Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal
Das Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal (amtliche Schreibweise, aufgrund der Flurbezeichnung historisch wohl richtiger Felsberg-Berntal[1]) im Landkreis Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) ist ein Ausläufer des östlichen Pfälzerwaldes, der sogenannten Haardt, zur Rheinebene hin. Das etwa 300 Hektar große Naturschutzgebiet, durch Rechtsverordnung vom 20. Dezember 1999[2] ab Januar 2000 unter Schutz gestellt, besteht aus dem Felsberg und dem Berntal. Die Herxheimer Karsthöhle in einem der Berghänge ist für archäologische und biologische Funde bekannt.
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[Bearbeiten] Geographie
Das Berntal mit dem Felsberg erstreckt sich über eine Länge von 1,2 Kilometer innerhalb der westlichen Bruchzone des Oberrheingrabens zunächst von Südwesten in Richtung Nordosten und dann weiter nach Osten. Es verläuft zwischen der Landesstraße 517 (Leistadt–Weisenheim am Berg) im Westen und der Deutschen Weinstraße (Bundesstraße 271 Kallstadt–Herxheim am Berg) im Osten, wobei es an beide Straßen angrenzt. Eine Bruchstufe im Nordwesten, der Abhang des Felsberges, ist besonders stark ausgeprägt.
Das Naturschutzgebiet umfasst Teile der Gemarkungen von Leistadt, Bad Dürkheim, Herxheim und Kallstadt sowie Areale, die der Verbandsgemeinde Freinsheim bzw. dem Landkreis Bad Dürkheim gehören. Die Flurbezeichnungen sind von West nach Ost Weidenhof, Felsberg und Gauberger Hohl.
[Bearbeiten] Geschichte
Der örtlich überkommene Name Felsberg, der im Amtsdeutsch zu Felsenberg wurde, erklärt sich selbst. Mit Berntal ist Bärental gemeint; in den zum großen Teil aus tertiärem Kalkstein bestehenden Hängen hatte das versickernde Regenwasser Hohlräume ausgewaschen, die früher Bären als Unterschlupf dienten. Die größte Höhle wird Herxheimer Karsthöhle genannt.[3] Sie besitzt eine Grundfläche von etwa 45 m² und umfasst rund 60 m³ Raum; ihr Alter wird auf fünf Millionen Jahre geschätzt.[4]
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte ein Herxheimer in der Höhle kleinere archäologische Funde gemacht, 1873 führte dann der Historiker Christian Mehlis erste Grabungen durch, die weitere kleine Fundstücke erbrachten, so Ringe und Schnallen aus Metall. In den 1960er Jahren schütteten Anlieger den Höhleneingang zu, weil sie spielende Kinder gefährdet sahen. Erst die Wiederfreilegung 1998 ermöglichte neue Forschungen, die auch 2008 noch andauerten.[4]
Welche Menschen die Höhle einst als Unterschlupf genutzt haben, ist im Dunkel der Geschichte verborgen; eine knöcherne Pfeilspitze, in den 1930er Jahren durch den Winzer Wilhelm Gabel gefunden, ermöglichte die früheste Datierung; der Tierknochen wurde 2005 an der Universität Kiel mit der Radiokarbonmethode auf etwa 4000 Jahre bestimmt.[5] Da keine DNA-Analyse in Auftrag gegeben wurde, ist die Tierart nicht bekannt. Spätere Nutzer waren vermutlich römische Soldaten, die dort einige Geldmünzen hinterlassen haben.[4]
Hauptsächlich in den 1960er und 1970er Jahren wurden die meisten Weinberge an den Hängen des Berntals mangels Rentabilität aufgegeben und verbuschten in der Folgezeit. Im Jahr 2000 wurde das gesamte Berntal unter Naturschutz gestellt wie bereits 1954 der Felsberg an der nördlichen Talflanke. Pflegemaßnahmen der Bad Dürkheimer Kreisgruppe der Pollichia bewirkten, dass Gebüsche zurückgedrängt wurden und die Brachevegetation durch Mahd und Beweidung sich hin zu Magerrasen entwickelte. Das Berntal wurde zum künstlichen Trockental, dessen Niederschlagswasser seit den 1980er Jahren in die Kanalisation der Landesstraße 517 Richtung Bad Dürkheim abgepumpt wird.
