Feine Sahne Fischfilet

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Feine Sahne Fischfilet
Feine Sahne Fischfilet beim Open Air Werden, 2014
Feine Sahne Fischfilet beim Open Air Werden, 2014
Allgemeine Informationen
Genre(s) Punk, Ska, Indie-Rock
Gründung 2007
Website www.feinesahnefischfilet.de
Aktuelle Besetzung
Jan “Monchi” Gorkow
Christoph Sell “Tscherni”
Jacobus North “Köbi”
Max Bobzin oder Mäxer
Kai Irrgang “Champ”
Olaf “Hasenbaby”

Feine Sahne Fischfilet ist eine Punkband aus Demmin, Hanshagen, Jarmen, Wismar, Rostock und Greifswald.

Band und Musikstil[Bearbeiten]

Nach Angaben von Spiegel Online wurde Feine Sahne Fischfilet 2007 von fünf Schülern gegründet. In ihrem ersten veröffentlichten Album befanden sich Lieder mit sexistischen Textpassagen, von denen sich die Band mittlerweile distanziert. Sänger ‚Monchi‘ sagte dazu: „Wir waren 18, 19 Jahre alt. Wäre dieses Album nicht ausverkauft, würden wir es nicht mehr vertreiben.“ Konzerte fanden hauptsächlich in den ländlichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns statt, auf denen sich nach eigenen Angaben immer mehr Neonazis einfanden. Daraufhin positionierte sich die Band und organisierte eigene Sicherheitsmaßnahmen.[1]

Einzelpersonen der Band waren vormals in der Fanszene des F.C. Hansa Rostock aktiv. So trug Frontmann ‚Monchi‘ auf Konzerten häufig T-Shirts der Ultra-Gruppe Suptras.[2] Ist das Lied Ostrava der Rostocker Fanszene gewidmet, beschreibt das Lied Keine Träne wiederum die Abkehr von dieser. In einem Interview mit dem Nürnberger Fanzine Ya Basta aus dem Jahr 2012 erklärt ‚Monchi‘ allerdings, dass er sich inzwischen wieder für Fankultur und den F.C. Hansa Rostock interessiert.[3]

Die Band, die sich durch Früchte des Zorns inspiriert sieht, fasst ihre Musik wie folgt zusammen: „Das, was wir machen, ist keine Kunst […], nicht für die Galerie, nicht für die Glasvitrine. [Es] soll eine Art Werkzeug sein, um unserer Wut gegenüber Rassisten, Sexisten, Homophobie und Staat eine Stimme zu geben[4]“ Sie versteht sich als politisch: „…Antifaschismus ist für uns keine hohle Phrase. Es ist uns bewusst, dass die Neonazis, egal wie modern und bürgernah sie sich geben, barbarisch und menschenverachtend bleiben. Dem gilt es entgegenzuwirken!“[5]

Das Musikmagazin Visions beschreibt ihre Musik als Punkrock, der „nicht modern“ sei und auch heute noch so funktioniere, „wie er immer schon funktioniert hat. Mit Wut, Herz und Haltung“.[6] Das Punk-Magazin Ugly Punk verortet die Musik „von Ska-Punk, über Deutschpunk und vom englischsprachigen Punk-Smasher bis zur poppigen Indie-Ballade“.[7] Die taz bezeichnet die Musik der Band als Streetpunk mit leichtem Ska-Einschlag, der an Bands wie die Mighty Mighty Bosstones erinnere.[8]

Rezeption[Bearbeiten]

Indizierungsuntersuchung, Verfassungsschutzbericht[Bearbeiten]

Jan “Monchi” Gorkow, 2014
Kai "Champ" Irrgang, 2014

Aufgrund des Stückes Staatsgewalt auf dem Debütalbum Backstage mit Freunden wurde ein Prüfverfahren der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien eingeleitet. Laut Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern fördere der Songtext Gewaltbereitschaft bei den Hörern. Eine Indizierung des Albums fand letztlich nicht statt.[1]

