Faltrad

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Klassisches Klapprad der 1970er Jahre.
Tern und Birdy gefaltet
Scharnier mit senkrechter Achse.
Klapprad Panther.
Brompton fahrbereit.
Brompton gefaltet.
Dahon Jetstream P8 (2009).
Riese und Müller Birdy.
BERNDS Faltrad.
Historisches Klapprad von Wagtendonk, um 1910

Ein Faltrad, auch bekannt als Klapprad, ist ein Fahrrad, das über konstruktive Vorrichtungen wie Scharniere, Kupplungen und/oder Schnellspanner verfügt, die es erlauben, das Rad schnell und einfach auf ein so geringes Packmaß zusammenzufalten oder zu zerlegen, dass es als Gepäckstück in einem anderen Verkehrsmittel mitgenommen werden kann. Mit dem Faltrad kann der Benutzer also Mobilitätslücken auf dem Weg von und zu öffentlichen Verkehrsmitteln (wie beispielsweise der Bahn) überbrücken.

Der Gebrauch des Begriffs „Faltrad“ anstelle von „Klapprad“, der sich seit den 1980er-Jahren zunehmend durchgesetzt hat, dokumentiert vor allem den Versuch der Hersteller, sich mit höherwertigen Produkten von den „Klapprädern“ der 1960er und 1970er Jahre zu distanzieren, die oft schlecht zu fahren und unhandlich waren.[1] Unter modernen Falträdern gibt es dagegen Modelle, die sich in ihren Fahreigenschaften mit Touren- und Sporträdern vergleichen lassen.

Technische Aspekte[Bearbeiten]

Für den Faltvorgang kommen verschiedene Verfahren in Frage:

  • Scharnier mit meist senkrechter Achse etwa in der Mitte des Rahmens
  • Zerlegen des Rahmens etwa in der Mitte
  • parallelogramm- oder schirmartiges Zusammenfalten des Rahmens
  • Umfalten des Vor- oder Hinterbaus unter den Rahmen
  • Zusammenschieben von Teilen wie Sattelstütze/Sattelrohr
  • Umklappen von Teilen wie Sattelstütze und Lenker

In der Regel werden mehrere dieser Verfahren bei einem Modell kombiniert.

Die Räder von Falträdern sind meistens etwas kleiner als bei gewöhnlichen Fahrrädern. Um die Nachteile des Rollverhaltens kleiner Räder auszugleichen, verfügen einige moderne Falträder über eine Federung des Hinterbaus oder eine Vollfederung.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Brite William Grout entwickelte das erste Falt- bzw. Zerlegerad und ließ es 1878 patentieren. Es war ein Hochrad mit Vollgummireifen, dessen Vorderrad sich in vier radiale Segmente zerlegen ließ, die mit dem gefalteten Rahmen Platz in einem dreieckigen Koffer fanden.

1896 wurde das „Faun“ patentiert, ein Sicherheitsrad mit Diamantrahmen (die Urform des modernen Fahrrads), dessen Rahmen in der Mitte um eine senkrechte Achse gefaltet werden konnte – bis heute das am weitesten verbreitete Verfahren bei Falträdern.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte das europäische Militär Interesse an Falträdern und veranlasste die Entwicklung verschiedener Modelle. Beispiele sind die zerlegbare Variante des „Dursley Pedersen“, Schweizer Armeefalträder oder das holländische „Fongers“ von 1909, dessen Besonderheit die erstmalige Verwendung kleiner Laufräder (ca. 16") ist. Im Zweiten Weltkrieg entwickelte BSA das „Folding Military Bicycle“ für die britische Armee, das zeitweise auch Fallschirmspringer mit sich führten, um schneller den Landeplatz verlassen zu können. Aus diesem Rad entstand das heute wieder gebaute „Galaxe“ für zivile Fahrer.

Im zivilen Bereich gab es in den 1920er bis 1940er Jahren diverse kleinrädrige Falträder wie das französische „Petit Bi“, das in seiner letzten Bauform schon große Ähnlichkeiten mit den Falträdern der 1970er Jahre aufwies.

