Fama-French-Dreifaktorenmodell

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Das von Eugene Fama und Kenneth French entwickelte Fama-French-Dreifaktorenmodell ist ein Modell der modernen betriebswirtschaftlichen Finanzwissenschaft, das Aktienrenditen erklärt.

Das traditionelle Capital Asset Pricing Model (CAPM) nutzt nur eine aktienspezifische Variable, Beta, um die Rendite eines Portfolios oder einer Aktie mit der Marktrendite zu erklären. Das Fama-French-Dreifaktorenmodell nutzt im Gegensatz dazu drei Variablen. Fama und French stellten zunächst fest, dass Aktien mit zwei gewissen Eigenschaften besser als der Gesamtmarkt abschnitten: (i) Aktien mit kleiner Marktkapitalisierung und (ii) Aktien mit einem hohen Verhältnis von Buchwert und Marktwert des Eigenkapitals, auch Valueaktien genannt.[1] Deshalb erweiterten sie das CAPM um zwei Faktoren, die das Risiko der Aktien bezüglich der genannten Eigenschaften reflektieren:[2]

r=R_f+\beta_3(K_m-R_f)+b_s\cdot\mathit{SMB}+b_v\cdot\mathit{HML}+\alpha

Dabei ist r die Portfolio- oder Aktienrendite, R_f die Rendite des risikofreien Zinses und K_m die Rendite des Gesamtmarktes. Das "Dreifaktoren" \beta ist ähnlich dem klassischen \beta aber nicht identisch, da die beiden zusätzlichen Faktoren ebenfalls einen Erklärungsbeitrag liefern. \mathit{SMB} steht für "small (Marktkapitalisierung) minus big" und \mathit{HML} für "high (Buch-Marktwert-Verhältnis) minus low"; sie messen die Renditedifferenz zwischen kleinen und großen Aktien und zwischen Value- und Growthaktien. Diese Faktoren werden mit Hilfe von Portfolios berechnet, denen Aktien aufgrund ihrer Marktkapitalisierung und ihres Buch-Marktwert-Verhältnisses zugeordnet wurden. Historische Zeitreihen für den US-amerikanischen Aktienmarkt sind auf der Internetseite von Kenneth French verfügbar.

Nachdem SMB und HML vorliegen, werden die zugehörigen Koeffizienten b_s und b_v mittels einer linearen Regression geschätzt und können sowohl positive als auch negative Werte annehmen. Für den amerikanischen Aktienmarkt erklärt das Fama-French-Dreifaktorenmodell mehr als 90 % der Varianz der Portfoliorenditen, wohingegen das CAPM im Durchschnitt nur 70 % erklären kann.

Griffin zeigt, dass die Fama-French-Faktoren länderspezifisch sind und schildert, dass die lokalen Faktoren besser die zeitliche Varianz der Aktienrenditen erklären können als globale Faktoren.[3] Eugene Fama und Kenneth French verglichen kürzlich Multifaktormodelle mit globalen und lokalen Risikofaktoren für vier Regionen (Nordamerika, Europa, Japan und Asien/Pazifik) und folgerten, dass lokale Risikofaktoren besser regionale Portfolios als globale Risikofaktoren bepreisen.[4] Die Zeitreihen der lokalen und globalen Risikofaktoren sind auf Kenneth French's Internetseite verfügbar. Für einzelne Länder gibt es spezifische Anbieter, unter anderem für Großbritannien, Kanada und die Schweiz. Deutschland ist derzeit sogar in der glücklichen Lage, dass gleich mehrere Anbieter Fama/French Faktoren kostenlos anbieten:[5]

Wobei die letzteren vier Anbieter Datensätze für mehrere Länder offerieren. Die genannten Zeitreihen werden von Brückner/Lehmann/Schmidt/Stehle (2014) für den deutschen Markt verglichen. Sie zeigen, dass Vorsicht beim Einsatz der Faktoren geboten ist und dass unter Umständen je nach verwendetem Datensatz unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Carhart-Vierfaktorenmodell (1997)[9] - Erweiterung des Fama-French-Dreifaktorenmodells um einen zusätzlichen Momentumfaktor (MOM), welcher in Vorjahresgewinner investiert und Vorjahresverlierer leerverkauft

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugene F. Fama, Kenneth R. French: The Cross-Section of Expected Stock Returns. In: Journal of Finance. 47, Nr. 2, 1992, S. 427–465. doi:10.2307/2329112.
  2. Eugene F. Fama, Kenneth R. French: Common Risk Factors in the Returns on Stocks and Bonds. In: Journal of Financial Economics. 33, Nr. 1, 1993, S. 3–56. doi:10.1016/0304-405X(93)90023-5.
  3. John M. Griffin: Are the Fama and French Factors Global or Country Specific?. In: The Review of Financial Studies. 15, Nr. 3, 2002, S. 783–803. doi:10.1093/rfs/15.3.783.
  4. Eugene F. Fama, Kenneth R. French: Size, value,and momentum in international stock returns. In: Journal of Financial Economics. 105, Nr. 3, 2012, S. 457-472. doi:10.1016/0304-405X(93)90023-5.
  5. a b c d R. Brückner, P. Lehmann, M. H. Schmidt, R. Stehle: Fama/French Factors for Germany: Which Set Is Best?. In: SSRN. 2014.
  6. S. Artmann, P. Finter, A. Kempf, S. Koch, E. Theissen: The Cross-Section of German Stock Returns: New Data and New Evidence. In: Schmalenbach Business Review. 64, 2012, S. 20-43.
  7. a b Matthias X. Hanauer, C. Kaserer, Marc S. Rapp: Risikofaktoren und Multifaktormodelle für den Deutschen Aktienmarkt. In: Betriebswirtschaftliche Forschung & Praxis. 65, Nr. 5, 2013, S. 469–492.
  8. P. Schmidt, A. Schrimpf, U. von Arx, A. F. Wagner, A. Ziegler: On the Construction of Common Size, Value and Momentum Factors in International Stock Markets: A Guide with Applications. In: Swiss Finance Institute Research Paper. 10-58, 2011.
  9. Mark M. Carhart: On Persistence in Mutual Fund Performance. In: Journal of Finance. 52, Nr. 1, 1997, S. 57–82. doi:10.2307/2329556.