Fall Shah Bano

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Der Fall Shah Bano stammt aus dem Jahr 1985. Damals sprach der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) Indiens einer geschiedenen muslimischen Frau, Shah Bano, Unterhalt zu. Shah Bano war zum Zeitpunkt der Scheidung bereits fortgeschrittenen Alters und hatte keine Einkommensquelle, da es in Indien kein soziales Absicherungssystem gibt.

"Doch das islamische Recht kennt keine Unterhaltsverpflichtung. Orthodoxe indische Muslime (wie die von Darul Uloom) erklärten daraufhin, das Urteil verstoße gegen muslimisches Privatrecht, und gründeten aus Protest den All India Muslim Law Board (AIMLB). Die Regierung lenkte ein und erließ ein Gesetz, wonach geschiedenen Musliminnen keinerlei Unterhaltsanspruch zusteht. Seitdem hat kein einziger indischer Politiker es gewagt, die Macht der einflussreichen muslimischen Kleriker anzutasten."[1]

Islamische Führer argumentierten, die islamische Ehe erkenne keine Unterhaltsansprüche seitens der Frauen an. Die indische Regierung gab dieser strengen Auslegung nach und kippte das Gerichtsurteil 1986 durch eine Verfassungsänderung.

Der Fall wird oft als Wendepunkt in der modernen indischen Politik betrachtet, da er zur Stärkung der Hindutva-Bewegung beigetragen hat. Viele Hindus begannen zu befürchten, dass lautstark protestierende Minderheitsgruppierungen zu unangemessenen Vorteilen gelangen könnten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Salman Rushdie: Doppelt gedemütigt. In: DIE ZEIT Nº 30/2005