Feirefiz

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Der Zweikampf zwischen Parzival (r.) und Feirefiz. Cod. Pal. germ. 339, XV. Buch, Blatt 540v. Illustrierte Handschrift aus der Werkstatt von Diebold Lauber, um 1443–1446: Der Illustrator konnte sich unter einem feirefiz offenbar nichts vorstellen.

Feirefiz (oder auch: Feirafiz; im Original: fr.:Vaire-Fils) ist eine Figur aus dem Parzival-Epos des Wolfram von Eschenbach. Er ist Parzivals Halbbruder, der aus der ersten Ehe von Parzivals Vater Gahmuret mit der 'Mohrenkönigin' Belakane hervorgegangen ist und im ersten Buch der Erzählung, das die Vorgeschichte des Protagonisten enthält, zur Welt kommt.

Zum Namen[Bearbeiten]

Der Name Feirefiz lässt sich aus dem Französischen herleiten und heißt so viel wie „bunter Sohn“: veir oder vair bedeutete im Altfranzösischen bunt oder grauweiß gemustert. Der Erzähler hatte hier den Einfall, die Herkunft aus einer Verbindung von dunkler und weißer Hautfarbe mit einer Bezeichnung zu vergegenwärtigen, die sonst nur für Kleidung oder Pferde („Schecke“) gebräuchlich war. Wolfram greift diese Idee auch in seinem Willehalm auf, wo er (Vers 386, 14–21) einen Zweifarbigen namens Josweiz auftreten lässt, dem er einen weißen Vater und eine mœrinne zur Mutter gegeben hat. Die zuweilen geäußerte Annahme, dass Wolfram nie einen dunkelhäutigen Menschen gesehen habe und er sich deshalb ein Kind aus einer gemischten Verbindung nur als gescheckt habe vorstellen können, erweist sich insofern als fragwürdig, als es sich hier um einen poetischen Einfall handelt, der ein Alltagswort aus seinem Zusammenhang löst.

Zur Bedeutung der Figur[Bearbeiten]

Erst am Ende der Parzival-Erzählung erscheint Feirefiz wieder, nunmehr als erwachsener Mann und Held. Parzival erkennt ihn nicht als seinen Bruder und es kommt zu einem Kampf, den der Erzähler positiv ausgehen lässt. Nach dem gegenseitigen Erkennen wird Feirefiz Parzivals Gefährte und ist an dessen Seite, als dieser Gralskönig wird. Der Heide Feirefiz lässt sich taufen, um die Gralshüterin Repanse de Schoye zu heiraten. Das Paar zieht nach Indien und bekommt einen Sohn, Jôhan, der als Ahnherr des sagenhaften Priesterkönigs Johannes ausgewiesen wird, der – so die Überlieferung – der christliche Herrscher über die „drei Indien“ gewesen sei. Damit erhebe Wolfram (so Bumke 1991, S. 247ff.) den Anspruch, „die Herkunft des Priesters Johannes zu erklären und damit diese geheimnisvolle Gestalt, über die niemand Genaues wußte, faßbar zu machen“[1].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Bumke: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohengrin. Der offene Schluß des „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 65/1991, Seite 236–264

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicole Müller: Feirefiz - Das Schriftstück Gottes. Bayreuther Beiträge zur Literaturwissenschaft, Bd.30. Herausgegeben von Walter Gebhard, Michael Steppat und Gerhard Wolf. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2008 ISBN 978-3-631-58164-3
  • Ulrich Müller: "Feirefiz Anschevin - Überlegungen zur Funktion einer Romangestalt Wolframs von Eschenbach", in: Ulrich Müller - Gesammelte Schriften zur Literaturwissenschaft. Göppingen (2010), S. 163 - 174.
  • Joachim Bumke: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohengrin. Der offene Schluß des „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 65/1991, Seite 236–264
  • Cynthia B. Caples: Faces of the Hero: Feirefiz in Wolframs von Eschenbach „Parzival, in: Texas Studies in Literature and Language 17/1975, Seite 543–549
  • Clayton Gray Jr.: The Symbolic Role of Wolfram's Feirefiz, in: Journal of English and Germanic Philology 73/1974, Seite 363–374
  • Georg Keferstein: Feirefiz Anschewin, in: Deutsches Volkstum 19/1937, Seite 699-708
  • Hilda Swinburne: Gahmuret and Feirefiz in Wolfram's „Parzival“, in: Modern Language Review 51/1956, Seite 195–202
  • Wolfram von Eschenbach. Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, 2 Bände, Band 2: Kommentar, Frankfurt am Main, 1994, Seite 487, 725f.