Fatih Çevikkollu

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Fatih Çevikkollu, 2011

Fatih Çevikkollu (* 6. November 1972 in Köln) ist ein deutscher Theater-, Film- und Fernsehschauspieler, Komiker und Kabarettist. Für sein erstes Soloprogramm Fatihland wurde er 2006 mit dem Prix Pantheon Jurypreis ausgezeichnet.

Schauspieler[Bearbeiten]

Fatih Çevikkollu arbeitete zunächst als Schauspieler beim D.a.S. Theater. Später studierte er an der Hochschule Ernst Busch in Berlin und ging dann ans Düsseldorfer Schauspielhaus.[1] Seit 2005 präsentiert er in Köln den Stand-Up-Comedy Club No Maganda Club.[2] Im Fernsehen spielte der die Rolle des Murat in Alles Atze, aber auch im Kino – zum Beispiel 2002 in Tattoo – war der Schauspieler zu sehen.

Kleinkünstler[Bearbeiten]

Sein erstes eigenes Kleinkunstprogramm Fatihland, in dem der Künstler ironisch und humorvoll Themen aus dem Blickwinkel einer interkulturellen Identität aufbereitet, ist eine Mischung aus Stand-up-Comedy, Kabarett, Rap, Hip-Hop und Lyrik. In der Karnevalssession 2008/09 ist er als der erste Büttenredner mit türkischen Wurzeln beim Kölner Karneval im Kölner Tanzbrunnen aufgetreten.

Die Jury des Kleinkunstpreises Prix Pantheon sah 2006 in dem von Çevikkollu verfassten Genre-Mix den Beweis dafür, „dass gutes Kabarett durchaus sinnstiftend sein kann“, und zeichnete den sich selbst als „Comedian“ sehenden Satiriker mit dem Jurypreis aus. In der Laudatio hieß es unter anderem: Fatih Çevikkollu vollführt seine immer hintergründige und zielsichere Kritik an Politik und Gesellschaft mal nachdenklich, mal bissig, aber immer so, dass seine Sicht der Dinge die Zuschauer nicht nur zum Lachen bringt, sie wirkt auch in deren Köpfen weit über den Abend hinaus.

Schriftsteller und Buchautor[Bearbeiten]

2008 veröffentlichte Fatih Çevikkollu zusammen mit Sheila Mysorekar sein erstes Buch Der Moslem-TÜV, in dem Sheila Mysorekar und er laut Hamburger Abendblatt „bissig die deutsche ‚Lust am Recht auf Empörung‘ überzeichnet“. Mit Nach Hause veröffentlichte Çevikkollu auch eine Kurzgeschichte in der deutsch-türkischen Anthologie Was lebst Du? (2005).

Mit Der Integrator beschreibt Fatih Çevikkollu 2007 in einem satirischen Beitrag zu dem Sammelband re/visionen. Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland. seine „Desintegrationserfahrungen“.[3] In dieser autobiographisch angelegen Satire schildert Çevikkollu seine durch Helmut Kohls ‚Fernsehen-Genuschel‘ über Integration provozierten Erfolge, den „Moslem-TÜV“ zu bestehen: „Ich zerlegte Deutschland in 0,7 Sekunden souverän in Mittelgebirge, wusste sofort, wer Caspar David Friedrich ist – ich hatte ja alle seine Platten im Original (Schellack) – und ließ mir den Artikel 1 des Grundgesetzes in Fraktur auf den Unterarm tätowieren. So erscheint der starke Arm des Gesetzes in ganz neuem Licht.“[4] Danach gab es aus seinem Deutschsein kein Zurück, er war ja der Integrator. Bei einem Besuch bei seiner in die Türkei zurückgekehrten Mutter jedoch entdeckt er, dass ihn die Lust der Deutschen, sich zu empören, auch in der Türkei nicht loslässt. Beim Einkauf in einem Carrefour konfrontiert ihn das Personal bei seinem verzweifelten Versuch, den Geschäftsführer zu sprechen, mit der Feststellung: „Was macht denn der Deutsche hier?!“ – Çevikkollu resigniert: „Das war aus mir geworden, aus meinem unschuldigen Wünschen, mitspielen zu wollen. Ich spürte das schwere Atmen Helmut Kohls im Nacken und erkannte zu spät: Es war die dunkle Seite der Macht.“[5]

Hörspiele und Feature[Bearbeiten]

Preise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fatih Çevikkollu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Presseinformation 2013 Seite 2. Website von Fatih Çevikkollu. Abgerufen am 6. April 2014.
  2. Unrast Personenverzeichnis
  3. Kien Nghi Ha, Nicola Lauré al-Samarai, Sheila Mysorekar in re/visionen. Seite 16.
  4. re/visionen. Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland. Seite 129
  5. re/visionen. Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland. Seite 131