Familienname

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Familiennamen)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Familienname dient als Ergänzung zum Vornamen der besseren Unterscheidbarkeit von Personen. Gleichbedeutend sind die Bezeichnungen Nachname und Zuname, im Amtsdeutsch der Bundesrepublik Deutschland einfach Name.

Veraltete Bezeichnungen sind Geschlechtsname (in der Schweiz) und Hintername (in Mitteldeutschland). In den ländlichen Gebieten vor allem Süddeutschlands und Österreichs wurde im alltäglichen Sprachgebrauch oft der Hofname dem Vornamen vorangestellt; der Familienname wurde dann nur im Schriftverkehr verwendet und als Schreibname bezeichnet.

Mit dem Familiennamen wird die Zugehörigkeit des Individuums zu einer Familie ausgedrückt. Der Geburtsname (veraltet bei Frauen auch als Mädchenname bezeichnet) drückt die Zugehörigkeit zur Elternfamilie aus, der Ehename die Zugehörigkeit zur Familie des Ehepartners und ein Doppelname, wenn er nicht vererbt wurde, die Zugehörigkeit zu beiden Familien der Ehepartner. Künstlernamen und Ordensnamen gelten auch ohne verwandtschaftlichen Bezug als Familiennamen.

Entwicklung der Familiennamen in Europa[Bearbeiten]

Familiennamen im heutigen Sinne haben sich aus Beinamen entwickelt, die zunächst nur an individuelle Personen vergeben waren, aber noch nicht an nachfolgende Personen vererbt wurden. Im 9. Jahrhundert wurde erstmals in Venedig ein Beiname vererbt. Diese Sitte breitete sich von dort aus im 10. Jahrhundert nach Norditalien und Südfrankreich aus. Im 11. Jahrhundert gelangte der Gebrauch nach Katalonien und Nordfrankreich, im 12. Jahrhundert nach England und in das Gebiet der Schweiz. Danach wurde der Gebrauch eines festen Familiennamens auch in den west- und süddeutschen Städten üblich. Anfang des 15. Jahrhunderts waren Familiennamen überall im deutschen Sprachraum anzutreffen, aber nicht durchgehend. Auch konnte der Familienname noch wechseln, zum Beispiel bei Wegzug oder aufgrund neuer Berufstätigkeit oder in Altbaiern bis etwa 1800 bei der Einheirat in einen Bauernhof.

Während der Adel seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 feste Familiennamen trug, um seine Erbansprüche geltend machen zu können, folgten erst später die Patrizier und Stadtbürger. Insbesondere im Patriziat hat noch die Wahrung des Familienbesitzes zur Bildung der festen Beinamen beigetragen, während im restlichen Bürgertum die Familiennamenbildung vor allem durch den Ausbau des Verwaltungswesens mit einer zunehmenden schriftlichen Beurkundung gefördert wurde. Der Familienname hatte bis ins 18. Jahrhundert hinein zumeist nur untergeordnete Bedeutung, während der Rufname der eigentliche Name blieb. Bäuerliche Gegenden kamen bis zum 17. oder 18. Jahrhundert ohne einen festen Familiennamen aus, in Friesland wurde er erst im 19. Jahrhundert gesetzlich eingeführt.

Durch Auswanderung können sich Nachnamen auch in Regionen und Sprachräumen verbreiten, die weit entfernt vom Ursprungsort des Namens liegen.

Herkunft von Familiennamen[Bearbeiten]

Die meisten Familiennamen leiten sich ab:[1]

Zur Erläuterung wird auf die verlinkten Artikel verwiesen.

Eine Übersicht zur Herkunft deutscher Familiennamen findet sich außerdem hier.

Wahrnehmung von Nachnamen[Bearbeiten]

Eine Auswertung von rund 225.000 Datensätzen deutscher Benutzer des Karrierenetzwerkes XING ergab 2013, dass Nachnamen Einfluss auf den beruflichen Erfolg haben. Diese wurden auf Nachnamen und deren berufliche Position ausgewertet. Die Forscher der Universität Cambridge und der Ecole HEC in Paris ermittelten, dass adlig klingende Namen mit 2,7 % häufiger in gehobeneren Positionen vertreten waren.[2][3]

Familiennamen nach Region[Bearbeiten]

Europa[Bearbeiten]

Deutscher Sprachraum[Bearbeiten]

Die deutschen Familiennamen haben sich im deutschsprachigen Raum seit dem 12. Jahrhundert nach und nach etabliert. 1875 wurden im Deutschen Reich die Standesämter eingeführt und die Namen festgeschrieben. Seitdem trägt jeder Deutsche einen Vornamen, einen eventuellen Zwischennamen und einen Familiennamen, und zwar in dieser Reihenfolge. In einigen deutschen Mundarten steht der Familienname vor dem Vornamen an erster Stelle.

