Feminismus in Japan

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Die feministische Bewegung in Japan begann im späten 19. Jahrhundert. Zu den bedeutenden frühen Erfolgen gehört die Zulassung zur politischen Beteiligung Anfang der 1920er Jahre. Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde erst 1947 mit dem Inkrafttreten der japanischen Nachkriegsverfassung eingeführt.

Die Bewegung wird teilweise als Teil der Öffnung zum Westen nach der Meiji-Restauration 1868 angesehen. Andere sehen sowohl westliche wie traditionelle Einflüsse der Japanischen Kultur bei der japanischen Frauenbewegung.[1] Ein Unterschied besteht in der etwas geringeren Bedeutung der individuellen Autonomie.[2]

Rolle des Erdbebens 1923[Bearbeiten]

Nach dem großen Kantō-Erdbeben von 1923 schlossen sich eine Reihe von weiblichen Hilfsorganisationen zum Bund der Frauenorganisationen von Tokio (Tokyo Rengo Fujinkai) zusammen. Gegründet mit der Absicht, den Erdbebenopfern in der Region zu helfen, wurde der Bund eine der zentralen Anlaufstellen und organisatorischer Kristallisationspunkt für die japanische Frauenbewegung. Der Bund für die Verwirklichung des Frauenwahlrechts (Fujin Sanseiken Kakutoku Kisei Domei), später kurz der Frauenwahlrechtsbund (Fusen Kakutoku Domei) wurde in diesem Rahmen gegründet.

Vertreterinnen und Medien[Bearbeiten]

Zu den bekannten frühen japanischen Feministinnen gehören die Schriftstellerin und Rednerin Kishida Toshiko (1863–1901) und die Anarchistin Itō Noe (1895–1923). Raichō Hiratsuka (1886–1971 ) begründete 1919 zusammen mit Ichikawa Fusae (1893–1981) die Shin Fujin Kyokai (Vereinigung der neuen Frau). Die Dichterin Yosano Akiko (1878–1942) zählte zu ihren Mitstreiterinnen. Shidzue Katō (1897-2001) war Mitglied der Japanischen Sozialisten und eine der ersten weiblichen Parlamentsabgeordneten.

Eine wichtige Rolle spielten Anfang des 20. Jahrhunderts Literaturzeitschriften wie Seito (Blaustrumpf), Fujin Koron und Shufu No Tomo, die sowohl klassisch bildungsbürgerliche Interessen wie sonst wenig erwähnte kontroverse Themen wie Abtreibung und Sexualität abdeckten.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Es gibt bedeutende Geschlechtsunterschiede im gesprochenen Japanischen. Das Wort onnarashii (女らしい), das gewöhnlich mit „fraulich“ oder „feminin“ übersetzt wird, bezieht sich auf das typischerweise von einer japanischen Frau erwartete Verhalten und den Sprachstil. Otokorashii (男らしい) bedeutet „männlich“ oder „maskulin“ zu sein. Einige Merkmale der Frauensprache sind eine hohe Stimmlage, häufigerer Gebrauch von Höflichkeitsformen und der Gebrauch „typisch weiblicher“ Wörter. Im Japanischen wird die spezifische Art des Sprachgebrauches weiblicher Sprecher auch als onna kotoba (女言葉, „Frauenworte“) oder joseigo (女性語, „Frauensprache“) bezeichnet. Allgemein hat die soziale und hierarchische Stellung von Sprechern eine erhebliche Auswirkung auf die Sprachstrukturen im Japanischen.

Japan weist die niedrigste Verbrechensrate im Bereich sexueller Gewaltdelikte aller Industrienationen auf[3]. Dennoch sind Zugwaggons nur für Frauen als Reaktion auf das in Japan verbreitete Chikan und Einsatz gegen andere sexistische Aktivitäten ein Thema.

Hauptartikel: Demographie Japans

Gleichzeitig ist die Beteiligung von Frauen in der Arbeitswelt deutlich geringer als in anderen Industriestaaten. Mit der geringen Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsmöglichkeiten gehen sehr niedrige Geburtenraten einher. Japan weist weltweit die höchste Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Molony, Barbara. "Women’s Rights, Feminism, and Suffrage in Japan, 1870-1925". The Pacific Historical Review, Vol. 69, No. 4, Woman Suffrage: The View from the Pacific. (Nov., 2000), S. 640.
  2. Buckley, Sandra. Broken Silences: Voices of Japanese Feminism. University of California Press, 1997. Page 63.
  3. Vgl. hierzu Milton Diamond und Ayako Uchiyama in „Pornography, Rape and Sex Crimes in Japan“ (International Journal of Law and Psychiatry 22(1): 1–22. 1999) online unter „Pornography, Rape and Sex Crimes in Japan“

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilse Lenz und Michiko Mae (Hrsg.): Die Frauenbewegung in Japan. Wiesbaden 2010, ISBN 978-3531147307
  • Ilse Lenz und Michiko Mae: Bilder, Wirklichkeit, Zukunftsentwürfe. Geschlechterverhältnisse in Japan. Düsseldorfer Schriftenreihe Geschlechterforschung zu Japan, Düsseldorf 1996