Feldenkrais-Methode

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Die Feldenkrais-Methode ist nach ihrem Begründer Moshé Feldenkrais (1904-1984) benannt. Ihrem Selbstverständnis nach orientiert sie sich am Prinzip des so genannten organischen Lernens, eines somatischen Bewegungslernens und ist damit im Feld der Körpertherapien angesiedelt. Die Feldenkrais-Methode differenziert sich in zwei eng miteinander in Verbindung stehende, jedoch unabhängig voneinander praktizierbare Techniken namens Bewusstheit durch Bewegung und Funktionale Integration. Während es sich bei der erstgenannten um einen vorrangig verbal angeleiteten Gruppenunterricht handelt, liegt der Fokus der funktionalen Integration auf der nonverbalen, vorwiegend körperlichen Interaktion im Rahmen einer Einzelarbeit zwischen LehrerIn und SchülerIn.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Begründer

Moshé Feldenkrais war Physiker und vor allem 20 Jahre lang auch Judolehrer. Er nahm Unterricht bei Heinrich Jacoby, der über ihn notierte: „Trotz großer körperlicher Gewandtheit, Kraft, Courage repräsentiert Dr. F. weder in seiner Sprechweise noch in seiner Bewegungsqualität das, was er 'theoretisch' als wünschenswert formuliert. (...) Aber er ist sehr bereit, das selber zuzugestehen, bereit, zu probieren und infrage zu stellen.“

[Bearbeiten] Methode

Die Methode basiert auf Judo, auf der künstlerischen Körperschulung der 1920er Jahre sowie auf Erkenntnissen der manuellen Medizin. Im Mittelpunkt der Methode stehen Bewegungsmuster, die den Lebensalltag eines Menschen prägen, und die Möglichkeiten, diese angemessen zu variieren. Sie möchte den Menschen befähigen, über die Wahrnehmung von Bewegungsabläufen seine Bewusstheit zu erweitern und größere sensomotorische Differenziertheit zu erlangen. Nachteilige Bewegungsmuster sollen gelöst und neue Bewegungsalternativen aufgezeigt werden. Auf diese Weise kann er schließlich besser erkennen und verstehen, wie er sich selbst wahrnimmt und im täglichen Leben organisiert. Beschwerden werden zu entsprechenden Bewegungsmustern zurückverfolgt und Defizite möglichst durch andere, neu erkannte Bewegungsmöglichkeiten überbrückt. Indem sich der Lernende über das eigene Tun bewusst wird, entsteht neue Beweglichkeit für Körper und Geist.

Die Methode findet insbesondere zur Wiedererlangung der vollen Mobilität nach Verletzungen in der Rehabilitation und beim Abbau von fehlhaltungsbedingten Schmerzen Anwendung. Ihrem Konzept nach können jedoch Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen von ihren Möglichkeiten profitieren. Sie soll geistige und körperliche Frische bis ins hohe Alter erhalten helfen. Auch beispielsweise für Musiker, Tänzer, Sportler und andere an Bewegung Interessierte kann sie von Nutzen sein.

Moshé Feldenkrais ging davon aus, dass menschliches Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Bewegen niemals isoliert anzutreffen sind, sondern gemeinsame „Zutaten“ menschlichen Handelns seien. Bewegung war für ihn Ausdruck der ganzen Person und schien ihm der am besten geeignete Ansatzpunkt, um Verbesserungen zu erreichen. Entscheidende Idee war für ihn dabei die menschliche Fähigkeit zur Selbsterziehung, einer Erziehung, die nicht durch äußere gesellschaftliche Umstände bedingt ist, sondern von den Wünschen und Möglichkeiten des Individuums ausgeht.

[Bearbeiten] Varianten

Die Methode wird von ausgebildeten Feldenkrais-Lehrern in Gruppen- und Einzelunterricht gelehrt.

  • Der Gruppenunterricht (Bewusstheit durch Bewegung genannt) führt dabei verbal angeleitet durch eine Folge von einzelnen oft kleinen, einfachen Bewegungen, die von Wahrnehmungshinweisen auf einzelne Details der Bewegung begleitet werden. Häufig fügen sich die einzelnen Details zum Ende einer Lektion zu einer größeren Bewegung zusammen, die üblicherweise dadurch mit mehr Leichtigkeit und weniger Anstrengung ausgeführt werden können.
  • Die Einzelarbeit (Funktionale Integration) bedient sich leichter, präziser Berührung als Mittel der unmittelbaren körperlichen Kommunikation anstelle der Sprache und ermöglicht das Erspüren von Bewegungszusammenhängen und das effizientere Zusammenspiel der an einer Bewegung beteiligten Einzelkomponenten. Eine solche Unterrichtseinheit kann gezielt auf einzelne, vom Lernenden eingebrachte Aspekte ausgerichtet sein, oder ein umfassenderes Ziel verfolgen.