Griechenland[Bearbeiten]

In Griechenland lautet die weibliche Form in der Regel anders: hier wird der Familienname einer verheirateten Frau als Genitivform des Familiennamens ihres Ehemannes gebildet, z. B. Kolidis (Nominativ/Ehemann)/Kolidi (Genitiv, Ehefrau) oder Tataros (Nominativ/Ehemann)/Tatarou (Genitiv, Ehefrau). Der Familienname der Ehefrau bedeutet daher sinngemäß „(Frau) des XY“. Neuerdings wird (vor allem bei im Ausland lebenden Griechen) auch für Ehefrauen dieselbe Form wie beim Ehemann gewählt, so z. B. bei der Schauspielerin Susan Sideropoulos. In der Genitivform lautet ihr Name Sideropoulou.

Island[Bearbeiten]

Hauptartikel: Isländischer Personenname

Auf Island und auf den Färöern haben nur wenige Personen Familiennamen in unserem Sinne. Dabei handelt es sich meist um aus Dänemark stammende Familien. In der Regel jedoch besteht der zweite Name aus dem Namen des Vaters (im Genitiv) erweitert um -son (Sohn) oder -dóttir (Tochter). Benennungen nach der Mutter waren früher selten (uneheliche Geburt mit unbekanntem Vater), sind aber heute im Zuge der Gleichstellung gesetzlich möglich. So gibt es in Island überhaupt keine durchgehenden Nachnamen. Beispiel einer Generationenfolge: Gustav Jóhansson – dessen Sohn: Helgi Gustavsson – dessen Sohn: Ívar Helgason – dessen Sohn und Tochter: Lars Ívarsson und Jóhanna Ívarsdóttir usw. Die frühere isländische Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir war also eine Tochter des Finnbogi.

Italien[Bearbeiten]

In Italien gab es Familiennamen schon etwas früher als im deutschen Sprachgebiet. Wenn man die häufigsten davon mit jenen in Deutschland vergleicht, stellt man fest, dass Berufe bei der Entstehung italienischer Nachnamen keine so große Rolle spielten. Nachfolgend die häufigsten, entnommen aus dem dtv-Atlas:

  • Esposito (Rufname Esposito, Expositus, Findelkind)
  • Bianchi (weiß, blond)
  • Colombo (Rufname Kolumbus)
  • Ferrari (Schmied)
  • Romano (Römer, Rufname Romano)
  • Rossi (rot, rothaarig)
  • Russo (rot, rothaarig)

In Deutschland stehen an diesen sieben Stellen nur Berufsnamen.

Den größten prozentuellen Anteil haben in Italien insgesamt die Herkunftsnamen. Ein solcher ist zum Beispiel der Name des 2006 zum Staatspräsidenten gewählten Giorgio Napolitano (Aus Neapel Stammender); andere Beispiele sind Toscano, Calabrese oder Forlan. Etwa 10 Prozent aller italienischen Nachnamen stammen von Rufnamen germanischer Herkunft. Beispiele sind: Endrizzi (von Enrico – Heinrich), Gualtieri (von Gualtiero – Walter), Fedrizzi (von Federico – Friedrich).

Russland[Bearbeiten]

Im Russischen wird der Vorname des Vaters (Patronym) zwischen Vor- und Familiennamen gestellt; zusätzlich erhält die weibliche Form ein -a: Michail Pawlowitsch Lasarew (Sohn des Pawel), Lidija Andrejewna Lasarewa (Tochter des Andrei). In der offiziellen schriftlichen und mündlichen Kommunikation werden Personen meistens nur mit Vorname und Patronym angesprochen. Auch in den Schulen und Universitäten werden Lehrer/Dozenten nur mit Vorname und Patronym angesprochen, obwohl es auch unproblematisch ist, einen Professor mit "Gospodin professor" (also mit nur "Herr Professor" ohne Nachnamen) anzusprechen. Die Anreden mit Familiennamen sind nur in der schriftlichen Kommunikation üblich.

