Fallersleben (Wolfsburg)

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Fallersleben ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Siehe auch: Fallersleben (Begriffsklärung).

52.41888888888910.71694444444474Koordinaten: 52° 25′ 8″ N, 10° 43′ 1″ O

Fallersleben
Stadt Wolfsburg
Stadtteilwappen
Höhe: 74 m
Einwohner: 11.126 (31. Dez. 2012)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38442
Vorwahl: 05362
Karte

Lage in Wolfsburg

Fallersleben ist ein Stadtteil von Wolfsburg in Niedersachsen, der am Bach Mühlenriede liegt. Bevor das mehr als 1060 Jahre alte Fallersleben im Zuge der Gebietsreform 1972 in die Stadt Wolfsburg eingegliedert wurde, war es eine Stadt im Landkreis Gifhorn. Die Stadtrechte wurden 1929 verliehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Merian-Kupferstich von Fallersleben 1654
Schloss Fallersleben

In der Merian-Beschreibung von 1654 heißt es zu Fallersleben:

Es ist dieses Flecken vor Zeiten den Grafen von Woldenberg zuständig gewesen, welche es im Jahr Christi 1337 Herzog Otten und Herzog Wilhelmen zu Braunschweig und Lüneburg verkaufft.
Daß das jetzige Fürstliche Hauß daselbst von Herzog Franzen zu Braunschweig Lüneburg erst angeleget und gebauet, hernacher von dessen verwitwete Gemahlin Frauen Clara Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen, im Jahr 1551.

Nachweislich das erste Mal wird Fallersleben in einer Urkunde König Ottos I. aus dem Jahre 942 erwähnt. Die Urkunde erwähnt einen Ort namens Valareslebo - das heutige Fallersleben. Durch Bodenfunde lässt sich jedoch eine viel längere Besiedlung, seit etwa 200 v. Chr., nachweisen. Der in der Urkunde verwendete Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die im ostfälischen weit verbreitete Endung -lebo, bzw. heutzutage -leben, geht auf den germanischen Begriff „laiba“ zurück, was so viel wie „Erbeigentum, Grundbesitz“ bedeutet. Der Besitzer dieses Grundes, nämlich „Valares“, steuerte den vorderen Teil für den Namen des Ortes, bzw. der Siedlung, bei.

Im 12. Jahrhundert gehörte der Ort den Grafen von Wohldenberg, die ihn vom Erzbischof von Magdeburg zum Lehen erhalten hatten. 1337 übergaben sie ihn samt dazugehörenden Dörfern und dem Gebiet des Papenteich an die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. Fallersleben gehörte ab 1539 unter der Herrschaft von Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg 10 Jahre lang zum neu gegründeten Herzogtum Gifhorn, das 1549 aufgelöst wurde. Danach lebte seine Witwe Clara von Lauenburg bis zu ihrem Tod 1576 im Schloss Fallersleben. 1559 gab es bereits eine Befestigung von Fallersleben mit Wall und Graben sowie vier Stadttoren: Westtor, Gröpertor im Osten, Hoftor zur Schlossseite im Süden und Neues Tor im Norden.

Über Fallersleben verlief im 18. und 19. Jahrhundert die Postroute Braunschweig–Calvörde.

Nahe Fallersleben wurde ab April 1942 das KZ Arbeitsdorf aufgebaut, das jedoch im Oktober 1942 bereits wieder aufgelöst wurde.

Am 1. Juli 1972 wurde die Stadt Fallersleben, die aus dem Landkreis Gifhorn stammt, in die Stadt Wolfsburg eingegliedert.[1]

Fallersleben, Ehmen und Sülfeld um 1892

Politische Zugehörigkeit[Bearbeiten]

Fallersleben bildet gemeinsam mit dem Stadtteil Sülfeld die Ortschaft Fallersleben-Sülfeld, die durch einen Ortsrat vertreten wird. Ortsbürgermeisterin ist Bärbel Weist (Parteipolitisch Unabhängige Gemeinschaft – P.U.G.).

Organisatorisch zählt ferner die 1938 gegründete Siedlung Ilkerbruch zum Stadtteil. Sie liegt ganz im Norden von Fallersleben, außerhalb der geschlossenen Ortschaft an der Kreisstraße 114 („Nordtangente“) von Wolfsburg nach Gifhorn. Die Siedlung befindet sich zwischen den Naturschutzgebieten Barnbruch und Ilkerbruch.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Fallersleben ließ Herzog Franz von Braunschweig und Lüneburg im 16. Jahrhundert erbauen. Die Stadt Wolfsburg betreibt darin heute das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum, das das Werk und Leben des Schriftstellers veranschaulicht und auf die Demokratiebewegung in Deutschland zu seiner Zeit eingeht. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ist der berühmteste Sohn Fallerslebens. Er erblickte am 2. April 1798 in der Westerstraße 4 das Licht der Welt. Sein Geburtshaus wird heute als Hotel-Restaurant mit Saalbetrieb (Hoffmann-Haus) geführt und ist im Besitz der Stadt Wolfsburg.
  • Fallerslebens Ortskern ist eine gut erhaltene, von Fachwerkhäusern geprägte Altstadt. Alljährlich wird die historische Altstadt während des sogenannten „Altstadtfestes“ zu einer Festmeile.
  • In Schlossnähe liegt im Schlosspark das Alte Brauhaus (erbaut 1765), das seit den 1980er Jahren ein Lokal ist, in dem Bier gebraut wird.
  • SchwefelBad, eröffnet 1925

