Fendi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das italienische Modeunternehmen. Zum österreichischen Maler, Zeichner und Kupferstecher siehe Peter Fendi.
Fendi S.r.l.
Logo
Rechtsform Ableger von LVMH
Gründung 1925 von Adele Casagrande
Sitz Rom
Branche Luxusgüter
Website www.fendi.com

Fendi ist ein besonders für seine Handtaschen und Lederwaren international bekanntes italienisches Modeunternehmen. Fendi wurde 1925 als Geschäft für Pelze und Leder in Rom etabliert und ist heute eine weltweit renommierte Marke für Luxusgüter unter dem Dach des LVMH-Konzerns.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die Geschichte des Modehauses begann 1918 mit der Eröffnung eines Geschäfts für Pelze und Lederwaren in der Via del Plebiscito in Rom durch Adele Casagrande (1897-1978). Nach der Heirat Casagrandes mit Edoardo Fendi (1904-1960) im Jahr 1925 trafen die Eheleute die Entscheidung, das Unternehmen in Fendi umzubenennen. Das Geschäft florierte und einige Jahre später, 1932, wurde ein neues Ladengeschäft in der Via Piave eröffnet. Das Ehepaar Fendi hatte fünf Töchter: Paola (* 1931), Anna (* 1931), Franca (* 1935), Carla (* 1937) und Alda (* 1940), die nach dem Zweiten Weltkrieg allesamt in den elterlichen Betrieb einstiegen. 1955 veranstaltete Fendi die erste Pelz- und Lederwaren-Modenschau. 1964 erbte jede der Fendi-Töchter 20 % am elterlichen Unternehmen und sorgte fortan für einen eigenen Geschäftsbereich: Paola kümmerte sich um die Pelzkollektion, Anna um Lederwaren und Accessoires, Alda war für den Vertrieb zuständig, Franca für Werbung und die Kundenbeziehungen, und Carla Fendi koordinierte die Geschäftsführung.

Karl Lagerfeld[Bearbeiten]

Im Jahre 1965 verpflichteten die Fendi-Schwestern erstmals den deutschen Modeschöpfer Karl Lagerfeld als Designer, der zu der Zeit ein aufsteigender Stern am Pariser Modehimmel war und für Fendi das weltweit bekannte, umgekehrte FF-Logo (das sog. „Doppel-F“-Symbol bzw. „Zucca“-Logo) kreierte. Das Logo entwickelte sich schnell zu einem internationalen Status-Symbol und findet sich auf einer Vielzahl von Fendi-Produkten wie Handtaschen, Brieftaschen und Reisegepäck, aber auch auf Kleidungsstücken. Lagerfeld ist bis heute bei Fendi als Modedesigner beschäftigt. Im Jahr 1969 präsentierte Fendi erstmals eine Pelz-Kollektion im Palazzo Pitti in Florenz. Diese Stücke der von Hand gearbeiteten „Haute Fourrure“ (dt. „Gehobene Pelzmode“, in Anlehnung an Haute Couture) waren allerdings so teuer, dass die Fendi-Schwestern entschieden, im selben Jahr eine eigene Ready-to-wear-Kollektion für Pelzmode zu kreieren. 1977 wurde die Fendi-Damenmode lanciert, welche in Folge um Accessoires und Parfums ergänzt wurde. Seit 1990 bietet Fendi auch Herrenmode an.

Krisenzeiten[Bearbeiten]

Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre geriet das Haus Fendi in eine Krise. Die Pelzkollektion entsprach nicht mehr der damaligen politischen Korrektheit, das Image des Hauses wurde durch unzählige Fälschungen der Produkte stark beschädigt, die Umsätze brachen ein. In Folge wurde das Konfektionskleidungs-Segment ausgebaut. Die von Silvia Fendi (* 4. August 1960), Tochter von Anna Fendi, 1987 lancierte jugendliche Zweitkollektion Fendissime für Damen wurde erweitert. Unter Silvias Führung wurde die komplett handgefertigte Selleria (dt. Sattlerwaren) Lederwaren-Kollektion - ursprünglich von Adele Fendi lanciert und später vernachlässigt - wieder ins Leben gerufen. Die von Silvia 1999 entworfene Baguette-Handtasche wurde zum Synonym der Marke Fendi. Weitere Verkaufsschlager sind die von ihr designten Handtaschenmodelle Spy Bag (2005) und B Fendi Bag (2006). Die Fendi Casa Heimartikel- und Möbelkollektion wurde 1989 erschaffen.