Skandinavien[Bearbeiten]

In Schweden, Dänemark, Norwegen und teilweise auch Norddeutschland (besonders Schleswig-Holstein) enden Familiennamen häufig auf -sen oder -son (Vatersname, Patronym). Die Endung bedeutet Sohn, so dass Jensen/Jenson/Jensson Sohn des Jens hieße. Die -sen-Endungen finden sich oft im Dänischen, Norwegischen und auch im Friesischen. Im Schwedischen wird statt -sen das Suffix -son benutzt. In Finnland haben Familiennamen oft eine Beziehung zur Natur, beispielsweise Virtanen (Fluss/Strom), Mäkinen (Berg/Hügel), Järvinen (Binnensee), mit üblichem Suffix „-nen“. Familiennamen außerhalb des Adels setzten sich in diesen Ländern erst später als im übrigen Europa durch, und zwar zuerst in der Oberschicht. In Schweden begann die Oberschicht im 16. Jahrhundert Familiennamen anzunehmen, bei Geistlichen und Gelehrten meist in lateinischer Form. Bauern und Handwerker erhielten nur den Vatersnamen. In Dänemark wurden Familiennamen mit Gesetz vom 30. Mai 1828 gegen den Widerstand der Bevölkerung vorgeschrieben. Hiernach war der Vatersname (Vorname + sen) als Familienname festzuschreiben. Auf diese Weise erhielten große Teile der Bevölkerung gleiche Familiennamen. In Norwegen bestimmte erst das Personennamengesetz vom 9. Februar 1923, dass Kinder bei der Eintragung in das Geburtenregister einen Familiennamen haben müssen. Erwachsenen blieb es freigestellt, einen Familiennamen anzunehmen. Sofern nicht der Vatersname mit der entsprechenden Endung als Familienname gewählt wurde, war der Name des Hofes, den die Familie besaß oder langfristig nutzte, zu verwenden. Auf diese Weise wurde eine starke Häufung der Familiennamen wie in Dänemark vermieden.

Spanischer Sprachraum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Spanischer Name

In Spanien und in den meisten Ländern Hispanoamerikas setzt sich der Nachname von Personen in der Regel aus zwei Teilen zusammen. Kinder erhalten als ersten Teil ihres Nachnamens den ersten Teil des Nachnamens ihres Vaters, und als zweiten Teil den ersten Teil des mütterlichen Nachnamens. Die Kinder von Herrn Méndez Aznar und Frau Sánchez Hernández erhalten also den persönlichen Nachnamen Méndez Sánchez. Die Nachnamen werden somit patrilinear weitergegeben, ein Namensteil der Mutter geht zwar noch auf ihre Kinder, aber nicht mehr auf ihre Enkel über. Dies ist allerdings seit 1999 in Spanien nicht mehr zwingend. Die Eltern können auch bestimmen, dass der erste Teil des Nachnamens der Mutter vorangestellt wird, was damit dann auch der Namensteil ist, den das Kind später an seine Kinder weitergibt. Eheleute behalten nach der Heirat ihre Geburtsnamen. Gelegentlich, insbesondere im Adel, wird zwischen den ersten und den zweiten Teil des Nachnamens ein y („und“) gestellt, so ist etwa Jaime de Marichalar y Sáenz de Tejada der Sohn von Herrn de Marichalar y Bruguera und Frau Sáenz de Tejada y Fernández de Bobadilla. Im katalanischen Sprachgebiet wird grundsätzlich das katalanische i („und“) zwischen den Nachnamensteilen geführt, siehe etwa bei Jordi Pujol i Soley. Anders als bei deutschen Doppelnamen verwendet man im Spanischen aber keinen Bindestrich.

In formellen Angelegenheiten und im Schriftverkehr werden stets beide Namensteile benutzt. Im Alltag wird hingegen meist auf die Nennung des zweiten Namensteils verzichtet. Ausnahmen bilden Personen, deren erster Familienname sehr häufig ist. Zum Zwecke der besseren Identifizierung werden diese meist mit ihrem zweiten Namensteil bezeichnet, etwa der ehemalige spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero: Da Rodríguez in Spanien ein Allerweltsname ist, verwendet er selbst ebenso wie die Medien im Alltag Zapatero.

Portugiesischer Sprachraum[Bearbeiten]

In Portugal und im portugiesisch geprägten Brasilien ergeben sich die Nachnamen des Kindes aus den jeweils zweiten Nachnamen der Eltern, wobei der der Mutter zuerst genannt wird.

Felipe Faria Duarte ist also beispielsweise der Sohn von Henrique Coelho Duarte und Carolina Lemos Faria.

Wie im spanischsprachigen Raum werden auch hier die Nachnamen patrilinear weitergegeben, da die Kinder sowohl vom Vater als auch von der Mutter den zweiten, väterlichen Nachnamen erhalten.

