Fay Bainter

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Fay Bainter im Jahr 1918, porträtiert von Robert Henri

Fay Okell Bainter (* 7. Dezember 1891 in Los Angeles, Kalifornien; † 16. April 1968 ebenda) war eine US-amerikanische Schauspielerin. Neben einer erfolgreichen Bühnenkarriere trat sie in über 60 Film- und Fernsehproduktionen in Erscheinung, vorwiegend Dramen. Für ihre Nebenrolle in William Wylers Spielfilm Jezebel – Die boshafte Lady (1938) wurde sie mit dem Oscar ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten]

Fay Bainter wurde 1891 als Fay Okell Bainter in Los Angeles geboren. Ihre Eltern waren Charles Bainter, ein Erfinder, und dessen Ehefrau Mary (Geburtsname: Okell).[1] Sie wurde von ihrer Mutter an die Schauspielerei herangeführt und war bereits im Alter von sechs Jahren (andere Quellen berichten von vier Jahren) auf der Bühne von Wandertheatern in ihrer Heimatstadt zu sehen. Von 1904 bis 1907 besuchte Bainter das Girl Collegiate Institute und wurde, nach langjähriger Arbeit im Wandertheater, im Alter von 19 Jahren Mitglied im Theaterensemble des bekannten Impresarios David Belasco.

Ihr Debüt am New Yorker Broadway absolvierte sie 1912 in The Rose of Panama, die nur vierundzwanzig Mal aufgeführt wurde. Bainter konnte sich in den folgenden Jahren als Theaterdarstellerin etablieren und wurde oft in den Rollen der Unschuldig-Naiven bzw. der Romantikerin besetzt. Nach Auftritten in fünfundzwanzig Broadway-Stücken, zuletzt in Dodsworth, das es von August 1934 bis Januar 1935 auf 168 Aufführungen brachte, wechselte Fay Bainter zum Film. Ihr Kinodebüt gab sie 1934 im Alter von 41 Jahren in William K. Howards Drama This Side of Heaven, an der Seite Lionel Barrymores. Nach Nebenrollen in George StevensQuality Street neben Katharine Hepburn und in Leo McCareys Make Way For Tomorrow (beide 1937) schrieb Bainter 1939 Filmgeschichte, als sie als erste Schauspielerin für die Dramen White Banners und Jezebel – Die boshafte Lady jeweils Nominierungen in zwei unterschiedlichen Darstellerkategorien (Beste Hauptdarstellerin und Beste Nebendarstellerin) erhielt. Bei der Oscarverleihung am 23. Februar 1939 musste sich die Schauspielerin in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin Bette Davis in Jezebel geschlagen geben. Sie gewann jedoch für ihren Auftritt in dem Film den Preis für die beste weibliche Nebenrolle.

Nach den großen Erfolgen ihrer fünften bzw. sechsten Filmrolle drehte Fay Bainter mit Frank Borzage, Michael Curtiz, Clarence Brown und Jean Negulesco, war aber auf Nebenrollen in mütterlichen Figuren als Ehefrau, Freundin oder Tante beschränkt („Es gibt nicht genügend Rollen, um für eine Frau meines Typs Ruhm zu begründen.“[1]). So unter anderem als Mickey Rooneys Mutter in Der junge Edison (1940), in Die Frau, von der man spricht (1942) mit Katharine Hepburn und Spencer Tracy in den Hauptrollen und Das Doppelleben des Herrn Mitty. Während des Zweiten Weltkriegs trat Bainter als Unterhaltungskünstlerin in Krankenhäusern auf und spielte 1944 eine ihrer wenigen boshaften Rollen in André De Toths Film noir Dark Waters mit Merle Oberon.

Bis in die frühen 1950er Jahre konzentrierte sich Fay Bainter, von sporadischen Ausflügen ins Theater abgesehen, auf ihre Filmkarriere, ehe sie sich verstärkt dem Fernsehen widmete. Ein großer Kritikererfolg war 1958 Bainters Part als morphiumsüchtige Ehefrau und Mutter in Eugene O'Neills Theaterstück Eines langen Tages Reise in die Nacht, in dem sie mit der National Company auf Tournee ging. 1961 gelang der Schauspielerin mit Infam die Rückkehr auf die Kinoleinwand. Für ihren Auftritt in der Verfilmung von Lillian Hellmans Theaterstück The Children's Hour wurde Bainter erneut für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert, nachdem sie den Part der Amelia Tilford Jahre zuvor auf der Theaterbühne verkörpert hatte. Ihren letzten Theaterauftritt absolvierte sie 1962 mit einer Aufführung von The Girls in 509 in Miami. In ihrer letzten Fernsehrolle spielte Bainter 1965 in der Episode Power of Attorney in The Alfred Hitchcock Hour neben Geraldine Fitzgerald.

