Fall Leonarda Dibrani

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Der Fall Leonarda Dibrani bezieht sich auf die politischen Unruhen in Frankreich im Oktober 2013, die rund um die Abschiebung Leonarda Dibranis, einer jungen Roma aus dem Kosovo, entstanden.[1]

Leonarda Dibrani war zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alt. Ihre Familie stammt ursprünglich aus dem Kosovo, wobei ihre Mutter und ihre Geschwister allesamt in Italien geboren wurden. [2] Ihre Familie lebte bis 2008 in Fano/Italien. Die Kinder fehlten regelmäßig in der Schule und wurden Betteln geschickt. Der Vater, Resat Dibrani, war trotz Bemühungen der Stadt Fano nicht ins Arbeitsleben integrierbar und wurde zumeist verhaltensbedingt gekündigt. Sein Zubrot verdiente er als Schrottsammler. Die Stadt Fano plante aufgrund der Kindswohlgefährdung die Entziehung der Kinder. [3] Um der Entziehung zu entgehen, floh die Familie 2008 nach Frankreich. Bei ihrer Ankunft verbrannten die Eltern alle Urkunden und Reisepässe und stellten Asylanträge. Als Grund für die Asylbedürftigkeit wurde die Diskriminierung als Roma im Kosovo angegeben. Als die wahre Herkunft herauskam, wurden die Asylanträge als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Versuche die Asylbescheide rechtlich anzufechten scheiterten, sodass schlussendlich die Abschiebung beschlossen wurde.

Da Minderjährige nicht ohne Sorgeberechtigten abgeschoben werden können, zerstreute sich die Familie an unterschiedliche Unterkünfte, sodass eine gemeinsame Abschiebung vorerst unmöglich war. Resat Dibrani wurde 2 Wochen vor dem Vorfall alleine abgeschoben. Die Mutter und die Kinder wurden lokalisiert, festgenommen und abgeschoben. Die Schülerin wurde während eines Schulausflugs verhaftet. Dies führte zu den landesweiten Protesten.

Das nach Meinung der Betroffenen inakzeptable Angebot[4] des französischen Präsidenten François Hollande[5] auf die nachfolgende Krise hat zu heftiger Kritik von allen Seiten geführt,[6][7] einschließlich seiner eigenen sozialistischen Partei.

Jean-François Copé, Parteichef der zweitgrößten Partei in Frankreichs UMP, kündigte daraufhin an, ein neues Gesetz zum Geburtsortsprinzip in Frankreich vorzuschlagen.[8] Bereits am darauf folgenden Tag gab Innenminister Manuel Valls bekannt, Präsident Hollande wolle das Asylrecht anpassen, um ähnliche Fälle in Zukunft zu vermeiden.[9]

Der Sturz im April 2014 von Harlem Désir, der ehemalige Präsident der französischen Sozialistischen Partei wurde teilweise von seiner unangemessenen Haltung während des Dibrani Fall erläutert, als er seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass nicht nur Leonarda, sondern auch andere Mitglieder ihrer Familie würde erlaubt werden, nach Frankreich zurückzukommen.[10][11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leonarda : sur l’immigration, la gauche ne sait plus où elle habite, in Rue89. (französisch)
  2. [1]
  3. [2]
  4. Hollande bungles case of schoolgirl in thesundaytimes.co.uk. (englisch)
  5. Dilettantismus im Elysée-Palast, Berliner Zeitung, 20. Oktober 2013.
  6. Abschiebeaffäre in Frankreich: Das Roma-Mädchen und der Zickzack-Präsident, in Der Spiegel. Abgerufen am 26. Oktober 2013. (englisch)
  7. Affaire Leonarda : Hollande poursuit sa collection de critiques, in Libération. (französisch)
  8. Droit du sol : l’UMP s’invite sur le terrain du FN, Le Monde. (französisch)
  9. Valls veut réformer le droit d'asile, Europe 1. (französisch)
  10. Gouvernement Valls : Harlem Désir nommé secrétaire d'État aux Affaires européennes - "Un froid avec l'Élysée", in rtl.fr. Abgerufen am 16. April, 2014.
  11. Hollande « déçu » par Désir, in lemonde.fr. Abgerufen am 16. April, 2014.