Ausnahmen bilden Kinder, deren Eltern denselben Nachnamen väterlicherseits haben. Dann erhält das Kind nur einen Nachnamen. Als Beispiel heißt das Kind von Antonio da Costa Moreira und Maria Sousa Moreira einfach Josefina Moreira.

Heiratet in Portugal ein Paar, so kann die Frau sogar einen dritten Nachnamen bekommen, wenn sie den letzten Nachnamen ihres Mannes dazunehmen möchte (das ist allerdings freiwillig, entscheidend ist, unterschreibt die Frau die Heiratsurkunde mit dem Zusatz, ist es dann ihr Name). Da alle Mitglieder der Familie, also auch die Kinder, mindestens diesen Namen gleichermaßen tragen, gilt der zweite Nachname des Vaters meistens als eigentlicher Hauptfamilienname (in o.g. Beispielen also Familie Duarte bzw. Familie Moreira). Im Alltag wird daher meist auf die Nennung der ersten Namensteile verzichtet und nur der Hauptfamilienname verwendet (Beispiel: EU-Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso wird in den Medien häufig nur als José Manuel Barroso genannt).

In brasilianischen Gebieten, die besonders starke italienische, deutsche oder sonstige Einwanderungsgruppen haben, werden die Familiennamen oft nach den Gepflogenheiten dieser Volksgruppen vererbt, das heißt, meist erhalten die Kinder nur den Nachnamen des Vaters. Zuweilen wird jedoch auch hier der üblichen Namenstradition gefolgt.

Eine Person kann bis sechs Namen haben (zwei Vornamen und vier Familiennamen – er oder sie können zwei Namen von der Mutter und zwei vom Vater haben). Manchmal werden auch Namen von Ahnen als Ehrerbietung weitergeführt. Genauso ist es üblich, bei Übernahme des gleichen Vornamens des Vaters, Onkels oder Großvaters die Verwandtschaftsbeziehung zu diesem als Nachnamenanhang zu führen, so ist zum Beispiel in Portugal oder Brasilien Tobias de Almeida Neto der Enkel des ursprünglichen Tobias de Almeida.

Osmanisches Reich bzw. Türkei[Bearbeiten]

Erst elf Jahre nach der Gründung der Türkei wurden Familiennamen 1934 durch den Staatspräsidenten Kemal Atatürk per Gesetz Nr. 2525 vorgeschrieben. Vorher, im Osmanischen Reich wurden zur Vorstellung Stammesnamen, gefolgt vom Vornamen des Vaters und dem eigenen Vornamen verwendet – dazwischen stand jeweils die Bezeichnung „Sohn“ (oğlu). Das spiegelt sich auch in einigen modernen türkischen Nachnamen wider. Namen sahen ungefähr so aus: Sarıpaçalı-nın oğlu Ahmet-in oğlu Hasan (Hasan, Sohn von Ahmet, Sohn der Sarıpaçalı). Ein ähnlicher Aufbau ist auch in arabischen Namen mit ibn zu finden. Kürzere Formen wie Sarıpaçalı-lardan Hasan (Hasan von den Sarıpaçalıs) fanden ebenfalls Verwendung. War kein besonders bekannter Stammesname vorhanden, war der Beruf des Vaters von Wichtigkeit, die deutschen Müllers, Schmidts und Meyers zeigen hierbei eine gewisse Parallelität auf. Diese Form der Erkennung wird auch heute noch gerne in einigen Gegenden und Ortschaften verwendet: Marangoz Ali-nin oğlu Ibrahim (Ibrahim, Sohn des Schreiners Ali). Matronyme sind eher unüblich (das entsprechende weibliche Pendant für Sohn von, also die Tochter von hieße kızı).

Die 1934 angenommenen Namen sind häufig Ausdrücke selbstaffirmativer Bezüge zur jungen Republik, die als Reaktion auf den Untergang des Osmanischen Reiches, dem Widerstand seit 1919 unter Kemal Atatürk und dem anschließenden Kemalismus entstanden sind. Die sprachlichen Bilder beziehen sich auf Themen wie Mut, Furchtlosigkeit, Kraft und Widerstand, so etwa Öztürk („der echte Türke“), Demir/Özdemir („[echtes] Eisen“), Kaya („Fels“), Yılmaz („der Furchtlose“), Yıldırım („Blitz“), Aslan („Löwe“), Şahin („Falke“), Çelik („Stahl“), Aydın („hell“), Çetin („hart“).