Von 1921 bis zu seinem Tod war Fay Bainter mit Reginal S. Venable (1890–1964) verheiratet, einem ehemaligen Lieutenant Commander der United States Navy. Aus der Ehe entstammte der einzige Sohn, Richard Venable (1926–1974), der wie seine Mutter als Schauspieler arbeitete. Bainter lebte mit ihrer Familie in Los Angeles und Palm Springs und zählte das Kochen zu ihren Hobbys.[1] Sie verstarb nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren in ihrer Geburtsstadt an einer Lungenentzündung. Sie wurde auf dem Nationalfriedhof von Arlington neben ihrem Ehemann beigesetzt. An die Schauspielerin erinnert ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame (7021 Hollywood Boulevard).

Theaterstücke (Auswahl)[Bearbeiten]

Jahr Theaterstück Rolle Bühne
1911 Mrs. Bumpstead Leigh Violet de Salle Tournee
1912 The Rose of Panama Celine Marinter Daly’s (New York)
1913 The Bridal Path Alice Weston 39th Street Theatre (New York)
1916 Arms and the Girl Ruth Sherwood Fulton Theatre (New York)
1917 The Willow Tree Image / Mary Temple Cohan and Harris Theatre (New York)
1918 The Kiss Burglar Aline George M. Cohan’s Theatre (New York)
1918 East is West Ming Toy Astor Theatre (New York)
1922 The Lady Cristilinda Lady Cristilinda Broadhurst Theatre (New York)
1923 The Other Rose Rose Coe Morosco Theatre (New York)
1924/25 The Dream Girl Elspeth Ambassador Theatre (New York) / Tournee
1925 The Enemy Pauli Arndt Times Square Theatre (New York)
1925 The Two Orphans Louise Cosmopolitan Theatre (New York)
1926 First Love Maica Booth Theatre (New York)
1927 Pygmalion Galatea Actor’s Theatre (New York)
1927 Fallen Angels Julia Sterrol 49th Street Theatre (New York)
1928 She Stoops to Conquer Kate Hardcastle Erlanger’s Theatre (New York) / Tournee
1928 The Beaux’ Stratagem Mrs. Sullen Hampden’s Theatre (New York)
1928/29 Jealousy Valerie Maxine Elliott’ Theatre (New York) / Tournee
1930 Caprice Ilsa Von Ilsen Curran Theatre (San Francisco)
Mason Theatre (Los Angeles)
1930 Lysistrata Kalonika 44th Street Theatre (New York)
1931/32 The Admirable Crichton Lady Mary Lasenby New Amsterdam Theatre (New York) / Tournee
1931 The Way of the World Mrs. Millamant Guild Theatre (New York)
1932 The Man Who Changed His Name Mrs. Selby Clive Broadhurst Theatre (New York)
1932 The Perfect Marriage Louise Morel Bijou Theatre (New York)
1933 For Services Rendered Eva Ardsley Booth Theatre (New York)
1933 Uncle Tom’s Cabin Topsy Alvin Theatre (New York)
1933 Gay Divorce Mimi Apollo Theatre (Chicago)
1933 Move On, Sister Mrs. Bell Playhouse Theatre (New York)
1934 Dodsworth Fran Dodsworth Shubert Theatre (New York)
1935 The Lambent Flame Marcia Williams White Plains Theatre (New York)
1945 The Next Half-Hour Margaret Brennan Tournee / Empire Theatre (New York)
1947 The Skull Beneath Kitty McCracken Westport, Connecticut
1949 Gayden Grace Sibley Plymouth Theatre (New York)
1949 O Mistress Mine Olivia Brown Lakewood Theatre (Skowhegan)
1950 Nothing Serious / House on the Cliff Sarah Locust St. Theatre (Philadelphia)
1952 Swallow’s Nest Sophie Van Eyck Cape May Playhouse (Cape May) / Niagara Falls
1953 The Velvet Glove Mother Hildebrand Berkshire Playhouse (Stockbridge (Massachusetts))
1953 The Children’s Hour Mrs. Amelia Tilford Tournee
1954/55 Put Them All Together Mrs. Hall Tournee
1955,
1956/57
The Glass Menagerie Amanda Alley Theatre (Houston) / Tournee
1957/58 Long Day’s Journey Into Night Mary Cavan Tyrone Tournee
1958 Fever for Live Dorey Bigberry Westport Country Playhouse (Westport (Connecticut))
1959 Look Homeward, Angel Eliza Gant Tournee
1962 The Girls in 509 Aunt Hettie Sombrero Playhouse (Phoenix)
Coconut Grove Playhouse (Miami)

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Nelson, Elizabeth R.: Fay Bainter. In: American National Biography Online (aufgerufen am 1. März 2008)