[Bearbeiten] Biotope
Den Rand des Berntals nach Nordwesten und Norden bildet ein natürliches Felsband aus Kalk. Daran schließt eine von tertiären Verwitterungsformen geprägte Kalkfelsplatte an. Hier sind Trockenrasen erhalten, die nach ihrem Bewuchs Kopflauch-Pfriemengras-Steppenrasen genannt werden.
Bei den Biotoptypen handelt es sich im Wesentlichen um Schlehen-Liguster-Gebüsche und ruderal geprägte Magerrasen auf ehemaligem Rebland. Auf den meisten Pflegeflächen wurden Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, bei denen es sich um alte, im Bestand bedrohte Regionalsorten handelt.
Im Naturschutzgebiet gibt es Vögel, die andernorts eher selten sind, so Zaunammer, Heidelerche und Steinschmätzer. Bei den Pflanzen fallen z. B. der Blaugrüne Faserschirm und verschiedene Orchideenarten auf. Auf dem Kalkfelsband kommt der Felsen-Goldstern (Gagea bohemica) vor, ein besonders schutzwürdiges Liliengewächs. Das Vorkommen ist insofern ungewöhnlich, als diese Art normalerweise auf kalkarmen Substraten wächst. Am südlichen Rand finden sich von Menschenhand errichtete Steinhaufen, sogenannte Pocheln.
In der Karsthöhle wurden schon etwa 20 niedere Tierarten entdeckt, die sich auf das Leben in Höhlen spezialisiert haben. Am meisten Aufsehen erregten die im Jahre 2008 aufgefundenen Exemplare der noch wenig beschriebenen[6] Weißen Höhlenassel (Trichoniscus helveticus), die ein Krebstier ist, sowie eines Doppelschwanzes, der zur Überklasse der Sechsfüßer gehört. Die Klassifizierung des Doppelschwanzes als Dilura campodea meinerti erfolgte im Herbst 2009 in der spanischen Stadt Valencia.[3] Die Weiße Höhlenassel stellte sich als Erstfund für die Region der Pfalz heraus und wurde deutschlandweit zwischen 1993 und 2008 erst in neun Höhlen festgestellt.[5]
[Bearbeiten] Weblinks
- Pollichia, Verein für Naturforschung und Landespflege: Naturschutzgebiet „Felsberg-Berntal“ (PDF; 199,3 kB)
- LANIS: Karte des Naturschutzgebiets „Felsenberg-Berntal“
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ So bezeichnet auch durch den Verein für Naturforschung und Landespflege Pollichia, Gruppe Bad Dürkheim: Naturschutzgebiet „Felsberg-Berntal“. 7. Juni 2006, abgerufen am 7. Dezember 2011 (PDF; 199,3 kB).
- ↑ Landkreis Bad Dürkheim: Rechtsverordnung über das Naturschutzgebiet „Felsenberg-Berntal“. 20. Dezember 1999, abgerufen am 7. Dezember 2011.
- ↑ a b Die Rheinpfalz: Karsthöhle als Fundgrube. Lokalausgabe Bad Dürkheimer Zeitung, 10. Februar 2010.
- ↑ a b c Eric Hass: Ein 4000 Jahre alter Knochen. In: Landkreis Bad Dürkheim (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2011. Verlag Englram Partner, Haßloch/Pfalz 2010, ISBN 978-3-926775-63-4, S. 148–157.
- ↑ a b Amtsblatt der Verbandsgemeinde Freinsheim: Erstfund in der Pfalz. Nr. 44, 13. November 2008, S. 11, abgerufen am 17. Dezember 2010.
- ↑ Erhard Fritsch, Naturkundliche Station der Stadt Linz, Österreich: Die Höhlen des Rettenbachtales bei Bad Ischl – 1. Teil. 3. April 2008, S. 6, abgerufen am 7. Dezember 2011.
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49.500648.16651Koordinaten: 49° 30′ 2″ N, 8° 9′ 59″ O