Farah

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Farah (Begriffsklärung) aufgeführt.
فراه
Farah
Iran Turkmenistan Usbekistan Tadschikistan China de-facto Pakistan (von Indien beansprucht) de-facto Indien (von Pakistan beansprucht) Indien Pakistan Nimrus Helmand Kandahar Zabul Paktika Chost Paktia Lugar Farah Uruzgan Daikondi Nangarhar Kunar Laghman Kabul Kapisa Nuristan Panjshir Parwan Wardak Bamiyan Ghazni Baglan Ghor Badghis Faryab Dschuzdschan Herat Balch Sar-i Pul Samangan Kunduz Tachar BadachschanLage
Über dieses Bild
Basisdaten
Staat Afghanistan
Hauptstadt FarahVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges
Fläche 48.470 km²
Einwohner 488.000 (2007/2008)
Dichte 10 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 AF-FRA
Bezirke in Farah
Bezirke in Farah

Farah (Paschtu/Dari: ‏فراه‎) ist eine Provinz in Westafghanistan. Die Hauptstadt dieser Provinz ist die gleichnamige Stadt Farah. Die meisten der 488.000 Bewohner[1] dieser Provinz sind Paschtunen und Tadschiken bzw. Fars (Perser), wobei die Eigenbezeichnung der persischsprachigen Bevölkerung in Farah Fars ist. Die gesprochene Sprache ist Dari, wobei hier der so genannte Herati-Dialekt verbreitet ist (siehe Sprache). Der Name Farah kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Fröhlichkeit“ und „Feier“. Im Persischen wird es im Gegensatz zum Arabischen mit einem leichten „h“ ausgesprochen, d.h. nicht aus dem Hals.

Farah grenzt an den Iran, womit auch eine ähnliche Kultur in Verbindung steht. Die Provinz ist geschichtlich unerforscht. Sie beherbergt zahlreiche Schätze aus der Epoche des Mittelalters und andere Epochen. Einst war sie zur nördlich gelegenen Provinz Herat zugehörig, bevor sie Anfang des 20. Jahrhunderts eine eigenständige Provinz wurde. Farah war bis Anfang des 20. Jh. eine Stadt in der heutigen Provinz Herat.

Basisdaten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Die möglicherweise bekannteste Persönlichkeit aus der Provinz Farah geht aus der islamischen Zivilisation hervor. Hierbei handelt es sich um den Gelehrten Ata al-Mulk Dschuwaini, welcher aus der Stadt Dschuwain stammt. Er war der Lehrer des islamischen Gelehrten al-Ghazali.

Ebenso kann man den persischen Dichter Abu Nasr-Farahi nennen. Nach ihm sind heute sind zahlreiche Schulen, Bildungseinrichtungen und Gedenkstätten benannt.

Aus der Provinz Farah stammt auch der Songwriter und Lyriker Salim Sarmast. Er schrieb unzählige Titel für die afghanische Pop-Ikone Ahmad Zahir.

Die aus Farah stammende Malalai Joya erhielt bei der Parlamentswahl im September 2005 die zweithöchste Zahl an Stimmen in ihrer Provinz und ist seitdem die jüngste Abgeordnete Afghanistans.

Die oben genannten Dichter, Denker, Musiker oder Politiker sind allesamt ethnische Perser.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ethnien-Verteilung in Farah:

  • Paschtunen: 65–70 %
  • Fars: 20–22 %
  • Balutschen: 5 %
  • andere: 1–3 %

Die Provinz Farah ist geschichtlich und im Zuge der Nationalstaatlichkeit Afghanistans ein Teil der Provinz Herat gewesen. Später wurde es von mächtigen paschtunischen Stämmen davon getrennt, damit die zahlenmäßige Anzahl, der Einfluss der persischen Ethnie und die religiösen, ethnischen oder verwandtschaftlichen Interaktionen sich verringern, so zum Beispiel für den Distrikt Yazdi, aus dem zahlreiche Perser vor und nach der Staatsgründung Afghanistans in diesem Bereich aus der heutigen iranischen Provinz Yazd immigrierten. Die Paschtunisierung der Provinz kann nicht festgelegt werden, aber sie muss, nach den neuesten Erkenntnissen von historischen Dokumenten, um das Jahr 1893 vollzogen worden sein.

Die ethnischen Perser hatten und haben stets Kontakte zu ihren ethnischen Verwandten in Iran, sowohl zu den iranischen Grenzstädten als auch zum Landesinneren: Maschhad, insbesondere das nah gelegene Birdschand und Zabol, das gesamte Sistan und Belutschistan und andere iranische Provinzen wie Kerman oder auch Yazd, deren Bewohner nun den Namen ihrer alten Heimat nach Farah mitnahmen und ein neues Yazdi gründeten. Insbesondere Bewohner aus Yazdi in Farah, die ethnisch persisch und der schiitischen Konfession angehören, was die Mehrheit dieser Bewohner bildet, bereisten und bereisen immer noch die Pilgerstadt Maschhad, um den Schrein des 8. schiitischem Imams, Imam Reza, aufzusuchen.