Kirchen[Bearbeiten]

Michaeliskirche
St.-Marien-Kirche

Die evangelisch-lutherische Michaeliskirche wurde 1805 durch Christian Gottlob Langwagen erbaut, nachdem 1803 ihre Vorgängerkirche größtenteils abgerissen worden war. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen der Landeskirche Hannovers. An der Berliner Straße befindet sich die 1992 eröffnete Kindertagesstätte Michaelis.

Die römisch-katholische Kirche Mutterschaft Mariens, umgangssprachlich auch kurz St. Marien genannt, wurde 1953/54 erbaut. Sie befindet sich an der Herzogin-Clara-Straße (früher Braunschweiger Straße), ihre Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Wolfsburg-Helmstedt im Bistum Hildesheim. Bereits 1929 wurde die katholische Kapelle St. Michael erbaut, sie war das erste katholische Gotteshaus im heutigen Wolfsburger Stadtgebiet nach der Reformation. Sie wurde nach dem Bau der Kirche abgerissen, an ihrer Stelle steht heute das Pfarrhaus. 2005 eröffnete die Pfarrgemeinde eine Kindertagesstätte im Nachbarort Sülfeld.

Die Evangelische Gemeinschaft Fallersleben verfügt über ein von 1981 bis 1983 erbautes Gemeinschaftshaus an der Karl-Heise-Straße, sie gehört über den Ohofer Gemeinschaftsverband zum Bund evangelischer Gemeinschaften. Die Gemeinschaft geht auf das Jahr 1926 zurück. Am 8. Mai 1983 erfolgte die Einweihung des heutigen Gemeinschaftshauses, zuvor besaß die Gemeinschaft ein kleineres Gemeinschaftshaus an der Sandkämper Straße.

Die neuapostolische Gemeinde Wolfsburg-Fallersleben gehört zum Kirchenbezirk Braunschweig. 1923 wurde die Kirchengemeinde Fallersleben gegründet, die Gottesdienste fanden zunächst in Gaststätten statt. 1929/30 wurde die erste Kirche an der Ehmer Straße errichtet, sie wurde 1972 abgerissen. 1971/72 wurde auf dem gleichen Grundstück hinter der ersten Kirche eine neue größere Kirche erbaut die noch heute besteht.

Schulen[Bearbeiten]

Fallersleben hat zwei Grundschulen: Die Glockenbergschule, in der sich auch eine Zweigstelle der Musikschule der Stadt Wolfsburg befindet, und die Eulenschule. Weiterhin gibt es ein Schulzentrum mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

Personen und Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Fallersleben geborene Personen[Bearbeiten]

Mit Fallersleben verbundene Personen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Konrad Hecht: Vorsfelde und Fallersleben. Zur Frage der Erhaltung und Pflege zweier alter Kleinstädte im Gebiet der heutigen Stadt Wolfsburg. Wolfsburg 1975.
  • Gerhardt Seiffert: Bratjen und Klümpe. Die mundartliche Sprache in und um Fallersleben. Ausdrücke, Sprichwörter und Bräuche. Eine Zusammenstellung der mundartlichen Forschungsarbeiten Hoffmanns von Fallersleben in den Jahren 1821 bis 1823. Fallersleben 1981.
  • Theo Bosse: Die Register und Kataster der Ämter Gifhorn, Fallersleben und Isenhagen ab 1563/64. Gifhorn 1988, ISBN 978-3-929632-02-6.
  • Dirk Riesener: Das Amt Fallersleben. Regionalverwaltung des fürstlichen Staates vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. In: Texte zur Geschichte Wolfsburgs. Bd. 22, Braunschweig 1991, ISBN 978-3-925151-50-7.
  • Stadt Fallersleben (Hrsg.): Häuserchronik der Stadt Fallersleben. Ein Versuch von Dr. Richard Müller. Buchdruckerei Just & Seiffert, Fallersleben 1963.
  • Stadt Wolfsburg (Hrsg.): Fallersleben 1930–1972. Von Otto Wolgast. Buchdruckerei Just & Seiffert, Fallersleben 1974.
  • Stadt Wolfsburg (Hrsg.): Hoffmannstadt Fallersleben. Zeitreise durch ein Jahrtausend. Appelhans Verlag Braunschweig, Braunschweig 2010, ISBN 978-3-941737-38-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fallersleben (Wolfsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien