Fatou Bensouda

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Fatou Bom Bensouda (2008)

Fatou Bom Bensouda (* 31. Januar 1961 in Bathurst heute Banjul) ist eine gambische Juristin und seit dem 15. Juni 2012 Chefanklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Zuvor war Bensouda stellvertretende Anklägerin beim IStGH, von 1998 bis 2000 war sie Justizministerin in Gambia.

Studium, Juristin und Ministerin in Gambia[Bearbeiten]

Fatou Bensouda wurde 1961 in Bathurst als Tochter eines Beamten geboren. Ihr Vater starb an Diabetes, als sie noch ein junges Mädchen war. Nach dem Besuch der Grund- und Oberschule ermöglichte ihr ein Regierungsstipendium die Aufnahme eines Studiums an der University of Ife (heute: Obafemi Awolowo University - OAU) in Ile-Ife, Nigeria.[1][2] Nach ihrem Abschluss an der OAU ging sie zur Nigerian Law School in Bwari (in der Nähe von Abuja)[3] und von dort weiter zum International Maritime Law Institute der IMO (International Maritime Organization), einer Institution der UNO auf Malta.[4] Dieses Aufbaustudium schloss sie mit einer Dissertation zum Thema The 1986 United Nations Convention on Conditions for Registration of Ships: An Endorsement of the Open Registry Concept? ab.[5] Mit ihren Kenntnissen war sie Gambias erste Expertin für internationales Seerecht. Nach Abschluss ihrer Studien begann sie 1987 ihre Laufbahn als Staatsanwältin und Oberstaatsanwältin im Justizdienst ihres Heimatlandes.

1993 erfolgte die Berufung Bensoudas zur Stellvertretenden Direktorin für öffentliche Anklagen im Amt des Generalstaatsanwaltes von Gambia. 1996 wurde sie dort Generalanwältin und Sekretärin für Rechtsangelegenheiten. Bereits 1998 erfolgte ihre Ernennung zum Attorney General (teilweise vergleichbar mit einer Generalstaatsanwältin) und Justizministerin. Schon während dieser Tätigkeiten nahm sie immer wieder an internationalen Tagungen zu unterschiedlichen Rechtsthemen teil.

Im März 2000 verließ Bensouda den juristischen Staatsdienst und ließ sich als Rechtsanwältin in Banjul nieder. Seit Januar 2002 war sie dann als Geschäftsführerin der Internationalen Handels- und Industriebank in Gambia tätig.

Internationaler Strafgerichtshof für Ruanda und Internationaler Strafgerichtshof[Bearbeiten]

Diese Tätigkeit beendete sie jedoch schon nach vier Monaten im Mai 2002, als sie Rechtsberaterin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda (ICTR) wurde. Dieses Amt übte sie bis zu ihrer Berufung zur stellvertretenden Anklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) im November 2004 aus. In dieses Amt wurde sie mit 58 von 78 Stimmen gewählt und setzte sich damit gegen zwei Gegenkandidaten durch. Bensouda war somit neben dem für Ermittlungen zuständigen Ankläger Serge Brammertz weitere Vertreterin des Chefanklägers Luis Moreno Ocampo. Der Gerichtshof ist insbesondere mit dem Verfahren zu den „Kindersoldaten“ und der Anklage des dafür verantwortlichen Thomas Lubanga im Kongo beschäftigt.[6]

Im November 2011 wurde bekannt, dass sich die Unterzeichnerstaaten des Römischen Statuts auf die Nominierung von Bensouda als nächste Chefanklägerin des IStGH einigten. Ihre Ernennung wurde am 1. Dezember eingereicht.[7] Am 12. Dezember wurde Bensouda ohne Gegenkandidaten in das Amt gewählt.[8]

Hintergrundliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arnold Hughes, David Perf: Historical dictionary of the Gambia (= Historical dictionaries of Africa. Bd. 109). 4th edition. Scarecrow Press, Lanham MD 2008, ISBN 0-8108-5825-8
  2. International Bar Association 2. Dezember 2011: International Criminal Court: the next chief prosecutor? Fatou Bensouda
  3. Nigerian Law School – Lagos Campus - Homepage
  4. IMO-Homepage
  5. IMO – International Maritime Law Institute: Fatou Bensouda
  6. Erstmals Verfahren zu Kindersoldaten (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung tagesschau.de vom 9. November 2006
  7. Nächste Chefanklägerin am ICC kommt aus Gambia. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. Dezember 2011, abgerufen am 1. Dezember 2011 (deutsch).
  8. http://www.tagesschau.de/ausland/bensouda102.html Meldung der Tagesschau vom 12. Dezember 2011.
Vorgänger Amt Nachfolger
Hawa Sisay-Sabally Attorney General und Justizminister von Gambia
1998–2000
Pap Cheyassin Secka
Luis Moreno Ocampo Chefanklägerin beim
Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag

ab dem 15. Juni 2012