Felipe Pérez Roque

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Felipe Pérez Roque
(beim Gipfeltreffen der blockfreien Staaten 2006, Foto: Marcello Casal Jr/ABr)

Felipe Ramón Pérez Roque (* 28. März 1965 in Havanna) war von 1999 bis 2009 Außenminister der Republik Kuba. Zum Zeitpunkt seiner Amtsübernahme war er der jüngste Minister des kubanischen Kabinetts.

Felipe Pérez Roque war Vorsitzender des kubanischen Studentenverbandes FEU und schloss sein Studium als Elektroingenieur ab. Vor seinem Ministeramt war er Leiter der Unterstützungsgruppe von Fidel Castro. Er war Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Mitglied des Staatsrates.

Seine Amtszeit als Außenminister war bestimmt durch eine aktive Außenpolitik, die schließlich in dem Gipfeltreffen der Blockfreien Staaten im September 2006 in Havanna mündete. Felipe Pérez Roque galt in internationalen Medien zusammen mit Carlos Lage als einer der jüngeren kubanischen Politiker, die bei einem Generationswechsel in der politischen Führung des Landes eine wichtige Rolle spielen könnten. In der kubanischen Bevölkerung galt er aber als Vertreter der bisherigen Politik und nicht als Hoffnungsträger für Veränderungen.[1]

Im Rahmen einer größeren Kabinettsumbildung am 2. März 2009 verlor Pérez Roque sein Amt. Sein Nachfolger im Amt des Außenministers ist der bisherige Vizeminister Bruno Rodríguez Parrilla.[2] Einen Tag später trat er von allen politischen Ämtern im Staatsrat, Zentralkomitee der PCC und als Abgeordneter der Asamblea Nacional zurück. Pérez Roque und der gleichzeitig vom Amt des Exekutivsekretärs des Ministerrates abberufene Carlos Lage erkannten in ähnlich lautenden Briefen an Staats- und Regierungschef Raúl Castro an, Fehler gemacht zu haben.[3] Zuvor bemerkte der erkrankte Ex-Staatschef Fidel Castro, einige der entlassenen Minister seien vom „Honig der Macht“ vergiftet gewesen. „Der äußere Feind verband gewisse Illusionen mit ihnen.“, schrieb er[4], ohne konkretere Angaben zu machen.[5][6] Laut einem Artikel der New York Times wurden bei einer Hausdurchsuchung von Conrado Hernández, kubanischer Staatsbürger und Handelsvertreter der baskischen Regionalregierung, heimlich mitgeschnittene, möglicherweise für den spanischen Geheimdienst bestimmte Aufnahmen gefunden, in denen Lage und Pérez Roque, die sich auf Hernández’ Bauernhof regelmäßig zu Partys trafen, vulgäre Witze über Fidel und Raúl Castro sowie Vizepräsident José Ramón Machado Ventura gerissen hätten.[7] Wenige Monate nach der Entlassung wurde Parteimitgliedern im ganzen Land eine dreistündige Videodokumentation vorgeführt, die das Fehlverhalten von Pérez Roque und Lage sowie mehrerer weiterer abgesetzter Spitzenfunktionäre belegt und erläutert.[8][9] Die kubanischen Medien berichteten hierüber nichts.

Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist Pérez Roque nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten und arbeitet inzwischen in seinem erlernten Beruf als Elektroingenieur.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Felipe Pérez Roque – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiener Zeitung: Erst nach der Wahl wird es spannend, zugegriffen am 20. Januar 2008
  2. Associated Press/Yahoo.com: Cuba replaces top Cabinet ministers vom 2. März 2009
  3. Brief von Felipe Pérez Roque an Raúl Castro. Granma, 3. März 2009, archiviert vom Original am 6. März 2009, abgerufen am 14. November 2013 (spanisch).
  4. Fidel Castro: Heilsame Veränderungen im Ministerrat vom 3. März 2009
  5. RIA Novosti Castro erläutert Regierungsumbildung: Vom „Honig der Macht“ vergiftet vom 4. März 2009
  6. El País/Mauricio Vicent: Lage y Pérez Roque se autoinculpan en la prensa de sus "errores" (Spanisch) vom 6. März 2008
  7. New York Times: In Cuba, Change Means More of the Same, With Control at the Top vom 10. April 2009
  8. Marc Frank: Cuba's Raúl conducts purge by video (Englisch) In: Financial Times vom 15. Juli 2009, abgerufen am 28. April 2011
  9. Dalia Acosta: Video Sheds Light on Raúl Castro's Strict Approach (Englisch) In: IPS news vom 29. Juni 2009, abgerufen am 28. April 2011
  10. Cuba: excarcelado primo de ex vicepresidente Lage (Spanisch) AFP vom 25. März 2011, abgerufen am 28. April 2011