Feldhase (Dürer)

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Feldhase (Albrecht Dürer)
Feldhase
Albrecht Dürer, 1502
Aquarell, Deckfarben, weiß gehöht, 25,1 × 22,6 cm
Albertina (Wien)

Der Feldhase auch Hase[1] oder junger Hase genannt, ist ein Aquarell von Albrecht Dürer und wohl die berühmteste aller Naturstudien Dürers, Entstehungsjahr 1502. [2][3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Feldhase ist auf dem annähernd quadratischen Papier in der fallenden Blattdiagonale von links oben nach rechts unten in hockender Position dargestellt. Der Hase blickt, dieser Diagonale folgend, in den Raum außerhalb der Bildfläche. Daraus ergibt sich die Ansicht im Dreiviertelprofil. Der Kopf, die Löffel und die Brustpartie sind in Untersicht, die Rückendecke und die Hinterhand in Aufsicht dargestellt. Dadurch wird alles Wesentliche der Komplexität des Hasen gezeigt. Die Grundierung ist aquarelliert und reicht von Rehbraun über Graubraun bis zu gebrochenem Weiß. Auf diese Grundierung sind die rhythmisch strukturierten Haarlagen gesetzt. Sie sind jedoch weniger ornamental als etwa bei Dürers Selbstportrait von 1500. Die Zeichnung der Haare veranschaulicht die Felldehnung in der Hockstellung und ebenso die weiche, glänzende Haptik des Fells.

Die Löffel sind zeichnerisch knapper ausgeführt. Der Pinselduktus ist kurz und knapp. Der am Bild linke Löffel ist nach hinten abgeknickt und dem Betrachter zugewendet. Zusammen mit dem ebenfalls dem Betrachter zugewandten Auge versinnbildlicht er die tierische Wahrnehmung.[4] Im Auge spiegelt sich ein Fensterkreuz. Der rechte Löffel ist – wie auch das Auge – vom Betrachter abgewandt. In den nicht sichtbaren Raum, in den dieses Auge blickt, fällt auch der Schatten des Hasen sowie die langen Vibrissen des Auges und des Äsers.

Es ist keine Sitzfläche oder Umgebung dargestellt. Dennoch erweckt der Hase den Eindruck, als würde er für den Moment des Betrachtens stillsitzen:

In der gekonnt inszenierten Ambivalenz zwischen statischer, schaubarer Präsenz und Bewegungs- und Fluchtlatenz liegt der überzeitliche Reiz dieses Blattes. [...] Nach jedem Blick ist verwunderlich, dass der Feldhase noch harrt.[4]

Entstehung[Bearbeiten]

Der Feldhase wird in diesem Bild nicht als Attribut und wahrscheinlich ohne symbolische Bedeutung dargestellt.

Es ist praktisch auszuschließen, dass Dürer einen lebenden Feldhasen gezeichnet und gemalt hat.[4] Das vielfach als Argument für die Lebendigkeit angeführte sich im Auge des Hasen spiegelnde Fensterkreuz ist jedoch ein formelhaftes Element und kommt in mehreren Werken Dürers vor. Er hatte es aus der niederländischen Malerei übernommen.

Es gibt weitere Darstellungen von Hasen bei Dürer. Dazu gehören:

  • Die Heilige Familie mit den drei Hasen
  • Auf dem Bild Die Versuchung ist ein Hase abgebildet, der sich entsetzt abwendet, als Eva den Apfel nimmt.
  • Eine Federzeichnung in Basel zeigt rechts unten drei Hasen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hase des Malers Hans Hoffmann mit Dürers Monogramm und der Jahreszahl 1528, dem Jahr von Dürers Tod

Bereits im 16. Jahrhundert und besonders um 1600 gab es eine große Zahl von Wiederholungen und Nachahmungen. Dreizehn sind heute bekannt, davon drei freie Varianten, die einen Hasen von vorne zeigen. Hans Hoffmann kopierte Dürers Werke, auch den Feldhasen, zum anderen wandelte er das Bild auch ab, indem er den Hasen im Wald oder in einem Ziergarten darstellte. Damit war die Entstehung des Tierstückes, eines neuen Bildtypus, eingeleitet.

Der Feldhase ist das prominenteste Objekt[2] der Albertina. In der Dauerausstellung ist eine Kopie zu sehen. Das Original wird nach Übereinkunft mit dem Denkmalamt alle fünf Jahre nur zwei Mal ausgestellt.[5] Bis heute markiert es Materialien des Künstlerbedarfs.

Im Jahre 2002, anlässlich des 500. Jahrestags seiner Datierung, sowie auch während der Dürer-Ausstellung im Jahre 2003 in der Albertina erregte das Bild in der Öffentlichkeit und in den Medien reges Interesse.

Das Madrider Museum Prado hatte der Albertina für die große Dürer-Ausstellung im Jahr 2003 das berühmte Dürer-Selbstbildnis aus dem Jahr 1498 geliehen und bekam im Jahr 2005 als Gegenleistung den Feldhasen für die Ausstellung „Durero – Obras Maestras de la Albertina“. Der Verleih war umstritten, weil die Ausfuhrgenehmigung zu spät beantragt wurde.[6] Der Feldhase blieb für die gesamte Ausstellungsdauer in Madrid.[7][8]

Zu einer Leihgabe von Dürer Werken im Jahr 2013 an die National Gallery of Art, Washington, USA, gehörte der Feldhase nicht.[9]

Nach 10 Jahren ist das Original vom 14. März bis 29. Juni 2014 in der Ausstellung „Die Gründung der Albertina - zwischen Dürer und Napoleon“ zu sehen. Das nächste Mal wird das Werk 2016 in einer Dürer-Ausstellung zu sehen sein.[5] Seit Kurzem gibt es eine "Gigapixel"-Aufnahme von Google.(Giga-Hase)

Literatur[Bearbeiten]

  • Albrecht Dürer 1471 bis 1528. Das gesamte graphische Werk. Bd. 1: Handzeichnungen, Herrsching o.J., S. 284.
  • Heinz Widauer: Feldhase. In: K. A. Schröder, M. L. Sternath: Albrecht Dürer. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2003, S. 268. ISBN 3-7757-1330-1
  • Elisabeth M. Trux: Überlegungen zum Feldhasen und anderen Tierstudien Dürers mit einer Datierungsdiskussion. In: K.A. Schröder, M.L. Sternath: Albrecht Dürer. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2003, S. 45-55. ISBN 3-7757-1330-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handzeichnungen, S. 284.
  2. a b Heinz Wiedauer: Feldhase, 2003.
  3. Albertina Online: Feldhase, 2013
  4. a b c E.M. Trux: Überlegungen zum Feldhasen, 2003.
  5. a b  Endlich: Der echte Dürer-Hase!. In: Wiener Bezirkszeitung - Alsergrund. Nr. 13, Wien 26. März 2014, S. 12.
  6. DW Kultur: „Dürers Feldhasen widerrechtlich auf Reisen“ - 2005
  7. Die Presse: „Feldhase: Ende der Affäre“ - 2005
  8. ART Heftarchiv - 2005
  9. Heute.at: „Albertina verborgt 118 Dürer-Werke an US-Museum“ - 2013