • die Beschlagnahmung von Waffen und sonstiger kriegswichtiger Ausrüstung
  • die vollständige Räumung Sardiniens und Korsikas
  • Stabilisierung der übrigen Fronten in Italien.

Durch das Mithören eines Funkferngespräches zwischen Roosevelt und Churchill am 29. Juli war die deutsche oberste Führung frühzeitig über den bevorstehenden Waffenstillstand unterrichtet.[1]

Am 1. August rückten Truppen der Heeresgruppe B mit italienischer Zustimmung über die Grenze und besetzten Oberitalien. Die 2. Fallschirmjäger-Division flog aus Frankreich ein und bezog Stellungen um Rom. In der Folge fand am 6. August eine Konferenz in Tarvis statt, bei der das gegenseitige Misstrauen jedoch nur oberflächlich übertüncht wurde. In der Tat hatten die Italiener zu diesem Zeitpunkt bereits Gespräche mit den Westalliierten aufgenommen. Wenig später begannen die Vorbereitungen zur Evakuierung der auf Sizilien eingesetzten Truppen aufs Festland.

Verlauf[Bearbeiten]

Entwaffnete italienische Soldaten in Bozen

Am 3. September landeten zwei britische Divisionen bei nur minimalem Widerstand der Verteidiger auf dem italienischen Festland. Am gleichen Tag schloss die neue italienische Regierung den Waffenstillstand von Cassibile mit den Alliierten, der jedoch erst am 8. September bekanntgegeben wurde. Daraufhin leitete der Oberbefehlshaber Süd, Generalfeldmarschall Albert Kesselring, in seinem Befehlsbereich den Fall Achse ein, in dem die Deutschen alle italienischen Verbände entwaffneten. Mit der Durchführung der Operation in Norditalien wurde Generalfeldmarschall Erwin Rommel betraut.

Da das OKW eine solche Entwicklung bereits Anfang 1943 befürchtet hatte, waren im Verlauf des ersten Halbjahres 1943 deutsche Truppen schon strategisch auf alle Regionen Italiens verteilt worden. Dies sollte den schnellen Erfolg des Unternehmens sicherstellen.

Am 10. September besetzten deutsche Truppen Rom und am 12. September gelang es einem deutschen Sonderkommando, Mussolini aus seiner Gefangenschaft im Hotel Campo Imperatore zu befreien (→ Unternehmen Eiche). Mussolini wurde nach Ostpreußen gebracht; er übernahm wenig später die Leitung einer Marionetten-Regierung in Norditalien (→ Republik von Salò) und setzte den Kampf an deutscher Seite fort.

Die italienische Flotte konnte sich zu großen Teilen dem Zugriff entziehen – lediglich das Schlachtschiff Roma wurde durch deutsche Bomber versenkt. Auf den griechischen Inseln Kefalonia und Korfu leisteten die dort stationierten italienischen Truppen heftigen Widerstand gegen ihre Entwaffnung. Im Massaker auf Kefalonia (21./22. September 1943) wurden nach ihrer Gefangennahme mehr als 5.000 italienische Soldaten erschossen.

Ergebnis[Bearbeiten]

Laut Bericht der Heeresgruppe B wurden allein bis zum 19. September insgesamt 82 italienische Generäle, 13.000 weitere Offiziere und ca. 400.000 Soldaten entwaffnet und in Gefangenschaft genommen – hiervon waren 183.000 Soldaten bereits in Internierungslager in Deutschland überstellt worden. Auf Anweisung Hitlers erhielten sie nicht den Status von Kriegsgefangenen, sondern von Militärinternierten, auf die die Genfer Konventionen nicht angewendet werden mussten.

Am 13. Oktober erklärte die Badoglio-Regierung dem Deutschen Reich den Krieg. An der Seite der verbliebenen offiziellen italienischen Verbände operierte eine kampfstarke Partisanenarmee von 256.000 Frauen und Männern, die 1944 mit ihren Kampfhandlungen zehn Wehrmachtsdivisionen band.

Laut Kriegstagebuch des OKW wurde die Zeit zwischen dem abgehörten Gespräch (Churchill - Roosevelt) und dem 8. September

„gut genutzt. Die unter mancherlei Vorwänden erfolgte Infiltration einer ganzen deutschen Armee nach Nord- und Mittelitalien unter gleichzeitiger Sicherung der von den Italienern besetzten Paßstraßen und Eisenbahn-Kunstbauten ist ein organisatorisches und militärpolitisches Meisterstück des Wehrmachtführungsstabes gewesen. Auch war es noch rechtzeitig gelungen, auf dem Balkan die Befehlsverhältnisse so zu regeln, dass deutsche Verbände an allen wichtigen Abschnitten standen bzw. an sie in Kürze herangeführt werden konnten. Infolge des vorzeitigen Bekanntwerdens der Kapitulation Italiens am 8. September abends gelang es, die italienische Wehrmacht so rasch zu entwaffnen, dass der Gegner dieses Schwächemoment der deutschen Truppen, die zunächst durch die Entwaffnungsaktion gebunden waren, nicht auszunutzen vermochte.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Der II. Weltkrieg, Bd. 5, John Jahr Verlag, Hamburg.
  • Friedemann Bedürftig, Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg, Das Lexikon, Piper Verlag, 2002.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegstagebuch OKW, Band 6, S. 1529
  2. Kriegstagebuch OKW Band 6, S. 1529f.