Asien[Bearbeiten]

China, Korea und Vietnam[Bearbeiten]

Familiennamen in China, Korea und Vietnam werden traditionell fast ausschließlich mit genau einem chinesischen Schriftzeichen geschrieben. Dabei gibt es zu jedem verwendeten chinesischen Schriftzeichen jeweils eine Vielzahl von Aussprachen in den unterschiedlichen ostasiatischen Sprachen. Außerhalb Chinas werden diese Namen heutzutage nicht mehr in chinesischen Schriftzeichen, sondern im koreanischen oder in anderen Alphabeten wiedergegeben. Die dabei verwendeten Transkriptionen desselben Namens können sehr unterschiedlich ausfallen, vor allem wegen der unterschiedlichen Aussprachen desselben Namens in Vietnamesisch, Koreanisch und den verschiedenen chinesischen Sprachen. Deshalb werden im internationalen Gebrauch in jüngerer Zeit unterschiedliche Transkriptionen desselben traditionellen Familiennamens oft als unterschiedliche Namen gewertet.

Obwohl es über 700 chinesische Familiennamen gibt, haben die meisten Chinesen nur wenige sehr häufig vorkommende Namen. Typische Beispiele für ostasiatische Familiennamen sind:

Schriftzeichen Pinyin (Hochchinesisch) andere Transkriptionen chinesischer Dialekte Koreanisch Vietnamesisch Anzahl Namensträger Wortbedeutung
Lee, La, Lei5[4] Lee etwa 100 Millionen Pflaume
張 / 张 Zhāng Chang, Cheung, Cheong, Chong, Tsan, Tsaon, Tiu, Teo, Teoh, Zoeng, Zang Jang Trương etwa 100 Millionen Fläche, Bogen
Wáng Wong, Wong4, Vong, Ong, Heng Wang Vương etwa 100 Millionen König
陳 / 陈 Chén Ch'en, Chan, Chun, Tan, Zen Jin Trần über 50 Millionen darlegen, ausstellen
Ruǎn Yun2 Weon Nguyễn etwa 40 Millionen,
in Vietnam ca. 40% der Bevölkerung
Jīn Chin, Gam1, Kam, Gum Kim, Gim, Ghim Kim etwa 20 Millionen,
in Korea über 20% der Bevölkerung
Gold

Der Familienname wird in China, Korea und Vietnam zuerst genannt. Der Namensteil, der im deutschen Sprachraum als Vorname bezeichnet wird, wird in diesen Ländern nachgestellt.

Japan[Bearbeiten]

Die meisten japanischen Familiennamen werden mit zwei Kanji (chinesischen Schriftzeichen) geschrieben. Historisch war ein Nachname ein Privileg der Samurai und anderer höhergestellter Personen. Erst mit der Meiji-Restauration wurde per Gesetz veranlasst, dass sich alle Familien mit einem Familiennamen registrieren. Sie verwenden meist landschaftliche Begriffe, wie etwa Takeda (竹田) ‚Bambusfeld‘, es gibt aber auch Bedeutungen aus Alltag und Handwerk, z. B. Shuzō (酒造) ‚Sakebrauer‘. Andere Namen, wie zum Beispiel Mitsubishi (三菱) ‚Drei Rauten‘, sind abgeleitet vom Familienwappen.

Der Familienname wird in Japan zuerst genannt. Im Umgang mit westlichen Ausländern in westlichen Sprachen bzw. lateinischer Schrift wird allerdings häufig die Reihenfolge verwendet, die der Deutschen entspricht. Auch bei der Übertragung ins Deutsche werden japanische Namen – im Gegensatz zu chinesischen, vietnamesischen und koreanischen Namen – häufig umgestellt. Eine Ausnahme sind historische Personen wie Oda Nobunaga. Wird der Familienname vorangestellt, schreibt man ihn oft in Großbuchstaben, um eine Verwechslung zu vermeiden, wie zum Beispiel ABE Shinzō.

Indien[Bearbeiten]

In Indien, mit seinen vielfältigen kulturellen Traditionen, allein 21 in der Verfassung anerkannten und über 100 gesprochenen Sprachen, existieren mehrere grundverschiedene Systeme der Namensgebung nebeneinander.

Wie die Namensgebung gehandhabt wird, entscheidet sich nicht primär nach dem Bundesstaat, sondern nach den Traditionen, die die Familie des Betroffenen verfolgt. Obwohl in Indien in den 70er Jahren Personalausweise eingeführt wurden, besitzt ein Großteil der ländlichen Bevölkerung keinen. So kommt es häufig vor, dass der Name einer Person amtlich nicht erfasst ist. Beliebige Änderungen von Vor- und Familiennamen sind häufig und einfach.

In Nordindien wird ein System ähnlich wie in Deutschland bevorzugt: Die Ehefrau übernimmt den Nachnamen des Mannes, den auch die Kinder übernehmen. In Teilen Zentralindiens wird ein patrilineares System bevorzugt, das den Vornamen des Vaters undekliniert zum Nachnamen des Sohnes macht: Selvarasa Selvarainjan ist z. B. der Sohn von Selvarainjan Parthasarathy. Ein die Familie kennzeichnender Name existiert hier nicht. In Südindien steht der „Hausname“, also der Familienname, zuerst. Diese Namen sind oft Herkunftsnamen, wobei der Ort im Genitiv (Obliquus) steht. Titel und Adelsprädikate werden angehängt. Z.B. Pusapati Vijararama Raju, Vijayarama Raju von Pusapadu oder Kallidaikurichi Aiyah Nilakanta Sastri, Der Sastri (Gelehrter) Nilakata, Ayar (Brahmane) aus Kallidaikurichi.

Abgesehen von der offiziellen Namensgebung richtet sich die persönliche Anrede in Indien, ungeachtet der verschiedenen Regeln der Verleihung eines Namens, vornehmlich nach dem Verwandtschaftsgrad. Die Personen werden also als (älterer) Bruder: Dada, (ältere) Schwester: Didi, Vater: Baba, Großvater väterlicherseits oder mütterlicherseits: Nani bzw. Nana usw. angeredet. Die Individualität tritt in den Hintergrund und die Stellung in der Familie dominiert. Man kann in Indien fremde Personen jederzeit als ältere Brüder/Schwestern oder Vater/Mutter ansprechen, je nach offensichtlichem Altersunterschied und Geschlecht. Auch die Verwendung von Vorname-Verwandtschaftsgrad ist häufig, z. B. Manorainjan-Da (Da als Abkürzung für Dada). Vertrauliche Respektbezeichnungen werden angehängt: Shiv(a)-Ji(i) und offizielle vorangestellt: Shrii Govinda, aber nur von den anderen, nicht von sich selbst. Sich selbst kann man den Titel Dev(a) oder Devi (weiblich) anhängen. Der vertraulichen Anrede „Väterchen“ entspräche also Baba-ji.

Indonesien[Bearbeiten]

Indonesische Namen bestehen im Allgemeinen aus mehreren Teilen, die alle nicht erblich sind. Im Verkehr mit deutschen Behörden kann dann der letzte „Vorname“ an die Stelle des Familiennamens treten. Es gibt aber auch Personen, die keinen Familiennamen haben, bekannteste Beispiele sind die ehemaligen Staatspräsidenten Sukarno und Suharto. In den einzelnen Stämmen und Volksgruppen gibt es jedoch unterschiedliche Namensgebungen. Die Volksgruppe der Batak (Nordsumatra) beispielsweise haben immer Vor- und Nachnamen. Viele Angehörige der chinesischen Minderheit wurden zur Zeit der Suharto-Regierung gezwungen, ihre ursprünglichen Namen abzulegen. Sie wählten dann häufig anglo-amerikanische oder europäische Vornamen, z. B. Angelina, Steven.

Afrika[Bearbeiten]

Demokratische Republik Kongo[Bearbeiten]

In der Demokratischen Republik Kongo wird zwischen dem Familiennamen einerseits und dem Nachnamen andererseits unterschieden. Dabei ersetzte der „authentische“ Nachname (französisch: postnom) den „europäischen“ Vornamen. Aus Joseph-Désiré Mobutu wurde Mobutu Sese Seko. Heute sind die in der Kirche immer weiterverwendeten Taufnamen als Vornamen wieder in Gebrauch, die zairischen Nachnamen werden jedoch weiterhin verwendet. Dies führt dazu, dass Kongolesen vor und nach dem Familiennamen je einen von den Eltern gewählten Namen tragen: vorgestellt den Vornamen, nachgestellt den Nachnamen (Beispiel: Joseph-Désiré Mobutu Sese Seko). Kongolesische Reisepässe weisen entsprechend auch die drei Rubriken prénom (Vorname), nom (Name), postnom (Nachname) auf.

Weitere Länder[Bearbeiten]

Europa: Polnischer Name, Irische Familien, Römischer Name (historisch), Isländischer Personenname, Färöischer Personenname, Nordgermanischer Personenname (historisch)

Asien: Arabischer Name, Birmanischer Name, Jüdischer Familienname, Malaysischer Name, Thailändische Namen, Liste tibetischer Namen und Titel

Afrika: Gambischer Personenname

Familiennamenhäufigkeiten[Bearbeiten]

Die Familiennamenhäufigkeit ist die absolute und relative Häufigkeit von Familiennamen in einer Bevölkerung oder Teilbevölkerung. Aus diesen Häufigkeiten lässt sich unter Berücksichtigung der Veränderlichkeit von Familiennamen der Inzuchtkoeffizient f einer Population errechnen. Ebenfalls lässt sich mit der Verteilung der Familiennamenhäufigkeiten der Grad der Blutsverwandtschaft zwischen Bevölkerungen und damit ihr Heiratskreis messen, ebenso die Ahnengemeinschaft zwischen zwei oder mehreren Ahnenlisten, aber auch der Einzugsbereich der Zuwanderung zu Städten oder zentralen Orten.[5] Der Grad der Verwandtschaft (oder Ähnlichkeit) ist dabei der von 0 bis 1 normierte statistische Korrelationskoeffizient r. Dabei bedeutet r = 0,00, dass in den verglichenen zwei Ahnenlisten in einer festgelegten Vorfahren-Generation, zum Beispiel in der sechsten, kein einziger Familienname identisch ist.

Der häufigste Familienname der Welt ist das chinesische Wang mit über 90 Millionen[6] Vorkommen in seinen verschiedenen Schreibweisen. Unter den Han-Chinesen gibt es nur rund 700 Familiennamen. In Deutschland existieren nahezu eine Million verschiedene Familiennamen. Hier ist Müller/Mueller mit 600.000 Vorkommen knapp führend vor Schmidt/-tt/-d/-tz. In Russland ist der häufigste Familienname Smirnow [7]

Grafische Darstellung der geografischen Namensverteilung[Bearbeiten]

Ein Hilfsmittel für die Familiennamenforschung ist die grafische Darstellung der geografischen Verteilung von Familiennamen. Die folgenden Beispiele beruhen auf Daten von telefonischen Festnetzanschlüssen aus dem Jahr 2002. Obwohl damit nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung erfasst wird, erlauben diese Daten mehrere sehr nützliche Analysen.

Verteilung von Namensvarianten[Bearbeiten]

Die folgenden Beispiele können bei Geogen nachvollzogen werden: Der Name Mayer findet sich in ganz Deutschland, aber eine klare Häufung ist sichtbar in Süddeutschland. Auch Meyer findet sich in ganz Deutschland, aber für diese Variante des Namens liegt der Schwerpunkt im Nordwesten des Landes. Die Variante Mayr findet sich kaum im Nordosten der Bundesrepublik, dafür aber im Südosten mit einer Ballung in Bayern.

Identifikation der Namensherkunft[Bearbeiten]

Auch bei der Identifikation der historischen Ursprungsgegend gibt die geografische Verteilung von Familiennamen wertvolle Hinweise. Die folgenden Beispiele können bei Geogen nachvollzogen werden. So deutet z. B. Schlöder auf das südliche Rheinland, Herbel nach Hessen und Züfle nach Württemberg. Alte Familiennamen, die auch mehrere Ursprünge haben können wie Kolbe, weisen meist eine relativ gleichmäßige Verbreitung auf.

Familiennamensverteilungen[Bearbeiten]

Die folgenden Darstellungshilfen können für regionale Familiennamensverteilungen verwendet werden.

Namensträgerforschung[Bearbeiten]

Die Namensträgerforschung darf als eine Form der Stammtafelforschung aufgefasst werden. Arbeitsmittel ist in der Regel eine Namensträgerkartei oder -datei, in der alle Träger desselben Familiennamens erfasst werden, wobei unter Berücksichtigung der Veränderlichkeit der Familiennamen und des phonetischen Alphabets verschiedene Formen des Namens als jeweils eine Einheit zu betrachten sind.

Wenn Namensträgerforschung nicht nur bloßen Sammeleifer dokumentiert, dann sind systematische Arbeit und genaue Verzeichnisse der ausgewerteten Quellen notwendig. Sinn haben derartige Datensammlungen insbesondere für relativ seltene Namen. In manchen Fällen sind sie der einzige Weg, um einen Toten Punkt der genealogischen Forschung zu klären. Bisher gibt es in Deutschland noch keine umfassende Datenbank aller Publikationen, Karteien und Vereine (in England One-Name-Societies genannt[8]), die sich mit einem Familiennamen und den verwandtschaftlichen Beziehungen seiner Träger befassen.