Eine herausragende Rolle in der Entwicklung von Falt- und Zerlegerädern spielt das „Moulton Stowaway“ vom Beginn der 1960er Jahre. Ursprünglich weniger als Faltrad sondern vor allem als bessere Alternative zum mittlerweile traditionellen Fahrrad mit Diamantrahmen und 28″-Rädern gedacht, verfügte es über einen steifen, teilbaren Einrohrrahmen mit tiefem Durchstieg, 16″-Felgen mit schmalen Hochdruckreifen und als erstes Fahrrad über eine Vollfederung mit Gummielementen (Alex Moulton hatte auch die Gummifederung des „Austin Mini“ entwickelt). Auf diese Weise verband es Schnelligkeit, Wendigkeit und Fahrkomfort in bis dahin unbekannter Weise.

Das „Moulton Stowaway“ und seine Nachfolgemodelle waren international sehr erfolgreich und stilprägend und lösten damit die „Klappradwelle“ aus, in deren Folge praktisch jeder Hersteller ein Faltrad im Programm hatte. Dabei handelte es sich in der Regel aus Kostengründen um sehr einfache Nachahmungen mit zu kurzem Radstand, 20"-Rädern und instabiler Rahmenkonstruktion, ohne Federung, aber mit breiten Niederdruckreifen als Ersatz. Billigmodelle hatten keine Felgenbremse, sondern eine Klotzbremse am Vorderrad. Etwas bessere Modelle hatten die 2-Gang-Nabenschaltung Torpedo Duomatic von Fichtel & Sachs eingebaut. Die Gänge wurden durch einen kurzen Rücktritt geschaltet. Das daraus resultierende schlechte Fahrverhalten dieser Nachahmermodelle brachte schließlich alle Falträder und kleinrädrigen Fahrräder derart in Verruf, dass die „Klappradwelle“ schon Ende der 1970er Jahre zusammenbrach. Auch die Herstellung des mittlerweile von Raleigh hergestellten „Moulton“ wurde 1974 eingestellt. Dennoch gab es auch in den 1970er Jahren Neuentwicklungen wie das besonders leichte „Bickerton“ des Flugzeugingenieurs Harry Bickerton, das 1970 mit einem Aluminiumrahmen ohne Schweißstellen auf den Markt kam und bis 1992 gebaut wurde.

Ebenfalls in den 1970er Jahren begann die Entwicklung des „Brompton“ durch Andrew Ritchie, das seit 1986 von Brompton Bicycle hergestellt wird. Es zeichnet sich vor allem durch eine sehr kurze Faltzeit und ein sehr geringes Faltmaß aus. Das Gelenk des ähnlich wie beim Moulton gefederten Hinterbaus wird dabei auch für den Faltvorgang genutzt. Die Konstrukteurin Juliane Neuß entwickelte mit dem „Brecki“ einen Liegerad-Umbausatz für das Brompton. Sie schuf so das erste echte faltbare Liegerad.

Alex Moulton konstruierte seit 1976 ein Nachfolgemodell des „Moulton“, das 1983 unter dem Namen „Moulton AM“ auf den Markt kam. Ebenso wie die Vorgängermodelle verfügt es über Hochdruckreifen, Vollfederung und die bekannte große Übersetzung. Wirklich neu war die Rahmenkonstruktion, ein kompliziertes, in der Mitte teilbares, aus Dreiecken zusammengesetztes Rohrgitterfachwerk von größter Steifheit (Space Frame).