Trotz ihrer geringen Reichweite wurde die Band wegen ihrer „explizit anti-staatlichen Haltung“ im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern 2011 auf „knapp zwei Seiten“[1] erwähnt. So sollen sie vor einer NPD-Demonstration 2010 in Rostock auf ihrer Internetseite unter der Überschrift „für den widerstand auf der straße“ eine Bauanleitung für einen Molotow-Cocktail veröffentlicht haben.[9] Nach Aussagen der Band handelte es sich hierbei aber lediglich um eine Verlinkung auf ein Plakat mit dem Slogan Club Molli bezogen habe, das im Frühjahr 2012 als satirischer Beitrag auf unterschiedlichen Blogs und als Printversion im Umlauf war.[10] Die Band klagte gegen die Nennung.[11] Das Eilrechtsbegehren der Punkband hat das Verwaltungsgericht Schwerin mit Beschluss vom 4. April 2013 abgelehnt. Die Band hätte „keine Gründe dargetan, aus denen sich eine besondere Dringlichkeit ergebe“. Es mangele an dem erforderlichen Anordnungsgrund, denn es sei der Antragstellerin zumutbar, eine Entscheidung in der Hauptsache abzuwarten.[12] Hiergegen legte die Band Beschwerde ein. Laut Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Mecklenburg-Vorpommern vom 18. Juni 2013 darf die Band zunächst weiter im Verfassungsschutzbericht des Landes als linksextrem geführt werden. Dass „von der Band Bestrebungen ausgingen, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richteten“, sah das Gericht als erwiesen an.[13]

Im Verfassungsschutzbericht 2012 des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurde die Band u. a. mit Verweis auf Mitglieder, die strafrechtlich verurteilt wurden, erneut auf zwei Seiten erwähnt, worauf die Band erklärte, dass sie auch zukünftig gegen rechtsextreme Demonstrationen und Veranstaltungen aufrufen werde.[14][15]

Das Musikmagazin Intro bezeichnete die Erwähnung von Feine Sahne Fischfilet im Verfassungsschutzbericht als Werbung, da sie nun „derzeit in aller Munde“ sei und nannte die Band eine „kredible Alternative zum braunen Sumpf, der weite Teile des Bundeslandes in seinen Krallen hält.“ Ihr Label Audiolith dürfe „es freuen“, habe „man doch nach Egotronic die zweiten amtlichen Staatsfeinde im Katalog“.[16]

Im Jahr 2014 verlor der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern einen Prozess um ein Foto der Band im Verfassungsschutzbericht 2012. Das Foto war ohne Zustimmung des Fotografen Sebastian Pohle Urheberrechtswidrig in den Verfassungsschutzbericht übernommen wurden. Das Gericht stimmte der Auffassung des Verfassungsschutzes nicht zu, dass die Veröffentlichung des Fotos zur Rechtspflege notwendig sei. Der Verfassungsschutz muss demgemäß das Foto lizenzieren oder entfernen.[17]

Konzerte[Bearbeiten]

Christoph Sell, 2014

Am 10. Januar 2009 spielte die Band in Greifswald ein Konzert mit den Bands The Toten Crackhuren im Kofferraum, Ostmaul und Total Panic Reaction. Dabei wurde auch das Album Backstage mit Freunden veröffentlicht. Ursprünglich war geplant, das Konzert in Loitz zu veranstalten, es wurde aber aufgrund einer Gefahrenprognose der Polizei kurzfristig verschoben.[18] Auftritte der Gruppe wurden öfter verboten, so auch ein Auftritt 2009 im Rahmen des Antifa-Festivals in Loitz, das durch den dortigen Bürgermeister verhindert wurde.[8]

Am 28. Februar 2009 spielte die Band bei 3 Jahre Antifaschistische Aktion Bernau mit den Bands Juri Gagarin, Kein Plan, Pandorra und Ökonom.[19]

Zur Veröffentlichung des Albums Scheitern und Verstehen veranstaltete die Gruppe im November 2012 einen Antifaschistischen Aktionstag, auf dem die thüringische Linken-Politikerin Katharina König (MdL) anwesend war. Mit dabei waren die Bands und Musiker The true two und die Dorfleute, Kobito und Egotronic.[20]

Auf Druck der rechtsextremen NPD hin wurde 2013 eine Einladung zum Auftritt auf einem Stadtfest in Riesa durch die Bürgermeisterin wieder zurückgezogen. Es sollte eine politische Auseinandersetzung umgangen werden. Zudem wurden Gewalttätigkeit unter Besuchern befürchtet. [21] [22][23]

Im März 2014 begleiteten sie die Düsseldorfer Punkband Broilers als Unterstützung auf der 'Noir-Tour' für zwei Konzerte in Hamburg und Leipzig.[24] Bei beiden Konzerten versuchte, laut Facebook-Eintrag von Feine Sahne Fischfilet, der Verfassungsschutz die Veranstalter mittels Briefen und Telefonaten zur Absage des Band-Auftritts zu bewegen.[25]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2013 ist die Band beim Courage-Preis der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern auf den 2. Platz gewählt worden.[26] Feine Sahne Fischfilet bezeichnet dies selbst als bewusstes politisches Signal gegen die Politik des Verfassungsschutzes, wenngleich Die Linke selbst auch aufgefordert ist, zivilgesellschaftlich in strukturschwachen Regionen tätig zu sein.[27] Zuvor wurden sie bereits als beste Newcomer 2012 für den ''VIA! Vut Indie Award'' nominiert.[28]