Namensrecht[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Hauptartikel: Namensrecht (Deutschland)

Als „Familienname“ im juristischen Sinn wird in Deutschland lediglich der „Nachname“ einer Person bezeichnet. Dieser individuelle Nachname kann vollkommen anders sein als der Nachname der Herkunftsfamilie, der Nachname des Ehegatten oder der Nachname der Kinder. Mit dem Begriff „Ehename“ definiert der Gesetzgeber in § 1355 BGB jenen Nachnamen, den Eltern ihren Kindern geben wollen. Anders gesagt: „Familienname“ ist der eigene Nachname, „Ehename“ der Nachname der Kinder.

Die bürgerlichen Bestimmungen über den Namen werden in der Bundesrepublik Deutschland nur auf Deutsche (Ethnie) angewendet. Deutsche Behörden und Gerichte wenden auf einen Ausländer das Recht desjenigen Staates an, dem der Ausländer angehört oder ihm entstammt. Soweit deutsche Vorschriften anzuwenden sind, erfolgt die Namensvergabe durch:

Andere Länder[Bearbeiten]

Hauptartikel: Namensrecht

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Namenkunde allgemein: siehe Literatur des Artikels Anthroponymie
Nachnamenlexika, deutsch allgemein:

  •  Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon. Suhrkamp, 1972, ISBN 3518365657.
  •  A. Bähnisch: Die Deutschen Personennamen. Leipzig 1910.
  •  Josef Karlmann Brechenmacher: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen. ISBN 3-7980-0355-6.
  • Duden Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. Bearbeitet von Rosa und Volker Kohlheim. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2005, ISBN 3-411-70852-2. (Erklärung von 20.000 Nachnamen)
  •  Heintze-Cascorbi: Die Deutschen Familiennamen. Berlin 1933.
  •  Horst Naumann: Das große Buch der Familiennamen. Bassermann, ISBN 3809407291 (Weltbild ISBN 3828919553).
  •  Ernst Schwarz: Deutsche Namenforschung. Band 1 Ruf- und Familiennamen, Göttingen 1950.
  •  Jürgen Udolph: Professor Udolphs Buch der Namen. München 2005.
  •  Konrad Kunze, Damaris Nübling: Deutscher Familiennamenatlas. Berlin und New York 2009 ff..
  •  Zunamen. Zeitschrift für Namenforschung. Hamburg 2006 ff., ISSN 1618-7652 (einzige ausschließlich Familiennamen gewidmete Fachzeitschrift).

Lexika, deutsch regional:

  • Maria Hornung: Lexikon österreichischer Familiennamen. Wien 2002.
  •  Max Mechow: Deutsche Familiennamen preussischer Herkunft. Tolkemita, Dieburg 1991.
  •  Schweizerischer Verband der Zivilbeamten (Hrsg.): Familiennamenbuch der Schweiz. Bd. 1–4, Polygraphischer Verlag, Zürich 1968–1970. Nun ergänzt und online, siehe unten unter Weblinks
  •  Reinhold Trautmann: Die altpreußischen Personennamen. 1925.

Handbücher, international:

  • Andrea Brendler / Silvio Brendler: Europäische Personennamensysteme. Ein Handbuch von Abasisch bis Zentralladinisch, Hamburg: Baar 2007, ISBN 978-3-935536-65-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Familienname – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Zuname – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Surnames – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Duden: Familiennamen. Herkunft und Bedeutung von 20.000 Nachnamen. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Mannheim 2005, ISBN 3-411-70852-2
  2. Es zahlt sich aus, Kaiser zu heißen in dradioForschung aktuell“ – MELDUNGEN (Soziologie) vom 14. Oktober 2013, abgerufen am 24. Oktober 2013, (Quelle: Psychological Science - doi: 10.1177/0956797613494851)
  3. Kollege König wird eher Führungskraft als Kollege Bauer im focus vom 24. Oktober 2013
  4. Die Ziffern geben in den Transkriptionen der kantonesischen Sprache die Tonalität an.
  5. Die Verwendung von Familiennamenhäufigkeiten zur Schätzung der genetischen Verwandtschaft. Ein Beitrag zur Populationsgenetik des Vogtlandes. Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (1974) 433-451
  6. Seminararbeit Jan Hemmer Thema: Die „Entstehung und geschichtliche Entwicklung der Familiennamen in Deutschland bis in die Gegenwart“, 2000
  7. Familiennamenshäufigkeit in Russland – Links unter “База данных” den Unterpunkt БД по фамилиям anklicken. Angezeigt werden die 250 häufigsten russischen Namen nach Rang sowie eine Tabelle von 10.000 russischen Namen mit Häufigkeitsrang
  8. One-name study – englischsprachige Wikipedia