LVMH[Bearbeiten]

Schaufenster einer Fendi-Boutique in Hongkong

Im Jahr 1999 verkauften die Fendi-Schwestern 51 % des Unternehmens für geschätzte 850 Millionen US-Dollar zu gleichen Teilen an den französischen Luxusgüterkonzern LVMH und das italienische Modeunternehmen Prada.[2] Ende 2001 übernahm LVMH den Anteil von Prada für 295 Mio. Euro und kaufte ab Mitte 2002 bis 2007 die verbleibenden Anteile der Fendi-Familienmitglieder, zuletzt die von Carla Fendi.[3] Der Umsatz lag 2001 bei 265 Mio. Euro, wovon 60 % durch Lederwaren generiert worden waren. Mit der Übernahme durch LVMH begannen umfangreiche Investitionen in das Unternehmen, vergebene Lizenzen wurden zurückgeholt, das Schuh-Segment wurde ausgebaut und die weltweite Expansion vorangetrieben. Dazu wurden in den folgenden Jahren unter anderem in London, Paris, New York City, Beverly Hills, Honolulu, Moskau, Dubai, Tokio, Ōsaka, Hongkong (2x) und Shanghai luxuriöse Fendi-Boutiquen als Aushängeschilder eröffnet

Fendi heute[Bearbeiten]

2005 wurde der Palazzo Fendi (ehemals Palazzo Boncompagni) in Rom am Largo Goldoni Platz eingeweiht, in dem die Firmen-Zentrale sowie ein Fendi-Flagshipstore untergebracht sind. Ende 2007 zeigte Fendi, im Zuge der Expansion auf dem chinesischen Markt und als erstes Modeunternehmen überhaupt, auf der Chinesischen Mauer eine Modenschau (Frühjahrs-Damenmodekollektion 2008), die geschätzte 10 Mio. Dollar gekostet haben soll. Ende 2011 gab es allein in der Volksrepublik 20 Fendi-Ladengeschäfte. 2008 wurde die Fendi-Boutique auf der Pariser Edel-Modemeile Avenue Montaigne eröffnet. 2010 kam mit Fendi Junior eine als Lizenz vergebene Kinderkollektion zum Portfolio hinzu, nachdem zuvor bereits eine Babykollektion angeboten worden war.

Der Chefdesigner der Fendi-Damenlinie ist bis heute Karl Lagerfeld. Silvia Fendi ist Co-Designerin der Damenlinie, seit 1994 Chefdesignerin für Accessoires und Lederwaren sowie seit 2004 Designerin der Fendi-Herrenkollektion. Der CEO und Geschäftsführer von Fendi ist seit 2004 der von Bernard Arnault eingesetzte Michael Burke.

Portfolio[Bearbeiten]

Prêt-à-porter[Bearbeiten]

Das Haus Fendi bietet für Damen und Herren je eine hochpreisige Konfektions-Kollektion unter dem Namen Fendi an, welche beide bei den jeweils zweimal jährlich stattfindenden Mailänder Modewochen der internationalen Fachpresse präsentiert werden und über die Fendi-Boutiquen und den gehobenen Fachhandel vertrieben werden. Zusätzlich gibt es je eine Accessoires-Linie für Damen (Taschen, Kleinlederwaren, Gürtel, Schuhe, Brillen, Uhren und Foulards) und Herren (Taschen, Geldbörsen, Gürtel, Brillen, Uhren und Krawatten).

Die „junge“ Linie von Fendi, Fendissime (vergleichbar mit Miu Miu von Prada), wurde 1987 von Silvia kreiert. Ende 2001 beschloss das Unternehmen, die Linie vom Markt zu nehmen, um sich auf die Kernmarke zu konzentrieren.

