Feld-Trichterling

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Feld-Trichterling
Clitocybe dealbata 1.jpg

Feld-Trichterling (Clitocybe dealbata)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Ritterlingsverwandte (Tricholomataceae)
Gattung: Trichterlinge (Clitocybe)
Art: Feld-Trichterling
Wissenschaftlicher Name
Clitocybe dealbata
(Sowerby) Kummer[1]

Der Feld-Trichterling (Clitocybe dealbata) ist ein Pilz aus der Familie der Ritterlingsverwandten (Tricholomataceae) mit kleinen, weißen Fruchtkörpern, der auf Rasen, Wiesen und anderen grasbewachsenen Standorten in Europa und Nordamerika sehr verbreitet ist. Er kann eine potenziell tödliche Menge an Muscarin enthalten.

Merkmale[Bearbeiten]

Er hat kleine, weißlich oder cremegelb bis blass fleischockerfarbene Fruchtkörper mit einem 2 bis 5 Zentimeter breiten, dünnfleischigen, abgeflachten und auch später kaum niedergedrückten oder aber fast trichterförmigen Hut. Die Hutoberfläche ist matt, weißlich und schwach bereift. Der Rand ist eingebogen, stellenweise leicht gekerbt, jung eingerollt und im Alter wellig. Die gedrängt stehenden Lamellen sind cremeweiß mit ockerfarbenen oder fleischfarbenen Reflexen und sind am Stiel breit angewachsenen oder laufen kurz daran herab. Der Sporenabdruck ist weiß. Der Stiel ist 2 bis 4 Zentimeter hoch und 0,5 bis 1 Zentimeter stark und zylindrisch geformt. Oft ist er außerhalb der Hutmitte angewachsen. Er ist faserig beschaffen, erst vollfleischig und im Alter hohl. Seine Oberfläche ist wie der Hut gefärbt und an der Spitze manchmal bepudert. Das Fleisch ist blass, wässrig und blass fleischfarben und hat einen mehlig-spermatischen Geruch und milden, mehligen Geschmack. Die Sporen sind hyalin, oval geformt, haben eine glatte Oberfläche und messen 3 bis 4 auf 5 bis 6 Mikrometer.[2][3][4][5]

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Der Feld-Trichterling gehört zu einer Reihe von sehr ähnlichen, giftigen Arten aus der Sektion Candicantes, zu denen auch der Rinnigbereifte Trichterling (Clitocybe rivulosa) gehört. Diese können oft nur von Experten unterschieden werden. Die beiden Arten Clitocybe rivulosa und Clitocybe dealbata werden zudem in der Literatur oft unterschiedlich interpretiert.[2]

Unerfahrene Pilzsammler, die Nelken-Schwindlinge (Marasmius oreades) oder andere weißhütige Speisepilze wie Maipilz (Calocybe gambosa), Mehlpilz (Clitopilus prunulus), verschiedene weiße Schnecklinge und Ellerlinge oder weiße Egerlinge oder Ritterlinge sammeln, können diese leicht mit sehr giftigen Trichterlingen aus der Verwandtschaft des Feld-Trichterlings verwechseln, da diese teilweise an den gleichen Standorten vorkommen können.[6]

Verbreitung und Ökologie[Bearbeiten]

Der Feld-Trichterling ist in Europa und Nordamerika verbreitet und häufig. Er lebt als Saprobiont in grasbewachsenen Lebensräumen außerhalb geschlossener Wälder. Er fruchtet von Juli bis November mit oft gesellig, möglicherweise in Hexenringen stehenden Fruchtkörpern.[7] Unglücklicherweise erscheint er oft auf grasbewachsenen Bereichen, wo er von Kindern oder Kleinkindern angetroffen wird. Dies kann das Risiko versehentlichen Verzehrs erhöhen.[8]

Inhaltsstoffe, Zusammensetzung[Bearbeiten]

Der hauptsächliche giftige Stoff des Feld-Trichterlings ist Muscarin und daher sind die Symptome die einer Muscarinvergiftung, nämlich stark erhöhter Speichelfluss, Schwitzen und Tränenfluss innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach Einnahme. Bei großen Dosen können diese Symptome gefolgt sein durch Bauchweh, starke Übelkeit, Durchfall, verschwommene Sicht und schwerfällige Atmung. Vergiftungen klingen im Allgemeinen innerhalb von zwei Stunden ab. Die Todesfolge ist selten, kann aber in schweren Fällen durch Herz- oder Atemversagen eintreten. Das spezifische Antidot ist Atropin.[8]

Systematik und Taxonomie[Bearbeiten]

Der Feld-Trichterling wurde erstmals 1799 von dem britischen Naturforscher James Sowerby als Agaricus dealbatus beschrieben.[9] 1871 erhielt er seinen derzeitigen Namen, als er von Paul Kummer in die Gattung Clitocybe gestellt wurde.[1] Die Art wird oft als synonym mit Clitocybe rivulosa angesehen[10] und nach Marcel Bon[11] könnte der Name Clitocybe dealbata als Nomen dubium ungültig sein, da Sowerbys Beschreibung nicht mit der friesschen übereinstimmt.

Das Art-Epitheton ist von dem lateinischen Verb dealbare abgeleitet, welches „übertünchen“ oder „weißen“ bedeutet.[12] Wegen der Vergiftungssymptome ist er im Englischen auch als „sweating mushroom“ („Schwitz-Pilz“) bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Clitocybe rivulosa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b  Paul Kummer: Der Führer in die Pilzkunde. Anleitung zum methodischen, leichten und sicheren Bestimmen der in Deutschland vorkommenden Pilze. 2. Auflage. G. Luppe, Hof-Buchhandlung, Zerbst 1882, S. 126 (biodiversitylibrary.org).
  2. a b  Marcel Bon (Hrsg.): Pareys Buch der Pilze. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-09970-9, S. 136.
  3. R. Phillips: Mushrooms of Great Britain and Europe. Pan Books, 1985, ISBN 0-330-26441-9.
  4.  Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-12408-8, S. 136.
  5.  Hans E. Laux: Essbare Pilze und ihre giftigen Doppelgänger. Pilze sammeln – aber richtig. Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 2005, ISBN 978-3440102404, S. 52.
  6.  Hans E. Laux (Hrsg.): Der Kosmos PilzAtlas. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-10622-5, S. 56.
  7. H. Haas: The Young Specialist looks at Fungi. Burke, 1969, ISBN 0-222-79409-7.
  8. a b D. R. Benjamin (1995). Mushrooms, Poisons and Panaceas: A Handbook for Naturalists, Mycologists, and Physicians. W. H. Freeman & Co. ISBN 0-7167-2649-1
  9.  James Sowerby: Coloured Figures of English Fungi or Mushrooms. J. Davis, 1799, S. Tafel 123 (Coloured Figures of English Fungi or Mushrooms - t. 123.jpg).
  10. Thomas W. Kuyper: Some taxonomic and nomenclatural changes in the Tricholomataceae, tribus Clitocybeae. In: Persoonia. 16 - 2, 1996.
  11. Marcel Bon: Flore mycologique d'Europe 4 – Les clitocybes, omphales et ressemblants. M. Bon, Quai Jeanne d'Arc, 80230 St. Valéry-sur-Somme, France April 1997.
  12. D. P. Simpson: Cassell's Latin Dictionary, 5, Cassell Ltd., London 1979, ISBN 0-304-52257-0, S. 883.