Falterfische

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Falterfische
Orangestreifen-Falterfisch (Chaetodon ornatissimus)

Orangestreifen-Falterfisch (Chaetodon ornatissimus)

Systematik
Ctenosquamata
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Chaetodontiformes
Familie: Falterfische
Wissenschaftlicher Name
Chaetodontidae
Rafinesque, 1810

Die Falterfische (Chaetodontidae), auch Borstenzähner genannt, sind eine Gruppe auffälliger tropischer Meeresfische. Ihr Lebensraum sind die Riffe im Atlantik, im Indischen Ozean und im Pazifischen Ozean. Die Familienbezeichnung Chaetodontidae leitet sich von den griechischen Wörtern chaite (= Haar) und odonto- (= Zahn) ab. Dies bezieht sich auf die kleinen, bürstenartigen Zähne ihres Mauls. Falterfische ähneln den Vertretern der Familie der Kaiserfische (Pomacanthidae), unterscheiden sich jedoch durch den Flossenaufbau.

Merkmale[Bearbeiten]

Falterfische sind verhältnismäßig kleine Fische. Die meisten Arten dieser Familie haben eine Körperlänge zwischen 12 und 22 Zentimeter. Der größte Vertreter, der Riesen-Falterfisch (Chaetodon lineolatus), erreicht eine Länge von bis zu 30 cm. Die Familie umfasst etwa 130 Arten in 12 Gattungen.

Falterfische sind häufig ausgesprochen farbige Fische – einige Arten tragen Farbmuster in Schwarz, Weiß, Blau, Rot, Orange und Gelb. Nur wenige Arten sind unauffällig gefärbt. Viele Arten haben auffällige Augenflecken im hinteren Bereich der Rückenflosse. Die Funktion dieses Augenflecks besteht in der Irritation optisch orientierter Fressfeinde; räuberische Fische schnappen nach diesen falschen Augen und täuschen sich in Hinblick auf die anvisierte Fluchtrichtung der Beute. Das echte Auge übernimmt bei den meisten Falterfischen das Muster des Fisches und wird somit für den Fressfeind unsichtbar, da ihm kein Auge erscheint. Also schnappt er nach dem Augenfleck auf der Rückenflosse. Falterfische haben auffällige hochrückige, seitlich abgeflachte Körper; die Afterflossen sind bei den meisten Arten rund. Keine der Arten hat eine gegabelte Afterflosse.

Nach dem Larvenstadium besitzen die Tiere für einige Zeit eine starke Kopfpanzerung (Tholichthys-Stadium).

Lebensweise[Bearbeiten]

Die meisten Arten der Familie der Falterfische leben in bis zu 18 Metern Wassertiefe. Einige wenige Arten sind auch bis zu 180 Meter Wassertiefe zu finden. Einige Arten wie beispielsweise der Kupferstreifen-Pinzettfisch sind territoriale Fische, die paarweise leben und ihr Territorium verteidigen. Die Arten, die sich von Plankton ernähren, bilden häufig kleine Schwärme. Nachtsüber verstecken sich Falterfische im Riff und zeigen dabei eine auffällig andere Färbung als während des Tages.

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Schon lange galten die Kaiserfische (Pomacanthidae), die früher als Unterfamilie zu den Falterfischen gerechnet wurden, als ihre nächsten Verwandten. Nach einer neueren phylogenetischen Studie ist die Schwestergruppe der Falterfische ein gemeinsames Taxon von Kaiser- und Argusfischen (Scatophagidae). Eine nähere Verwandtschaft besteht nach dieser Studie auch mit den Steuerbarschen (Kyphosidae) und den Sichelfischen (Drepaneidae).[1] Die neuesten phylogenetischen Studien ermitteln jedoch die Ponyfische (Leiognathidae) als Schwestergruppe der Falterfische; für die beiden Familien wurde 2014 die neue Ordnung Chaetodontiformes aufgestellt.[2]

Innere Systematik[Bearbeiten]

Die Gattungen der Falterfische lassen sich in zwei Hauptkladen zusammenfassen, die in der englischsprachigen Studie als "butterflyfishes" bezeichneten Falterfische i. e. S. und die "bannerfishes", wozu die Wimpel- und die Pinzettfische gehören.[1]

Die Verwandtschaftsverhältnisse zeigt folgendes Kladogramm:

 Falterfische 
 Wimpel- und Pinzettfische 


 Amphichaetodon


     

 Coradion


     

 Chelmonops


     

 Chelmon





     

 Forcipiger


     

 Hemitaurichthys


     

 Johnrandallia


     

 Heniochus






 Falterfische i. e. S.


  Prognathodes


     

  Chaetodon





Kupferstreifen-Pinzettfisch (Chelmon rostratus)
Gelber Maskenpinzettfisch (Forcipiger flavissmus)
Gelber Pyramidenfalterfisch (Hemitaurichthys polylepis)
Gemeiner Wimpelfisch (Heniochus acuminatus)
Vieraugen-Falterfisch (Chaetodon capistratus)
Klein's Falterfisch (Chaetodon kleinii)
Zitronen-Falterfisch (Chaetodon miliaris)
Nördlicher Falterfisch (Chaetodon ocellatus)
Vierfleck-Falterfisch (Chaetodon quadrimaculatus)

Fossilbefund[Bearbeiten]

Ein fossiler Falterfisch Pygaeus frontalis ist aus dem mittleren Eozän der norditalienischen Monte-Bolca-Formation, die aus Ablagerungen der Tethys entstand, bekannt. Die rezente Gattung Chaetodon hat mit Chaetodon ficheuri einen Vertreter aus dem oberen Miozän. Seine fossilen Überreste wurden bei Oran in Algerien gefunden.[3]

Aquarienhaltung[Bearbeiten]

Aufgrund der attraktiven Färbung dieser Fische werden sie häufig in öffentlichen Aquarien gezeigt. Die meisten Arten sind jedoch aufgrund ihres Nahrungsverhaltens anspruchsvolle Pfleglinge. In Aquarien werden daher überwiegend die Arten gehalten, die Nahrungsgeneralisten sind. Für die heute bei privaten Meerwasserliebhabern üblichen Korallenriffaquarien sind sie mit Ausnahme des Kupferstreifen-Pinzettfischs (Chelmon rostratus) völlig ungeeignet, da sie die mühsam zum Wachsen gebrachten Stein- und Weichkorallen in kurzer Zeit auffressen würden.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Fessler, J. L. & Westneat, M. W. (2007): Molecular phylogenetics of the butterflyfishes (Chaetodontidae): Taxonomy and biogeography of a global coral reef fish family. Mol. Phylogenet. Evol. 45(1): 50–68. doi:10.1016/j.ympev.2007.05.018
  2. Betancur-R, R., E. Wiley, N. Bailly, M. Miya, G. Lecointre, and G. Ortí. 2014. Phylogenetic Classification of Bony Fishes --Version 3 (http://www.deepfin.org/Classification_v3.htm).
  3. Karl Albert Frickhinger: Fossilien Atlas Fische, Mergus-Verlag, Melle, 1999, ISBN 3-88244-018-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Falterfische – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien