Fenchel

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Dieser Artikel behandelt die Pflanze, zu weiteren Bedeutungen siehe Fenchel (Begriffsklärung).
Fenchel
Fenchel (Foeniculum vulgare)

Fenchel (Foeniculum vulgare)

Systematik
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Apieae
Gattung: Foeniculum
Art: Fenchel
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Foeniculum
Mill.
Wissenschaftlicher Name der Art
Foeniculum vulgare
(L.) Mill.
Wildwachsender Fenchel (Foeniculum vulgare), Habitus.
Fenchel (Foeniculum vulgare), Blütenstand.

Der Fenchel (Foeniculum vulgare) ist die einzige Pflanzenart der Gattung Foeniculum innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Es ist eine heute weltweit verbreitete Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze. Eine alte deutsche Bezeichnung für mehrere würzige Doldenblütler ist Köppernickel.

Fenchel wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2009 gekürt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Beim Fenchel handelt es sich um eine zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 40 bis 200 cm erreicht und würzig (anisähnlich) riecht. Der stielrunde Stängel ist kahl und bläulich bereift. Die Pflanze bildet mit ihren Speicherblättern knollenähnliche Zwiebeln. Die zwei- bis dreifach gefiederten Laubblätter sind haarförmig geschlitzt. Die Blattstiele besitzen 2 bis 2,5 cm lange, kapuzenförmig geformte Blattscheiden. Die Blattstiele der unteren Blätter sind 5 bis 15 cm lang.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die doppeldoldigen Blütenstände weisen einen Durchmesser von 5 bis 9 cm auf und enthalten an 2 bis 25 cm langen Stängeln sechs bis 29 (selten bis zu 40) Döldchen. Die Döldchen enthalten 14 bis 39 kleine Blüten. Hüllen und Hüllchen sind keine vorhanden. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig. Der Kelch besteht aus hinfälligen Kelchzähnen. Die verkehrt-eiförmigen Kronblätter sind gelb. Es gibt nur einen Kreis mit fünf freien, fertilen Staubblättern. Der Griffel ist sehr kurz.

Die kleinen Früchte sind mehr oder weniger zylindrisch und nicht geflügelt mit fünf charakteristischen, breiten, stumpfen Rippen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.

Systematik[Bearbeiten]

Vom Echten Fenchel oder Garten-Fenchel gibt es drei Varietäten:[1]

  • Gemüsefenchel, Knollen- oder Zwiebelfenchel (Foeniculum vulgare Mill. var. azoricum (Mill.) Thell.)
  • Gewürzfenchel oder Süßfenchel (Foeniculum vulgare var. dulce (Mill.) Thell.)
  • Wilder Fenchel oder Bitterfenchel (Foeniculum vulgare var. vulgare)

Die Varietäten unterscheiden sich in ihrer Verwendung und Wuchs.

Nutzung[Bearbeiten]

Anbau und Ernte[Bearbeiten]

Fenchel ist eine alte, ursprünglich mediterrane Kulturpflanze, die in Mitteleuropa gelegentlich verwildert. Sie benötigt einen wärmebegünstigten Standort mit mäßig trockenem, nährstoff- und basenreichem Lehm- oder Lössboden. Beispielsweise werden Schuttunkrautgesellschaften, halbruderale Magerrasen und Weinbergsränder besiedelt. Fenchel ist in Deutschland zwischen Juni und September erntefrisch erhältlich.[2]

Krankheiten und Schädlinge[Bearbeiten]

Pilz-Krankheiten: Cercosporidium-Flecken (Cercosporidium punctum), Echter Mehltau (Erysiphe umbelliferarum), Phytophthora syringae, Sclerotinia-Fäule (Sclerotinia minor und S. sclerotiorum).[3]

Schädlinge: Blattläuse, Nematoden, Schnecken, Thripse.

Viren: Bedeutende sind nicht bekannt. Fenchel wird jedoch als Pflanze in Versuchen oft als Wirt für Tests mit Viren verwendet.[3]

Bakterien: Erwinia-Fäule (Erwinia carotovora) und Pseudomonas-Fäule (Pseudomonas syringae).

Physiologische Schäden: Randen (braune Ränder) der verdickten Blätter, Frost, Schossen (vorzeitige Blütenbildung).

Verwendung[Bearbeiten]

Fenchelknollen

Küche[Bearbeiten]

Weiterverarbeitet und genossen werden einerseits die Knollen (v. a. in Salaten, Gemüsegerichten und als Beilage zu gedünsteten Fischgerichten), andererseits die Samen, die mit dem Anis vergleichbar sind. Letztere werden manchmal als Gewürz in Schwarzbrot mitgebacken oder zu einem Tee aufgegossen, der beruhigend bei Magen- und Darmbeschwerden, wie beispielsweise Völlegefühl, wirkt. Fencheltee gehört neben Pfefferminz- und Kamillentee zu den meistgeschätzten Kräutertees.[4] Oft wird er als Mischung in Kombination mit Anis und Kümmel angeboten. Neben Verdauungsbeschwerden können die in den Früchten enthaltenen ätherischen Öle durch ihre antibakterielle Eigenschaft auch Atemwegsbeschwerden lindern.[5]

Fenchel gehört traditionsgemäß zu Fisch. Gegrillter Seebarsch und Rote Seebarbe werden auf getrocknetem Fenchel flambiert. Er wird Saucen und Hackfleisch beigemischt. Fein gehackte Fenchelblätter nimmt man in geringer Menge zum Würzen von Suppen, Salaten, Mayonnaisen und für die „Sauce vinaigrette“. Die Genfer Longeole wird traditionell mit Fenchelsamen aromatisiert.

Mukhwas: Fenchelsamen mit Zuckermantel als Bestandteil einer indischen Gewürzmischung zur Munderfrischung

Auch in der indischen Küche sind Fenchelsamen sehr beliebt und verbreitet. Sie sind Bestandteil von Gewürzmischungen (Panch Phoron) und werden häufig nach dem Essen – sowohl mit als auch ohne Zuckerummantelung – als Munderfrischer gegessen.

Auch die Pollen des Fenchels können als Gewürz verwendet werden, sie sind sehr aromatisch und schmecken süß. Aufgrund der aufwändigen Produktion ist das Gewürz vergleichsweise teuer, zudem werden die Pollen nur in geringen Mengen geerntet. Fenchelpollen werden auch als „Gewürz der Engel“ bezeichnet.

Fenchel findet darüber hinaus auch in einigen Spirituosen Verwendung. Häufig dient er dabei zur geschmacklichen Abrundung eines Getränkes, das als einen der Hauptbestandteile Anis (oder Sternanis) enthält, z. B. Absinth oder Pastis.

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten]

Fenchel findet in der Medizin als Hustenmittel, als Karminativum sowie als Beruhigungsmittel Verwendung.[6]

Lagerung[Bearbeiten]

Knollenfenchel wird am besten bei 0 bis 5 °C und einer Luftfeuchte von 90 bis 95 % zum Beispiel im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Fenchel enthält ätherische Öle (Frucht: trans-Anethol, Fenchon, α-Pinen, Camphen, Myrcen, α- und β-Phellandren, α-Terpinen, cis-Anethol, Limonen, Terpinolen, Estragol, p-Cymol; Kraut: α-Phellandren, α-Pinen, cis-Anethol, Myristicin, α-Terpinen, Limonen; Wurzel: Dillapiol, Myrcen, α- und β-Pinen, α- und β-Phellandren, α- und β-Terpinen, Myristicin, cis-Ocimen, Anethol), Kieselsäure, Mineralsalze, Stärke, Vitamin A, B und C. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze (Blätter) pro 100 g Frischegewicht beträgt 247,3 mg. [7] Fenchelhonig wird als traditionelles Hausmittel bei Erkältungen und bei Störungen des Magen-Darmtraktes eingesetzt.

Wasser Kalium Calcium Magnesium Vitamin C Folsäure Energiewert
Inhaltsstoffe in 100 g Fenchel (roh)[8] 86 g 494 mg 109 mg 49 mg 93 mg vgl. Text 100 µg 101 kJ (24 kcal)
Prozent der empfohlenen Tagesdosis (RDA) 24,7 % 13,6 % 13,1 % 116,3 % 50 %

In Fencheltee können die Stoffe Methyleugenol und Estragol nachgewiesen werden. Tierversuche haben gezeigt, dass von diesen beiden Stoffen ein Krebsrisiko ausgeht, weswegen das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Empfehlung verfasst hat, dass die Konzentration der beiden Stoffe so gering wie möglich sein soll. Dieser Empfehlung hat sich auch der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU angeschlossen. Die Situation ist insbesondere deshalb problematisch, da Fencheltee oft von Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern in nicht geringen Mengen konsumiert wird.[9]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Hethiter verwendeten Fenchel (ZÁ.AḪ.LI oder marašanha) in einem Ritual, in dem zerstörte feindliche Städte verflucht wurden.[10]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Zander: Handwörterbuch der Pflanzennamen, 14. Auflage, 1993, S. 278+279, ISBN 3-8001-5063-8.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSaisonkalender für Gemüse. In: regional-saisonal.de. Abgerufen am 23. Juli 2011.
  3. a b C.-M. Messiaen, D. Blancard, F. Rouxel u. R Lafon, Les maladies des plantes maraîchères, 3ème édition, INRA Paris, 1991, S. 340+341, ISBN 2-7380-0286-2.
  4. Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee; Marktreport: Kräuter- und Früchtetees mit Absatzrekord in 2010
  5. WICHTL, Max (Ed.): Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage, 2009, 5. Aufl., Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
  6. M. Pahlow: Heilpflanzen, Gräfe und Unzer, München, 1989, S.136
  7. http://www.heilpflanzen-suchmaschine.de/fenchel/fenchel_inhalt.shtml.
  8. Souci.Fachmann. Kraut, 1994.
  9. http://www.bfr.bund.de/cm/343/gehalte_an_methyleugenol_und_estragol_in_teeaehnlichen_erzeugnissen.pdf
  10. S. P. B. Durnford and J. R. Akeroyd, Anatolian marashanha and the Many Uses of Fennel. Anatolian Studies 55, 2005, 1-13.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fenchel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Fenchel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen