Feinultraschall

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Feinultraschallbild eines Kindes im vierten Schwangerschaftsmonat

Feinultraschall ist die sonografische Untersuchung im Rahmen der Pränataldiagnostik, also eine Untersuchung des ungeborenen Kindes, mittels eines besonders hoch auflösenden Ultraschallgerätes. Synonym werden die Ausdrücke sonografische Feindiagnostik, Organscreening und Fehlbildungsultraschall verwendet.

Diese Ultraschalluntersuchung kann nur von besonders hierfür qualifizierten Ärzten durchgeführt werden, zu denen die Schwangere gegebenenfalls durch ihren Gynäkologen überwiesen wird, wenn dieser die Untersuchung nicht selbst durchführen kann.

Die Feinultraschalluntersuchung wird in Deutschland nur in einigen Bundesländern (z. B. Mecklenburg-Vorpommern) als reguläre Leistung von den Krankenkassen bezahlt, in den meisten ist hierzu eine gesonderte Verordnung durch den zuständigen Gynäkologen notwendig, die aufgrund von Vorliegen von Risikofaktoren oder Fehlbildungshinweisen vorgenommen wird.

Aussagemöglichkeiten[Bearbeiten]

Mittels des Feinultraschalls, der im Zeitraum von der etwa 19. bis zur 22. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann, ist es theoretisch möglich, einige Entwicklungsstörungen und einige körperliche Besonderheiten beim Kind festzustellen bzw. auszuschließen. Vielfach werden beim Feinultraschall sogenannte sonografische Softmarker erkannt bzw. können näher eingeschätzt oder weitgehend ausgeschlossen werden.

Chromosomale Besonderheiten (z. B. Down-Syndrom, Edwards-Syndrom, Pätau-Syndrom) lassen sich nicht diagnostizieren. Lediglich die Kombination verschiedener körperlicher Auffälligkeiten (siehe auch: Softmarker) können auf bestimmte Chromosomenbesonderheiten hinweisen, sodass eine Amniozentese zur nahezu 100-prozentig sicheren Diagnose in Erwägung gezogen werden kann.

Untersuchte Organsysteme[Bearbeiten]

Per Ultraschall werden bestimmte Organe bzw. Organstrukturen des ungeborenen Kindes begutachtet. Dabei wird besonders auf das eventuelle Fehlen von Organanlagen, Fehlbildungen der Organe und die zeitgerechte Entwicklung der Organe geachtet.

Untersucht werden insbesondere:

  • das Gesicht: Besonderheiten wären z. B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, ein ungewöhnlich kleiner oder großer Augenabstand oder ein ungewöhnliches Gesichtsprofil, z. B. durch ein unterentwickeltes (= hypoplastisches) Nasenbein,
  • der Kopf: Besonderheiten wären z. B. Hydrozephalie (= eine Ansammlung von Hirnflüssigkeit aufgrund einer Ableitungsstörung), Mikrozephalie (= ein zu kleiner Kopf), Anenzephalie (= eine Neuralrohrfehlbildung, gekennzeichnet durch das Fehlen von Teilen des knöchernen Schädeldachs, der Hirnhäute, der Kopfhaut und Teilen des Gehirns), Holoprosenzephalie (= eine Entwicklungsstörung des Vorderhirns und des Gesichts), eine Enzephalozele (= Hirnbruch), vergrößerte Hirnkammern (Ventrikel) oder Plexuszysten im Gehirn
  • die Extremitäten: Besonderheiten wären z. B. ein verkürzter Oberschenkelknochen (= Femur) oder ein verkürzter Oberarmknochen (= Humerus), ein unterentwickeltes (= hypoplastisches) oder fehlendes (= aplastisches) Mittelglied des fünften Fingers, eine besondere Stellung der Finger (z. B. Biegungen oder Überlagerungen), eine Form von angeborenen Hand- oder Fußfehlbildungen (= Dysmelie) oder Vielfingrigkeit (= Polydaktylie)
  • der Bauch: eine Besonderheit wäre z. B. eine Omphalocele (= Nabelschnurbruch bzw. die Nabelschnur am Baby ist sackartig aufgebläht und Bauchorgane treten durch den Nabel hervor), eine Laparoschisis (= Bauchwandspalte), eine Gastroschisis (= meist rechts vom Nabel gelegene Fehlbildung der Bauchwand mit Vorfall von Darmschlingen) oder ein Zwerchfellbruch
  • der Magen-Darm-Trakt: Besonderheiten wären z. B. Verlegungen oder Verstopfungen wie ein Darmverschluss (Duodenalstenose, Double-Bubble-Phänomen)

Beurteilung der Bilder[Bearbeiten]

Wie die Ultraschallbilder des Feinultraschalls beurteilt werden können bzw. was und wie viel darauf zu erkennen ist, hängt auch von der Qualität der Untersuchungsgeräte, der Erfahrung des untersuchenden Arztes, Fruchtwassermenge (wenig Fruchtwasser = schlechtere Schallleitung), der Kindslage, der Schwangerschaftswoche, der Stärke der Bauchdecke der Mutter, Narben, etc ab.

Es kann hilfreich sein, eine Untersuchung mit 3D-Ultraschall oder 4D-Ultraschall in Erwägung zu ziehen, damit eine eventuell festgestellte Besonderheit genauer eingeschätzt bzw. die vor- und nachgeburtliche Behandlung des Kindes optimal geplant werden kann.

Chromosomale Besonderheiten können mittels Ultraschall nicht diagnostiziert werden. Dennoch können mitunter körperliche Hinweiszeichen und andere sonografische Softmarker erkannt werden und dadurch wird „die Ultraschalluntersuchung […] auch die Schiene für pränataldiagnostisch-invasive Maßnahmen wie Fruchtwasserpunktion, Chorionzottenbiopsie und Chordozentese. (Maier, 2000, S. 128).

Das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung in der Schweiz untersuchte in einer Studie (ZfTA, 2001, S. 124) das Verhältnis von Verdachtsdiagnosen während der Schwangerschaft und tatsächlichen Fakten nach der Geburt. Festgestellt wurde, dass bei statistisch gesehen 75 von 100 Kindern mit unterschiedlichen im Ultraschall auffällig gewordenen Entwicklungsstörungen sich diese letztlich nicht bestätigen und die Kinder ohne Auffälligkeiten geboren werden. So kann gesagt werden, dass es in der Mehrzahl der Fälle von pränatal ausgesprochenen Verdachtsdiagnosen zu einer mitunter starken Beunruhigung, Verunsicherung und psychischer Belastung der Schwangeren kommt, die sich im Endeffekt als unbegründet herausstellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Entezami, Mathias Albig, Adam Gasiorek-Wiens, Rolf Becker: Sonographische Fehlbildungsdiagnostik - Lehratlas der fetalen Ultraschalluntersuchung. 2002, ISBN 3-1312-9651-8
  • Rolf Becker, Walter Fuhrmann, Wolfgang Holzgreve u. a.: Pränatale Diagnostik und Therapie - humangenetische Beratung, Ätiologie und Pathogenese von Fehlbildungen, invasive, nichtinvasive und sonographische Diagnostik sowie Therapie in utero. 1995, ISBN 3-8047-1357-2
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