Diskografie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Julia Jüttner: Spiegel Online: Punkband Feine Sahne Fischfilet - Die Staatsfeinde, erschienen am 5. November 2012, abgerufen am 5. November 2012
  2. Sänger ‚Monchi‘ hier in T-Shirts der Suptras zu sehen
  3. "Music from the terraces" - Interview mit Feine Sahne Fischfilet
  4. MySpace, Aufruf am 5. November 2012
  5. Internetseite von „Feine Sahne Fischfilet“, abgerufen am 10. Februar 2011, zitiert im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern 2011, S. 85
  6. Feine Sahne Fischfilet – Komplett im Arsch, visions.de vom 12. Oktober 2012
  7. Feine Sahne Fischfilet – Scheitern & Verstehen, uglypunk.de vom 23. Oktober 2012
  8. a b  Jens Uthoff: Der Feind steht links - Verfassungsschutz gegen Punkband. In: taz. 20./21. Oktober 2012, S. 27 (http://www.taz.de/!103895).
  9. Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern 2011, S. 84, Onlineversion (PDF; 2,2 MB)
  10. Michael Bergmann: Jungle World: Das Amt mag keinen Fisch, erschienen Jungle World Nr. 43, vom 25. Oktober 2012, abgerufen am 5. November 2012
  11. Verfassungsschutzbericht 2011 ist rechtswidrig
  12. Eilantrag der Rockband „Feine Sahne Fischfilet“ erfolglos, in: Pressesystem Verwaltungsgerichtsbarkeit M-V, Artikel 3 (Az. 1 B 843/12), vom 4. April 2013 (Begründung: „Die Band und ihre Aktivitäten sind nach Auffassung des Verfassungsschutzes dem linksextremistischen Spektrum zuzuordnen und werden im Verfassungsschutzbericht 2011 unter der Rubrik „Autonome Antifa-Strukturen“ genannt. Die Band begehrte im Eilverfahren, die sie betreffenden Passagen des Verfassungsschutzberichts zu schwärzen. Die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts Schwerin erachtet den Eilantrag als unbegründet. Es mangele an dem erforderlichen Anordnungsgrund, denn es sei der Antragstellerin zumutbar, eine Entscheidung in der Hauptsache abzuwarten. Gründe, aus denen sich eine besondere Dringlichkeit ergebe, habe die Band nicht dargetan. Insbesondere sei auch kein drohender wirtschaftlicher Schaden für die Band durch die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht ersichtlich. Die Klärung der inhaltlichen Frage, ob der Band ein Anspruch auf Streichung aus dem Verfassungsschutzbericht 2011 zusteht, weil sie durch die betreffenden Textpassagen in ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht ungerechtfertigt verletzt wird, bleibt einem möglichen nachfolgenden Hauptsacheverfahren vorbehalten.“)
  13. Urteil zu Rostocker Punk-Band, in: Nordmagazin (NDR) vom 18. Juni 2013
  14. Verfassungsschutzbericht 2012 des Landes Mecklenburg-Vorpommern (PDF; 5,2 MB)
  15. Feine Sahne Fischfilet: Statement zum Verfassungsschutzbericht 2012
  16. Werbung vom Verfassungsschutz, Bastian Küllenberg in Intro.de vom 5. November 2012, abgerufen am 7. November 2012
  17. TAZ-Artikel zum Prozess um das Foto von FsF im Verfassungsschutzbericht (abgerufen am 29. April 2014)
  18. cd-release-party nach GREIFSWALD verschoben! - feinesahnefischfilet, 9. Januar 2009
  19. 3 Jahre Antifaschistische Aktion Bernau - Antifaschistische Aktion Bernau (bei Berlin)
  20. Programm der Albumreleaseparty auf Bandblog
  21. taz: Handhabe gegen links
  22. Freude bei der NPD – Riesas Stadtfest ohne „Fischfilet“. Riesa-lokal.de vom 31. Juli 2013.
  23. Linus Volkmann: Intro: »Herausragend scheiße!«. intro.de, 6. August 2013.
  24. Offizieller Support auf der Broilers ,,Noir-Tour“
  25. Feine Sahne Fischfilet: Die beiden Konzerte in Hamburg und Leipzig waren grandios.
  26. Hamburger Abendblatt: Demminer Bündnis erhält Preis für Courage gegen Rechts
  27. Feine Sahne Fischfilet: Statement zum Courage-Preis
  28. Verband unabhängiger Musikunternehmen: Das Verleihungsfest und Shortlistkandidaten