Fantasiereise

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Fantasie, Märchen-, oder Traumreisen sind imaginative Verfahren. Sie können als Entspannungstechnik therapeutisch wirken und werden von einem Sprecher vorgelesen oder erzählt. Ein tiefer Ruhe- und Erholungszustand wird durch eine entspannte Körperposition (auf dem Rücken liegend mit geschlossenen Augen), die Zuwendung durch den Sprecher sowie die Hinwendung auf die meist als angenehm erlebten Bilder in der eigenen Fantasie erzielt. Durch einen herabgesetzten Muskeltonus kommt es zu einer körperlich-seelischen Entspannung. Der Zuhörer stellt sich innere Bilder zu den Texten vor, in die möglichst viele angenehme Sinneseindrücke eingebaut sind.

Ablauf[Bearbeiten]

Eine Fantasiereise besteht üblicherweise aus fünf Teilen:

  • Vorbereitung; Schaffen einer angenehmen Atmosphäre (z. B. auch mit Anwendung ätherischer Öle und Hintergrundmusik oder Naturgeräuschen)
  • kurze Entspannung (Ruhetönung, das Erzeugen einer leichten Trance kann von Vorteil sein)
  • Hauptteil mit (fiktiver) Geschichte (ca. 15 Minuten, bis zu 30 Minuten); dabei häufige Pausen (von 10 Sek bis zu 2 Minuten), damit der Zuhörende Zeit hat, sich in die Bilder einzufühlen
  • Rückkehr in die Realität durch tiefes Durchatmen, sich strecken und Gähnen zur Kreislaufaktivierung (optional auch ohne Rückführung mit direktem Übergang in den Schlaf)
  • Gespräch oder ausdruckszentriertes Malen/Gestalten zur Auswertung

Formen der Fantasiereise[Bearbeiten]

Je nach Dichte der Anleitung und dem entstehenden inneren Raum lassen sich verschiedene Steigerungsformen der Fantasiereise unterscheiden, wobei die Grenzen in der praktischen Anwendung naturgemäß nicht strikt zu ziehen sind.[1]

Fantasiegeschichten[Bearbeiten]

Jede gelungene Erzählung ist insofern eine Fantasiegeschichte, als sie der eigenen Vorstellung Raum gibt. Durch Sätze wie "Stelle dir das vor!" oder "Wie mag es dir dabei ergehen?" wird die Identifikation mit der Geschichte gefördert. Siehe auch Storytelling.

Gelenkte Fantasiereise[Bearbeiten]

Hier werden die Zuhörer bereits direkt aufgefordert, sich mit den Bildern innerlich zu verbinden und aktiv mitzugehen: "Stell dir vor, du stehst am Ufer. Du riechst die salzige Luft, das Wasser umspielt deine Füße. Gehe jetzt dem Ufer entlang und..."

Halboffene Fantasiereise[Bearbeiten]

Hier wird die gelenkte Phantasiereise erweitert um Freiräume innerhalb einer streng geführten Anleitung, z. B.: "Was würdest du jetzt gerne tun? Du hast genug Zeit dazu."

Offene Fantasiereise[Bearbeiten]

Hier wird nur noch ein Gerüst vorgegeben indem die ersten Bilder und damit die Situation beschrieben werden. Es gibt viel Raum für innere Resonanz, die durch Grundimpulse hervorgerufen wird. Der Reisende folgt im weiteren Verlauf seinen inneren Bildern. Ein gemeinsamer Abschluss führt wieder in die Realität zurück ("Schau dich nochmal um, nimm mit was du an Erfahrungen mitnehmen magst, und komm jetzt zurück in diesen Raum und öffne langsam die Augen").

Therapeutische Fantasiereise[Bearbeiten]

Durch die Arbeit mit inneren Bildern und Imagination, kann therapeutische Wirkung entstehen. Der Begleiter oder Therapeut unterstützt die Annäherung an innere Bilder durch offene oder lenkende Fragen oder durch Einführen neuer Bildelemente. Dabei kann der Blick gezielt auf Teilaspekte des Bildes gelenkt und dadurch ein Thema in die Aufmerksamkeit gerückt werden ("In der Wand siehst du eine Tür. Du öffnest sie und erblickst eine Treppe die nach unten führt..."). Oft werden "mächtige Gestalten" in die Phantasie eingeführt (alter weiser Mann, weise Frau), die auf wesentliche Lebensfragen hilfreiche Antworten geben können. Der Übergang zu Katathymem Bilderleben und zur Oberstufe des Autogenen Trainings und anderen imaginativen therapeutischen Methoden ist fliessend.

Anwendungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

Die Entspannungswirkung von Fantasiereisen wird in der Verhaltenstherapie genutzt. In der Ergotherapie werden Fantasiereisen therapeutisch eingesetzt, besonders in den Fachbereichen Pädiatrie und Psychiatrie, oft zusammen mit Elementen der Progressiven Muskelentspannung oder des Autogenen Trainings. Als Form von Meditation finden sie auch beim Yoga Anwendung, beispielsweise in der Abschlussmeditation (Dhyana) z. B. zu Chakren.

Fantasiereisen werden auch in der Pädagogik eingesetzt, beispielsweise in Kindergärten, Schulen oder der Museumspädagogik oder Religionspädagogik. Dadurch können historische Ereignisse oder fremde Kulturen besonders lebendig erlebt werden.

Anwendung[Bearbeiten]

  • ADS/ADHS
  • Ängste und Phobien
  • Konzentrationssteigerung
  • Pädagogik
  • psychosomatische Therapie
  • Rauchentwöhnung/Raucherentwöhnung
  • Rückenschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Schmerzen
  • Stress
  • Spannungskopfschmerz
  • Tinnitus
  • Verspannungen
  • Zwänge
  • Aggressionen

Kontraindikationen[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Vgl. hierzu Gerda und Rüdiger Maschwitz: Von Phantasiereise bis Körperarbeit. Existenzielle Methoden - gekonnt eingesetzt. Kösel 2004, S. 146 ff.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Adams: Neue Fantasiereisen. Entspannende Übungen für Jugendarbeit und Erwachsenenbildung. Don Bosco Verlag, ISBN 3-7698-1451-7.
  • Evelyne Maaß u. a.: Phantasiereisen praktisch anwenden. Phantasie als Quelle der Inspiration. Verlag Junfermann, ISBN 3-87387-584-5.
  • Gerda und Rüdiger Maschwitz: Phantasiereisen zum Sinn des Lebens. Anregungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Kösel-Verlag München 1998, ISBN 3-466-36505-8.
  • Robert Masters, Jean Houston: Phantasie-Reisen. Zu neuen Stufen des Bewußtseins: Ein Führer durch unsere inneren Räume. Kösel-Verlag München 1991, ISBN 3-466-34091-8.
  • Else Müller: Du spürst unter deinen Füßen das Gras. Autogenes Training in Phantasie- und Märchenreisen. Verlag Fischer (Tb.), Frankfurt 2010, ISBN 978-3-596-23325-0.
  • Thomas Niklas Panholzer: Hypnotische Phantasiereisen. Auf den Pfaden der Träume, für mehr Selbsterkenntnis und Glück. Verlag: Südwest, München 2008, ISBN 978-3-517-08415-2.
  • Kerstin Ursula Lang: Fantasiereisen Entspannungsreisen Traumreisen. Verlag: Books on Demand, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8482-0634-6.

Weblinks[Bearbeiten]

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