Feldenkraisunterricht wird in vielen Bereichen verwendet:

  • Gesundheitsvorsorge, Verletzungsvorbeugung, Schmerzbewältigung
  • Arbeit mit Behinderten
  • Rehabilitation (z.B. nach Unfällen, Knochenbrüchen, Tinnitus, neurologischen Erkrankungen)
  • Tanz, Theater, Musik, Kunst
  • Kampfkünste, Sport

[Bearbeiten] Kontext

Bei der Entwicklung seiner Methode wurde Feldenkrais unter anderem von Gustav Fechner, Frederick Matthias Alexander, Gerda Alexander, Georges I. Gurdjieff, Émile Coué, Milton Erickson, William Bates, Milton Trager (siehe auch Trager-Methode), Heinrich Jacoby und Kanō Jigorō beeinflusst. Neuere Bewegungs- und Wahrnehmungskonzepte wie Semota basieren ebenfalls auf theoretischen Grundlagen der Feldenkraispädagogik.


Da sich die Methode nur teilweise als Therapierichtung begreift und ein komplexes Menschenbild zugrunde legt, stellt sich zudem die Frage nach angemessenen Beurteilungskriterien und einer entsprechenden Methodologie. In verschiedenen medizinischen Feldern (z. B. in der Rehabilitation, in psychosomatischen Kliniken wie auch in der Traumatherapie) unterstützen Feldenkrais-Pädagogen den Heilungsprozess. Sensomotorisches Lernen geschieht hierbei durch Bewusstwerden von Bewegungsabläufen. Schließlich ist die Feldenkrais-Methode schwer einzuordnen. Auffällig ist der starke Bezug auf ihre Gründungsfigur (Moshé Feldenkrais), die pyramidale Struktur, die fehlende staatliche Zertifizierung und das Fehlen evidenzbasierender, wissenschaftlicher Studien.[1] Objektive Untersuchungen "von außen" konnten noch nicht die therapeutisch vorhergesagten Wirkungen belegen.[2][3][4] Zugleich gibt es einen umfangreichen und wachsenden Korpus an Einzelfallstudien (Kasuistiken) und wissenschaftlicher Arbeiten.[5][6]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.vikas.de/federspiel%20-%20feldenkraismethode.html
  2. Federspiel K, Herbst V: Die Andere Medizin. 3. Aufl., Stiftung Warentest Verlag, 1994.
  3. Gutman GM, Herbert CP, Brown SR: „Feldenkrais versus conventional exercises for the elderly“. In J Gerontol, 32, 562–572, 1977.
  4. James M, Kolt G, McConville J, Bate P: „The effects of a Feldenkrais program and relaxation procedures on hamstring length“. In Aust J Physiother, 44, 49–54, 1998.
  5. http://www.feldenkrais-foerderverein.de/index.php?option=com_content&view=article&id=62&Itemid=56
  6. http://feldenkrais-method.org/en/biblio

[Bearbeiten] Primärliteratur

  • Moshé Feldenkrais: Bewusstheit durch Bewegung. 1968, ISBN 3-518-06929-2.
  • Moshé Feldenkrais: Das starke Selbst. 1985.
  • Moshé Feldenkrais: Abenteuer im Dschungel des Gehirns. Der Fall Doris. 1977, ISBN 3-518-37163-0.
  • Moshé Feldenkrais: Die Entdeckung des Selbstverständlichen. 1981, ISBN 3-518-37940-2.

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

  • Roger Russell (Hrsg.): Feldenkrais im Überblick. 2004, Junfermann.
  • Roger Russell: Dem Schmerz den Rücken kehren: Die kluge Lösung für Rückenschmerzen. Die Feldenkrais-Methode in der Praxis. 2005, Junfermann.
  • Carl Ginsburg: The Intelligence of Moving Bodies: A Somatic View of Life and its Consequences. 2010, AWAREing Press.
  • Norbert Klinkenberg: Feldenkrais-Pädagogik und Körperverhaltenstherapie. 2005, Loeper.
  • Jeremy Krauss: Einfach bewegen: Feldenkrais - Der Weg zur Verbesserung von Bewegung und Beweglichkeit. 1996. Junfermann.
  • Carola Bleis: Feldenkrais. 2011, BLV, ISBN 978-3-8354-0741-1

[Bearbeiten] Weblinks