In den 1960er und 1970er Jahren vertrieb der niederländische Hersteller Sparta erfolgreich eine eigene Form eines Kompaktrades: das Sparta 8-80 Kompaktrad. Die Typenbezeichnung zielte auf die Altersgruppe von 8 bis 80 Jahren. Das Fahrrad bestand aus einem Pressstahlrahmen mit Vierkantprofil, wobei man 22-Zoll-Räder verbaute, eine eher ungewöhnliche Größe, die bei französischen Kinderrädern noch verbaut wird. Es ist ein Kompromiss aus Radgröße, für ein Kompaktrad eher groß, aber mit einer relativ guten Fahrstabilität. Die Felgen wiesen ein Westwoodprofil auf, was eine relative Beständigkeit gegen Kollisionen z.B. von Bordsteinremplern etc. bedeutete. Der Kettenkasten war aus Blech in Rahmenfarbe verbaut. Es gab drei verschiedene Versionen. Zunächst gab es eine mit nur verstellbarer Vierkant-Sattelstütze und ebenfalls ohne Werkzeuggebrauch verstellbarer Lenker- und Vorbaukonstruktion, weiter eine patentierte Version mit komplett abnehmbarem Vorbau, wobei die Lenkerkonstruktion mit Vorderrad abnehmbar war. In der Lichtleitung war eine Kabelverbindung verbaut, die mittels einer Rändelmutter getrennt werden konnte. Alternativ war ein vorderer Gepäckträger erhältlich. Zudem gab es wohl eine Version, bei der der Rahmen in der Mitte ineinandergeschoben war und so zerlegt werden konnte. Zielgruppe für dieses Rad waren Zelter und Bootsführer, die einen Kompromiss aus Kompaktheit und Fahrstabilität suchten. Als Gangschaltung wurde bisweilen die Duomatic von Fichtel + Sachs verbaut.

Seit Ende der 1980er-Jahre hat sich die in den USA von David Hon gegründete Firma Dahon zum größten Anbieter von Falträdern entwickelt – sowohl was die Anzahl der Modelle als auch was die Stückzahl betrifft.

In Deutschland baut die Firma Bernds seit 1991 gefederte Falträder und Falttandems. Die auf Wunsch nach Maß gefertigten Stahlrahmen werden am Firmensitz in Detmold von Hand hergestellt.

Mitte der 1990er Jahre entwarfen Heiko Müller und Markus Riese, die Gründer des Fahrradherstellers Riese und Müller, das „Birdy“. Dieses ist ein vollgefedertes Faltrad mit Aluminiumrahmen, dessen Federungsgelenke an Vorder- und Hintergabel gleichzeitig als Faltgelenke dienen.

Die Faltradbenutzer[Bearbeiten]

Die Benutzer von Falträdern sind kaum einer bestimmten Gesellschaftsgruppe zuzuordnen. Häufig werden sie von Geschäftsleuten, Urlaubsreisenden, Fahrrad-Enthusiasten und von Personen fortgeschrittenen Alters gekauft. Für den Kauf sprechen dabei jeweils unterschiedliche Gründe. Jugendliche kaufen Falträder eher selten, da ihnen der Preis oftmals zu hoch erscheint oder das Design als nicht ansprechend empfunden wird. Die meisten Faltradfahrer haben sich schon lange mit Fahrrädern beschäftigt und erwägen den Kauf vor allem aus praktischen Gründen.

Geschäftsleute wissen hochwertige Falträder als universelles Fortbewegungsmittel in engen Großstädten zu schätzen, wobei das Faltrad problemlos im Dienstwagen verladen werden kann, wenn der nächste Ortswechsel ansteht. Ferner profitieren Falträder vom gegenwärtigen Trend, dass besonders in Großstädten das Auto vom individuellen und durchaus hochpreisigen Fahrrad als Statussymbol abgelöst wird. Auch passionierte Radfahrer sind oftmals bereit, in ein hochpreisiges Faltrad zu investieren. Hierbei wird das Fahrrad als Hobby und Transportmittel im Alltag gesehen. Vorzüge wie die kostenfreie Mitnahme in Zügen der DB [2] und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln spielen dabei eine Rolle. Während die Fahrradmitnahme in ICE ansonsten verboten ist, können Falträder sogar hier unter Beachtung gewisser Regeln mitgenommen werden.

Preiswerte Falt- und Klappräder finden ihre Käufer dagegen oft bei Urlaubern, Campern und Seglern, die ein kompaktes und leicht zu transportierendes Fahrrad für Kurzstrecken wollen und zugunsten eines niedrigen Preises auf Qualität und Komfort verzichten.

Die noch verbreiteten Mifa-Klappräder in Ostdeutschland werden bevorzugt von älteren Herren gefahren. Meist dienen sie dabei als Kurzstreckenrad, das in der Garage wenig Platz wegnimmt und bei Gelegenheit für kleine Einkäufe oder auch eine erfrischende Spritztour genutzt wird. Geeignet für solche Personen ist das Klapprad auch wegen des recht tiefen Durchstiegs, der das Auf- und Absteigen erleichtert.

