Fatima Mernissi

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Fatima Mernissi (* 1940 in Fès; auch Fatema Mernissi) ist eine marokkanische Soziologin und feministische Buchautorin.

Leben[Bearbeiten]

Mernissi wuchs in einem Harem auf und studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Sorbonne in Paris, danach promovierte sie an der Brandeis University, USA. Derzeit lehrt sie Soziologie an der Mohammed-V.-Universität.

Sie ist Autorin zahlreicher Bücher; ihr Arbeitsgebiet ist die Rolle der Frau im Islam. In ihrer soziologischen Arbeit Geschlecht, Ideologie, Islam beschreibt sie den Einfluss des Islams auf die Stellung der Frau in der arabischen Welt: Im Vergleich zum Umgang mit Sexualität im Westen (den sie am Beispiel von Sigmund Freud darstellt) hätte der Islam einen ganz anderen Weg eingeschlagen: „Er bekämpft nicht die Sexualität, sondern die Frau.“ (S. 29) Kern des Geschlechterverhältnisses im Islam sei die „Angst vor der Selbstbestimmung der Frau“ (S. 43). Die Botschaft des Islams gehe davon aus, dass die „Menschheit nur aus Männern besteht“, was man unter anderem an seinen Sexualvorschriften erkennen könne (S. 31).

Um sich frei ausdrücken zu können, schreibt Mernissi hauptsächlich auf Französisch und Englisch und möchte auch nicht mehr in Marokko publizieren.[1]

Im Jahr 2003 wurde Mernissi zusammen mit Susan Sontag mit dem renommierten Literaturpreis des Prinzen von Asturien ausgezeichnet. 2004 wurde Fatima Mernissi mit dem Erasmuspreis der niederländischen Stiftung Praemium Erasmianum geehrt.[2]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • 1975: Beyond the Veil: Male-Female Dynamics in Modern Muslim Society (dt. 1991: Geschlecht, Ideologie, Islam)
  • 1983: Le Maroc raconté par ses femmes.
    • deutsch: Der Harem ist nicht die Welt – 11 Berichte aus dem Leben marokkanischer Frauen. Luchterhand Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-630-61789-1.
  • 1984: L’amour dans les pays musulmans
  • 1985: Femmes du Gharb
  • 1987: Le harem politique – Le Prophète et les femmes (dt. 1989: Der politische Harem – Mohammed und die Frauen; engl. 1991: The Veil and the Male Elite – A Feminist Interpretation of Women’s Rights in Islam)
  • 1988: Shahrazad n’est pas marocaine
  • 1990: Sultanes oubliées – Femmes chefs d’Etat en Islam(dt. 1991: Die Sultanin – Die Macht der Frauen in der Welt des Islam; neuer Titel: Herrscherinnen unter dem Islam – Die verdrängte Macht der Frauen im Islam; engl. 1993: Forgotten Queens of Islam)
  • 1992: La Peur-Modernité
  • 1993: Women’s Rebellion and Islamic Memory
  • 1994: The Harem Within (neuer Titel: Dreams of Trespass – Tales of a Harem Girlhood, dt. 1994: Der Harem in uns – Die Furcht vor dem anderen und die Sehnsucht der Frauen)
  • 1997: Les Aït-Débrouille
  • 1998: Etes-vous vacciné contre le Harem?
  • 2001: Scheherazade Goes West – Western Fantasies, Eastern Realities (dt. 2000: Harem: westliche Phantasien östliche Wirklichkeit)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jutta Szostak/Suleman Taufiq: Der wahre Schleier ist das Schweigen. Arabische Autorinnen melden sich zu Wort. Fischer, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12422-0 (Seite 29).
  2. Offizielle Webseite der Stiftung Praemium Erasmianum (engl.)