Familie Hannong

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Die Familie Hannong stellte Porzellanfiguren in der compagnie Strasbourg-Haguenau in Straßburg im XVIII. Jahrhundert her. Drei Generationen der Familie Hannong leiteten die Compagnie Strasbourg-Haguenau von 1721 bis 1784.[1]

Karl-Franz Hannong (1669–1739)[Bearbeiten]

Karl-Franz Hannong, Holländer wurde in Maastricht im Jahre 1669 geboren. Er heiratete in Köln Anne Nikke und ließ sich in Straßburg im Jahre 1709 nieder wo er seit 1721 mit Henri Wachenfeld zusammenarbeitete und eine Fayence-Manufaktur gründete. Später verließ Wachenfeld die Stadt und Hannong leitete die Manufaktur alleine. Eine zweite Fabrik wurde 1724 gegründet, die sich in Haguenau befand.

Paul Anton Hannong (1700–1760)[Bearbeiten]

Paul Hannong, sein Sohn übernahm im Jahre 1732 die Leitung der Straßburger Manufaktur während sein Bruder Balthazar die Manufaktur in Haguenau leitete. Balthazar verkaufte seine Fabrik im Jahre 1737 an seinen Bruder Paul, der mit Polychromie arbeitete und Fayencen produzierte. Nachdem er von dem „Arcanum“ des Alchimisten Johann Friedrich Böttger erfahren hatte, stellte er seit 1751 porcelaine dure erfolgreich her. Er nahm 1753 Kontakt mit Madame de Pompadour auf, die eine leidenschaftliche Sammlerin von Meissner Porzellan war. Er erhoffte sich vermutlich dadurch die Genehmigung einer Porzellanmanufaktur zu erhalten. Pompadour war aber schon Schirmherrin der Manufaktur in Vincennes, deren Direktor vermutlich verantwortlich dafür war, dass der französische König 1754 Paul Anton Hannong die Genehmigung vorenthielt und auch die Schließung seines Betriebs in Straßburg veranlasste. Am 26. Mai 1755 erhielt Paul vom Kurfürsten Karl Theodor (Pfalz und Bayern) das Privileg eine Porzellanmanufaktur einzurichten. Im selben Jahr baute Franz Wilhelm Rabaliatti im Auftrag des Paul Anton Hannoung eine leere Dragonerkaserne zu einer Porzellanmanufaktur um. Dabei wurden die baulichen Voraussetzungen für die Verlegung der bis dahin in Straßburg ansässigen Fabrik Hannongs geschaffen. Dadurch konnten auch die Straßburger Glasurmühle und die Brennöfen verlegt werden. Paul fing unverzüglich mit seiner Porzellanproduktion mit Straßburger Arbeitskräften im kurpfälzischen Frankenthal an.[2]Schon im Jahre 1756 besuchte der Kurfürst Carl Theodor die Frankenthaler Manufaktur, die bereits Ware im Wert von 25.000 Gulden gefertigt hatte. 1757 nahm Paul auch Arbeitskräfte aus Meißen auf. Die dortige Porzellanmanufaktur wurde sieben Jahren lang von der Familie Hannong geleitet. Mit dem Ortswechsel änderte sich die Produktion der Porzellanbasus und ging nun von der Herstellung des Lebkuchensockels zum Rocaillesockel über. Die „Fabrique durchsichtigen Porcelains“ wurde von Kurfürst Carl Theodor subventioniert und erhielt den monopolen Rang einer Hofmanufaktur.[3][1][4][5]

Joseph Adam & Peter Anton Hannong (1739– um 1794)[Bearbeiten]

Nach dem Tod des Vaters übernahm Pauls ältester Sohn Joseph Hannong die Leitung. Im Jahre 1760 kam es jedoch zu Streitigkeiten zwischen Joseph Adam und seinem jüngeren Bruder Peter Anton Hannong über das „Arkanum“ (das geheime Produktionswissen). Ein Jahr später folgten geschäftliche Misserfolge. 1762 musste die Familie Hannong ihre Manufaktur an den Kurfürsten verkaufen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bastian Jaqcues: Strasbourg, faïences et porcelaines 1721 - 1784. 2 Bände. Strasbourg 2002–2003. ISBN 2-9519298-0-3 und ISBN 2-9519298-1-1
  • Dorothée Guillemé Brulon: Histoire de la faïence française. Band 5: Strasbourg et Niderviller. Massin, Paris 2005. ISBN 2-7072-0345-9
  • Isabelle Malmenaide: Les Hannong et la faïence de Strasbourg. In: France antiquités magazine. 1999, Nr. 115, S. 28-39
  • Antoinette Faÿ-Hallé, Christine Lahaussois: Le Grand Livre de la faïence française. Vilo, Paris 1986. ISBN 2-7191-0255-5

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ludwig Schnorr von Carolsfeld: Porzellan der europäischen Fabriken, Band 1 (= Bibliothek für Kunst- und Antiquitätenfreunde, Band 4). 6., von Erich Köllmann völlig neu bearbeitete Ausgabe. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1974, S. 138 (Auszug bei Google Books).
  2. Emil Heusser: Porzellan aus Straßburg und Frankenthal im 18. Jahrhundert. Faksimile der Erstausgabe von 1922, mit einem Nachwort von Franz Xaver Portenlänger. Edition PVA, Landau in der Pfalz 1988, ISBN 3-87629-146-1.
  3. Porzellanmanufaktur in Frankenthal (aufgerufen am 18. Dezember 2008)
  4. Edgar J. Hürkey (Hrsg. im Auftrag der Stadt Frankenthal (Pfalz)): Die Kunst Porcelain zu machen. Frankenthaler Porzellan 1755–1800. Ausstellung aus Anlass der Manufakturgründung vor 250 Jahren, 20. Mai–18. September 2005. Erkenbert-Museum Frankenthal. Erkenbert-Museum, Frankenthal (Pfalz) 2005, ISBN 3-00-016178-3.
  5. Helmut Seling: Keysers Kunst- und Antiquitätenbuch. Band 1. 9. Ausgabe. Keyser, Heidelberg 1987, ISBN 3-87405-014-9, S. 384 (Auszug bei Google Books).