Faris al-Churi

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Faris al-Churi

Faris al-Churi (arabisch ‏فارس الخوري‎, DMG Fāris al-Ḫūrī, auch Farès al-Khoury; * 1877 in Kfeir-Hasbaya, Vilâyet Beirut; † 2. Januar 1962 in Damaskus, Syrische Republik) war ein syrisch-christlicher Staatsmann, Minister, Ministerpräsident und Parlamentssprecher. Er wird als Gründervater Syriens betrachtet.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Faris al-Churi wurde im damals osmanischen Kfeir-Hasbaya in eine griechisch-orthodoxe Familie hineingeboren, die später zum Presbyterianismus konvertierte. Faris studierte an der Amerikanischen Universität Beirut, damals Syrisches Protestantisches College genannt. Syrian Protestant College. Er begann seine Karriere als Instrukteur bei der AUB und wurde in die anti-osmanische Bewegung al-Fatat nach ihrer Gründung 1911 in Paris involviert. Churi wurde im Jahre 1908 Abgeordneter, wobei er die christliche Bevölkerung von Damaskus im ottomanischen Parlament repräsentierte. 1916 trat Churi dem arabischen Widerstand bei und versprach, die von Scherif Hussein in Mekka aus eingeleitete Arabische Revolte zu unterstützen. Seine Verbindungen mit Hussein führte zu seiner Verhaftung und Prozess durch ein Militärtribunal in Aley. Nach König Faisals Ankunft und der Befreiung Syriens als Königreich schwor Churi ihm im Namen des syrischen Volkes treue. Am 18. September 1918 bildete Churi eine Vorläufige Regierung aus einer Gruppe von Adeligen in Damaskus, mit Prinz Sa’id al-Dschaza’iri an der Spitze.

Churi wurde dann Finanzminister im neuen Kabinett von Ministerpräsident Rida Pascha al-Rikabi. Sein Posten wurde durch Ministerpräsident Haschim al-Atassi im Mai 1920. Er hielt diesen Posten, bis König Faisal entthront wurde und französische Kolonialkräfte im Juli 1920 ihr Mandat über Syrien errichteten. Churi bildete die Grundlage des syrischen Finanzministeriums, bildete ihre Infrastruktur, Verteilte ihre verwaltungstechnischen Pflichten, formulierte ihre Gesetze und erlas ihr Personal. 1923 half er zusammen mit einer Gruppe von Bildungsveteranen bei der Gründung der Universität des Staates Damaskus und übersetzte ihr gesamtes Curriculum von Osmanisch-Türkisch ins Arabische.

Politische Karriere[Bearbeiten]

1925 gründete Churi im Staat Syrien zusammen mit Abd al-Rahman Schahbandar[1] die Volkspartei, dessen stellvertretender Vorsitzender er wurde. Als Bildungsminister vom April bis Juli 1926 wurde er 1928 in die syrische Verfassunggebende Versammlung gewählt, und 1932 ins syrische Parlament wiedergewählt 1936; bis 1939 war er Parlamentssprecher. 1936 war er Mitglied der syrischen Delegation, die den Franko-Syrischen Vertrag in Paris aushandelte. Er wurde 1943 wieder ins Parlament gewählt und blieb bis 1944 Parlamentspräsident.

Churi wurde am 14. Oktober 1944 Ministerpräsident, was er bis zum 1. Oktober 1945 blieb. Danach wurde er wieder im Jahre 1947 Parlamentspräsident bis zum militärischen Staatsstreich von Husni az-Za'im im August 1949. Nach freien Wahlen 1954 wird Churi vom 25. Oktober 1954 bis 13. Februar 1955 wieder Ministerpräsident, seine prowestliche Regierung wird durch das Parlament gestürzt, da sie gegen die Union mit Ägypten (Vereinigte Arabische Republik) ist.

Als UN-Gründungsmitglied[Bearbeiten]

Faris Churi war der erste syrische Staatsmann, der die Vereinigten Staaten besuchte. Er vertrat sein Land als eins der 53 Gründungsmitglieder 1945 bei der Inauguration der Vereinten Nationen. Als Kopf der syrischen Delegation in San Francisco machten Churis süperbe Redekunst und sein Scharfsinn einen starken Eindruck vor den Führern der Welt. Nach Churis eloquenter Rede merkte ein US-Diplomat an: „Es ist unmöglich für ein Land mit Männern wie diesen, erobert zu werden!“ Eine entscheidende Geschichte hierbei war, als Churi sich bei der UN-Versammlung auf Frankreichs statt auf Syriens Sitz setzte. Nach wenigen Minuten näherte sich der französische Vertreter bei den Vereinten Nationen zu Faris und bat ihn, den Sitz zu verlassen. Faris ignorierte den Franzosen und blickte auf seine Uhr. Mehrere Minuten später bat der Franzose Faris wütend, umgehend zur Seite zu gehen, doch Faris blickte nur auf seine Uhr. Nach 25 Minuten auf dem Sitz Frankreichs verließ Faris den Stuhl und sagte dem französischen Vertreter: „Sie konnten es nicht aushalten, mir für nur 25 Minuten beim Sitz auf ihrem Stuhl zuzusehen, ihr Land besetzt meines für mehr als 25 Jahre, ist die Zeit für den Abzug ihrer Truppen nicht gekommen?“ Es ist anzumerken, dass in dieser UN-Sitzung der Prozess für Syriens Unabhängigkeit begann.[2]

Tod[Bearbeiten]

Zu seinen Alterszeiten blieb Faris Churi nie zuhause und verbrachte seine Zeit mit seiner Frau, seinem Kind und seinen drei Enkelkindern. Er setzte seine Reisen fort, und nahm an jährlichen Rechtskonventionen in der Schweiz teil, bis er sein Bein brach - was ihn zwang, für die letzten zwei Lebensjahre zuhause zu bleiben. Am 2. Januar 1962 starb der ehemalige Ministerpräsident in Damaskus im Alter von 85 Jahren und beendete eine über 50-jährige Karriere in Syriens politischer Sphäre. Er erhielt präsidentielle Ehren bei seiner Beerdigung als einer der Überväter der syrischen Republik, anders als irgendein Ministerpräsident vor oder nach ihm. Als Symbol selbst zu seinem Tod wurde es muslimischen Gemeindeführern erlaubt, bei seiner Trauerzeremonie den Koran zu rezitieren. Suheil al-Churi akzeptierte diesen raren Akt, um die Säkularität seines Vaters zu betonen, und um zu zeigen, wie nah er sowohl zu Muslimen als auch zu Christen war.[3]

Nachwirken[Bearbeiten]

Als syrischer Nationalist und Mitglied des Bloc national betrachtete die Annexion des Staates Hatay durch die Türkei, mit Erlaubnis der französische Regierung, als nach internationalem Recht.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abd al-Rahman Shahbandar. In: answers.com. Abgerufen am 11. März 2013.
  2. Samy Moubay: Good Christians, and Orientalists to the Bone. In: The Washington Post, 24. Dezember 2007. Abgerufen am 11. März 2013. 
  3. The story of Asma and Faris. In: Forward Magazine. Februar 2009. Abgerufen am 11. März 2013.
  4. Yearbook of the ILC, 1950, Vol. 1. S. 77