Falter (Wochenzeitung)

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Falter
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Beschreibung österreichische Wochenzeitung
Verlag Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Erstausgabe 25. Mai 1977
Erscheinungsweise wöchentlich, jeden Mittwoch
Reichweite (Österreichische Media-Analyse 2012[1]) 0,108 Mio. Leser
Chefredakteur Armin Thurnher
Florian Klenk
Herausgeber Armin Thurnher
Weblink www.falter.at

Der Falter ist ein Stadtmagazin in Wien, das 1977 gegründet wurde und wöchentlich erscheint. Chefredakteure sind Florian Klenk und Armin Thurnher.

Für den Falter schreiben unter anderem Hermes Phettberg, Andrea Maria Dusl und der Restaurant-Kritiker Florian Holzer. Seit Frühjahr 2005 erscheint auch eine regionale Ausgabe des Falters für die Steiermark.

Geschichte[Bearbeiten]

Armin Thurnher (2008)
Florian Klenk (2011)

Der Falter entstand ursprünglich aus der Bewegung rund um die Besetzung des Auslandsschlachthofes Sankt Marx in Wien 1976 (vgl. Arena). Am 25. Mai 1977 erschien die erste Ausgabe des Falter. Zum Kern der sich in den ersten Jahren als Kollektiv verstehenden Falter-Redaktion zählten Studenten am Institut für Theaterwissenschaften der Universität Wien, darunter die Gründer der Zeitung Armin Thurnher, Christian Martin Fuchs und Walter Martin Kienreich. Anliegen der Magazingründer war es, im Sinne einer Gegenöffentlichkeit über Alltag, Alltagsrassismus und das „Goldene Wienerherz“ zu berichten, aber vor allem einen möglichst vollständigen Veranstaltungskalender für Wien zu bieten. Herausgeber des im 2-Wochen-Rhythmus erscheinenden Magazins war der Verein der Freunde des Falter.

1979 wurde die Redaktion mit dem Nachwuchs-Förderpreis des Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreises ausgezeichnet. Im darauf folgenden Jahr erschien mit dem „Merkheft Wien“ die erste Publikation des Falter-Buchverlages. Bis 1980 erschien der Falter im reinen Handverkaufssystem, erst danach, bei einer Auflage von etwa 10.000 Stück, wurde der Vertrieb professionell organisiert. 1981 übersiedelte die Redaktion von den Räumen in der Esslinggasse in die Zelinkagasse (beide im 1. Bezirk, Innere Stadt) und wurde fortan von der Falter Verlags GmbH herausgegeben. Gesellschafter waren neben Thurnher Mischa Jäger, Herrmann Leeb (1983 von Christian Reder abgelöst), Elisabeth Loibl, Anton Schneeweiß und Werner Korn. Die Mitgründer Fuchs und Kienreich waren schon 1977 bzw. 1979 ausgeschieden.

Eine erste umfassende Blattreform erhielt der Falter 1983. Das Format entsprach nun jenem anderer österreichischer Zeitungen, für die grafische Gestaltung inklusive Logo zeichnete maßgeblich der Konzeptkünstler Ecke Bonk verantwortlich. 1985 wurde der Falter mit dem erstmals vergebenen Prof. Claus Gatterer-Preis für sozial engagierten Journalismus des Österreichischen Journalisten Clubs ausgezeichnet. Neben dem Stadtmagazin produzierte der Verlag nun auch den ÖH-Express. In diesen Jahren wurden unter anderem die ersten Cartoons von Tex Rubinowitz und Rudi Ivan Klein im Falter abgedruckt. Ein weiterer Umzug führte die Redaktion 1986 in die Marc-Aurel-Straße. Im selben Jahr erschien das erste Corporate-Publishing-Produkt im Falter Verlag, das Visa Magazin.

Ab 1987 erschien der Falter wöchentlich (immer mittwochs), neu gestaltet von Rainer Dempf. Rückblickend berichtet Thurnher, dass die Umstellung der Erscheinungsweise auf eine „schlichte, aber nicht untriftige Überlegung“ Schneeweiß' zurückging: „doppelter Verkaufserlös, halbe Produktionskosten“. Eine wirtschaftliche Krise des Verlages führte dennoch zur Einstellung des ÖH Express. Der Falter wurde nun von der Falter Zeitschriften GmbH herausgegeben, die Falter Verlags GmbH wurde für die Publikation von Büchern und Corporate-Publishing-Produkten gegründet. Die Umwandlung vom Kollektiv der ersten Jahre in eine „normale“ Redaktion und die Gründung der Verlagsgesellschaften der Falter-Gruppe erfolgte nicht reibungslos. Als 1988 von Oscar Bronner Der Standard gegründet wurde, wechselten rund neun Zehntel der Redaktion, darunter Mischa Jäger, zu der neuen Tageszeitung. Neben Jäger schieden auch Kurz und Loibl als Gesellschafter aus, deren Anteile von Reder und Siegmar Schlager übernommen wurden. Neu zur Redaktion stießen Hans Hurch, Wolfgang Koch und Klaus Nüchtern. Im selben Jahr wurde eine Ausgabe des Falter auf Antrag des damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim beschlagnahmt, weil darin eine Strafanzeige gegen ihn publiziert wurde. Die Medienberichterstattung über diesen Vorgang machte den Falter weit über seinen bisherigen Leserkreis hinaus bekannt.