Pelze[Bearbeiten]

Fendis international renommierte Linie für Pelze unterscheidet die Marke von der Konkurrenz und zählt zu den wenigen Anbietern einer großen Auswahl an Pelzen. Naomi Campbell verlor ihre Position als Sprecherin von PETA, nachdem sie sich 1997 auf einer Fendi Modenschau im Pelz gezeigt hatte.

Fendi Casa[Bearbeiten]

Bei Fendi Casa werden Alltagsgegenstände mit dem Stil von Fendi neuinterpretiert. Vom Bett oder Sofa bis zum Kronleuchter ist alles erhältlich.

Parfüm[Bearbeiten]

Fendi lancierte das erste Parfüm, Fendi for Women, im Jahr 1985. Später kamen u.a. noch die Damenparfums Asja (1992), Fantasia (1996), Theorema (1998) und Celebration (2004), sowie die Herrenparfums Fendi Uomo (1988), Life Essence (1996) und Theorema Uomo (2001) hinzu. Nach der Übernahme durch LVMH wurden bis 2005 alle bis dahin von YSL Beauté produzierten Düfte vom Markt genommen. LVMH lancierte 2007 den Duft Fendi Palazzo, dessen Flasche die Fassade des Palazzo Fendi in Rom zierte, stoppte das Produkt allerdings 18 Monate später wegen unzufriedenstellender Verkaufszahlen. Mit Fan di Fendi (Damen) kehrte Fendi 2010 auf den Parfüm-Markt zurück; das gleichnamige Pendant für Herren wurde 2012 lanciert. Mitte 2013 wurde Fendi L'aquarossa für Damen präsentiert.

Brillen, Uhren und Schreibgeräte[Bearbeiten]

Die Brillen-Linie enthält Korrektur- und Sonnenbrillen. Fendi verkauft zudem seit den späten 1980ern über eine Lizenzfirma Uhren. Von 1989 bis 2000 bot Fendi zudem über eine Lizenzfirma exklusive Schreibgeräte an, dieser Vertrag wurde aber nicht verlängert.

Produktfälschung[Bearbeiten]

Besonders die das Doppel-F-Logo zierenden Fendi-Handtaschen werden massenweise gefälscht und auf dem Schwarzmarkt angeboten. Im Juni 2006 wurde Wal-Mart in den USA beschuldigt in den firmeneigenen „Sam's-Club“-Geschäften gefälschte Fendi-Handtaschen, -Geldbeutel und -Schals zu verkaufen. Der Fall wurde im Juni 2007 per Vergleich entschieden, als sich Wal-Mart entschloss, Fendi eine ungenannte Summe für die Aufhebung der Anklage zu zahlen.

Boutiquen[Bearbeiten]

Fendi-Boutique in Hongkong

Zum Stand 2011 unterhielt Fendi auf allen Kontinenten (außer Antarktika) insgesamt um die 200 Boutiquen. Damit betrieb Fendi im Vergleich aller LVMH-Marken nach der Marke Louis Vuitton (ca. 460 Boutiquen, Stand 2012) die meisten Geschäfte. Fendi war zudem nach Louis Vuitton die umsatzstärkste Modemarke von LVMH. Die größte Anzahl von Fendi-Geschäften ist in Asien zu finden, gefolgt von Europa und danach Nordamerika.

Drei Fendi-Boutiquen befinden sich als Shop-in-Shop in Deutschland:

Film[Bearbeiten]

  • Fendi ... vor der Show. Dokumentarfilm, Frankreich, 2009, 52 Min., Buch und Regie: Loïc Prigent, Produktion: arte France, Sundance Channel, Deralf, Story Box Press, Erstsendung: 14. Januar 2010 bei arte, Inhaltsangabe und Video-Ausschnitt von arte.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fendi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. LVMH companies and brands: Fendi, lvmh.com, abgerufen: 21. Mai 2011
  2. Textilwirtschaft: LVMH-Prada übernehmen Fendi (14. Oktober 1999)
  3. Textilwirtschaft: LVMH erhöht Fendi-Anteile (9. Juli 2002)