Fehmarn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Fehmarn
Fehmarn
Deutschlandkarte, Position der Stadt Fehmarn hervorgehoben
54.47805555555611.1210Koordinaten: 54° 29′ N, 11° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Ostholstein
Höhe: 10 m ü. NHN
Fläche: 185,45 km²
Einwohner: 12.410 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km²
Postleitzahl: 23769
Vorwahlen: 04371 und 04372Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: OH
Gemeindeschlüssel: 01 0 55 046
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
23769 Fehmarn
Webpräsenz: www.stadtfehmarn.de
Bürgermeister: Otto-Uwe Schmiedt (parteilos)
Lage der Stadt Fehmarn im Kreis Ostholstein
Ahrensbök Altenkrempe Bad Schwartau Beschendorf Bosau Dahme (Holstein) Damlos Eutin Fehmarn Göhl Gremersdorf Grömitz Großenbrode Grube Harmsdorf Heiligenhafen Heringsdorf Kabelhorst Kasseedorf Kellenhusen Lensahn Malente Manhagen Neukirchen Neustadt in Holstein Oldenburg in Holstein Ratekau Riepsdorf Scharbeutz Schashagen Schönwalde am Bungsberg Sierksdorf Stockelsdorf Süsel Timmendorfer Strand Wangels Schleswig-HolsteinKarte
Über dieses Bild
Fehmarn; Blick aus Südosten in nordwestliche Richtung. Die Landzunge am linken Bildrand gehört zum Festland, an dieser schmalsten Stelle führt die Fehmarnsundbrücke auf die Insel. Rechts oben im Bild sind die dänischen Inseln zu erkennen; Luftbild 2007.

Fehmarn (dänisch Femern) ist eine deutsche Ostseeinsel und nach Rügen und Usedom die drittgrößte Insel Deutschlands. Sie liegt im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein. Am 1. Januar 2003 wurde die Stadt Fehmarn durch die Fusion aller damaligen Gemeinden der Insel gebildet. Hauptort und Verwaltungssitz ist Burg auf Fehmarn. Die Insel ist durch Landwirtschaft und Tourismus geprägt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Fehmarn ist 185 km² groß, verfügt über rund 78 km Küstenlinie und liegt zwischen Kieler Bucht und Mecklenburger Bucht in der Ostsee. Die Insel ist durch die Fehmarnsundbrücke mit der Halbinsel Wagrien verbunden. Auf Fehmarn befinden sich in Staberhuk der östlichste und in Marienleuchte der nordöstlichste Punkt Schleswig-Holsteins. Marienleuchte bildete zudem von 1949 bis 1990 den nordöstlichsten Punkt der Bundesrepublik und von 1952 bis 1973 der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) und ab 1958 auch der EWG.

Fehmarn besitzt einige unterschiedliche Küstenlandschaften: Die Nordküste zwischen der Markelsdorfer Huk und Puttgarden ist eine Dünenlandschaft mit Nehrungshaken und Strandseen. Die Ostküste ist steinig und besitzt eine Kliffküste.

Der Südstrand bei Burgtiefe und dem Wulfener Hals sind die südlichsten und weißesten Sandstrände der Insel. Hier ist der Strand flach und liegt auf Meereshöhe, ebenso der Strand im Westen. Die Insel liegt meist nur knapp über NN. Die höchste Erhebung ist der Hinrichsberg (27,2 m), diesem folgt der Wulfener Berg (26,5 m).

Der größte Ort der Insel mit rund 6000 Einwohnern ist die ehemalige Stadt Burg, weitere 8000 leben in den anderen 42 Ortschaften der Insel. Nach Burg sind Landkirchen, das einige Jahrzehnte lang selbst Stadtrecht genoss, und Petersdorf die bedeutendsten Orte der Insel.

Zudem liegen auf oder nahe Fehmarn mehrere kleine Inseln:

  • Warder (etwa zehn Hektar) in der Orther Reede
  • Kohlhoffinsel (etwa vier Hektar) im Burger Binnensee
  • mehrere kleinere Binnenseeinseln (bis etwa 1,5 ha) in der nördlichen Seeniederung und bei Wallnau

Fehmarn ist nach Lübeck flächenmäßig die zweitgrößte Stadt Schleswig-Holsteins.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Am 1. Januar 2003 fusionierten die Stadt Burg auf Fehmarn und die drei Landgemeinden der Insel. Diese drei Gemeinden Bannesdorf auf Fehmarn, Landkirchen auf Fehmarn und Westfehmarn waren bis dahin als Amt Fehmarn miteinander verbunden gewesen.[2][3] Seitdem bildet die gesamte Insel die Stadt Fehmarn.

Burg[Bearbeiten]

Heimatmuseum an der Nikolai-Kirche in Burg
St.-Jürgen-Kapelle in Burg

Burg auf Fehmarn ist mit etwa 6000 Einwohnern der größte Ort und gleichzeitig das Zentrum der Stadt Fehmarn. Den Mittelpunkt von Burg bildet die um 1230 erbaute Kirche St. Nikolai und der zu ihrem Fuße liegende alte Friedhof, der mit alten Linden umpflanzt ist. Die Hauptstraße Burgs ist die Breite Straße. Zahlreiche Geschäfte säumen ihre Seiten, die überwiegend in alten Backsteinhäusern untergebracht sind. Westlich der Breiten Straße liegt der kopfsteingepflasterte Marktplatz, auf dem jeden Mittwoch ein Markt stattfindet. Dort steht das 1901 erbaute Rathaus mit seiner roten Backsteinfassade und seinen trutzigen Türmchen. Sehenswert ist auch die ebenfalls aus Backsteinen erbaute gotische St.-Jürgen-Kapelle, die ursprünglich zu einem Siechenhaus gehörte. In den Gründerjahren entstanden unter dem damaligen Bürgermeister Lafrentz neue Villen-Straßenzüge, so im Südwesten der damaligen Stadt. 1905 wurde in Burg der Bahnhof der Inselbahn eingeweiht, dessen ehemaliges Empfangsgebäude heute ein Restaurant ist. Seit den 1960er Jahren führt Burg das Prädikat eines Heilbades.