Die Entwicklung der Stadt und der Provinz Farah aus einer persischen kulturgeschichtlichen Perspektive verlor seinen Anschluss an die national-persische Entwicklung Irans im Allgemeinen und insbesondere an Herat oder Birdschand oder Maschhad oder Zabol. Ein Beispiel ist die Entwicklung der persischen Sprache in Farah bei den Yazdis und persische Kulturdenkmäler, die keine Beachtung unter der paschtunischen Herrschaft gefunden haben. Die Provinz Farah ist aus vielen wissenschaftlichen Perspektiven unerforscht geblieben, da die Politik eine andere ethnische und auch konfessionelle Ideologie (Paschtunisierung; mehrheitlich sunnitisch) verfolgte, um die Wurzeln der Perser und ihre Spuren unbeachtet zu lassen.

Im selben Kontext pflegen ethnische Paschtunen oder Balutschen Kontakte zu ihren ethnischen und oder religiösen Verwandten und verfolgen die Entwicklungen ihrer Ethnie.

Klima und Vegetation[Bearbeiten]

Farah ist äußerst wüstenartig. Es erinnert an eine Oase, die an manchen Stellen enorm fruchtbar ist. Im Nord- und Südwesten ist die Provinz durch zahlreiche Flüsse gekennzeichnet. Im Norden ist das bekannte Tal Anar Dare (persisch ‏‎ AnarGranatapfel“; Dare bedeutet „Tal“) zu nennen. In Farah fließt der Fluss Farāh Rud, der über die ganze Provinz verläuft. An der ungefähren Mitte dieses Flusses liegt die Provinzhauptstadt Farah. Im Südwesten befindet sich ein riesiges Wasserreservoir, das von der angrenzenden Provinz Nimrus (früher Chekhansoor genannt) ebenfalls geteilt wird. Im Allgemeinen ist die Provinz trocken. Farah liegt auf der gleichen geographischen Ebene wie die Stadt Birjand in Iran.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Provinzhauptstadt ist die Altstadt gelegen (persisch Schahre Koohne). Diese Altstadt hieß davor Fereydoon Schahr (persisch „Fereydoons Stadt“, nach einem früheren König). Dieser Stadtteil im Herzen der Provinz war Begegnungsstätte, Bazar und Handelszentrum. Die Altstadt stammt aus vorislamischer Zeit, d.h. aus der Zeit der alten Religion des Zarathustras. Die Altstadt war auch eine Ausruhestätte der alten Seidenstraße.

Aus der vorislamischen Zeit stammen auch historische Monumente im Osten der Provinz, die Kafir Qalah (persisch „Haus der Ungläubigen“) genannt wurde. Qalah ist ein Haus, das eine Eingangstür besitzt mit mehreren darin sich befindenden Häusern, was z. B. Schutz vor einem fremden Überfall bieten soll. In Farah treten solche Qalah häufig auf.

In Farah existiert auch das Takhte Rostam (persisch „Thron Rostams“). Rostam (und sein Sohn Sohrab) stammt(en) aus der Stadt Jowain in Farah, der auch im Schāhnāme des Ferdousī durch seine heldenhafte Taten vorkommt. Da früher es keine Grenzen zwischen Iran und Afghanistan gab, die es erst seit 150 Jahren gibt, galt er als der tapfere Mann aus dem Sistan (siehe Abschnitt „Historische Einbettung der Geographie“).

Neueste Entwicklungen für Farah[Bearbeiten]

In Farah wird eine Straße gebaut, die es mit dem Iran verbindet. Dabei wird die Provinz Farah mit der iranischen Provinz Süd-Khorassan verbunden. In der ersten und zweiten Phase besitzt diese Straße handelsspezifische Bedeutung zu der in Farah ansässigen bzw. sich an der Grenze befindenden Zoll, jedoch auf iranischem Territorium (zu persisch: Gomrok Abo-Nasr Farahi). In der dritten Phase dieses Straßenprojekts wird es darauf ankommen, den Bau der Straße bis in die Provinz Farah hinein zu bauen. Dieses Projekt wird finanziell vom Iran unterstützt und gefördert.

Ebenso geht es um ein technisches Hilfsprojekt und ein technisches Zentrum für die Provinz Farah, welches schon in Betrieb genommen werden kann und auch vom Iran mit technischem know-how begleitet wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Farah Province – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Summary of the National Risk and Vulnerability Assessment 2007/8 auf Website der Central Statistics Organisation, http://nrva.cso.gov.af/Brochure%20English-Final.pdf (PDF-Datei 1,77 MB), Oktober 2009, S. 4, und http://nrva.cso.gov.af/003.xls (Excel-Datei), abgerufen am 7. November 2009