1991 stieg der Investor Günter Kerbler, der drei Jahre später durch Übernahme der Anteile des Ehepaars Reder und von Hannes Pflaum die Anteilsmehrheit am Verlag erlangte, beim Falter ein und finanzierte einen Relaunch. Das Design stammte von Dirk Linke und das Format wurde auf Halbnordisches umgestellt.

Der Falter war bis vor kurzer Zeit das einzige Medium Österreichs, das kontinuierlich Medienpolitik thematisierte. Berühmt ist das Ceterum censeo, das Armin Thurnher 1994–2014 unter jeden seiner Leitartikel setzte: Im Übrigen bin ich der Meinung, der Mediamil-Konzern muss zerschlagen werden. Die Antwort von Seiten der so Kritisierten erfolgte auf dem nicht-publizistischen Feld: 1995 deckte die Kronen Zeitung den Falter wegen eines Gewinnspiels mit Klagen in Millionenhöhe ein, die beinahe das finanzielle Ende der Zeitung bedeutet hätten. Weitere Turbulenzen verursachte die Gründung des Nachrichtenmagazins Format 1998. Die neue Zeitschrift, aber auch das dazu in direkter Konkurrenz stehende Magazin Profil, rüsteten personell auf und warben fast alle zum damaligen Zeitpunkt bekannten Falter-Redakteure ab, darunter auch die stellvertretende Chefredakteurin Doris Knecht, die aber auch heute noch regelmäßig Kommentare für den Falter schreibt.

Nachdem Kerbler sich 1999 aus dem Verlag zurückgezogen hatte, übernahmen Schlager und Thurnher zusammen 74,1 Prozent, 24,9 Prozent wurden von Hans-Michael Piech und Hannes Pflaum gehalten. Als Dachgesellschaft der beiden Verlage wurde die ST Holding gegründet.

2005 wurde der Falter mit dem Concordia-Preis für hervorragende publizistische Leistungen im Bereich der Menschenrechte ausgezeichnet. Im selben Jahr erschien die Zeitung auch erstmals mit einer eigenen Steiermark-Ausgabe.

Das 30-Jahre-Jubiläum beging der Falter 2007 mit einer Sonderausgabe, in der unter anderem je ein Artikel aus jedem Jahr der Blattgeschichte abgedruckt wurde, und mit der nach einer wöchentlichen Rubrik benannten Doppel-CD „Gut Böse Jenseits (30 Jahre Falter – 30 Jahre Musik aus Wien)“.

Mit der Ausgabe 38/2008 vom 17. September 2008 wurde der Falter einem Relaunch unterzogen. Maßgeblich beteiligt war daran Dirk Merbach, langjähriger Art Director der deutschen Wochenzeitung Die Zeit, der auch schon seit längerem an der Grafik des Falter mitarbeitete. Das Projektteam zur Neugestaltung bestand aus Lisa Kiss, Florian Klenk, Dirk Merbach, Klaus Nüchtern, Christopher Wurmdobler und Armin Thurnher. Ergebnis war der Ausbau der Meinungsstrecke am Beginn des Blattes, die Aufnahme des Steiermark-Teils als eigenes Ressort direkt in den Falter, eine Erweiterung des Veranstaltungsprogramms (nun als herausnehmbare Zeitung in der Zeitung mit dem Titel Falter:Woche) und die Klammerung beider Heftteile. Inhaltlich ging mit der Neugestaltung eine verstärkte Öffnung zu europäischen und weltweiten Themen einher, wobei der Schwerpunkt bei der urbanen, Wiener Orientierung erhalten blieb. Erneuert wurden auch das Schriftbild und das Seitenlayout, u.a. durch Einführung von Marginalspalten.[2]

Ausrichtung[Bearbeiten]

Hol mich hier raus, FALTER!
Slogan der Wochenzeitung

Der Falter berichtet aus linksliberaler Perspektive über Politik, Medien, Kultur und das Wiener Stadtleben. Ursprünglicher Kernteil ist ein ausführlicher Wien-Terminkalender für Theater, Kino, Party und Veranstaltungen jeder Art. Besondere Verdienste erwarb sich die Wochenzeitung mit solide recherchiertem Aufdeckungsjournalismus.

Rezeption[Bearbeiten]

Es ist vor allem die Herkunft als ein von Amateuren produziertes Fanzine-artiges Blatt und sein Selbstverständnis, im damaligen „verschlafenen“ Wien Urbanität zu repräsentieren, das den Falter für Historiker zu einer publizistischen Quelle für die Alltagsgeschichte Wiens und die Geschichte von alternativen Bewegungen abseits des popkulturellen Mainstreams von den späten 1970er bis in die frühen 1990er Jahre hinein macht.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1979: Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis als Förderpreis an die Falter-Redaktion
  • 1985: Prof. Claus Gatterer-Preis für sozial engagierten Journalismus
  • 2005: Concordia-Preis für hervorragende publizistische Leistungen in der Kategorie Pressefreiheit
  • 2008: European Newspaper Award: Auszeichnungen in den Kategorien Innovation (für die Falter:Woche), Illustration und Special Fußball-Europameisterschaften 2008
  • 2009: European Newspaper Award: Eine Auszeichnung für drei Covers (Nr. 12, 23 und 45), drei Auszeichnungen für redaktionelle Geschichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Österreichische Mediaanalyse 2012, Wochenmagazine total
  2. Der Falter, Ausgabe 38/2008 vom 17. September 2008: Der Falter-Relaunch, die Marginalspalte und die Neuerfindung der Zeitung
  3. Martin Blumenau: Journal '07: KW 12, Freitag, FM4 online, 23. März 2007

Weblinks[Bearbeiten]