Falsche Flagge

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Der Ausdruck falsche Flagge ist ein nachrichtendienstlicher, politischer und militärischer Begriff, der ursprünglich aus der Seefahrt stammt. Er bezeichnet eine verdeckte Operation, die zur Verschleierung der Identität und der Absichten des tatsächlichen Urhebers vorgeblich von einer dritten Partei durchgeführt wird. Die Aktion wird also zum Schein aktiv einem unbeteiligten Dritten zugeschrieben, etwa um seinen Ruf in der öffentlichen Meinung gezielt zu beschädigen. Der tatsächliche Akteur handelt also unter einer „falschen Flagge“, was typischerweise vom gezielten Einsatz von Desinformation begleitet wird und zum Schutz vor der Entdeckung des wahren Urhebers strengster Geheimhaltung unterliegt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung [Bearbeiten]

Bei Geheimdiensten ist dabei eines der möglichen Ziele, sich menschliche Quellen nutzbar zu machen, die bei Kenntnis des tatsächlichen Empfängers der gelieferten Information zu einer Zusammenarbeit sonst aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bereit wären. Von östlichen Diensten wurden dazu während des Kalten Kriegs häufig sogenannte Romeo-Agenten eingesetzt. Auch verdeckte Operationen von Geheimdiensten werden teilweise unter falscher Flagge durchgeführt, etwa um unbeteiligte Dritte zu diskreditieren, siehe zum Beispiel Gladio.

Es gibt mehrere geschichtliche Beispiele, bei denen Kriege auf der Basis vorgetäuschter Aktionen des Gegners begonnen wurden. Das bekannteste Beispiel ist der von den Nationalsozialisten inszenierte angebliche polnische Überfall auf den Sender Gleiwitz, der als Anlass für den Beginn des Zweiten Weltkriegs instrumentalisiert wurde. 1931 verübten japanische Offiziere einen Sprengstoffanschlag auf die Mukden-Eisenbahn in Nordchina (Mukden-Zwischenfall). Für die Explosion wurden Chinesen verantwortlich gemacht und er diente der japanischen Regierung als Vorwand, chinesische Städte zu bombardieren und die Mandschurei endgültig zu besetzen, in der sich ohnehin schon seit Jahren japanische Truppen befanden. Ein weiteres Beispiel war die Operation Northwoods des US-Militärs von 1962, bei der durch selbst inszenierte Terroranschläge vorgeblich kubanischer Terroristen gegen die USA ein Vorwand für die Invasion Kubas geschaffen werden sollte. Sie wurde jedoch wegen des Widerstands von Präsident John F. Kennedy nicht realisiert.

Derartige Operationen verstoßen im Allgemeinen gegen eine Vielzahl von nationalen oder internationalen Gesetzen, häufig auch gegen die des ausführenden Landes. Zudem wäre ihr Hauptziel verfehlt, wenn der tatsächliche Urheber doch bekannt würde. Daher werden solche Aktivitäten typischerweise unter strengster Geheimhaltung und unter möglichst weitgehender Vermeidung der Schaffung von schriftlichen Beweisen durchgeführt, was ihre spätere Aufklärung, z.B. durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse oder Gerichte, erheblich erschwert. In der Geheimdienst-Terminologie werden sie wegen ihrer Illegalität und der strengen Geheimhaltung zu den Schwarzen Operationen gezählt.

Einige verbreitete Verschwörungstheorien bzw. alternative Deutungen geschichtlicher Ereignisse basieren auf der Annahme, dass das betreffende Ereignis unter falscher Flagge geschah. Dazu gehören etwa die meisten Verschwörungstheorien zum 11. September 2001.

Ursprung [Bearbeiten]

Das Konzept der falschen Flagge hat seinen Ursprung in der Seefahrt, wo die Flagge eines Schiffes dessen Nationalität und Herkunft signalisiert. Um in Kriegszeiten den Gegner zu täuschen, war es durchaus üblich, dass Schiffe daher die Flagge eines anderen Staates als des eigenen hissten. Auch Kriegsschiffe bedienten sich dieser Täuschungsmaßnahme, die allgemein akzeptiert wurde, vorausgesetzt, die wahre Identität wurde vor Beginn etwaiger Kampfhandlungen durch das Hissen der eigenen Flagge angezeigt. Nach und nach weitete sich der Gebrauch fremder Hoheitszeichen, also Flaggen, Insignien und Uniformen, auch auf dem Land aus, ebenfalls mit der Einschränkung, dass sie vor Kampfhandlungen abgelegt wurden. Inzwischen wird diese Praxis unter bestimmten Voraussetzungen auch vom Völkerrecht gedeckt – wobei der Gebrauch von internationalen Schutzzeichen ausdrücklich verboten ist.

Motiv [Bearbeiten]

Mögliche Motive für eine Aktion unter falscher Flagge:

  • Verschleierung der Urheberschaft für eine Aktion, mit der der Urheber nicht in Verbindung gebracht werden will, z. B. aus politisch-moralischen Gründen
  • Erreichung von Zielen, die nur erreichbar sind, weil eine andere Partei als Urheber verdächtigt wird (siehe z. B. Strategie der Spannung)
  • Schaffung von „Kriegsgründen“, siehe insbesondere Überfall auf den Sender Gleiwitz und Operation Northwoods
  • Diskreditierung eines unbeteiligten Dritten, von einzelnen Personen über soziale Bewegungen, ethnische, religiöse oder politische Gruppierungen bis hin zu Staaten
  • Erhöhung der Kooperationsbereitschaft bei der Anwerbung oder Abschöpfung von Zielpersonen
  • Destabilisierung eines Landes, ohne selbst in Erscheinung zu treten
  • Überprüfung der Loyalität eigenen Personals

Beispiele [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]