Faserzement

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Dach mit älterer Asbestfaserzement-Deckung
Haus mit Faserzement-Fassadenverkleidung in Norwegen
Dach mit Wellplatten

Faserzement ist ein beständiger Verbundwerkstoff aus Zement und zugfesten Fasern, der für Bau- und Konstruktionsprodukte verwendet wird. Er wird größtenteils unter dem Markennamen Eternit hergestellt und vertrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Faserarmierte Zementprodukte wurden Ende des 19. Jahrhunderts durch den Österreicher Ludwig Hatschek entwickelt, der 90 % Zement und 10 % Asbestfasern mit Wasser mischte und das Produkt durch eine Papiermaschine führte. Hatschek patentierte den Produktionsprozess und registrierte das Warenzeichen Eternit. Früher wurde als Faser hauptsächlich Asbest verwendet. Faserzement wurde wegen seiner niedrigen Kosten, Feuerbeständigkeit, des geringen Gewichts und anderer Eigenschaften häufig zur Fassadenverkleidung eingesetzt. Von den 1960er bis in die 1980er Jahre waren Faserzementplatten ein bevorzugtes Baumaterial, um Fachwerkhäusern ein vermeintlich moderneres Äußeres zu geben.

Die gesundheitsschädlichen, weil lungengängigen Asbestfasern können aber bei der Verarbeitung und bei der Zersetzung alternder Materialien freigesetzt werden. Die Verarbeitung von Asbest wurde Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts in Europa, Japan, Saudi-Arabien, großen Teilen Lateinamerikas, Malaysia, Neuseeland, Australien und Vietnam untersagt. Im Faserzement wurde Asbest in diesen Ländern durch andere Fasern, z. B. Glas-, Kohlenstoff- oder Polyvinylalkoholfasern ersetzt.

Materialbeschreibung[Bearbeiten]

Zement ist eine Substanz, die mit Wasser chemisch reagiert und sich zu einem harten Material entwickelt (Beton). Faserzement enthält eine Faserarmierung, welche die Biege-, Zug- und Bruchfestigkeit des Materials verbessert. Faserzement besteht nach einer Erhärtungszeit von 28 Tagen volumenmäßig aus rund:[1]

  • 40 % Bindemittel
  • 11 % Zusatzstoffe
  • 2 % Armierungsfasern
  • 5 % Prozessfasern
  • 12 % Wasser
  • 30 % Luft

Eigenschaften[Bearbeiten]

Faserzement ist langlebig, nicht brennbar, hagelsicher und weist ein verhältnismäßig geringes Gewicht auf. Die Herstellung hat einen geringen Energiebedarf, was ihm eine gute CO2-Bilanz einbringt.

Anwendungen[Bearbeiten]

Der Werkstoff wird für eine Vielzahl von Produkten und Anwendungen verwendet. Beispiele sind: Konstruktionsprodukte für den Innenausbau, Fassadenverkleidungen, Dachdeckungen (z. B. Wellplatten), Wasserrohre, Blumenkisten und Gartenmöbel.[2] In den 1960er Jahren wurden ganze Häuser aus Faserzement Materialien hergestellt.

Verwendung[Bearbeiten]

Innen:

  • Nassraum
  • Feuerschutz
  • Leichtgewichttrennwandkonstruktionen

Außen:

  • Fassadenverkleidung
  • Dachtraufen
  • Dacheindeckung
  • Unterdach

Faserzementprodukte werden in allen Bausektoren verwendet: Wohnungsbau, Industrie, Landwirtschaft, Gewerbegebäude und öffentliche Gebäude – für Neubauten als auch für Renovierungsprojekte.

Hersteller[Bearbeiten]

Eine Liste der wichtigsten Hersteller von Faserzement, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

  • AMROC Baustoffe GmbH (Zementgebundene Holzspanplatten)
  • Cembrit
  • Etex Group (Belgische Holdinggesellschaft von Jean-Louis de Cartier de Marchienne)
  • Eternit AG (Deutscher Eternit-Lizenznehmer, Unternehmen der Etex Group)
  • FibreCem Holding AG (Schweizer Zementkomposit Holding von Bernhard Alpstaeg, Teil der Swisspor Gruppe)
  • Eternit (Schweiz) AG (Schweizer Eternit-Lizenznehmer, Lead in FibreCem Holding AG, Swisspor Gruppe)
  • Eternit-Werke Ludwig Hatschek AG (Österreichischer Eternit-Lizenzgeber, Teil der FibreCem Holding AG, Swisspor Gruppe)
  • ESAL d.o.o. (Slowenischer Eternit-Lizenznehmer, Teil der FibreCem Holding AG, Swisspor Gruppe)
  • ESAL d.o.o. Beograd (Vertriebstochter von ESAL d.o.o. in Serbien)
  • ESAL Hungária kft (Vertriebstochter von ESAL d.o.o. in Ungarn)
  • FibreCem Deutschland GmbH (Teil der FibreCem Holding AG, Swisspor Gruppe)
  • Promonord AS (Vertriebstochter der FibreCem Holding AG in Schweden)
  • Swisspearl Norge AS (Vertriebstochter der FibreCem Holding AG in Norwegen)
  • Swisspearl Italia Srl (Vertriebstochter der FibreCem Holding AG in Italien)

Faserzement und Asbest[Bearbeiten]

Faserzement wurde lange Zeit mit gesundheitsschädlichem Asbest hergestellt, was ihm weltweit einen schlechten Ruf eingebracht hat. Die Verwendung von Asbest wurde verboten. Unter der Federführung von Stephan Schmidheiny wurde bei der Eternit (Schweiz) AG als erste Firma auf die Verwendung von Asbest verzichtet, noch bevor ein offizielles Verbot erlassen wurde.

„Eternit-Prozess“ in Italien[Bearbeiten]

Von 2009 bis 2012 wurde in Turin der sogenannte „Eternit-Prozess“ verhandelt. Angeklagt waren zwei Unternehmer, der Schweizer Stephan Schmidheiny und der belgische Baron Jean-Louis de Cartier de Marchienne. Beide wurden im Februar 2012, in Abwesenheit, zu je 16 Jahren Haft verurteilt. Sie wurden für schuldig befunden, für eine Umweltkatastrophe und den Asbesttod von rund 3000 Menschen mitverantwortlich zu sein, weil sie in der Fabrik Eternit S.p.A. in Casale Monferrato im Zeitraum 1966 bis 1986 Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen und Informationen über die Gesundheitsgefahren durch Asbest unterdrückt haben.[3][4][5] Stephan Schmidheiny ließ darauf hin durch seinen Sprecher Peter Schürmann in einer Medienmitteilung ankündigen, das Urteil anzufechten und an die nächsthöhere Instanz weiterzuziehen.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Faserzement – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werkstoff Faserzement. Eternit (Schweiz) AG, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  2. Produkte + Lösungen. Eternit (Schweiz) AG, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  3. Asbest-Prozess in Italien – "Nun sind alle krank", Der Spiegel, 10. Dezember 2009
  4. Schmidheiny fürchtet unausgewogenes Verfahren – Nebenkläger bei Prozess um Asbestopfer in Turin zugelassen, NZZ, 1. März 2010
  5. Je 16 Jahre Haft für Schmidheiny und de Cartier, nachrichten.ch, 13. Februar 2012
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format16 Jahre Gefängnis: Schmidheiny zieht Urteil weiter. Handelszeitung, 13.02.2012, abgerufen am 25. Dezember 2013.