Felixstowe (Flugzeug)

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Felixstowe F.3, Kanada 1920

Felixstowe war ein Baureihe britischer Flugboote, die im Ersten Weltkrieg zur Luftaufklärung über der Nordsee konzipiert wurde.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Ab 1913 hatte die Amerikanische Flugzeugfirma Curtiss Aeroplane and Motor Company eine erste Serie von Flugbooten für den Patrouillendienst entworfen, die sog. H-Serie. Initiator dieser Maschinen war der Kommandeur des Royal Naval Air Service (RNAS), John C. Porte. Zu dieser Zeit waren die Flieger noch keine eigenständige Teilstreitkraft (die Royal Air Force wurde erst am 1. April 1918 – durch den Zusammenschluss des Royal Flying Corps und des RNAS – gebildet):

Besagter John C. Porte avancierte bei Kriegsbeginn zum Kommandeur der Marine-Flugbasis in Felixstowe, von wo Curtiss-H4-Flugboote die Nordsee überwachten. Wie bei allen Flugzeugmodellen jener Zeit war die Technik längst nicht ausgereift. Die erste verbesserte Serie von Nachfolgemodellen, vor allem mit verbessertem Rumpf, mündete in die "Felixstowe"- Baureihe.

Die Felixstowe F-Flugboote wurden ab 1916 von John Cyrill Porte im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland entworfen. Es waren große zweimotorige Doppeldecker-Flugboote. Sie dienten als Aufklärungsflugzeuge und zur U-Bootabwehr im Ersten Weltkrieg.

Die Felixstowe-Flugboote basierten auf den amerikanischen Curtiss-Flugbooten H4, H12 und H16. John Cyrill Porte hatte bereits 1914 bei Curtiss an der H4 gearbeitet. Porte starb 1919 im Alter von 36 Jahren an einer schweren Krankheit.

Die Felixstowe-Maschinen[Bearbeiten]

Während des Krieges, von 1915 bis 1918, wurden insgesamt vier Baureihen entworfen und gebaut. Die "Felixstowe F.2" war das Standard-Flugboot der englischen Marine, insgesamt 110 Stück wurden gebaut. Die "Felixstowe F.3" war als Bomber-Version konzipiert.

Felixstowe F.1[Bearbeiten]

Die F.1. basierte auf der H4. Porte entwarf einen neuen Bootsrumpf und setzte neue Motoren vom Typ Hispano-Suiza ein. Die F.1 diente allerdings nur als Prototyp für die erfolgreiche F.2-Serie.

Felixstowe F.2 und F.2A[Bearbeiten]

Die F.2 erhielt neue leistungsstärkere 345 PS Rolls-Royce Eagle VII-Motoren und basierte auf der Curtiss H12. Der F.2-Prototyp wurde noch leicht modifiziert und ging als F.2A im Jahr 1917 in Serie. Über 100 Maschinen dieses Typ wurden gebaut. Die F.2A erwies sich als exzellentes Flugzeug. Sie war mit vier bis sieben 7,7-mm Lewis-MGs stark bewaffnet und sehr manövrierfähig. Gegnerische Seeflugzeuge hatten in ihr einen sehr starken Gegner. Die Maschinen konnte über neun Stunden fliegen und zwei 104-kg-Bomben tragen. Mehrere U-Boote und Luftschiffe wurden von ihr zerstört.

Am 4. Juli 1918 wurden allerdings drei F.2A durch drei moderne Seekampfflugzeuge vom Typ Hansa-Brandenburg W.29 abgeschossen.

Felixstowe F.3[Bearbeiten]

Die F.3 erhielt wiederum neue 350 PS leistende Rolls-Royce-Eagle-VIII-Motoren. Sie war erheblich größer als die F.2A und konnte mehr Bombenlast tragen. Das Cockpit war geschlossen. Die Größe und das Gewicht machten sie allerdings zu langsam gegenüber den gegnerischen Seeflugzeugen. Sie musste sich deshalb auf die U-Bootbekämpfung beschränken. Eine Reihe von Maschinen wurde auf Malta gebaut und im Mittelmeer stark eingesetzt. Insgesamt wurden weit mehr als 100 F.3 gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Maschinen nach Kanada und Chile verkauft.

Im Jahr 1920 wurde eine F.3 in Kanada für Trans-Kanadaflüge getestet. Der Pilot Robert Leckie unternahm einen Testflug von Riviére du Loup nach Winnipeg. Die kanadischen F.3 erwiesen sich allerdings als sehr störanfällig und wurden Stück um Stück durch Curtiss HS2L ersetzt.

Felixstowe F.5 und Naval Aircraft Factory F.5L[Bearbeiten]

Die "Felixstowe F.5" schließlich war ein kompletter Neuentwurf, der bis 1925 das britische Standard-Flugboot blieb (in jenem Jahr wurde die Supermarine Southampton eingeführt). Dieses Modell wurde auch in den USA in Lizenz nachgebaut. Die F.5 war eine Ableitung von der H12 und der H16. Die Cockpits waren nicht mehr wie bei der F.3 geschlossen. Die Größe entsprach praktisch der der F.3. Die F.5 erhielt 355-PS-Rolls-Royce-Eagle-VIII-Motoren. Für den Ersten Weltkrieg kam sie allerdings zu spät.

Die US Navy entschied, die F.5 als F.5L im großen Maßstab einzuführen. Die F.5L besaß zwei 12-Zylinder-Liberty-Motoren mit 330 PS Leistung. Die Auslieferung begann am 30. Juli 1918. Insgesamt wurden 227 F.5L für die Navy gebaut, davon 137 bei der Naval Aircraft Factory (NAF), 60 bei Curtiss und 30 bei Canadian Aeroplanes Ltd. Die F.5L blieb bis 1931 bei der US Navy im Einsatz.

Technische Daten der Felixstowe F.5[Bearbeiten]

  • Spannweite: 31,6 m
  • Länge: 15,0 m
  • Höhe: 5,7 m
  • Flügelfläche: 130,9 m²
  • Gewicht (leer): 4.128,0 kg
  • Gewicht (voll): 5.752,0 kg
  • Triebwerk: 2 x 350,0 PS
  • (Rolls-Royce-12Zylinder "Eagle VIII")
  • Höchstgeschw.: 142,0 Km/h
  • Gipfelhöhe: 2.075,0 m
  • Flugdauer 7,0 h
  • Bewaffnung: 4 MG 7,7 cm
4 Bomben 104,0 kg

Technische Daten Felixstowe (NAF) F.5L[Bearbeiten]

Felixstowe (NAF) F.5L:
Kenngröße Daten
Länge    15 m
Flügelspannweite    31,6 m
Tragflügelfläche    130,9 m²
Höhe    5,7 m
Antrieb    Zwei Liberty-12-Zylindermotoren mit 330 PS
Höchstgeschwindigkeit    146 km/h
Reichweite    1231 km
Besatzung    vier Mann
Dienstgipfelhöhe    2438 m
Leergewicht    3955 kg
Fluggewicht    6022 kg
Bewaffnung    Sechs bis acht 7,7-mm-MGs, 417 kg Bomben

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Sharpe: "Doppeldecker, Dreidecker & Wasserflugzeuge", Dt. Ausgabe Bindlach 2001 – S. 176.

Weblinks[Bearbeiten]