Felsrelief von İvriz

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König Warpalawas (rechts) vor Gott Tarhunzas

Das hethitische Felsrelief von İvriz befindet sich beim ehemals gleichnamigen Dorf (heute Aydınkent) etwa 17 km südöstlich von Ereğli in der Südtürkei an einer Steilwand im Quellbereich des İvriz Suyu, dessen Wasser im Bereich des Reliefs in neuerer Zeit aufgestaut wurde.

Es ist das besterhaltene der zahlreichen hethitischen Felsbilder, 4,2 mal 2,4 Meter groß und stammt aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr., der Zeit der späthethitisch-aramäischen Fürstentümer. Zu sehen ist rechts König Warpalawas von Tuwana, der mit möglicherweise zum Gruß oder zum Gebet erhobenen Händen auf einem Felsblock steht. Ihm gegenüber steht links, erheblich größer dargestellt, der Gott Tarhunzas. Er ist als Vegetationsspender zu erkennen an den reifen Getreideähren und Trauben, deren bis zu seinen Füßen reichende Halme bzw. Reben er in seinen Händen hält. Eine Sichel an seiner Hüfte signalisiert die Zeit unmittelbar vor der Ernte. Die Lage des Reliefs an der Steilwand des İvriz Suyu lässt vermuten, dass die Grundlage der dargestellten Fruchtbarkeit nicht der seltene Regen, sondern das meist ganzjährig aus dem Fels tretende Wasser ist. Daher könnte das Relief Bestandteil eines Quellheiligtums gewesen sein.[1] Vor dem Gesicht der Gottheit und hinter dem Rücken des Königs sind dreizeilige Inschriften in luwischen Hieroglyphen, auf denen die beiden Gestalten benannt werden. Eine weitere, möglicherweise zweizeilige Inschrift am Fuß der Steilwand ist weitgehend verwittert.[2]

Bei Bauarbeiten an dem Stauwehr kamen 1986 zwei weitere Funde zutage. Dabei handelt es sich zum einen um ein Fragment einer Stele des Tarhunzas, laut der Hieroglypheninschrift errichtet von Warpalawas und mit einer phönizischen Bilingue versehen, zum andern um ein Kopffragment einer überlebensgroßen Rundstatue, die vermutlich auch Tarhunzas darstellte. Die Funde geben Anlass zu der Annahme, dass sich hier ein von Warpalawas errichtetes, reich ausgestattetes Heiligtum des Tarhunzas befand.[3] Südlich des Felsreliefs befindet sich in den Bergen im Tal des Ambar Deresi, nahe der byzantinischen Klosterruine Kızlar Sarayı, ein weiteres Relief, das eine Kopie des ersten ist. Es ist nicht so gut ausgearbeitet und nie ganz fertiggestellt worden, die Hieroglyphen fehlen.[4]

37.40972222222234.1725Koordinaten: 37° 24′ 35″ N, 34° 10′ 21″ O

Reliefkarte: Türkei
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İvriz
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Türkei

Literatur[Bearbeiten]

  • Eberhard P. Rossner: Felsdenkmäler in der Türkei. Band 1: Die hethitischen Felsreliefs in der Türkei. Ein archäologischer Führer. 2., erweiterte Auflage. Rossner, München 1988, ISBN 3-924390-02-9, S. 103–115.
  • John David Hawkins: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Vol. I: Inscriptions of the Iron Age. Part 2: Text. Amuq, Aleppo, Hama, Tabal, Assur Letters, Miscellaneous, Seals, Indices. Part 3: Plates. (= Studies in Indo-European Language and Culture 8). de Gruyter, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-11-010864-X.
  • Horst Ehringhaus: Das Ende, das ein Anfang war - Felsreliefs und Felsinschriften der luwischen Staaten Kleinasiens vom 12. bis 8./7. Jahrhundert v. Chr. Nünnerich-Asmus, Mainz 2014, ISBN 978-3-943904-67-3, S. 48–61.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mustafa Şahin: Neue Beobachtungen zum Felsrelief von İvriz/Konya. Nicht in den Krieg, sondern zur Ernte: der Gott mit der Sichel. In: A. Çilingiroǧlu (Hrsg.): Proceedings of the Fourth Anatolian Iron Ages Colloquium. Held at Mersin, 19 – 23 may 1997 (= Anatolian Iron Ages 4; = Anatolian Studies 49). British Institute of Archaeology at Ankara, London 1999, S. 165–176.
  2. İvriz Monument Übersetzungen der Inschriften zitiert nach: Hawkins 2000, Part 2, S. 517, dort auch Transliteration. Siehe auch: Part 3, Taf. 292–295.
  3. Dietrich Berges, Johannes Nollé: Tyana - Archäologisch-historische Untersuchungen zum südwestlichen Kappadokien. Rudolf Habelt, Bonn 2000, ISBN 3-7749-2959-9, S. 476–474.
  4. Dietrich Berges, Johannes Nollé: Tyana - Archäologisch-historische Untersuchungen zum südwestlichen Kappadokien. Rudolf Habelt, Bonn 2000, ISBN 3-7749-2959-9, S. 101.

Weblinks[Bearbeiten]