Burgstaaken war der stadteigene Hafen der früheren Stadt, der im Laufe der Zeit versandete. 1886 wurde der Hafen wieder instand gesetzt, zusätzlich wurde das Hafenbecken vertieft. Heute ist Burgstaaken Anlegestelle für Yachten und Kutter. Burgstaaken bietet dem Besucher Restaurants und verschiedene Freizeitangebote. Ereignisreich für Besucher ist der Direktverkauf von frischem Fisch auf den Kuttern, sowie ein Besuch in der Fischergenossenschaft Fehmarn, häufig falsch als Fischereigenossenschaft bezeichnet.

Burgtiefe ist der Südstrand Fehmarns. Bis in die 1960er Jahre noch eine große Nehrung im Osten der Insel, wurde der Ausbau zum Heilbad begonnen. Hier hatte die Witwe Reinhard Heydrichs, Lina Heydrich, gelebt und ein Restaurant mit Ochsengrill betrieben. Heute steht hier das IFA Fehmarn Hotel & Ferien-Centrum mit seinen drei von weitem schon sichtbaren Hochhäusern auf der Nehrung. Der Strand ist kurabgabepflichtig und erhielt 2003 eine neue Strandpromenade. Dort finden sich die Bade- & Wellnesswelt FehMare, der Yachthafen Burgtiefe, mehrere Gastronomiebetriebe, einige Läden und verschiedene Freizeitangebote.

Dörfer[Bearbeiten]

Slawengründungen

Bannesdorf (Bauerndorf und Kirchort), Dänschendorf, Gahlendorf, Gammendorf-Siedendorf, Gollendorf, Hinrichsdorf, Klausdorf, Kopendorf, Lemkendorf, Meeschendorf, Puttgarden, Püttsee, Sahrensdorf, Schlagsdorf, Sulsdorf, Vitzdorf

Wüstungen

(Lage heute unbekannt)
Todaenthorp, Dargenthorp, Taessenmaersthorp, Villa Christiani, Rataemaersthorp, Utaesthorp

Kolonistendörfer

Im Zuge der Ostkolonisation vor 1230 (Waldemarsches Erdbuch) entstandene Bauerndörfer mit zweiseitiger, parallel gegenüberliegender Dorfplatzbebauung mit giebelseitiger, eng aneinander liegender Gebäudereihung. Kolonisten waren Holländer, Friesen, Westfalen und Holsteiner.

Albertsdorf, Altjellingsdorf, Avendorf, Blieschendorf, Bojendorf, Gammendorf-Hohendorf, Mummendorf, Niendorf, Ostermarkelsdorf, Petersdorf (Bauerndorf und Kirchort), Sartjendorf, Teschendorf, Todendorf, Vadersdorf, Wenkendorf, Westermarkelsdorf, Wulfen

Neugründungen des 14. Jahrhunderts

Neujellingsdorf (Flugplatz bzw. Sonderlandeplatz), Strukkamp

Hafensiedlungen

Nach 1329 entstandene Orte in unmittelbarer Lage am Meeresraum, mit richtungsloser Dorfanlage, Vorherrschaft nicht bäuerlicher Berufe und ohne Flur.

Lemkenhafen, Orth

Sonstige
  • Bisdorf, Presen und Staberdorf sind entweder Slawengründungen oder Kolonistendörfer.
  • Landkirchen ist ein Kirchort ohne eigene Flur und entstand um die 1234 erstmals erwähnte Kirche herum.
  • Altenteil, Fehmarnsund, Flügge (siehe unten Sonstiges), Gold, Katharinenhof, Marienleuchte, Neue Tiefe, Westerbergen

(spezielle Beschreibungen von Dörfern auf Fehmarn bei Horst Rohde[4])

Klima[Bearbeiten]

Die durchschnittliche Temperatur beträgt 8,3 °C, der durchschnittliche Niederschlag 571 mm. Laut deutschem Wetterdienst war Fehmarn 2008 die sonnenreichste Gegend in Deutschland.

Fehmarn
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
44
 
2
-2
 
 
30
 
2
-2
 
 
35
 
5
0
 
 
41
 
9
3
 
 
47
 
15
7
 
 
47
 
19
11
 
 
68
 
20
13
 
 
49
 
21
13
 
 
53
 
17
11
 
 
46
 
13
8
 
 
60
 
8
4
 
 
51
 
4
0
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Fehmarn
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,8 2,0 4,9 9,2 14,6 18,9 20,3 20,6 17,4 12,7 7,5 3,8 Ø 11,2
Min. Temperatur (°C) -1,6 -1,7 0,3 3,0 7,2 11,3 13,4 13,4 11,1 7,6 3,7 0,3 Ø 5,7
Niederschlag (mm) 43,7 29,9 35,3 40,9 46,6 47,3 68,3 49,3 52,5 45,5 60,4 51,4 Σ 571,1
Sonnenstunden (h/d) 1,4 2,4 3,5 5,9 7,7 8,8 7,8 7,6 5,4 3,5 1,9 1,3 Ø 4,8
Regentage (d) 10 8 9 9 9 9 9 9 9 9 11 10 Σ 111
Wassertemperatur (°C) 3 2 2 5 9 13 17 18 15 12 9 5 Ø 9,2
Luftfeuchtigkeit (%) 90 88 87 84 82 80 81 81 82 86 87 89 Ø 84,7
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,8
-1,6
2,0
-1,7
4,9
0,3
9,2
3,0
14,6
7,2
18,9
11,3
20,3
13,4
20,6
13,4
17,4
11,1
12,7
7,6
7,5
3,7
3,8
0,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
43,7
29,9
35,3
40,9
46,6
47,3
68,3
49,3
52,5
45,5
60,4
51,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Natur[Bearbeiten]

Küstenstrand im Süden Fehmarns
Schwäne auf Fehmarn

Einige Säugetiere sind auf Fehmarn nicht zu finden: Dachs, Eichhörnchen und bis vor wenigen Jahren der Maulwurf, ebenso gibt es keine Schlangen.[5] Auf Fehmarn liegt das Wasservogelreservat Wallnau. Ein rund 300 Hektar großes Areal an der Westküste der Ostseeinsel wurde ab 1975 als Brut- und Schutzstätte für Zugvögel eingerichtet. Ein Kanalsystem ermöglicht durch regelbare Wasserstände in Wiesen, Gräben und Teichen die Schaffung optimaler Brutbedingungen für über 80 Vogelarten. Das Wasservogelreservat empfängt ganzjährig Besucher und bietet neben einem Informationszentrum mit einer Ausstellung zum Thema Vogelzug auch Beobachtungshütten und einen Naturlehrpfad mit Führungen an.

Hier mündet auch die Kopendorfer Au, einziger „Fluss“ der Insel.

Naturschutzgebiete auf Fehmarn[Bearbeiten]

Fehmarn hat folgende Naturschutzgebiete:

Das FFH-Schutzgebiet Fehmarnbelt ist ein bei Fehmarn liegendes Wasserschutzgebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlungsspuren auf Fehmarn datieren aus der Zeit um 5000 v. Chr., als einige Fischer, vermutlich die Nachfolger von Rentierjägern, auf der Insel lebten, die damals noch mit dem Festland verbunden war. Etwa 2000 Jahre später entstanden die ersten Ansiedlungen von Ackerbauern. Vor rund 4300 Jahren wurde die Insel vom Festland abgetrennt.

In den Jahren von 400 bis 900 n. Chr. kam es zur Besiedlung durch Slawen (Wagrier).

Erste Erwähnung[Bearbeiten]

Die erste schriftliche Erwähnung der Insel datiert aus der Zeit um 960, benannt wurde Fehmarn damals als „fe mer“ (slawisch für „im Meer gelegen“). Dies ist auch der Ursprung des heutigen Namens. Im Jahr 1022 wurde die Insel dem Bistum Odense auf Fünen unterstellt. 1137 fielen slawische Stämme Wagriens in Altholstein ein, woraufhin im Winter 1138 ein Reiterheer von Stormarnern und Holsten unter Graf Heinrich von Badewide in Wagrien einfiel, was die Eingliederung der bis dahin slawischen Gebiete in die Grafschaft Holstein zur Folge hatte. Ab 1143 begann eine planmäßige norddeutsche Kolonialisierung des weitgehend menschenleeren Teils des heutigen Ostholsteins, bis zu dem in dieser Zeit noch stark wasserführenden Oldenburger Graben. Das östliche Wagrien (Oldenburger Land) und Fehmarn waren aufgrund ihrer Insellage zunächst noch mehrere Jahrzehnte lang uneinnehmbar. Fehmarn blieb etliche Jahrzehnte ein weitgehend selbständiges slawisches Autonomiegebiet unter Fürst Pribislaw und war dem dänischen König tributpflichtig (die Festland-Gebiete des slawischen Fürstentums waren dem holsteinischen Grafen tributpflichtig).

Ab etwa 1170 begannen Einwanderungen von Siedlerfamilien aus Holstein, Dithmarschen, Friesland und Niedersachsen in Fehmarn, die slawische Bevölkerung wurde zunehmend in feuchtgründige Randgebiete der Insel abgedrängt (die Dörfer Puttgarden, Dänschendorf, Gammendorf und Schlagsdorf haben noch heute zwei erkennbare Ortsteile). Die slawische Bevölkerung Fehmarns ging in den folgenden Jahrzehnten langsam in der Einwandererbevölkerung auf und nahm deren Sprache an.

Die erste Erwähnung eines Gotteshauses bei Puttgarden erfolgte im Jahre 1198. Um 1230 wurden dann die Kirchen in Bannesdorf, Burg, Landkirchen und Petersdorf erbaut.

Unter Schleswiger und Holsteiner Herrschaft[Bearbeiten]

Die zum Herzogtum Schleswig gehörige Insel wurde 1326 dänisches Lehen der Grafen von Holstein.

Als am 28. Juni 1420 König Erich der Pommer mit 700 Schiffen und 3000 Söldnern vor der fehmarnschen Westküste aufkreuzte, konnte er mit Hilfe Lübscher „Bombardis“ unter erheblichen Verlusten abgeschlagen werden. Nach der Verspottung durch die Fehmaraner mit den Worten „Wenn de Koh kann Siede spinnen, sall König Erich unser Land gewinnen“ (etwa: „Erst wenn die Kuh anfängt, Seide zu spinnen, kann es dem König Erich gelingen, unser Land zu gewinnen“) gelang diesem jedoch am 1. Juli 1420 bei der Fährschanze am Sunde der Landgang. Der gebürtige Fehmaraner und Prorektor der Kieler Universität, Doktor Christian Kortholt, gab 1695 die Zahl der Toten dieser Schlacht mit 4000 an (1500 Dänen/Schweden und 2500 Insulaner). Schon vier Jahre später gelang jedoch die Rückeroberung durch die Holsteiner, und Graf Adolf VIII. förderte eine Neubesiedlung mit überwiegend Dithmarscher Bauerngeschlechtern.

Am 3. Mai 1580 erhielt Fehmarn eine blaue Lehnsfahne mit der goldenen Krone, die noch heute vor vielen Inselhäusern geflaggt wird. Die Krone tauchte bereits Mitte des 14. Jahrhunderts im Wappen auf. Mit der Conformatio Libertatis 1617 wurden die Adelsrechte eingeschränkt und der Insel freies Bauerntum gesichert. 1636 bestätigte der dänische König die Zugehörigkeit Fehmarns zum Herzogtum Schleswig. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde am 29. Juni 1644 das früheste Fehmarnsche Gotteshaus, die Opfer- und Dankkapelle Peter und Paul am Puttgardener Strand, von schwedischen Kriegsschiffen zerstört.

Fehmarn unter dänischer Herrschaft: 1713–1864[Bearbeiten]

1713 besetzte der dänische König Friedrich IV. (Dänemark und Norwegen) im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) unter anderem die noch nicht ihm gehörigen Anteile von Schleswig, so auch die Insel Fehmarn. 1720 wurden dem dänischen König im Frieden von Frederiksborg die ungeteilten Besitzrechte im gesamten Herzogtum Schleswig zugesprochen. Am 22. August 1721 legten auch die Fehmaraner auf Schloss Gottorf den Huldigungseid auf ihren neuen König ab. Der König wurde durch einen auf Schloss Gottorf residierenden Statthalter vertreten. Die lokalen Verwaltungsinstanzen ließ man jedoch unverändert bestehen. Damit blieb die relativ eigenständige Landschaftsverfassung für Fehmarn erhalten. Es gab keine Leibeigenschaft und ein Adelsverbot, die Selbstverwaltung in den Kirchspielen nach dem Fehmarnschen Landrecht, landschaftliche Kriminalgerichte der Kirchspiele selbst über Leben und Tod. Burg hatte sein Lübsches Recht. Es folgte eine 80-jährige Friedensperiode. Die Schiffe konnten unter dem neutralen Danebrog segeln.

Die Napoleonische Zeit brachte für Dänemark den Krieg gegen England auf der Seite Frankreichs – es musste seine gesamte Flotte an England abtreten. Auf der Insel Fehmarn kam es jedoch zu keinen Kampfhandlungen. Die Insel verblieb auch nach dem Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 bei Dänemark.

1815 erschien das erste Fehmarnsche Tageblatt unter dem Namen Fehmarnsche Korrespondenz. Am 28. Oktober 1832 wurde der neu errichtete Leuchtturm Marienleuchte in Dienst gestellt. Seinen Namen erhielt er von der dänischen Königin Marie von Hessen-Kassel. Sie soll mit ihrem Ehegatten, König Friedrich VI. (Dänemark und Norwegen), bei der Einweihung persönlich anwesend gewesen sein. Auf der Südseite des alten Turmes befindet sich das königlich dänische Wappen.

Zum Tode des dänischen Königs Christian VIII. am 20. Januar 1848 läuteten die Totenglocken auf Fehmarn drei Wochen lang zweimal täglich zwei Stunden. Sein Tod löste den Schleswig-Holsteinschen Krieg (1848–1851) aus, bei dem es um eine Loslösung von Dänemark ging. Die Errichtung einer Fehmarnschen Küstenmiliz hatte Kriegsminister Prinz von Noer als Mitglied der Provisorischen Regierung Schleswig-Holstein dem Gutsbesitzer von Katharinenhof, Baron von Leesen, übertragen. Dieser nahm am 15. April 1848 den dänischen Kapitän von Dircking-Holmfeld fest, der aufklären wollte, ob auf der Insel noch „dänische Sympathien“ vorhanden seien. Bei dieser Festnahme wurde ein dänischer Matrose erschossen. Als am 17. Juli 1850 einige hundert Dänen bei Katharinenhof landeten, floh Baron von Leesen. Der damalige Fehmarnsche Amtmann Ludwig Friedrich Carl Wilhelm von Moltke (ein Bruder des preußischen Feldmarschalls) war zwar als dänischer Beamter angestellt, hatte aber offensichtlich ebenfalls die Seiten gewechselt und im Sinne der provisorischen Regierung in Kiel 1848 ein Statut zur Volksbewaffnung für die Landschaft Fehmarn gegen die Dänen unterzeichnet. Der Aufstand führte für die Schleswig-Holsteiner nicht zum Erfolg; von Moltke wurde 1851 aus dem Dienst entlassen.

Im Jahre 1854 fand am 27. Januar auf dem Köppelberg bei Petersdorf die letzte Hinrichtung nach dem Neuen Fehmarnschen Landrecht vor mehr als 3000 Zuschauern statt.

Die neue dänische Novemberverfassung von 1863 löste den Deutsch–Dänischen Krieg aus, der ab Februar 1864 von Preußen und Österreich im Namen des Deutschen Bundes gegen Dänemark geführt wurde. Am 15. März 1864 eroberten preußische Truppen Fehmarn, wobei zwei dänische und ein preußischer Soldat getötet wurden. Noch am selben Tag huldigten die Fehmaraner auf dem Burger Markt in feierlicher Weise dem Prinzen Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein in dem Glauben, er werde ihr neuer Herzog. Im Frieden von Wien (1864) trat Christian IX. die Herzogtümer an Österreich und Preußen ab.

Damit endete nicht nur die 150-jährige dänische Königsherrschaft auf der Insel Fehmarn, sondern auch das traditionsreiche Fehmarnsche Selbstverwaltungsrecht.

Fehmarn unter preußischer Herrschaft[Bearbeiten]

Niobe-Denkmal

1864 änderten sich die Herrschaftsverhältnisse auf Fehmarn während des Deutsch-Dänischen Krieges gravierend: In den Morgenstunden des 15. März 1864 stürmten 160 Preußen unter Hauptmann von Mellenthin die Insel und überraschten die Dänen, die im Hotel Wisser am Burger Marktplatz residierten, im Schlaf. Nach kurzem Feuergefecht, das zwei Menschenleben kostete, wurde Fehmarn erobert. Ein Fischer namens Friedrich Stüben aus Heiligenhafen hatte die Preußen als Lotse über den Fehmarnsund gebracht und erhielt dafür von Preußen ein Pferd und einen Ehrensold von zehn Goldmark.

Fehmarn kam unter eine gemeinsame Verwaltung Preußens und Österreich im Auftrag des Deutschen Bundes. Entsprechend den Bestimmungen des Vertrages von Gastein übernahm Preußen 1865 die alleinige Verwaltung. Nach dem Krieg zwischen Preußen auf der einen Seite und Österreich mit dem Deutschen Bund auf der anderen Seite wurde Fehmarn 1867 an Preußen angegliedert und gehörte seither zur Provinz Schleswig-Holstein. Die preußische Gemeindeverfassung wurde eingeführt und Fehmarn dem Kreis Oldenburg in Holstein zugeschlagen.

1872 überraschte eine große Sturmflut die Inselbewohner. In Orth wurde ein Wasserstand von 2,7 m über Normalnull gemessen. Etwa ein Drittel der Insel wurde überschwemmt und viele Häuser wurden zerstört.

Im Jahr 1932 sank das Segelschulschiff Niobe vor der Küste des „Grünen Brinks“, woran ein Denkmal erinnert.

1946 wurde Preußen aufgelöst; Fehmarn wurde Teil des neu gegründeten Landes, seit 1949 Bundeslandes Schleswig-Holstein.

Neuzeit[Bearbeiten]

Am 7. Mai 1945, dem Tage der Unterzeichnung der Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht, erreichten die ersten britischen Truppen den Burger Marktplatz. Fehmarn wurde gegen den Willen Stalins durch das Engagement Sir William Strangs, Baron of Stonesfield, britisches Besatzungsgebiet („Up ewig ungedeelt“). Auf der Insel wurde durch die englische Besatzungsmacht ein Kriegsgefangenenlager für deutsche U-Boot-Fahrer errichtet.

1970 fand zwischen dem 4. und 6. September auf Fehmarn das letzte Konzert des Musikers Jimi Hendrix statt. Später wurde dort ein Gedenkstein platziert. Noch heute werden regelmäßige Revival-Festivals durchgeführt.[6]

Am 1. Januar 2003 entstand durch die Zusammenlegung der Gemeinden Bannesdorf, Landkirchen und Westfehmarn mit der Stadt Burg auf Fehmarn die heutige Stadt Fehmarn, die das gesamte Gebiet der Insel einnimmt.

Infrastrukturgeschichte[Bearbeiten]

Südstrand, Winter 2013

Ab 1905 wurde die Inselbahn erbaut. Schon 1921 begann die Planung für eine Sundbrücke. Einen Meilenstein für die Infrastrukturentwicklung auf Fehmarn stellte der Spatenstich zur Vogelfluglinie 1941 dar, in deren Rahmen 19 Jahre später mit dem Bau der Fehmarnsundbrücke begonnen wurde. Die Brücke konnte 1963 durch den Bundespräsidenten Heinrich Lübke und den dänischen König Frederik IX. feierlich eröffnet werden. Noch einmal aber war Fehmarn von der Außenwelt abgeschnitten: während der Schneekatastrophe in Norddeutschland 1978 war die Verbindung zum Festland zeitweise unterbrochen und Technisches Hilfswerk und Bundeswehr mussten helfen.

Die Nordküste Fehmarns soll durch eine feste Fehmarnbeltquerung mit der dänischen Insel Lolland verbunden werden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1730 1803 1845 1885 1925 1961 2006 2012
Einwohner 6.313 7.626 8.590 10.150 10.360 12.161 13.036 12.369

Politik[Bearbeiten]

Logo für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Fehmarn

Bis Ende 2002 gab es auf der Insel Fehmarn vier Gemeinden (Bannesdorf, Burg, Landkirchen, Petersdorf). Angeschoben von einigen Gemeindevertretern der Landgemeinden entstand eine Diskussion über eine Gemeindezusammenlegung. Da das Pro und Kontra quer durch alle Parteien ging, beschlossen die Gemeinden, eine Befragung der Bevölkerung durchzuführen. Die hohe Zustimmung überraschte alle und führte so zur Bildung der Stadt „Fehmarn“ und somit wurde auch Burg, das bereits seit dem 16. Jahrhundert Stadtrecht genoss, ein Stadtteil der die ganze Insel umschließenden Stadt. Mit der Durchführung der Fusion wurde der einzige hauptamtliche Bürgermeister der Insel, Klaus Tscheuschner, beauftragt.

Als vereinzelt Befürchtungen aufkamen, dass die neue Stadt mit Klaus Tscheuschner, dem damaligen Bürgermeister der Stadt Burg, als Bürgermeister der gesamten Insel zu stark auf Burg ausgerichtet sein könnte, verzichtete dieser auf eine Kandidatur. Als erster Bürgermeister der Stadt Fehmarn wurde der parteilose Otto-Uwe Schmiedt gewählt, der sich unter anderem gegen einen gemeinsamen Kandidaten von CDU und SPD durchsetzen konnte. Das Rathaus befindet sich auf dem Burger Marktplatz.

Stadtvertretung[Bearbeiten]

Die Stadtvertretung hat 23 Sitze. Die Sitzungen finden im Senator-Thomsen-Haus in Burg statt.

Gemeindewahl 2013[7]
Wahlbeteiligung: 48,6 %
 %
40
30
20
10
0
35,5 %
29,6 %
23,5 %
7,3 %
4,0 %
Gemeindewahlen 2013
  SPD 8 Sitze (+2)
  CDU   7 Sitze (−1)
  Freie Wähler (FWV) 5 Sitze   (−1)
  GRÜNE 2 Sitze (+1)
  FDP 1 Sitz =
Gemeindewahlen 2008
  CDU   8 Sitze (−3)
  SPD 6 Sitze (−2)
  Freie Wähler (FWV) 6 Sitze   (+2)
  GRÜNE 1 Sitz (+1)
  FDP 1 Sitz (+1)
  Bürger für Fehmarn 1 Sitz (+1)
Gemeindewahlen 2003
  CDU   11 Sitze
  SPD 8 Sitze
  Freie Wähler (FWV) 4 Sitze

Während der Legislaturperiode trat Hartmut Specht aus der SPD aus und war somit fraktionslos.

Gemeindewahlen 1998
  • Gemeinde Bannesdorf: 6 SPD, 6 CDU, 1 Grüne, 1 Freie Wähler
  • Stadt Burg: 9 SPD, 7 CDU, 1 Grüne, 1 Freie Wähler, 1 Statt-Partei
  • Gemeinde Landkirchen: 10 SPD, 4 CDU, 3 Freie Wähler
  • Gemeinde Westfehmarn: 7 SPD, 5 CDU, 1 Freie Wähler
  • Gesamt: 32 SPD (50,8 % der Sitze), 22 CDU (34,9 %), 2 Grüne (3,2 %), 6 Freie Wähler (9,5 %), 1 Statt-Partei (1,6 %)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber über abwechselnd silbernen und blauen Wellen eine freistehende rote Burg aus Ziegelsteinen mit Zinnenmauer, geschlossenem goldenen Tor und zwei blau bedachten, mit je zwei rundbogigen Fenstern versehenen Zinnentürmen, zwischen denen der rote holsteinische Schild mit dem silbernen Nesselblatt schwebt.“[8]

Goldene Krone im blauen Meer

Durch Beschluss der Stadtvertretung vom 11. März 2004 steht der neu gebildeten Stadt Fehmarn rückwirkend zum 1. Januar 2004 das Wappen der ehemaligen Stadt Burg auf Fehmarn zur Verfügung.

Die vor vielen Häusern wehende „Goldene Krone im blauen Meer“ wurde in ihrem heutigen Aussehen am 3. Mai 1580 Lehnsfahne der Insel Fehmarn.[9] Sie bezieht sich auf das Haus Oldenburg, das damals wie heute das dänische Königshaus bildet. Heutzutage ist sie aber kein offizielles Symbol der Insel mehr und war zwischenzeitig sogar markenrechtlich geschützt, nachdem sie nicht als Wappen der zusammengeschlossenen Stadt genutzt werden durfte.[10]

Ende des Jahres 2007 errang die Stadt Fehmarn einen großen Erfolg. Laut Bundespatentgericht in München darf „Die Goldene Krone im blauen Meer“ nicht mehr als Schutzmarke eingetragen sein, sondern ist Allgemeingut. Damit ist die Akte zu Gunsten der Fehmaraner geschlossen worden.[11]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Religion[Bearbeiten]

Die Christianisierung erfolgte durch König Knud den Großen, der Fehmarn im Jahr 1022 dem Bistum Odense auf Fünen unterstellte.

Die Mehrheit der Bürger gehört zur evangelischen Kirche. In Burg befindet sich aber auch eine Römisch-katholische Kirche.

In Burg finden in den Sommermonaten auch Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche statt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche St. Nikolai in Burg

Kirchen auf der Insel Fehmarn[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Predigerwitwenhaus von 1581, heute Peter-Wiepert-Heimatmuseum
  • Museum Katharinenhof
  • Mühlen- und Landwirtschaftsmuseum Lemkenhafen
  • E.-L.-Kirchner-Dokumentation

Häfen[Bearbeiten]

  • Fährhafen Puttgarden
  • Burgstaaken (mit U-Boot)
  • Fehmarnsund (ehemaliger Sund-Fährhafen, heute Yachthafen)
  • Orth
  • Lemkenhafen
  • Burgtiefe

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Südermühle (1893) in Petersdorf
Gedenkstein am Kriegssoll bei Landkirchen

Leuchttürme auf Fehmarn[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Seit 2007 sind alle weiterbildenden Schulen auf Fehmarn zur Inselschule Fehmarn zusammengeschlossen. Die Inselschule ist eine der ersten Gemeinschaftsschulen Deutschlands, so dass auch auf nationaler Ebene über die Schulreform berichtet wurde.[12] Zum Schuljahr 2010/2011 wurde ein Erweiterungsbau neben dem alten Gymnasium bezogen, so dass alle Jahrgänge jetzt zentral unterrichtet werden können. Ältere Planungen sahen vor, für jeden Jahrgang ein eigenes Gebäude zu bauen. Diese Pläne wurden aufgegeben. In dem neuen Schulgebäude befinden sich auch die Aula sowie die Mensa. Die Fachräume befinden sich im alten Gymnasium, dass durch einen Durchgang erreicht werden kann. Als Übergangslösung wurden vor und während des Baus des neuen Schulgebäudes einige Klassen in Mobilbauten untergebracht.

Sport[Bearbeiten]

Die Regatta „Fehmarn Rund“ ist die größte Katamaran-Regatta Deutschlands. Ausrichter ist die Stadt Heiligenhafen.

Von 1994 bis 2010 machte die größte Beachvolleyballserie Deutschlands, die smart beach tour, auf Fehmarn jährlich einen Tourstopp.[13]

Seit 2004 findet das internationale Fußballturnier Fehmarn-Cup statt. 2007 nahmen 64 Mannschaften teil.

Als kleiner Beachevent findet seit 2004 jährlich in Burgtiefe ein Beachbasketballturnier statt. Auch die Kitesurf Trophy, die deutsche Meisterschaft im Kitesurfen, hat sich hier etabliert. Fehmarn ist bei Kitesurfern bekannt als „Hawaii Deutschlands“. Die Bedingungen rund um die Insel, besonders in der Orther Reede (bei Westwind) und am Grünen Brink (bei Nordostwind), gelten als ideal. Es gibt mehr als zehn mögliche Surfreviere zum Kitesurfen und Windsurfen. Bis 2009 fand am Wulfener Hals das Surf-Festival statt, bei dem es auch ein „Race around Fehmarn“ gab, bei dem Windsurfer gegen Kiter und Katamaran antraten. Den Rekord hält mit 2 Stunden 48 Minuten Bernd Flessner.[14]

Jedes Jahr findet Ende Juni, Anfang Juli ein großes Reitturnier auf der Anlage des Fehmarnschen Ringreitervereins am Grünen Weg statt. Hier sind viele bekannte Spring- und Dressurreiter am Start. Darüber hinaus finden noch drei kleinere Reitturniere statt.

Eigenarten[Bearbeiten]

  • Auf Fehmarn wird der Kuchen nicht vorgeschnitten. Stattdessen schneidet sich jeder ein Stück ab und reicht den Kuchen weiter. Dies gilt auch für das Hauptgericht bei größeren Festen, das zweimal gereicht wird. So bekommt jeder genau so viel Kuchen, Fleisch, Beilage und Soße, wie er essen möchte.
  • Beliebt ist auch das Kartenspiel Scharwenzel, das wohl nur auf Fehmarn gespielt wird.
  • Früher gab es etwa 15 Vetternschaften zwischen den verschiedenen Sippen. Diese Tradition haben wohl Einwanderer aus Dithmarschen mitgebracht, wo Vetternschaften bis zum Verbot 1550 üblich waren. Heute existiert nur noch die „Vetterschaft der Mackeprangen und Witten“, der auch der ehemalige deutsche Bundespräsident Karl Carstens angehörte, dessen Großmutter eine geborene Mackeprang war.[15]
  • Typisch für Fehmarn sind auch die Kröpel, ein Gebäck, das nur zur Weizenernte zubereitet wird, sowie der Kranzkuchen, der nur für Hochzeiten gebacken wird. Hierbei wird dieser vom Brautpaar in kleine Stücke gebrochen und den Hochzeitsgästen zur Nachspeise gereicht.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden (Vogelfluglinie) auf Fehmarn (schwarz) und die ehem. KOE (grau)

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Vogelfluglinie[Bearbeiten]

Über den Fährbahnhof Puttgarden der Insel ist Fehmarn im Regional- und internationalen Fernverkehr der Eisenbahn auf der Vogelfluglinie erreichbar. Der Bahnhof wird von Intercity-Express-Zügen und EuroCity-Zügen (Hamburg–Kopenhagen) sowie Regional-Express-Zügen der DB Regio Schleswig-Holstein (Puttgarden–Lübeck) erreicht.

Bahnanschluss Burg[Bearbeiten]

Am 31. Juli 2010 wurde der neue Haltepunkt Fehmarn-Burg eröffnet. Er liegt nördlich des früheren Bahnhofs Burg (Fehmarn) der Inselbahn. Im Zwei-Stunden-Takt halten vorerst Regionalbahn-Züge aus Hamburg und Lübeck, seit Dezember 2010 auch InterCity-Züge.

