Falsche Flagge
Der Ausdruck falsche Flagge ist ein nachrichtendienstlicher, politischer und militärischer Begriff, der ursprünglich aus der Seefahrt stammt. Er bezeichnet eine Unternehmung, die zur Verschleierung der Identität und der Absichten des tatsächlichen Urhebers vorgeblich von einer dritten Partei durchgeführt wird. Die Aktion wird also zum Schein aktiv einem Dritten zugeschrieben, etwa um ihn zu diskreditieren. Der tatsächliche Akteur handelt also unter einer „falschen Flagge“, was typischerweise vom gezielten Einsatz von Desinformation begleitet wird.
Bei Geheimdiensten ist dabei eines der möglichen Ziele, sich menschliche Quellen nutzbar zu machen, die bei Kenntnis des tatsächlichen Empfängers der gelieferten Information zu einer Zusammenarbeit sonst aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bereit wären. Von östlichen Diensten wurden dazu während des Kalten Kriegs häufig sogenannte Romeo-Agenten eingesetzt. Auch verdeckte Operationen von Geheimdiensten werden teilweise unter falscher Flagge durchgeführt, etwa um unbeteiligte Dritte zu diskreditieren, siehe zum Beispiel Gladio.
Es gibt mehrere geschichtliche Beispiele, bei denen Kriege auf der Basis vorgetäuschter Aktionen des Gegners begonnen wurden. Das bekannteste Beispiel ist der von den Nationalsozialisten inszenierte angebliche polnische Überfall auf den Sender Gleiwitz, der als Anlass für den Beginn des Zweiten Weltkriegs instrumentalisiert wurde. 1931 verübten japanische Offiziere einen Sprengstoffanschlag auf die Mukden-Eisenbahn in Nordchina (Mukden-Zwischenfall). Für die Explosion wurden Chinesen verantwortlich gemacht und er diente der japanischen Regierung als Vorwand, chinesische Städte zu bombardieren und die Mandschurei endgültig zu besetzen, in der sich ohnehin schon seit Jahren japanische Truppen befanden.
Einige verbreitete Verschwörungstheorien bzw. alternative Deutungen geschichtlicher Ereignisse basieren auf der Annahme, dass das betreffende Ereignis unter falscher Flagge geschah. Dazu gehören etwa die meisten Verschwörungstheorien zum 11. September 2001.
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[Bearbeiten] Ursprung
Das Konzept der falschen Flagge hat seinen Ursprung in der Seefahrt, wo die Flagge eines Schiffes dessen Nationalität und Herkunft signalisiert. Um in Kriegszeiten den Gegner zu täuschen, war es durchaus üblich, dass Schiffe daher die Flagge eines anderen Staates als dem eigenen hissten. Auch Kriegsschiffe bedienten sich dieser Täuschungsmaßnahme, die allgemein akzeptiert wurde, vorausgesetzt, die wahre Identität wurde vor Beginn etwaiger Kampfhandlungen durch das Hissen der eigenen Flagge angezeigt. Nach und nach weitete sich der Gebrauch fremder Hoheitszeichen, also Flaggen, Insignien und Uniformen, auch auf dem Land aus, ebenfalls mit der Einschränkung, dass sie vor Kampfhandlungen abgelegt wurden. Inzwischen wird diese Praxis unter bestimmten Voraussetzungen auch vom Völkerrecht gedeckt - wobei der Gebrauch von internationalen Schutzzeichen ausdrücklich verboten ist.
[Bearbeiten] Motiv
Mögliche Motive für eine Aktion unter falscher Flagge:
- Verschleierung der Urheberschaft für eine Aktion, mit der der Urheber nicht in Verbindung gebracht werden will, z.B. aus politisch-moralischen Gründen
- Erreichung von Zielen, die nur erreichbar sind, weil eine andere Partei als Urheber verdächtigt wird (siehe z.B. Strategie der Spannung)
- Schaffung von „Kriegsgründen“, siehe insbesondere Überfall auf den Sender Gleiwitz und Operation Northwoods
- Diskreditierung eines unbeteiligten Dritten, von einzelnen Personen über soziale Bewegungen, ethnische, religiöse oder politische Gruppierungen bis hin zu Staaten
- Erhöhung der Kooperationsbereitschaft bei der Anwerbung oder Abschöpfung von Zielpersonen
- Destabilisierung eines Landes, ohne selbst in Erscheinung zu treten
- Überprüfung der Loyalität eigenen Personals
[Bearbeiten] Beispiele
- Tonkin-Zwischenfall Nordvietnam 1964, Anlass der USA für den Vietnamkrieg
- Operation Ajax 1953, Sturz des iranischen Präsidenten Mohammed Mossadeq durch CIA und MI6
- Anschlag von Bologna 1980
- Gladio Nato-Geheimarmeen
- Oktoberfestattentat (vermutet)
- Überfall auf den Sender Gleiwitz (deutsche Wehrmacht)
- Lavon-Affäre, Israel 1954 (Operation Susannah)
- Celler Loch (Niedersächsische Landesbehörde für Verfassungsschutz)
- Strategie der Spannung (Italien)
- Operation Northwoods (nur geplant, nicht durchgeführt)
- Operation Mongoose (Kuba)
- Project FUBELT Sturz der Allende-Regierung
- Schwedische U-Boot-Affäre (vermutet)
- Reichstagsbrand vom 28. Februar 1933 (vermutet)
- Sprengstoffanschläge auf Wohnhäuser in Russland 1999 (vermutet)
- Bei der Operation Skorpion wurde die rechtskonservative BND-Sekretärin Heidrun Hofer von einem angeblich ebenso gesinnten Mann verführt, mit dem sie eine Beziehung anfing. Nachdem sie dem vermeintlich politisch Gleichgesinnten jahrelang hochgeheimes Material geliefert hatte, wurde er als KGB-Agent enttarnt.