Viele Faltradfahrer sind auch an anderen Spezialrädern interessiert und besitzen mehrere Fahrräder (Liegeräder, Tandems usw.). Radsportler sind dagegen eher selten, zwischen der Mountainbike- bzw. Rennradszene und der Faltradszene scheint es praktisch keine Überlappungen zu geben. Seit 2003 gibt es in Deutschland in mehreren Städten organisierte Faltrad-Touren, in Anlehnung an den britischen Origami Ride[3] genannt. Außerdem gibt es ein jährliches Treffen auf der Spezialradmesse. Ferner ist die Spezialradmesse in Germersheim ein großer Treffpunkt für Faltrad-interessierte. Für Klappräder alter Bauart ohne Schaltung findet jährlich Anfang September der Kalmit Klapprad Cup statt.

Markt[Bearbeiten]

In der BRD hatte Mitte der 1970er Jahre das Klapprad ein Drittel des Marktes inne und wurde bald danach bedeutungslos. In der DDR blieben Klappräder auch in den 1980er Jahren populär. Der Hersteller Mifa produzierte 1967-1990 rund 2,8 Millionen Klappräder [4], die vorwiegend im Inland verkauft wurden und eine entsprechende Präsenz erreichten, sie sind noch heute in Ostdeutschland häufiger anzutreffen als aktuelle Faltradmodelle. Die Ausstattung dieser Klappräder war nüchtern, sie ließen sich jedoch gut fahren und waren im Gegensatz zu anderen Fahrrädern immer erhältlich. 1990 endete auch in Ostdeutschland abrupt die Zeit der Klappräder. Die Fahrradgattung spielte lange Zeit keine Rolle, bis im Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende bei wenigen Promille Marktanteil von einem Trend zum Faltrad berichtet wurde.[5] Seither verbreiten sich Falträder wieder zunehmend, ohne jedoch eine markbestimmende Position einzunehmen. Der Spezialist Brompton Bicycle steigerte seine Produktion von 7.000 Falträdern im Jahr 2002 auf 25.000 Stück im Jahr 2009, nachdem er seine hauptsächlich aus Männern mittleren Alters bestehende Kundschaft in einigen Ländern um viele weibliche und jüngere Menschen erweitern konnte.[6] Das in den 1990er Jahren von Riese und Müller entworfene Faltrad Birdy erreichte zum Jahreswechsel 2006/2007 einen Bestand von 60.000 Exemplaren, zu drei Vierteln in Asien.[7] Der Generalist Giant setzte 10.000 Falträder im zweiten Quartal des Jahres 2009 ab.[8] Dahon verkaufte im ersten Halbjahr 2009 rund 250.000 Falträder.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sebastian Mohila. Faltrad = Klapprad? Ein Aufklärungsversuch. http://www.das-faltrad.de/dasfaltrad.html: „Nicht nur auf Grund der damals verwendeten Materialien waren diese Räder relativ schwer und z.T. unhandlich beim Transport.“
  2. Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn AG. Deutsche Bahn. 15. Dezember 2013. Abgerufen am 13. Mai 2014.S.17 Absatz. 8.4.1
  3. Origami-Tour
  4. http://ddr-fahrradwiki.de/Modelle_Mifa#Mifa_Klappräder
  5. Vom Klapprad weit entfernt: Faltrad wird zum Trendmobil. n-tv. 24. November 2009. Abgerufen am 14. Dezember 2013.
  6. Brompton Bicycle: crafted for cult appeal. The Guardian. 8. November 2009. Abgerufen am 14. Dezember 2013.
  7. Fahrradschmiede Riese und Müller: Nach ganz vorne gefaltet. Spiegel Online. 1. Februar 2007. Abgerufen am 14. Dezember 2013.
  8. Folding Bike’s Market Demand Returns to the Basic Demographic Group. Wirtschaftsministerium der Republik China. 14. Januar 2010. Abgerufen am 14. Dezember 2013.
  9. Dahon sales rise as commuting takes center stage. Future plc. 19. August 2009. Abgerufen am 14. Dezember 2013.

Weblinks[Bearbeiten]