Inselbahn Fehmarn[Bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof der Inselbahn Fehmarn in Landkirchen
Ehemalige Trasse der Inselbahn Fehmarn bei Landkirchen

Bis Mitte der 1990er Jahre verkehrte auf Fehmarn die Inselbahn Fehmarn, die am 8. September 1905 als Kleinbahn Lütjenbrode–Orth der Kreis Oldenburger Eisenbahn eröffnet wurde. Sie verband die fehmarnschen Ortschaften Orth, Petersdorf, Landkirchen, Burg, Burgstaaken, Wulfen und Fehmarnsund über eine Fähre mit Großenbrode, Lütjenbrode und Heiligenhafen auf dem Festland. Die Lokomotiven für den insularen Streckenteil waren in Burg stationiert, so dass meist nur die Wagen auf der Fähre befördert zu werden brauchten. Nach Aufgabe des Personenverkehrs von Burg nach Orth am 2. Juni 1956 und zum Bahnhof Fehmarnsund am 30. April 1963 verkehrten zum Bahnhof Burg über die Vogelfluglinie noch bis Mai 1984 einzelne Personenzüge. Am 1. Februar 1995 wurde der letzte Abschnitt zwischen Burg und Landkirchen, auf dem noch Güterverkehr betrieben wurde, stillgelegt. Die aufgegebenen Eisenbahntrassen lagen viele Jahre brach. Öffentlichen Personennahverkehr mit Omnibussen betreibt das Verkehrsunternehmen Autokraft, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Fehmarnsundbrücke von Fehmarnsund aus mit Blick nach Südwesten über den Sund auf das Festland; Aufnahme 2005

Fehmarn ist durch die Fehmarnsundbrücke seit 1963 (Eröffnung der Vogelfluglinie) mit dem deutschen Festland verbunden. Bis dahin waren Fähren die einzigen Zubringer zur Insel. Die Netzwerkbogenbrücke entstand in den Jahren 1960 bis 1963 und wird wegen ihrer Form im Volksmund auch „Kleiderbügel“ genannt.

Bereits zu Zeiten des Kaiserreiches und der Weimarer Republik war die Verwirklichung einer Brücke über den Fehmarnsund zum Greifen nahe, jedoch wurden diese Ideen durch Krieg und Inflation zerstört.

Die Europastraße 47, die vom Fehmarnsund über die Insel zum Fährhafen Puttgarden führt, ist Teil der Vogelfluglinie, also des europäischen Transitverkehres.

Am 29. Juni 2007 beschlossen Deutschland und Dänemark den Bau der 19 Kilometer langen festen Querung zwischen Puttgarden und Rødby auf der dänischen Insel Lolland, der mittlerweile auch von den Parlamenten abgezeichnet wurde. Sie soll 5,5 Milliarden Euro kosten, die hauptsächlich von Dänemark getragen werden. Der Baubeginn hätte bereits im Jahr 2011 sein sollen, die Fertigstellung dann im Jahr 2018.Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren 15 Jahre war über den Bau einer Brücke oder eines Tunnels von Puttgarden nach Rødby spekuliert worden, der das europäische Transitnetz vervollständigen soll und Skandinavien mit dem europäischen Festland über den Fehmarnbelt verbinden würde. Bisher findet dieser Plan einer festen Fehmarnbeltquerung bei der Bevölkerung keinen großen Zuspruch, da die Arbeitsplätze am Fährhafen Puttgarden entfallen würden, Einbußen im Tourismus erwartet werden und Naturschützer Nachteile für die heimischen Tierarten fürchten.

Flugverkehr[Bearbeiten]

In Neujellingsdorf gibt es den Flugplatz Fehmarn-Neujellingsdorf.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Dadurch begünstigt, dass Fehmarn mit rund 2152 Sonnenstunden im Jahr (gemessen an der Wetterstation in Wulfen im Jahre 2009) zu den sonnenreichsten Orten Deutschlands gehört, kommen jedes Jahr rund 300.000 Besucher, Tagesgäste nicht mitgerechnet, auf die Insel.

Besonders in der Ferienzeit wird das Erholungsangebot des Heilbades Burg auf Fehmarn genutzt, so dass in der Regel alle Schlafstätten ausgebucht sind. Hier liegt auch das Ferienzentrum der IFA. Im sonstigen liegen in der ganzen Burgtiefener Anlage Spielplätze, Minigolfplätze, Boulespielfelder und sonstige Sportaktivitäten. Das Wellen- und Erlebnisbad FehMare wurde am 28. Februar 2009 eröffnet.

Stark geschätzt wird das Angebot des Urlaubes auf Fehmarn seit der Errichtung der Fehmarnsundbrücke. So wurde es für die Bewohner des Festlandes leichter und schneller, nach Fehmarn überzusetzen. Die bis dahin stark auf die Landwirtschaft ausgerichteten Fehmaraner nutzten die Chance und boten den Großstädtern den bis dahin unbekannten und heute kommerziell wichtigen „Urlaub auf dem Bauernhof“ an.

Die Strände auf Fehmarn:

Meeschendorfer Strand

Windkraftanlagen[Bearbeiten]

Seit 1991 werden auf Fehmarn Windkraftanlagen errichtet. Bisher entstanden 5 Windparks; der „Windpark Fehmarn“ wurde mit 34 Windkraftanlagen ehemals in das Guinness-Buch der Rekorde als Deutschlands größter Windpark eingetragen.

Die Errichtung dieser Anlagen war unter den Bewohnern der Insel umstritten, da sie zum einen Arbeitsplätze sichern und hohe Gewerbesteuereinnahmen bringen, zum anderen jedoch die bisher landwirtschaftlich geprägte Umwelt Fehmarns beeinträchtigen und so möglicherweise dem Tourismus schaden könnten. Allerdings steht die große Mehrheit der Einwohner den Anlagen positiv gegenüber.

Seit Mitte der 2000er Jahren werden die Windparks einem Repowering unterzogen, um bei gleichzeitiger Erhöhung von installierter Leistung und Stromertrag die Anzahl der Einzelanlagen zu reduzieren. Die Zahl der 144 Windräder soll durch das Aufstellen größerer und leistungsfähigerer Räder auf etwa 120 gesenkt werden. So wurden bis August 2010 112 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 50 MW durch 74 neue Anlagen mit einer Nennleistung von 166 MW ersetzt. Das Regelarbeitsvermögen stieg dabei von 104 auf 380 GWh jährlich, was dem Stromverbrauch von ca. 109.000 Haushalten entspricht.[16]

Rund 30 Kilometer nordöstlich von Fehmarn steht der dänische Offshore-Windpark Rødsand, der bei Errichtung der größte Offshore-Windpark der Welt war.

Da auch überdurchschnittlich viele Solaranlagen pro Kopf existieren und zudem Energie in Biomassekraftwerken gewonnen wird, produziert Fehmarn aus Erneuerbaren Energien ein Vielfaches des eigenen Stromverbrauchs.

Medien[Bearbeiten]

In Burg erscheinen die Zeitung Fehmarnsches Tageblatt und das kostenlose „Fehmarn Magazin“. Weiter gibt es Lokalausgaben der Lübecker Nachrichten („Ostholstein-Nord“) sowie der Gratiszeitungen „der reporter“ und „Urlaubs-Kurier“.

Bekannte Personen der Insel[Bearbeiten]

Personen, die auf Fehmarn gelebt und gewirkt haben oder durch ihre Familie der Insel verbunden sind:

Name bekannt als Verbindung zu Fehmarn
Jens-Uwe Beyer alias Popnoname Musiker auf Fehmarn aufgewachsen
Jürgen Blin Schwergewichtsboxer (unter anderem gegen Muhammad Ali) auf Fehmarn geboren
Helmut Frenz Bischof und Menschenrechtsaktivist fünf Jahre Gemeindepfarrer auf Fehmarn[17]
David Gloxin Bürgermeister und Diplomat der Hansestadt Lübeck auf Fehmarn geboren
Klaus Groth Schriftsteller niederdeutscher Mundart schrieb hier den „Quickborn
Arwed Imiela Frauenmörder verscharrte hier mehrere seiner Opfer
Axel Hager Beach-Volleyballspieler, Bronzemedaillengewinner in Sydney 2000 auf Fehmarn geboren
Roger Handt Radiomoderator des WDR auf Fehmarn geboren
Dora Heyenn Spitzenkandidatin der Linken bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2008 auf Fehmarn geboren
Ernst Ludwig Kirchner Maler des Expressionismus war einige Zeit auf Fehmarn tätig
Christian Kortholt der Ältere protestantischer Theologe auf Fehmarn geboren
Gustav Kröhnke Zivilingenieur und Landvermesser hatte als erster die Idee der Vogelfluglinie als kürzester Verbindung zwischen Skandinavien und Deutschland
Xaver Edmund Karl von Mellenthin preußischer Offizier besetzte Fehmarn 1864 im Zuge des Deutsch-Dänischen Krieges
Ludwig von Moltke dänischer Amtmann auf Fehmarn
Benedikt Niese Klassischer Philologe und Althistoriker auf Fehmarn geboren
Charlotte Niese Schriftstellerin auf Fehmarn geboren
Hans Hansen Palmus Heimatdichter Dorflehrer in Vadersdorf
Irmgard Riessen Schauspielerin auf Fehmarn geboren
Amalie Schoppe Dichterin auf Fehmarn geboren
Leonhard Selle Organist 1843–1855 auf Fehmarn tätig
Peter Wiepert Heimatforscher
Nick Wilder (eigentlich Klaus Wilder) Schauspieler auf Fehmarn geboren
Dirk Weetendorf ehemaliger Fußballprofi und -trainer auf Fehmarn geboren
Peter Witte (Landvogt) Landvogt von Fehmarn und Stifter der Johannigebet auf Fehmarn geboren

Zudem hat Fehmarn einige bekannte Reiter hervorgebracht, darunter Inga Czwalina sowie Hans-Thorben und Kai Rüder (Weltmeister Vielseitigkeit 2009).

Gedenkstein für Jimi Hendrix’ letzten Auftritt bei Flügge auf Fehmarn

Sonstiges[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Zsuzsa Bink: Fehmarn. In: Deutsche Landschaften. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-10-070404-5
  • Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins. C.H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-50891-X
  • Claudia Czellnik: Das große Buch über Fehmarn. Die Sonneninsel in der Ostsee. Edition Limosa, Clenze 2010, ISBN 978-3-86037-379-8
  • Karl-Wilhelm Klahn: Kurzchronik der Insel Fehmarn 1022–2001. Heiligenhafen (ohne ISBN)
  • Jan Schröter: Fehmarn. Ein illustriertes Reisehandbuch. Edition Temmen, ISBN 3-926958-87-1
  • Peter Schuster: Fehmarn. Wachholtz, ISBN 3-529-05519-0
  • J. Voß: Chronik der Insel Fehmarn. Commissions-Verlag 1889, unveränderter Nachdruck 1978, Buchhandlung Niederlechner, Burg/Fehmarn
  • Anke Wolff: Fehmarn – wo die Welt am schönsten ist. Jung, Kiel 1999, ISBN 3-929596-79-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fehmarn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Fehmarn – Reiseführer

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  3. Gebietsänderungsvertrag
  4. Horst Rohde: Das Fehmarnhaus und sein Dorf, Karl-Wachholtz-Verlag, Neumünster 1984
  5. http://www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft/DE/NaturschutzForstJagd/_DL/rl_saeuger_pdf__blob=publicationFile.pdf
  6. www.fehmarnfestivalgroup.com
  7. [1] (Wahlergebnis)
  8. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  9. Reisecenter Fehmarn: Herkunft der Fehmarnfahne
  10. Fehmarnsches Tageblatt: „Goldene Krone“ soll wieder allen gehören
  11. Lübecker Nachrichten: Fehmarns „Goldene Krone“ wieder für alle da (Archivversion: web.archive.org (Version vom 3. Mai 2009 im Internet Archive))
  12. Die Zeit
  13. Fehmarn-Party.de, abgerufen am 8. März 2012
  14. Bericht zum Rennen 2009, abgerufen am 17. April 2012
  15. Wer beim Vettergelage flucht, muß eine Tonne Bier bezahlen
  16. Repowering. Doppelte Leistung, dreifacher Ertrag . In: Erneuerbare Energien. Das Magazin, 29. August 2010. Abgerufen am 2. Juli 2014.
  17.  Helmut Frenz. In: Der Spiegel. Nr. 38, 2011 (online).