Farnesische Sammlungen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Farnesische Stier

Die Farnesischen Sammlungen sind die Sammlungen von Kunstschätzen der Antike und der Renaissance, die die Familie Farnese ab dem 16. Jahrhundert vor allem im Palazzo Farnese in Rom zusammentrug.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufbau der Sammlung[Bearbeiten]

Papst Paul III. (mit bürgerlichem Namen Alessandro Farnese) begründete die Sammlung, als er seiner Familie in einem Edikt einen Exklusivanspruch auf ausgegrabene Skulpturen verlieh, um den Palazzo Farnese ausschmücken zu können. Der Grundstock an Fundstücken wurde vor allem bei Grabungen in den römischen Caracalla-Thermen um das Jahr 1547 gelegt. Den weiteren Aufbau der Farnesischen Sammlungen betrieb besonders sein Enkel, Kardinal Alessandro Farnese der Jüngere, durch dessen Bemühungen sie auf über 400 Skulpturen sowie weitere Kunstgegenstände (Gemmen, Gemälde, Zeichnungen, Bücher) anwuchs. Beratende Dienste leistete hierbei der Humanist, Bibliothekar und Antiquar Fulvio Orsini.

Der Großteil der Gegenstände befand sich im Palazzo Farnese; zahlreiche weitere, die für weniger bedeutend gehalten wurden, waren jedoch auch in weiteren Residenzen der Familie aufbewahrt. Dies waren die Villa Farnese in Caprarola, der Herzogspalast in Colorno sowie die Villa Madama, die Villa Farnesina und die Farnesinischen Gärten in Rom.

Paul III. richtete 1545 für seinen illegitimen Sohn Pier Luigi Farnese das Herzogtum Parma ein. Die Mitglieder der von Pier Luigi begründeten Linie der Herzöge von Parma sammelten ebenfalls zahlreiche Kunstschätze an. Dafür konfiszierten sie unter anderem auch die Besitzstücke der Adeligen, die an der Rebellion von 1611 beteiligt gewesen waren.

Weitere Geschichte[Bearbeiten]

Als das Geschlecht mit dem Tod Antonio Farneses im Jahr 1731 ausstarb, wurde die Sammlung verstreut. Ein Teil gelangte an den spanischen König Philipp V. aus dem Hause der Bourbonen, da dessen Ehefrau Elisabetta Farnese (1692–1766) Antonios Nichte und damit Erbin war. Ihr ältester Sohn Karl (1716–1788), der später (ab 1759) als Karl III. ebenfalls König von Spanien wurde, regierte von 1734 bis 1739 als König von Neapel und Sizilien. Auf diesem Wege gelangten die Kunstwerke nach Neapel. Karls dritter Sohn Ferdinand folgte ihm im italienischen Reich nach und erreichte nach längeren Kontroversen 1786/7[1] von Papst Pius VI., dass auch die in Rom verbliebenen Kunstgegenstände der Farnese in den Palazzo Reale nach Neapel verbracht werden konnten. Verantwortlich für die Abwicklung des Transports waren der Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert sowie der Marchese Domenico Venuti, von denen letzterer die Sammlung 1786 inventarisierte. Dies war zuletzt in den Jahren 1767 und 1775 geschehen.

1826 gelangten die Farnesischen Sammlungen an das Museo Archeologico Nazionale (Archäologische Nationalmuseum Neapel), das 1787 gegründet worden war und in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche, vormals private Kunstsammlungen zum Grundstock seiner Bestände machte.

Der Farnesische Herkules

Berühmte Kunstwerke der Sammlungen[Bearbeiten]

Zu den wichtigsten Stücken der Farnesischen Sammlungen gehören römische Kopien griechischer Kunstwerke, vor allem

Weitere Bestandteile der Sammlung sind Kunstwerke der Renaissance, unter anderem von Tizian, Raffael, Michelangelo und El Greco sowie von Guglielmo della Porta, dem Hofmaler der Farnese, der auch den Farnesischen Herkules ergänzte, Andrea Mantegna und Sebastiano del Piombo. Der Miniaturenmaler Giulio Clovio vermachte Alessandro Farnese dem Jüngeren vor seinem Tod im Jahr 1577 401 Zeichnungen, womit sich der Bestand an Blättern in der Sammlung mehr als verdoppelte - im Jahre 1588 stammten lediglich 257 Blätter nicht von Clovio, sondern von mindestens 17 verschiedenen anderen Künstlern.[2] Später wurden jedoch zahlreiche von Clovio stammende Zeichnungen berühmteren Malern wie beispielsweise Michelangelo zugeschrieben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Le collezioni del Museo Nazionale di Napoli, 2: La scultura greco-romana, le sculture antiche della collezione farnese, le collezioni monetali, le oreficerie, la collezione glittica. De Luca, Rom 1989, ISBN 88-7813-214-4.
  • the national archaeological museum of naples. guide. Reprint der Ausgabe 2009, Electa, Neapel 2011, ISBN 978-88-510-0590-0, S. 1.
  • Carlo Gasparri (Hrsg.): La collezione Farnese. Electa, Neapel 2009.
  • Steffi Oehmke: Entwaffnende Liebe. Zur Ikonologie von Herakles/Omphale-Bildern anhand der Gruppe Neapel-Kopenhagen. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 2000. Walter de Gruyter, Berlin 2001, S. 147–198, bes, S. 150 f. (teilweise online bei Google Books)
  • Christina Riebesell: Die Sammlung des Kardinal Alessandro Farnese. Ein "studio" für Künstler und Gelehrte. In: Acta humaniora. Weinheim 1989.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steffi Oehmke (Entwaffnende Liebe. Zur Ikonologie von Herakles/Omphale-Bildern anhand der Gruppe Neapel-Kopenhagen. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 2000. Walter de Gruyter, Berlin 2001, S. 150.) gibt 1786 an, der Führer des Archäologischen Museums Neapel (Ausgabe 2011, S. 18.) nennt 1787 als Jahr der Erlaubnis.
  2. Alexander Perrig: Cellini als Zeichner oder: Die Wiederkehr seiner in Paris hinterlassenen Blätter. In: Alessandro Nova, Anna Schreurs: Benvenuto Cellini. Kunst und Kunsttheorie im 16. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Weimar 2003, S. 130 (online bei Google Books).