Feld-Mannstreu

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Feld-Mannstreu
Feld-Mannstreu (Eryngium campestre)

Feld-Mannstreu (Eryngium campestre)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Saniculoideae
Gattung: Mannstreu
Art: Feld-Mannstreu
Wissenschaftlicher Name
Eryngium campestre
L.

Der Feld-Mannstreu (Eryngium campestre) ist ein in Mitteleuropa häufig bis selten vorkommender Doldenblütler (Apiaceae). Andere, teils regional verwendete oder veraltete Bezeichnungen sind: Krausdistel, Gemeine Brachdistel, Rolldistel, Radendistel, Elend, Unruhe[1]. Er blüht im Juli und August.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 15 bis 60 cm, kann jedoch auch gelegentlich 1 m erreichen. Sie ist grau bis gelblich-grün gefärbt und sparrig verzweigt. Die ersten Laubblätter sind ungeteilt und von länglicher Gestalt, die späteren sind handförmig-fiederschnittig bis doppelt-fiederspaltig oder dreizählig doppelt-fiederspaltig und dornig gezähnt. Die unteren sind gestielt, die oberen stängelumfassend.

Die Dolden sind zahlreich vorhanden, dicht und von halbkugeliger bis walzlicher Gestalt und besitzen zahlreiche, linealische Hochblätter. Die Blüten stehen dicht. Der Blütenstand besitzt zahlreiche Hochblätter, die aus den Dolden herausragen. Die Krone ist weiß oder graugrün gefärbt. Die Frucht ist schuppig.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Feld-Mannstreu ist eine ausdauernder Hemikryptophyt (Halbrosettenpflanze), ein Tiefwurzler (der walzlich-spindelförmige Wurzelstock wurzelt bis 2 m tief), ein Xerophyt mit kaum welkenden dornigen Blättern. Die vielen Dornen schützen die Pflanze vor Fraßschäden durch Weidetiere.

Die Blütendolden sind analog dem Blütenstand der Korbblütler zu einem kopfigen Blütenstand vereint. Es handelt sich um Nektar führende „Körbchenblumen“. Die Blütenkörbe sind von dornigen Hüllblättern umgeben. Steif aufrechte Kelchblätter formen „kleine Trichterblumen“. Auf den Gesamtblütenstand bezogen sind die Blüten andromonözisch verteilt: Die Dolden erster bis dritter Ordnung tragen meist nur zwittrige Blüten, die Dolden vierter Ordnung meist nur kleine männliche Blüten. Die zwittrigen Blüten sind vormännlich.

Der Nektar ist nur Insekten mit mindestens 2 mm langem Rüssel zugänglich z.B. Bienen und Schmetterlingen. Fliegen fressen nur den Pollen.

Die Pflanzen sind typische „Bodenroller“ (Chamaechorie-Strategie): Reif werden die Sprosse bei Windgeschwindigkeiten von mindestens 4 m/s an einer vorgegebenen Abbruchstelle am Wurzelballen abgerissen und dann als Ganzes fortgerollt, wobei die Früchte allmählich ausgestreut werden. Verhaken sich mehrere Pflanzen, entstehen mehr oder weniger große „Steppenhexen“, wie sie oft meterhoch – besonders für osteuropäische Steppen charakteristisch sind. Ausbreitung erfolgt außerdem als Wind- und Tierstreuer (Klettfrüchte). Die Früchte sind Licht- und Frostkeimer.

Vorkommen[Bearbeiten]

Allgemeine Verbreitung[Bearbeiten]

Der Feld-Mannstreu kommt vom Mittelmeergebiet bis Mitteleuropa, Südengland, Mittelrussland bis Persien und Afghanistan vor. Er ist ein europäisch-kontinental-mediterran-submediterranes Florenelement.

Verbreitung in Mitteleuropa[Bearbeiten]

Feld-Mannstreu

Eryngium campestre kommt zerstreut bis verbreitet insbesondere im Elbe- und Rheintal (Großer Sand (Mainz)), sowie im Maingebiet vor. Sonst ist er selten. In Norddeutschland, den Alpen und der bayerischen Hochebene ist er nur vereinzelt vorhanden oder fehlt ganz.

In Österreich ist er im Pannonischen Gebiet mäßig häufig, sonst selten zu finden. Die Vorkommen erstrecken sich auch die Bundesländer Wien, Niederösterreich, das Burgenland und Oberösterreich. In der Steiermark und in Tirol sind nur unbeständige Vorkommen bekannt, in Kärnten und Salzburg ist die Art ausgestorben. Im nördlichen Voralpengebiet gilt der Feld-Mannstreu als gefährdet.[2]

In der Schweiz kommt er selten vor allem im südwestlichen Teil vor.

Standort[Bearbeiten]

Der Feld-Mannstreu siedelt zerstreut in sonnigen Kalk-Magerrasen und -weiden und an Wegrainen und Dämmen. Er bevorzugt im Sommer trockene Böden an warmen Stellen.

Nach Ellenberg ist er eine Volllichtpflanze, ein Wärmezeiger, intermediär kontinental verbreitet, ein Trockniszeiger, auf stickstoffarmen Standorten wachsend und eine Klassencharakterart der Kalk-Magerrasen (Festuco-Brometea).

Pharmakologie, Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Für die Wurzel und das Kraut werden Saponine und wenig ätherisches Öl als Inhaltsstoffe angegeben. Die Wurzel soll geringe schleimlösende und spasmolytische Wirkung haben, das Kraut einen (schwach) diuretischen Effekt. In früherer Zeit wurde die Wurzel auch verwendet, um daraus angeblich harntreibende und menstruationsfördernde Arzneimittel herzustellen[1] Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit fehlen. Über unerwünschte Wirkungen ist nichts bekannt.

Artenschutz[Bearbeiten]

  • Der Feld-Mannstreu ist nach dem BArtSchV besonders geschützt.
  • Die seltene Amethyst-Sommerwurz (Orobanche amethystea) parasitiert an Eryngium campestre.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b E. Winkler: Real-Lexikon der medicinisch-pharmaceutischen Naturgeschichte und Rohwaarenkunde. Band I, Leipzig 1840
  2.  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 837.

Literatur[Bearbeiten]

Eryngium campestre bei Saratow in Russland
  •  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  •  Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer, Manfred A. Fischer (Hrsg.): Exkursionsflora von Österreich. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  •  Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  •  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  •  Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0.
  •  Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Große Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  •  Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen. Die Flora von Deutschland interaktiv. Sehen – Bestimmen – Wissen. Der Schlüssel zur Pflanzenwelt. CD-ROM, Version 2.0, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-494-01368-3.
  • Dietrich Frohne: Heilpflanzenlexikon. Ein Leitfaden auf wissenschaftlicher Grundlage. 7. völlig neu bearb. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart 2002, ISBN 3-8047-1897-3.
  • Tobias Jesske: Geobotanische und populationsgenetische Untersuchungen an Eryngium campestre. AG für Vegetationsökologie und experimentelle Pflanzensoziologie, TU Braunschweig, PDF-Datei.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Feld-Mannstreu – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien